Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die WM in Katar, das Bürgergeld, das Arbeitspensum von Politikern und der ukrainekrieg – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 47/2022

Absurde Situation

Heft 46/2022 Titel: Katar & Co. – Die unheimliche Geldmacht 

  • Wer gedacht hatte, nach der offensichtlich korruptionsschwangeren Ära von Sepp Blatter würde unter Gianni Infantino eine neue, »saubere« Zeitrechnung beginnen, muss bitter enttäuscht sein. Gianni Infantino hat sich von der katarischen Herrscherfamilie auf Gedeih und Verderb für deren Zwecke einkaufen lassen. Für den Fußballfan gibt es eigentlich nur eine Wahl: Die WM findet ohne ihn statt, denn Autokraten können Niederlagen – zum Beispiel schwache Einschaltquoten – nicht vertragen.
    Dieter Obst, Wiesbaden

  • Seit über zehn Jahren war klar, dass diese WM in einem autokratischen Wüstenstaat stattfinden würde, in dem es im Sommer zu heiß ist, weswegen man das Ganze in den Herbst verlegt hat. Dieses Fußball-Großereignis nun zu boykottieren, sprich nicht anzusehen, wäre auch ein Schlag ins Gesicht aller Fußballspieler, die für diesen fragwürdigen Austragungsort überhaupt nichts können.
    Manfred Radina, Schweinfurt

  • Manches an den Verhältnissen in Katar ist unhaltbar und kritikwürdig. Doch die Vergabe der Weltmeisterschaft erfolgte nicht gestern, sondern 2010. Ein wenig pharisäerhaft, die Tonlage in manchen Milieus und den Medien. Das wusste man längst. Auch aus der Politik war außer zaghafter Kritik an den Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen kaum etwas zu hören. Dass der superreiche Zwergstaat kein Hort der Demokratie ist, war ebenfalls nichts Neues. Nun, kurz vor Anpfiff, den moralischen Weltmeister zu markieren, zeugt nicht gerade von Glaubwürdigkeit.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Ein interessanter Artikel. Es ist schon eine absurde Situation: die momentanen Konflikte decken auf, dass gerade die Globalisierung, also ein Effekt, der Menschen und Handel global zusammenführen sollte, kausal für wirtschaftliche Abhängigkeiten ist und sich ausgerechnet die Länder, in denen demokratische Strukturen und Menschenrechte einen hohen Stellenwert besitzen, als ungesunde Pragmatiker herausstellen, wenn es um Versorgungssicherheit geht. Prinzipien werden haufenweise über Bord geworfen, und der Zweck heiligt die Mittel. Verrückt. Fast wünscht man sich eine Zeitmaschine, um herauszufinden, wie künftige Generationen dieses Zeitalter einmal werten werden.
    Stefan Harden, Duisburg

  • In den Golfstaaten schafft man es kaum, das reichlich vorhandene Geld aus fossiler Energie zu investieren. Währenddessen geben europäische Regierungen ihr Geld für einen Preisdeckel auf diese Energie aus – für die Zukunft der Wüstenstaaten statt für ihre eigene.
    Hans Neubig, Goldkronach (Bayern)

Auf Krawall gebürstet

Heft 45/2022 Ex-Außenminister Sigmar Gabriel bittet um Nachsicht für WM-Gastgeber Katar 

  • Hat Sigmar Gabriel noch irgendein politisches Amt? Dieser Mann war der bedeutungsloseste Au­ßenminister Deutschlands, nur knapp ein Jahr, lang ist es her. Warum gibt man diesem Mann heute noch eine Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern? Wen interessiert dieser alte Putin-Versteher und Schröder-Freund überhaupt noch? Junge Leserinnen und Leser bestimmt nicht. Gabriel sucht sehnsüchtig die öffentliche Beachtung, um weiter Aufsichtsratspöstchen zu sammeln. Der SPIEGEL sollte diesem alten weißen Mann von vorgestern kein Forum mehr bieten.
    Andreas Fred Wilkes, Berlin

