Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Der Mond, die Ampel, der Ukrainekrieg, die Energiewende und die Klima-Ungerechtigkeit – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 2/2024

Himmlischer Blick

Heft 1/2024 Titel: Die Macht des Mondes

  • Sie schreiben über das Kräftemessen der Nationen, die mit milliardenteuren Prestigeprojekten zeigen wollen, was sie technisch draufhaben – auf einem fremden Himmelskörper zu landen ist eine Meisterleistung, die nur wenige hinbekommen. Der Kampf gegen Armut und Ausbeutung und für soziale Gerechtigkeit wäre tatsächlich eine Meisterleistung. Niemand müsste dafür den Planeten verlassen.
    Helmut Wals, Geiselhōring (Bayern)

  • Silicium ist mit etwa 15 Gewichtsprozent das dritthäufigste Element auf der Erde. Das wird auch bei starkem Wachstum der Chipindustrie nicht so schnell ausgehen. Dafür muss man nicht auf den Mond fliegen.
    Wolfgang Soglowek, Wessobrunn (Bayern)

  • Anstatt einer wuchtigen Maxianalyse der Weltpolitik zum Jahreswechsel von der scharfen -Feder eines angesagten SPIEGEL-Redakteurs ein allerdings himmlischer Blick in den Mond. Da vergisst man doch die höllischen Probleme hienieden, zugegeben. Ich bin besänftigt! Und daher eine große Bitte, gleich mal für nächstes Jahresende vormerken: Mars oder Venus. Ich fürchte, es wird Mars werden.
    Arnulf Rädecke, Osterode (Nieders.)

  • Es ist mir als Laien nicht verständlich, warum es heute mit so viel technischem Wissen derart schwierig ist, auf dem Mond zu landen. Schafften wir es nicht im Juli 1969 und danach ebenfalls, auf dem Mond zu landen und zurück zur Erde zu kommen?
    Martin Schebler, Essen

Subventionen streichen

Heft 52/2023 Die Ampel wirkt nach der Haushaltseinigung zerrüttet 

  • Das Credo der FDP ist inzwischen offensichtlich: »Es ist besser, falsch zu regieren, als nicht zu regieren«, und so führt sie sich eher auf wie eine Oppositionspartei als wie ein verlässlicher Koalitionspartner. Eine Partei, die sich nicht an den Koalitionsvertrag gebunden fühlt, die mühsam erarbeitete Kompromisse und Beschlüsse kurz darauf wieder infrage stellt und ihre Aufgabe darin zu sehen scheint, die Koalitionspartner schlecht aussehen zu lassen, ist schlichtweg nicht koalitionsfähig. Christian Lindner scheint es nicht mal zu merken, dass er mit seiner unseriösen und destruktiven Taktik nicht nur dem Ansehen der -Koalition massiv schadet, sondern auch seiner eigenen Partei. Die hat sich in den Meinungsumfragen gegenüber dem Wahlergebnis 2021 mehr als halbiert, während die Grünen ungefähr auf demselben Stand geblieben sind. Dabei sind die Herausforderungen enorm. Was das Land -benötigt, ist eine geräuschlos arbeitende Koalition, die Meinungsverschiedenheiten hinter verschlossenen Türen klärt, anstatt die Öffentlichkeit mit Streitereien zu nerven.
    Dr. Frank Plab, München

  • Es fiel den Koalitionären schwer, sich auf eine Kürzungsliste zu verständigen, war zu lesen. Ich hätte da mal einige Vorschläge. Wie wäre es mit der bereits im Koalitionsvertrag vereinbarten Streichung klimaschädlicher Subventionen? 8,4 Milliarden Euro würde die Streichung der Energiesteuerbefreiung auf Kerosin bringen, 8,2 Milliarden die Streichung der Steuervergünstigung auf Diesel, 4 Milliarden würde die Mehrwertsteuer auf internationale Flüge bringen. Das Dienstwagenprivileg, von dem die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung profitieren, kostet 5,5 Milliarden. Durch Steuerflucht entgehen dem Staat jedes Jahr weit mehr als 20 Milliarden Euro. Es ist mir ein Rätsel, warum diese Fakten bei den Haushaltsberatungen anscheinend keine Rolle gespielt haben. Und ich finde, der SPIEGEL könnte diesem Aspekt mehr Aufmerksamkeit widmen.
    Klaus-Peter Denhardt, Hannover

