Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Die Nordkoreanisierung Russlands
Heft 20/2023 Titel: Putins Schergen
Verantwortlich für die Verbrechen dieser Schlächtertruppe ist der russische Präsident. Danke für die Eindeutigkeit der Abbildung auf dem Titelblatt.
Uwe Tünnermann, Lemgo
Wagner-Chef Prigoschin handelt mit Inhaftierten wie mit seelenlosen Waren und verdient daran, Menschen in den Tod zu schicken. Das ist ebenso pervers wie der gesamte Krieg.
Dirk Wetzel, Guntersblum (Rhld.-Pf.)
Die friedliebende russische Regierung mit ihrer friedliebenden Bevölkerung überfällt brutal einen Nachbarn. Mordet, vergewaltigt, foltert, deportiert und zerstört, was sie erreichen kann, mit dem Ziel, dass die Überlebenden dieses Massakers dann genauso friedliebend werden wie Russland. Woran wir auch glauben, es schütze uns vor dieser Friedensliebe.
Heinz Année, Grevenbroich (NRW)Welcher Staat sieht sich in seiner Existenz bedroht, begeistert sich an Militärparaden, droht mit dem Einsatz von Atomwaffen, beschallt seine Bürger ununterbrochen mit Staatspropaganda und ist für sein wirtschaftliches Überleben auf das Wohlwollen Chinas angewiesen? Bis vor Kurzem gab es auf diese Fragen nur eine Antwort: Nordkorea. Mittlerweile treffen die genannten Kriterien auch auf Russland zu. In seinem ideologischen Wahn träumt Putin vom Aufstieg Russlands zu einer globalen Macht und bedient sich dazu skrupelloser Verbrecher vom Schlage eines Prigoschin. In der Realität betreibt Putin die Nordkoreanisierung Russlands.
Roland Sommer, Diedorf (Bayern)Als eingefleischter Sympathisant der »Europäischen Idee« verfolge ich das schwierige Verhältnis zu Russland, in welchem sich seit geraumer Zeit eine große Gefahr für den Weltfrieden zusammenbraut. Es ist beängstigend, mit welch ungeheurer diplomatischer Fantasielosigkeit die handelnden politischen Akteure ihr Handwerk versehen. Es wird eine Zeit nach Putin geben – und daher vermisse ich seitens des Westens eine strategische Weitsicht. Wie soll das Russland aussehen, mit dem Europa nach Putin wieder zusammenarbeiten würde? Die russische Elite und auch eine nachrückende junge Generation brauchen Antworten auf die Fragen, ob ihnen beispielsweise das »europäische Haus« weiterhin offensteht und wie sie sich eine Zukunft ohne Putin vorstellen sollen. Es fehlt ein klares Signal, dass Europa noch einen Unterschied macht zwischen Putin und denjenigen in Russland, die sehen, dass sich ihr Staat in eine ganz falsche, fatale Richtung bewegt.
Hans-Jürgen Ferdinand, Aachen
Mitnichten eine Staatsaffäre
Mit gewissem Vorbehalt habe ich den Leitartikel von Alexander Neubacher gelesen, in der Erwartung: Grünen-Bashing, wie gehabt. Doch schweren Herzens muss ich mich seiner Kritik anschließen. Fairerweise erwähnt der Autor, dass sich die anderen Parteien kaum ernsthaft systematisch um das Menschheitsthema Klimakrise gekümmert haben – und diesbezüglich nicht über entsprechende Expertise verfügen, ein Grund für die engen personellen Verflechtungen in der etablierten Ökoszene.
Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)Gut und schön, der Sachverhalt stimmt, der Leitartikel hat also seine Berechtigung. Nur: In Wirtschaft und Vereinen bis hin zur Gesellschaft nennt man so etwas Netzwerk. Allein die Aufregung der CSU ist so scheinheilig, da man so etwas dort schon immer Politik genannt hat. Das entschuldigt nichts – doch eine Staatsaffäre ist es mitnichten.
Kurt Stehmeyer, Konstanz (Bad.-Württ.)Der Tenor und die Schlussfolgerungen Ihres Leitartikels sind für mich nicht nachvollziehbar, da die Vorwürfe diffus bleiben und die Historie nicht ausreichend betrachtet wird. Ich verstehe, dass die Berufung von Michael Schäfer als Dena-Chef ein Problem darstellt. Wenn aber Patrick Graichens Schwester und Bruder bereits seit Jahren in anderen Instituten in ihren Positionen arbeiten und Graichen dann als Staatssekretär berufen wird, kann man meiner Ansicht nach nicht von »grünem Filz« sprechen. Das war ja wohl kaum so geplant, oder? Daneben schreiben Sie allgemein von den familiären Verbindungen, aber ob diese in der Praxis irgendeine Auswirkung haben, bleibt bisher Spekulation.