  • Man muss kein Gabriel-Fan sein, um das von Veit Medick mit ihm geführte Interview als in Ton und Inhalt unsäglich arrogant zu empfinden. Geradezu empörend die Einlassung Herrn Medicks, dass »bei uns« nie Homosexuelle umgebracht worden seien. Hat er tatsächlich nie etwas von den im Konzentrationslager Buchenwald Inhaftierten gehört? Alle sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen – vor allem in Deutschland – aus heutiger Sicht zu werten, ist naiv und völlig unangemessen. Veit Medicks Bemerkung von »ein paar hinterwäldlerischen Jahrzehnten in der alten Bundesrepublik« ist üble Polemik. Bewundernswert die nachsichtigen und geduldigen Antworten Gabriels gegenüber einem, warum auch immer, auf Krawall gebürsteten SPIEGEL-Journalisten.
    Oskar Plank, Stuttgart

  • Es ist schon große Klasse, wie Sigmar Gabriel Fehlurteile und Negativkritik des SPIEGEL über Katar zum größten Teil mit Fakten entkräftet. Der SPIEGEL wie auch andere Medien blenden die positiven Entwicklungen des Landes im Bereich der Menschenrechte und des Arbeitsrechts aus. Katars weltpolitische und wirtschaftliche Bedeutung wird oft wissentlich verdrängt. Der SPIEGEL hat in Sigmar Gabriel einen Meister der argumentativen Rhetorik gefunden, der keine seiner Grundsätze und Einschätzungen aufgeben musste.
    Klaus Coen, Unna (NRW)

  • Eigentlich war ich nie ein Fan von Sigmar Gabriel. Aber ich bewundere ihn dafür, dass er dieses unsägliche Interview bis zum Ende ertragen hat.
    Klaus Bodmann, Hannover

  • Wir haben doch wahrlich genug Probleme und Baustellen auf der Welt. Braucht es dann wirklich noch zusätzlich die anbiedernden Einlassungen des Katar-Cheflobbyisten Gabriel?
    Klaus Kroek, Coburg

Ein Neidartikel

Heft 46/2022 Leitartikel: Das neue Bürgergeld für Arbeitslose ist ein Fehler der Ampelregierung 

  • Nach dem Leitartikel war ich geneigt, die Ausgabe im Papiermüll zu versenken, wenn nicht eine einzige Zeitschrift ein Vielfaches dessen kosten würde, was Empfängern der Grundsicherung monatlich für Bildung zugestanden wird. Er ist eine Verhöhnung von Armut, ganz im Stil der CDU, die eine Lösung mitnichten in besseren Löhnen oder einer anderen Steuerpolitik sieht. Das geplante Bürgergeld mag nicht der ganz große Wurf sein, aber immerhin versucht man, sinnvoller zu handeln als bislang.
    Bettina Broermann, Quakenbrück (Nieders.)

  • Ja, es gibt Schmarotzer, die auf Kosten der Allgemeinheit leben. Kein System hat es bisher geschafft, dieses Phänomen auszurotten. Stattdessen haben die Versuche dazu regelmäßig die bedürftigen Menschen gedemütigt. Und das soll wirklich so weitergehen? Der Wunsch der Menschen nach gesellschaftlicher Teilhabe und sozialem Status ist ein Grundbedürfnis. Dies anzuerkennen und Menschen einfach zu helfen wäre nicht nur sozial und christlich – wenn Sie schon die Bibel bemühen müssen –, es wä­re zugleich der effizienteste Weg, unser Bruttosozialprodukt zu steigern: Es würde nicht nur Arbeitslose mit weniger Aufwand wieder in Lohn und Brot bringen, sondern auch das Heer der mit der Macht der Sanktionen Ausgestatteten in den Jobcentern für produktive Arbeit frei machen.
    Michael Janßen, Gettorf (Schl.-Holst.)

