Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Warum nicht »Verteidigungsfähig«?
Heft 14/2025 Titel: Kriegstüchtig?
Der mediale und politische Hype um die Kriegstüchtigkeit ist vollkommen unverständlich. Er nutzt nur wenigen Großaktionären der boomenden Rüstungsindustrie. Vergessen werden soll die wirkliche Gefahr. Die Klimaforscher warnen: Durch das Abschmelzen der Eisschichten wird der Meeresspiegel um bis zu 85 Meter steigen. Europa, Asien, die Vereinigten Staaten von Amerika müssen sich keine Gedanken wegen Putin mehr machen. Die Niederlande, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, England und andere benötigen kein Militär mehr. Die Billionen Euro/US-Dollar/Rubel zum gegenseitigen Töten kann man sich sparen, das regelt das Klima um die Jahrhundertwende.
Peter Manzke, KölnSollte das nicht besser heißen verteidigungstüchtig und/oder wehrtüchtig? Ich will keinen Krieg und auch keine Kriegsvorbereitungen. Sorry.
Ruth Freter, Linköping (Schweden)Ich bin jetzt 73 Jahre alt, also Jahrgang 1951, und habe in meinem ganzen Leben noch nie solch eine kurzfristige Veränderung unserer Gesellschaft, unserer Umgebung und unserer Welt gesehen. Ich kann mir vorstellen, dass viele unserer Mitbürger sich gar nicht ausmalen können, wie unsicher die derzeitige Lage in Deutschland und Europa ist. Ich würde meinen Kindern und Enkeln lieber eine Demokratie hinterlassen, wie ich sie in meinem Leben erlebt habe, auch wenn sie selbst angegriffen wurde. Aber die Gesellschaft hat es nicht zugelassen, dass die Demokratie etwas einbüßte, sondern sie ist in der Vergangenheit, bis vor ein paar Jahren, innerlich gestärkt gewachsen. Rechtsgerichtete Versuche gab es auch früher, aber der AfD ist es gelungen, große Teile der Gesellschaft in ihr Denken und Handeln einzubeziehen. Und das macht mir Angst. Ich hoffe, dass die Bürger unseres Landes in der Lage sind, die Situation, wie wir sie heute haben und wie sie sich entwickeln kann, richtig einzuschätzen, damit es möglich ist, die Demokratie, die wir leben wollen, auch beizubehalten.
Klaus Moldenhauer, Datteln (NRW)Völlig losgelöst von allen ökonomischen Erfordernissen drehen jetzt alle durch. 800 Milliarden in Waffen sollen investiert werden, und dann? Diese Vorgehensweise halte ich für vollkommen absurd. Denn offensichtlich hat von denen, nämlich den Anzug- und Kostümträgern, die nicht nur an den Geldtöpfen, sondern im Ernstfall warm und trocken im geschützten Raum sitzen, noch niemand darüber nachgedacht, dass man auch Menschen dazu benötigt, um diese Kriegsmaschinerie in Gang zu halten. Wo sollen die denn herkommen? Aufrüstung muss nicht zuletzt in den Köpfen stattfinden. Eine Nation muss auch geistig bereit sein, Krieg führen zu wollen, und um diese Notwendigkeit zu akzeptieren, bedarf es mehr als schöner Reden aus Brüssel.
Werner Häusler, BochumAktive Friedensarbeit ist in Zeiten zunehmender Spannungen, insbesondere im Hinblick auf die Beziehungen zu Russland, von entscheidender Bedeutung. In einer Welt, die von Unsicherheiten und Konflikten geprägt ist, bietet der Dialog eine essenzielle Möglichkeit, Missverständnisse abzubauen und verletzliche Beziehungen zu stärken. Durch aktive Friedensarbeit können wir Brücken bauen, statt Mauern zu errichten. Die Fähigkeit, respektvolle Gespräche zu führen und einander zuzuhören, hilft, Vorurteile abzubauen und das Vertrauen zurückzugewinnen. Gerade in einer Zeit, in der aggressive Rhetorik und militärische Strategien dominieren, sollten wir uns darauf konzentrieren, Friedensinitiativen zu fördern, die nicht nur auf politische Lösungen abzielen, sondern auch die humanitären Aspekte in den Vordergrund stellen. Nur so können wir die Herausforderungen der gegenwärtigen Spannungen überwinden und eine harmonische Zukunft für alle gestalten.
Sönke C. Weiss, DortmundSchafft Sprache Wirklichkeit? Kriegstüchtig – das Titelbild sagt alles: Hier werden von Politik und der vierten Staatsgewalt medienwirksam Wege in Richtung Angst und Krieg beschritten. Verteidigungsfähig wirkt deeskalierend, scheint aber nicht genug zu sein. Eine Beendigung des sprachlichen und bildlichen Wettrüstens ist der Anfang für einen sachlichen und angstfreien Diskurs in unserer Gesellschaft.