Frank Best, Konstanz (Bad.-Württ.)Dieser Leitartikel rüttelt an Wirtschaftsminister Habeck, als ob der Autor ihn weghaben wollte. Er hätte auch gut in der Springer-Presse erscheinen können, so deutlich grünen-feindlich ist er. Dass in einer Regierung oder den einzelnen Ministerien Gleichgesinnte zusammenkommen, ist wohl verständlich und notwendig, auch wenn es Verwandte sein können. Die Dringlichkeit des Klimaschutzes scheint noch nicht überall kapiert worden zu sein. Sollte man nicht froh sein, dass dieses Ministerium so agil ist, wo es sich doch für unser aller Wohl einsetzt gegen den kleinlichen Egoismus?
Antoine Pfister, Füssen (Bayern)Vielleicht können die Grünen Umweltschutz, aber von politischem Anstand, dem Umgang mit Geld und von den Sorgen der Bürger haben sie keine Ahnung. Und dazu ein SPD-Kanzler, der wie unbeteiligt zuschaut. Man hat sich in seiner Berliner Politblase eingerichtet, so lange, bis die AfD-Umfragewerte durch die Decke gehen.
Rüdiger Lüttge, Gielsdorf (Brandenb.)Hochmut kommt vor dem Fall. Die anderen Player sind vermutlich auch nicht viel besser – doch wer in erhabener, besserwisserischer Attitüde stets die Welt erklären will, darf sich über den Spott einer arg bodenständigen (Amigo-)Affäre nicht wundern.
Christoph Schönberger, AachenAls Mitentscheider in einem Bewerbungsverfahren seinen Trauzeugen auszuwählen, ist auch aus meiner Sicht nicht in Ordnung, egal aus welchen Gründen dies geschah. Ansonsten finde ich die Bewertung des Vorgangs um Patrick Graichen allerdings ziemlich seltsam. Wir sollten doch zunächst einmal froh sein, dass es offenbar hochgebildete und engagierte Familien in Deutschland gibt, die sich gemeinsam für unser aller Wohl, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, einsetzen – egal ob in politischen Parteien oder in gemeinnützigen Institutionen wie dem Öko-Institut.
Dr. Franz Thoren, Renningen (Bad.-Württ.)Sie schreiben selbst, dass die Besetzung des Dena-Chefpostens »rechtlich einwandfrei« ablief. Patrick Graichen hat einen politischen Fehler gemacht, indem er sich nicht aus der Berufungskommission zurückzog. Das wurde eingesehen, und man war dabei, den Fehler zu korrigieren. An dieser Stelle muss der Artikel enden. Alle anderen Dinge, die Sie vortragen, sind Nachweise, dass Herr Graichen genau die Arbeit tat, für die er eingestellt wurde: Energie- und Wärmewende managen, Wasserstoffwirtschaft dahin lenken, wo sie sinnvoll ist, Atomausstieg pragmatisch durchsetzen. Diese Fakten sollten in neutralem Ton und nicht in dieser furchtbar näselnden Anklage vorgebracht werden. Ihre herbeigeschriebene Affäre existiert nicht.
Matthias Heindorf, Allschwil (Schweiz)Die Grünen glauben, die Moral und das Besserwissen gepachtet zu haben. Sie machen scheinbar alles richtig und klug und freuen sich, dass bisher die SPD mit Scholz das mediale Dauerfeuer abbekam. Nun haben die Vetternwirtschaft, der Filz und der Dilettantismus auch die Grünen erreicht. Der moralische Nimbus der Weltverbesserer und (Selbst-)Gerechten ist schwer angeschlagen. Willkommen im Klub der politischen Normalos.
Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)
Vertrauen statt Schlucken
Ein derart tendenziöser, fast reißerischer Aufmacher wie zu diesem Artikel ist eines Magazins, das als seriös angesehen werden möchte, unwürdig. Das hat nichts mit Journalismus zu tun, es ist reine und plumpe Meinungsmache. Ich schreibe dies, ohne selbst ein Anhänger der Homöopathie zu sein.
Paul Pape-Senner, Herzogenrath (NRW)Immer wieder werden Beispiele schlechter Homöopath:innen und das Fehlverhalten Einzelner im SPIEGEL herangezogen, um die Homöopathie an sich zu verunglimpfen. Man gibt schließlich auch nicht der Chirurgie die Schuld dafür, dass Knieoperationen immer wieder überflüssigerweise zum Geldverdienen durchgeführt werden und die dabei entstandenen gesundheitlichen Schäden teilweise erheblich sind. Seriöse Homöopath:innen arbeiten mit der Schulmedizin zusammen, nicht gegen sie. Einmal mehr kommt in einem Artikel zum Thema nicht eine einzige Frau zu Wort, die gute Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht hat, nicht einer einzigen Hebamme wird die Gelegenheit gegeben zu erklären, wann und warum sie homöopathische Mittel einsetzt.
