Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Tourismus in den USA, Leitartikel über ein von Ängsten gelähmtes Land und ein Interview mit Joschka Fischer – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 26/2025

Derzeit lassen wir das besser

Heft 25/2025 Titel: Will man da noch hin? 

  • Tourismus ist ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor, und meine Entscheidung für einen Urlaubsort hängt schon sehr lange auch mit der poli­tischen Lage in dem jeweiligen Land zusammen. Was ändert das, wenn du nicht dort Urlaub machst? Das haben mich schon viele Freunde gefragt. Nichts, wenn nur ich es bin. Wenn es alle so halten, möglicherweise viel. Wir Konsumenten haben Macht – nutzen wir sie!
    Andrea Tiedemann, Garbsen (Nieders.)

  • Warum nicht? Hatte es eigentlich für Mai geplant, musste es aus privaten Gründen verschieben. Meine Freunde in den USA (alles andere als Trump-Fans) freuen sich und ermutigen mich. Was soll dieses ganze negative USA-Framing, nur weil dieser Prolet Trump im Weißen Haus sitzt … Als würde man nach Somalia oder Nordkorea oder in meine »gute alte DDR« reisen. Geht’s noch?
    Torsten Heinze, Schwarzatal (Thür.), via SPIEGEL Debatte

  • Ein langjähriger, inzwischen ehemaliger US-Freund aus Hawaii hatte uns angeboten, sieben Tage kostenlos in seiner Gästewohnung zu logieren. Eine Woche Hawaii für lau – wann hat man das schon? Leider hatte der Mann sich inzwischen zum Hardcore-MAGA-Trump-Fan ent­wickelt. Die Folge: Wir wurden Tag und Nacht per Mail und Chat zugespamt mit wirren Hassbotschaften gegen Biden, Clinton, Obama, Merkel und den Rest der Welt. Unsere Bitte, damit auf­zuhören, spornte ihn nur zu weiterem geistigem Sondermüll an. Eines Tages reichte es uns; wir blockierten den Typen und änderten unsere Reisepläne. Die Kanaren sind auch wunderschön.
    Albrecht Piper, Berlin

  • 1943 in Berlin geboren, sah ich in den Amerikanern, die uns halfen, stets Helden. Wegen Familie und Firma konnte ich viele Jahre nicht dorthin reisen. Als Rentner wollte ich bald hin – aber ein Nachfolge-Deutscher versaut alles. Ich lebe in Faßberg – hier erinnert ein Luftbrücken-Denkmal mit Rosinenbomber daran, dass von hier aus Berlin versorgt wurde. Während einer Feier habe ich mich bei einem 95-jährigen Bomberpiloten bedankt. Er hat vor Glück geweint – und ich mit ihm. Wenn er heute noch lebt, wird er wohl wieder weinen. Aus einem anderen Grund.
    Wolfgang Märten, Faßberg (Nieders.)

  • Ich war berufsbedingt gerade dort, und auch die nächste Reise ist absehbar. Die USA sind ein geteiltes Land. Neben der einen Hälfte gibt es aber auch die andere: Menschen, auf die man hoffen kann und die wir nicht alleinlassen sollten. Sie benötigen auch Rückhalt in der Welt hier drau­ßen. Das Land fasziniert mich nach wie vor. Umso schmerz­licher empfinde ich, was dort gerade passiert.
    Dr. Volker Ahrens, Elmshorn (Schl.-Holst.), via SPIEGEL Debatte

  • Das neueste Nahost-Bombing war nicht losgebrochen, als der SPIEGEL diesen Titel plante. »Will man da noch hin?« – gilt wohl nicht nur für die USA. Aliens würden sich das fragen, käme die Erde in Sicht. Und natürlich wegbleiben.
    Peter Limburg, Kersch (Rhld.-Pf.)

  • Wir waren noch niemals in New York, gingen nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans. Derzeit lassen wir das besser. Eher sollten uns Theodor Storms Gedicht über seine »graue Stadt am Meer« oder Reinhard Meys Lieder über Berlin einfallen. Auch unsere Heimat wäre eine Reise wert, ganz ohne Passkontrolle und stundenlange Schikanen!
    Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)

Wie viel Angst darf es sein?