Unklare politische Führung

Heft 52/2023 Die USA fürchten, Deutschland könnte von der gemeinsamen Ukrainepolitik abweichen 

  • Seit Beginn des Ukrainekriegs sät der SPIEGEL Zweifel an der unverbrüchlichen Solidarität des Kanzlers mit der von Russland angegriffenen Ukraine. Nun dient das Treffen des Kanzleramtschefs Schmidt mit hochrangigen amerikanischen Russlandexperten, auf dem mögliche Wege zur Beendigung des Krieges angedacht wurden, als weitere Bestätigung für das Misstrauen gegenüber dem Kanzler. Dass die diskutierte -Option für einen Verhandlungsfrieden – Gebietsabtretungen gegen Nato-Mitgliedschaft der Ukraine – hierzulande zu einem gewaltigen Shitstorm führen würde, ist allerdings nur die halbe Wahrheit: In der veröffentlichten Meinung witterte man Verrat, während die öffentliche Meinung durchaus vielstimmiger ist.
    Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Die Unklarheit der politischen Führung des Westens zum Thema der Kriegsziele in der Ukraine ist unverständlich und behindert den gesamtgesellschaftlichen Konsens über die Haltung zum Krieg. Das Kriegsziel kann nur die völkerrechtlich legitime Wiederherstellung der Ukraine in den Grenzen von 2013 sein. Nicht weniger, denn das wäre eine Belohnung russischer Aggression, und nicht mehr, denn weder die Ukraine noch ihre Unterstützer haben Interesse am Besitz russischen Staatsgebiets. Sagen, was man tun wird, und tun, was man angekündigt hat. Dann gibt es auch keine Eskalation.
    Sönke Schulz, Groß Grönau (Schl.-Holst.)

  • Ganz gleichgültig, aus welcher Veranlassung plötzlich Friedensverhandlungen im Ukrainekrieg diskutiert werden. Ob aus Furcht, Trump könnte den Sieg einfahren, oder aus Angst vor den -Wahlen 2024 in Deutschland
    und dem Erstarken der AfD. Sei es aus Angst vor einem nuklearen Krieg. Hauptsache, es wird thematisiert.
    Gisela Neudeck, Wiesbaden

  • Selbst die SPD ist uneins. Pistorius fordert nicht ohne Grund von der Bundeswehr »Kriegstüchtigkeit«, eine Vokabel, die dem mächtigen und ewigen
    Friedensapostel Mützenich nicht über die Lippen käme. Der vermisst die Diplomatie im Konflikt. Doch Putin zeigte sich in Dutzenden Unterredungen unbeirrt, schlechte Voraussetzung für Verhandlungen.
    Christoph Schönberger, Aachen

Kein Hexenwerk

Heft 52/2023 Wenn die Energiewende an historische Mauern stößt, wird es richtig teuer 