Isa Baumgart, HamburgDass in einem Land, das zu Recht stolz auf seine Wissenschaft ist, selbst an Universitätskliniken Globuli immer noch aus Gewohnheit und ohne gute Aufklärung eingesetzt werden, ist ein Skandal. Patient:innen haben ein Recht auf wirksame Mittel. Und auch wenn bewusst der Placeboeffekt genutzt werden soll, dürfen Patient:innen nicht getäuscht werden.
Dr. Joseph Kuhn, Dachau (Bayern)Als Hausarzt habe ich manchmal auch mit homöopathischen Globuli gearbeitet. Es ist eine reine Placebo-Therapie. Die Patienten führen die Besserung ihrer Leiden dann aber leider auf das homöopathische Mittel zurück statt auf ihre Selbstheilungskräfte. Besser ist in bestimmten Fällen, ganz ohne Medikamente zu arbeiten. Die Besserung erfolgt dann auch durch die Selbstheilungskräfte, und die Patienten werden gestärkt in ihrem Glauben an diese. Am schlechtesten ist mit konventionellen Medikamenten der »Schulmedizin« zu arbeiten bei Fällen, die keine Medikamente brauchen. Das erfolgt leider sehr oft. Nicht nur glauben die Patienten dann, die Schulmedizin habe sie geheilt, sondern sie setzen sich auch noch der Gefahr von Nebenwirkungen aus. Von den Kosten der unnötigen Medikamente ganz zu schweigen.
Dr. med. Dieter Wettig, Facharzt für Allgemeinmedizin, BerlinNach 45 Jahren ausschließlich homöopathischer erfolgreicher Behandlung im Krankheitsfall – von Rückenschmerzen bis angehender Lungenentzündung – ist es mir völlig egal, ob es Placebos waren, die mir geholfen haben. Vielleicht sollte der SPIEGEL eher die Chemiecocktails der Lebensmittelindustrie kritisieren.
Claudia Gräff, Saarlouis (Saarl.)Das letzte Zitat von Kinderarzt Jakob Maske spricht mir aus der Seele: »… ich brauche in dem Fall einfach gar kein Medikament.« Viele können es nicht ertragen, einfach nichts zu nehmen oder sich nur zu schonen. Ich bin selbst Apothekerin, und spätestens in dem Moment, als ich im Studium im Labor stand und die Potenzierung einer Lösung, mit der dann Globuli benetzt wurden, durchführte, habe ich den Glauben an die Homöopathie verloren. Meine Mutter hatte mich als Kind immer wieder mit Globuli behandelt. Ich fand die Kügelchen damals einfach lecker. Heute sehe ich es sehr kritisch, wenn dem Kind bei jeder Kleinigkeit oder zur Bewältigung des Schulstresses oder einer Prüfungssituation etwas zur Einnahme angeboten wird, damit es besser durch die Situation kommt. Aus suchtpräventiver Sicht sollten Kinder in ihrem Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeiten bestärkt werden – statt zu lernen, dass man etwas schlucken muss, um durchs Leben zu kommen.
Nina Kirchdorfer, Spraitbach (Bad.-Württ.)
Palmer und die Grünen
Heft 19/2023 Der gesunde Menschenverstand – Die Tragik des Boris P.
Hut ab! Ich habe weltweit noch keinen Politiker erlebt, der eine missglückte Wortwahl sogleich zurückzog und im gleichen Atemzug eine Psychotherapie ankündigte.
Dr. Thomas Müller, Überlingen (Bad.-Württ.)
Das Pflege-Fiasko
Heft 19/2023 Hunderte Pflegeheime stehen vor der Pleite
Es ist zum Verzweifeln, dass die Politik nicht den Mumm hat, einen Systemwechsel einzuläuten, mit der Erkenntnis: Sozialarbeit jeglicher Art ist staatliche Aufgabe und kein kapitalträchtiges Marktangebot!
Dr. Brigitte McManama, Hamburg
Vorabdruck aus dem Buch von Ex-»Bild«-Chef Dieckmann
Heft 19/2023 Die Affäre Christian Wulff – Auszug aus den Memoiren von Ex-»Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann
Muss sich der SPIEGEL nun auch noch zum Erfüllungsgehilfen des windigen, memorierenden Ex-Bild-Chefredakteurs Diekmann instrumentalisieren lassen?
Karl-Heinz Groth, Goosefeld (Schl.-Holst.)
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