Heft 24/2025 Leitartikel: Das Gerede von der letzten Chance ist schädlich für die Demokratie 

  • Danke für die Analyse – hervorragend. Ich darf ergänzen. Politiker mit geringer Problemlösungskompetenz neigen zu ritualisiertem Gegnerschaftsverhalten. In ihrer Hilflosigkeit übertragen sie die eigenen Verlustängste auf das Wahlvolk.
    Hans Werner, Duisburg

  • Melanie Amann gibt die Sozialpsychologin und diagnostiziert: »Angst muss uns unsere eigene Angst machen.« Dieser Diagnose geht es wie vielen Diagnosen in der Psychologie: Sie sind oft ungenau. Dass Menschen Angst haben, muss uns eher Sorgen bereiten, anstatt diese zu relativieren. Dann kommt hinzu, dass Angst ein gesundes Gefühl sein kann, das uns auf mögliche Gefahren hinweist. Amann träumt, wenn sie meint, dass es die AfD 2029 nur auf 9,9 Prozent bringen könnte. Sie sollte diesbezüglich mehr Angst haben.
    Dr. Lothar Schattenburg, Bad Neustadt (Bayern)

  • Geschätzte Frau Amann, meinen Sie wirklich, dass ein Ruhe bewahrendes »Schönreden« – so verstehe ich Ihre Kritik – hilfreich ist? Angesichts der wachsenden Bedrohung der Demokratie in vielen (noch) demokratischen Staaten Europas und weltweit scheint mir das fraglich. Ich halte es seitens aller Demokratiefreunde für dringend geboten, die Menschen im Land wachzurütteln, und das funktioniert eben nicht ohne eine gewisse »Angstmache« davor, dass schon bald Schluss sein könnte mit unserer Demokratie, die Meinungsfreiheit, breiten Wohlstand und größtmögliche persönliche Entfaltung garantiert. Das ist auch im Journalismus legitim und Alltag! Sie sind doch nun wirklich zu klug, um hierzulande »die blaue Bedrohung« zu verkennen; also schreiben Sie die bitte nicht klein!
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

Nicht jedermanns Sache

Heft 24/2025 Kolumne: Die da unten 

  • Als ich Studentin war, sind wir mal zu viert für drei Wochen
    mit einem Wohnmobil in Italien herumgefahren. An diese Reise erinnere ich mich heute noch gern. Mittlerweile hat uns das Alter eingeholt: Mit Bewegungseinschränkungen macht Urlaub in einem engen Gefährt, in dem man über Stufen hinein- und herumkrabbeln muss, keinen Spaß mehr.
    Barbara Neumann, Glauchau (Sachsen), via SPIEGEL Debatte

  • Manchmal muss man leider akzeptieren, dass es Gründe hat, warum Träume auch Träume bleiben sollten. Wir hatten mit dem Gedanken gespielt, ein Wohnmobil zu kaufen und Gott sei Dank erst mal eins gemietet. Seitdem weiß ich: Size matters, und ein Frischwasservorrat kann nicht groß genug sein, gerade dann, wenn man eben nicht auf Campingplätze will. Geplant waren 14 Tage Deutschland. Wir waren zu viert: mein Mann, zwei Hunde und ich. Wir hatten einen 6,8 Meter langen Frankia, und es war an allen Ecken und Enden zu klein! Im Bad musste man rückwärts einparken, das Hubbett erinnerte uns mit 1,40 Breite an unsere Studententage usw. Nach fünf Tagen stand für mich fest: Ich bringe sie alle um, nur über die Reihenfolge habe ich noch gegrübelt. Seitdem habe ich höchsten Respekt für alle, die wirklich mit einem Bully oder Camper klarkommen! Und ja, auch wir werden es noch einmal versuchen, aber, Asche auf mein Haupt, dann wird es eher ein Glamper.
    Tanja Kilger, Berlin, via SPIEGEL Debatte

Ultimativer Beleg einer Veränderung

Heft 24/2025 Ex-Außenminister Joschka Fischer über die Kriegsangst der Deutschen 

  • Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Europa die Heimat des wohlwollenden Pazifismus. »Nie wieder Krieg« war der Slogan einer deutschen Regierung nach der anderen, einer Generation von Deutschen nach der anderen. Das Dogma war bequem, solange Russland schwach war und die USA Europas Sicherheit garantierten. Dann kam die russische Invasion in der Ukraine, gefolgt von der zweiten Trump-Präsidentschaft. Für den ehemaligen Pazifisten Joschka Fischer be­deutet dies zwei Dinge: die Wiederaufrüstung Deutschlands und die Rückkehr zum Wehrdienst. Friedensgewohnte Generationen in Deutschland vom Griff zu den Waffen zu überzeugen, wird nicht leicht.
    Gary Ianziti, Brisbane (Australien)