Ingrid Rill-Schelenz, Marl (NRW)Mich irritieren in letzter Zeit zunehmend einige Ihrer Titelbilder. In der Ausgabe 14 wird Friedrich Merz als entschlossen wirkender Mann mit heruntergezogenen Mundwinkeln neben Ursula von der Leyen – beide in Uniform – dargestellt, darunter der Titel: »Kriegstüchtig?« Die Macht der Bilder hat wohl auch der SPIEGEL erkannt. Aber warum diese Kombination? Es suggeriert eine Intention, die gewiss bei Herrn Merz nicht vorliegt, nämlich kriegstüchtig zu werden. Warum nicht das Wort »Verteidigungsfähig«, das dem Ansinnen und der politischen Realität wohl viel eher entspricht. Man kann über Herrn Merz denken, was man will, aber gerade in diesen politisch unruhigen Zeiten sollte auch kritischer Journalismus darauf achten, einer Regierung den ohnehin schwierigen Start nicht zusätzlich durch Titelbilder zu erschweren, die vorwiegend negative Emotionen wecken.
Dr. Ulrich Albert, Simmerath (NRW)Europa hat nicht mal eben eine neue Gier nach Waffen entwickelt. »Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.«
Helmut Glanzer, Oppenheim (Rhld.-Pf.)Seit über 50 Jahren lese ich nun den SPIEGEL, vor allem auch wegen der SPIEGEL-immanenten Kriegsskepsis an allen Fronten. Was mir schon seit längerer Zeit auffällt, ist die offensichtliche Zeitenwende auch im SPIEGEL. Zuerst werden die Waffenlieferungen an die Ukraine als alternativlos dargestellt, dann wird die weitgehende Militarisierung Deutschlands/Europas als unbedingtes Muss dargestellt. Wo bleibt die Ausgewogenheit, wo bleibt die journalistische Skepsis?
Josef Thier, Friedrichsdorf (Hessen)
Höchste Zeit zu handeln
Heft 13/2025 Leitartikel: Donald Trump läutet weltweit ein Zeitalter der Schamlosigkeit ein
Die Geschichte lehrt uns, dass Freiheit und Demokratie nie selbstverständlich waren, sondern unser Engagement und unsere Wachsamkeit erfordern. Es ist höchste Zeit zu handeln. Wir sollten: die demokratischen Institutionen, die Legislative und die Medien stärken; Putin- und Trump-freundliche Parteien bekämpfen und notfalls verbieten; in Bildung und Aufklärung investieren, weil eine gut informierte Bevölkerung weniger anfällig für Propaganda und Manipulation ist; gemeinsam mit benachbarten Demokratien durch Sanktionen und diplomatische Isolierung Druck auf Diktaturen ausüben; die technologische Sicherheit als Schutz vor Cyberangriffen und Desinformation stärken; Solidarität mit Dissidenten üben und nach Jahren fahrlässiger Schlamperei eine schlagkräftige Landesverteidigung aufbauen. Natürlich belasten wir mit dem sogenannten Sondervermögen die kommenden Generationen – aber nur so wird es diese überhaupt geben können.
Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)Wir müssen leider feststellen: Die Autokraten dieser Welt sind auf dem Vormarsch. Erdoğan war es bereits vor der Verhaftung des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten İmamoğlu – und wurde aufgrund des Flüchtlingsdeals von der EU in Ruhe gelassen. In Ungarn gibt es einen Herrn Orbán, dessen Land trotz fortgesetzter Verstöße gegen wesentliche demokratische Werte noch immer Mitglied der EU ist. Und in den USA ist Herr Trump gerade dabei, eine Diktatur zu errichten. Wir erleben eine Zeitenwende ganz eigener Art. Diejenigen, denen die Demokratie lieb und teuer ist, müssen jetzt aufwachen und solche Machenschaften kompromisslos bekämpfen.
Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)Ich unterstreiche diesen Leitartikel inhaltlich in allen Punkten, doch seine Überschrift ist mir zu pauschal. Ich sehe uns nicht im Zeitalter der Schamlosigkeit – auch nicht in der Politik. Vielmehr sind wir der zunehmenden Gefahr schamlos regierender alter Männer ausgesetzt, die ihre Befriedigung im Leben ganz offensichtlich nur noch aus einem ziehen: ihrer Macht. Eigentlich sind es traurige Gestalten der Spezies Mensch – aber solche, die kein Mitleid verdienen, sondern denen rechtzeitig eine Altersgrenze für Regierungsverantwortung hätte gesetzt werden müssen. Es ist an der Zeit, diese »Notbremse« künftig zu ziehen.
Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)
Ein Paradebeispiel
Heft 13/2025 Wie Außenministerin Baerbock sich einen Posten in New York sicherte
Mit großem Erstaunen habe ich Ihren Artikel über Annalena Baerbocks neues Amt gelesen. Die Wortwahl – »so sicherte sich Baerbock ihren Posten«, »Baerbock fuhr die Ellenbogen aus« – suggeriert, dass ihre Karriere nur durch taktisches Geschick und rücksichtsloses Vorgehen möglich war. Besonders irritierend ist die Betonung darauf, dass ihre Kinder mit nach New York kommen. Haben Sie jemals einen Artikel über einen männlichen Politiker verfasst, in dem thematisiert wurde, was mit seinen Kindern geschieht, wenn er ein Amt übernimmt? Oder ob er »Ellenbogen ausgefahren« hat, um dorthin zu gelangen? Diese Darstellung reproduziert ein überholtes Klischee: Frauen, die erfolgreich sind, müssen ihre Karriere angeblich »erkämpfen« und dabei auf unfaire Mittel zurückgreifen. Es ist bedauerlich, dass eine solch einseitige und stereotype Darstellung in Ihrem Artikel zu finden ist. Frau Baerbock hat sich ihre Position durch Leistung verdient – genauso wie ihre männlichen Kollegen.
Silke Aswald, BremenEin tolles Paradebeispiel, wie man Politikverdrossenheit fördert.
Heinz Urbanski, Langenfeld (NRW)
Führt zu Disparitäten
Heft 13/2025 Wenn Privatversicherte schlechter dran sind als Kassenpatienten
Im Vergleich zur privaten Krankenversicherung erfolgt die Finanzierung der Leistungen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung nach dem Umlage- und Solidarprinzip. Die Gewährung von Leistungen unterliegt glücklicherweise nicht den Renditeerwartungen. Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung führt zwangsläufig zu Disparitäten, wenn es um die Gesundheitsvorsorge und Pflege geht. Daraus folgt für mich, dass eine Bürgerversicherung der einzige Weg ist, um die sprichwörtlichen Schiefstände im Gesundheitsbereich zu beheben oder zumindest zu vermeiden. Schließlich stellt die Gesundheitsvorsorge ein öffentliches Gut dar, das Renditeerwartungen nicht untergeordnet werden darf.
Uwe Müller, StuttgartWo ist das Problem? Diese Menschen möchten nicht für die Kosten der Kassenpatienten aufkommen und lassen sich als »Risiko« versichern, weil sie ja fitter und gesünder sind als die gesetzlich Versicherten. Und dann wundern sie sich, wenn sie doch krank werden und so behandelt werden, wie es vereinbart war – als Risiko für die privaten Krankenkassen. Als sie die Versicherung abgeschlossen haben, wussten sie, worauf sie sich einließen. Es ist doch gut, wenn auch die Privatpatienten die negativen Folgen der unsolidarischen Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland am eigenen Leib zu spüren bekommen.
Dr. Eberhard Fritz, Altshausen (Bad.-Württ.)Ihr Bericht über die privaten Krankenversicherungen ist einseitig. Sie schildern einen negativen Fall über eine Versicherung. Es gibt aber rund 40 private Krankenversicherungen – mit 8,7 Millionen vollversicherten Kunden. Das spricht nicht für eine generelle Betrugsbranche. Patienten sind grundsätzlich gehalten, den medizinischen Kostenvoranschlag erst der Versicherung vorzulegen. Dann bleibt man nicht auf den Kosten unnötiger oder überteuerter Behandlungen sitzen. Der Bericht ist wohl als Werbung für die GKV zu verstehen.
Brigitte Zander, Dießen (Bayern)
»Grundschulkindern ein Smartphone zu schenken, müsste bestraft werden«
Heft 13/2025 Eine Schulleiterin erklärt, wie bedroht Kinder in der digitalen Welt sind
Solange die digitalen Möglichkeiten unkontrolliert und anonym genutzt werden können, wird weiterhin vieles – und nicht nur bei Kindern – brutal aus dem Ruder laufen.
Katja Mackens-Hassler, Hamburg
Ein Land im Sturzflug
Heft 13/2025 Der Betrug der norwegischen Skispringer erschüttert die Wintersportnation
Den Beitrag zum norwegischen Skispringerskandal finde ich großartig – besonders, wie hier die Geschichte des Sports, Hintergründe und aktuelle Ereignisse zu einem informativen Gesamtbild zusammengefügt werden.
Claudia Kugelmann, Seefeld-Hechendorf (Bayern)
»Patienten haben selbst eine Verantwortung dafür, was mit ihnen gemacht wird«
Heft 13/2025 SPIEGEL Gespräch mit der Ethikerin Alena Buyx über selbstbestimmtes Sterben
Ich danke der Redaktion für diesen Artikel, der mich in meiner Sicht bestärkt: Vor dem Tod muss ich keine Angst haben, wohl aber vor dem Sterben.
Hans Neubig, Goldkronach (Bayern)
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