  • In der bisherigen Diskussion über das Bürgergeld wird völlig außer Acht gelassen, dass diesem in der Regel das Arbeitslosengeld I (ALG I) vorangeht, die Leistungsbezieher also vorher schon Zeit hatten, sich mit Unterstützung der Arbeitsagentur um einen Arbeitsplatz zu bemühen. Und sollten keine Anwartschaftszeiten für das ALG I vorliegen, dann hat die Erwerbstätigkeitsvita erhebliche Lücken. Für Schonvermögen und -fristen fehlt mir jegliches Verständnis, besonders in Zeiten eines eklatanten Personalmangels und angesichts der vielen Bürger, die sich nicht zu schade sind, für den Mindestlohn zu arbeiten.
    Ingrid Rill-Schelenz, Marl (NRW)

  • Man traut seinen Augen nicht: Der SPIEGEL ruft auf Merz-, Söder- und AfD-Niveau zum Sozialneid gegen Arbeitslose auf. Als Beispiel herhalten muss ausgerechnet ein kinderloses Paar, das sich einen bescheidenen Wohlstand und eine Altersvorsorge erarbeitet hat. Also genau die Menschen, die ihr Leben lang das Sozialsystem mit ihren Steuern und Beiträgen finanziert haben, denn ohne Erbschaft und Börsenzocken dauert das ein paar Jährchen. Wenn solche Menschen mit Mitte, Ende fünfzig plötzlich beide den Arbeitsplatz verlieren, wird es verdammt schwer, gleich wieder etwas zu finden. Für den Autor Ihres Neid-, pardon: Leitartikels stehen sie allerdings unter Generalverdacht und müssen gleich mit Sanktionen zum Arbeiten angehalten werden. Aber nein, sie bekommen ja eh keinen Cent, denn erst mal sollen sie gefälligst ihre Altersvorsorge aufbrauchen. Eine merkwürdige Vorstellung von Respekt vor der Arbeit.
    Alexander Abadschieff, Neckarbischofsheim (Bad.-Württ.)

  • Alexander Neubacher sieht im geplanten Bürgergeld eine Verhöhnung der Arbeit. Laut dem Deutschen Institut für Altersvorsorge werden in Deutschland bis 2024 3,1 Billionen Euro vererbt, für die Erben null Leistung erbracht haben. Hier scheinen Maßstäbe völlig außer Kontrolle zu geraten. Eine vernünftige Vermögenssteuer ist in Deutschland mehr als überfällig, um der obszönen Vermögensschieflage endlich zu Leibe zu rücken.
    Wolfgang Gerhards, Berlin

  • Ernsthaft? Ein Aufruf, Leute verhungern zu lassen, die keine Lust auf Jobs haben, in denen das gesellschaftliche Elend der Wohlstandsgesellschaft gepflegt wird? Arme putzen Reichen das Klo, das war schon immer so, damit diese mehr Zeit haben, sich um ihr Kapital zu kümmern.
    Ute Hallaschka, Balduinstein (Rhld.-Pf.)

  • Die FDP, die sich als Partei der LeistungsträgerInnen versteht, ignoriert offensichtlich die Gefahr, dass sich ihr freier Fall in der Wählergunst durch die Einführung des Bürgergeldes weiter beschleunigen dürfte. Den Grünen als im Kern bürgerliche Partei scheint in dieser Frage der politische Kompass abhandengekommen zu sein. Die SPD verarbeitet anscheinend ihr politisches Hartz-IV-Trauma und hängt dem Irrglauben nach, durch das Bürgergeld WählerInnen zurückgewinnen zu können. Insgesamt ist das Bürgergeld in der geplanten Form ein partei-, finanz-, arbeitsmarkt- und vor allem gesellschaftspolitischer Irrweg. Bleibt die Hoffnung, dass der Vermittlungsausschuss noch den richtigen Ausweg findet.
    Michael Strobel, Berlin

  • Nicht das Bürgergeld ist die Verhöhnung der Arbeit, sondern die Bezahlung der Arbeit! Es ist eine Schande für Deutschland, dass Millionen bei voller Berufstätigkeit auf Sozialhilfe angewiesen sind.
    Dieter Kutzer, Birenbach (Bad.-Württ.)