  • Jetzt hat Joschka Fischer, »einst einer der obersten Pazifisten des Landes«, auch die Seiten gewechselt... Wäre nicht eine andere Strategie Erfolg versprechender: ein Exempel statuieren? Nämlich: totale Isolation, sofortiger Abbruch aller Beziehungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, auch kulturell, um die Elite des Landes zu animieren, zur Veränderung innerstaatlicher Verhältnisse beizutragen? Nach Putins Überfall blieb Russland im UN-Sicherheitsrat – und viele Länder zögern mit Sanktionen. Mit solchem Verhalten schreckt man nicht ab.
    Dr. Dieter Marenbach, Sinzing (Bayern)

  • Joschka Fischer als einstigen »obersten Pazifisten des Landes« zu bezeichnen, ist unhistorisch und auch zynisch. Es war Joschka Fischer, der mit den einst großen pazifistischen Idealen seiner Partei, mit den Idealen Petra Kellys, für immer gebrochen hat. Seit dem Kosovokrieg kann bei den Grünen von einer Friedenspartei keine Rede mehr sein. Er nennt als Vorbild Länder mit einem »Trauma, das bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat«. Also sollen wir uns an dieser traumatisierten Mentalität orientieren? Psychologen werden widersprechen.
    Alexander Kalteis, Bünde (NRW)

  • Nicht nur die Zeiten ändern sich rasant, sondern vor allem die Menschen. Als ultimativer Beleg für diese Aussage steht unstrittig Joschka Fischer. Wie er die gegenwärtige Sachlage auf unserem Planeten analysiert, gilt Respekt. Der Mann liefert mit seinen Aussagen ein hohes Maß an glaubhafter Authentizität, die wir anderswo kaum noch finden. Einfach so, weil er im Kopf mehr gespeichert hat als nur seinen hellwachen Verstand.
    Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)

Sich im Text wiederfinden

Heft 24/2025 Alltag und Elend am Hamburger Hauptbahnhof 

  • In Ihrem Spaziergang durch den Hauptbahnhof schimmert Em­pathie für die Ausgegrenzten durch. Und das ist gut so, denn die Hauptbahnhöfe sind unsere Seismografen politischer und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen. Es gibt keine Randgruppe, die nicht irgendwann in der Bahnhofsmission auftaucht. Seismografen machen Erschütterungen sichtbar – wie lernen wir zu hoffen? Ihr Artikel ist gut recherchiert und macht etwas Mut.
    Carsten Schmidt-Diercks, Oetjendorf (Schl.-Holst.)

  • Wunderbar einfühlsam geschrieben. Ich war vom 20. bis 24. Mai in Hamburg und habe mich sofort in Ihrem Text wiedergefunden. Ja, genau so habe ich den Bahnhof empfunden. Und ich bin tatsächlich dem Obdachlosen ohne Beine begegnet. Noch eine Geschichte, am Tag meiner Abfahrt, auf meinen ICE wartend, sah ich einen Obdachlosen, der ganz zaghaft versuchte, bei einer Person nach Geld zu fragen. Ich hatte noch zehn Euro, ging zu ihm rüber und schenkte ihm das Geld. Kurz darauf drehte ich mich um, der Mann stand hinter mir und schaute mich mit so großer Dankbarkeit an, es war ein sehr emotionaler Moment. Ich hatte ihm seinen Tag etwas erleichtert, und das machte mich sehr glücklich.
    Josée Flammang, Luxemburg

Der amerikanische Ex-Freund

Heft 25/2025 Mythos deutsch-amerikanische Freundschaft 

  • Hochachtung für Tobias Rapp! Glasklare Gedanken, Sätze und Schlussfolgerungen. Ich, Generation Babyboomer, rausche in fünf Minuten durch 60 Jahre. Und sage zum Schluss: alles wahr, alles richtig. Tolle Titelgeschichte.
    Oliver Witzel, Köln

»Trump ist der pervertierte amerikanische Traum«

Heft 25/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Joachim Meyerhoff über sein Amerika 

  • Dass Meyerhoff nicht nur saftig, sondern auch korallenscherbenscharf formulieren kann, weiß man, wenn man seine Bücher gelesen hat. Nie habe ich eine treffendere Charakterisierung von Trump gelesen.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

Angriff auf Amerikas Demokratie

Heft 25/2025 Was Trumps Militäreinsatz in Los Angeles bedeutet 

  • Von »Land of the Free« kann nicht mehr die Rede sein, und »brave«, also mutig, sind bisher auch nur wenige.
    Suse Ziegler, Paderborn

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