Resilienz und Wohlergehen

Heft 45/2022 Wie die Politik mit dem brutalen Arbeitspensum der Dauerkrise umgeht 

  • Sie glauben doch nicht wirklich, dass die gut abgesicherten Bundestagsabgeordneten auch nur einen Hauch Mitleid bekommen für eine angebliche Überlastung. Mit angenehmem Krankengeld im fünfstelligen Bereich. Was glaube Sie, was in der Wirtschaft da draußen täglich los ist? Meinen Sie, ein Malermeister, Dachdecker, Maurer, Arzt oder sonst jemand macht krank wegen Überlastung?
    Volker Storcks, Meimersdorf (Schl.-Holst.)

  • Als Bürger zolle ich allen Politikern und deren Mitarbeitern in den unterschiedlichsten Funktionen Respekt dafür, dass sie unser Land, ja, unsere Demokratie, mit einem unglaublichen Engagement durch die Krisen unserer Zeit leiten. Dass dies nicht immer perfekt gelingt, ist menschlich, und sachliche Kritik daran angebracht. Aber genau das ist das Problem: Wenn man als Repräsentant des Staates keine Schwäche mehr zeigen darf – wer soll denn dann zukünftig noch die Bereitschaft aufbringen, für unsere Demokratie zu kämpfen und für ihre Werte einzustehen? Denn nie war es in der jüngeren bundesdeutschen Geschichte schwieriger für Politiker, sich an die sich rasant verändernde Realität anzupassen und durchdachte Entscheidungen zu treffen. Ich wünsche allen Verantwortlichen die notwendige Resilienz und gesundheitliches Wohlergehen.
    Klaus Wiegers, Marsberg (NRW)

Unfassbar!

Heft 45/2022 Sabine Rennefanz streitet mit ihrem Mann über den Krieg 

  • Deutsche Friedensfreunde, da­runter auch die AfD und die Linke, verlangen wie Sabine Rennefanz eine diplomatische Lösung des Krieges. Wie soll diese aussehen? Putin wird die von ihm eroberten Territorien niemals wieder herausgeben, weil an diesem »Sieg« sein Überleben hängt. Der Westen wird, des Konflikts müde, die Ukraine drängen, einem »fairen Kompromiss« zuzustimmen, also auf einen Teil ihres Staatsgebiets zu verzichten. Die Botschaft an die Welt lautete dann: Eine imperiale Großmacht überfällt einen Nachbarstaat und bekommt als Belohnung für die Bereitschaft, Frieden zu schließen, einen Teil der Beute. Das internationale Völkerrecht wäre Makulatur.
    Rainer Werner, Berlin

  • Frau Rennefanz scheint einen sehr vernünftigen Ehemann zu haben. Auch ich habe leider ostdeutsche Wurzeln, sehe mich aber seit je als Norddeutscher. Diese Verklärung der sogenannten DDR, die Verharmlosung der Diktatur ödet mich einfach nur an. Wer von den Ukrainern verlangt, sich zu ergeben, damit wir hier unsere Ruhe haben, ist nicht nur naiv, sondern auch egoistisch und empathielos.
    Ralf Ansorge, Rostock

  • Ein Satz ist dann doch entlarvend und beantwortet die Frage aus der Überschrift, »Wer ist hier indoktriniert?«: »wenn ich darauf hinweise, dass die Amerikaner wirtschaftlich von den Folgen des Krieges profitieren.« Im Klartext: die Amerikaner wünschen sich diesen Krieg und seine Fortsetzung. Unfassbar! Allein der Gedanke zeigt, wes Geistes Kind die Autorin ist.
    Karl Giebeler, Blaustein (Bad.-Württ.)

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