  • Es ist ein großes Versagen von Politik und Gesellschaft, dass wir uns vor den Karren der Industrie spannen lassen, um die (notwendigen) Klimaschutzziele im Bausektor zu erreichen. Die in der Regel zum »energieeffizienten« Bauen verwendeten Materialien sind von einer geradezu skandalösen geplanten Obsoleszenz – von ihrer eigenen, schlechten Energiebilanz bei der Gewinnung und Herstellung ganz zu schweigen. Als plakatives Beispiel seien die von der Industrie bereits angebotenen Sanierungslösungen für erdölbasierte Wärmedämm-Verbund-Systeme und dazu-gehörigen kunstharzgebundene
    Beschichtungssysteme genannt. Auch volkswirtschaftlich ist deren Bilanz bescheiden. Preiste man die bei der Gewinnung und Verarbeitung erdöl- und zementbasierter Produkte entstehende Ressourcenverschwendung, Energieverbrauch, Gesundheitsgefährdung, Umweltzerstörung und ihre kurze Lebensdauer sowie die schlechte Recyclingfähigkeit ein, wären sie unerschwinglich. Das Fachwerkhaus an sich ist der Inbegriff des klimagerechten und ressourcenschonenden Bauens: sparsamer Einsatz nachwachsender Materialien, geringer Energieeinsatz bei ihrer Gewinnung und Verarbeitung, wenig fehleranfällige Bautechnik, jahrhundertealte Erfahrungswerte, kein Einsatz potenziell gesundheitsschädlicher Baustoffe, ein behagliches Gebäude-Innen-Klima, bei guter Instandhaltung nahezu unbegrenzte Lebensdauer, Anpassungsfähigkeit und kreislaufgerechtes Bauen. Es müsste Boni und Förderungen für nachhaltige, reparaturfähige Lösungen bei Sanierungen und Neubauten geben, etwa für das Bauen mit Stroh-Leicht-Lehm und das Dämmen mit Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen. Mit ihnen können die vom GEG geforderten Wärmedämmwerte nicht so einfach erreicht werden, aber in der Gesamtenergiebilanz sind sie unschlagbar. Leider berücksichtigt das die Gesetzgebung nicht.
    Lena Bedal, Dipl.-Ing. Architektin, Karlsruhe

  • Nachstehendes Statement ist keine Theorie, sondern gelebte Sanierung im eigenen Fachwerkbau gleicher Größe wie des im Text beschriebenen. Nein, einen Fachwerkbau zu dämmen und eine passende Heizung einzubauen
    ist kein Hexenwerk, geschweige denn verbunden mit enormen Kosten. Das Mittel der Wahl sind nicht Stampflehm-wände, die nicht dämmen, sondern nur die Wandstärke erhöhen und im Übrigen teuer sind. Effektiver ist der Einsatz von Wärmedämmleichtlehmsteinen oder Wärmedämmlehmsteinen. Diese entsprechen den Vorgaben in der Sanierung von Fachwerk und sind am besten mit Infrarotheizungen zu ergänzen, die nur geringen Platz in den Räumen benötigen. Für den Betrieb einer Infrarotheizung haben große Anbieter den preisgünstigen Stromtarif »Heizstrom« im Portfolio.
    Godela Rührmund, Heuerßen (Nieders.)

Globales Elend greifbar gemacht

Heft 52/2023 Wie vier Nigerianer versehentlich in Brasilien gelandet sind 

  • Die Schlussfolgerung von Marian Blasberg ist so folgenschwer, dass sie der SPIEGEL hier zum zweiten Mal zitieren sollte: »Heute braucht es keine Sklavenfänger mehr, um Menschen auf Schiffe zu schleifen. Sie kommen von allein. An unsichtbaren Ketten.«
    Dr. Klaus Swieczkowski, Hildburghausen (Thür.)

  • Für solche journalistischen Glanzstücke liebe ich den SPIEGEL: zwar meist ein trauriger Anlass, jedoch so spannend erzählt und strukturiert, dass es sich wie ein guter Roman liest. Das globale Elend wird hier durch Einzelschicksale greifbar und gibt wiederum Anlass zur Hoffnung. Solche Schicksale wie die der vier Nigerianer sind so abenteuerlich, wie sie manchmal das Leben schreibt. Marian Blasberg hat das Puzzle gut recherchiert und brillant zusammengesetzt.
    Otto Hagemann, Erlangen (Bayern)

Erfrischend forsch

Heft 52/2023 SPIEGEL-Gespräch mit der Physikerin Friederike Otto über Klima-Ungerechtigkeit 

  • Es ist richtig und wichtig, dass Klimaforschende wie Friederike Otto nicht im Elfenbeinturm verharren. Allein mit dem Beschreiben und Erklären des Klimawandels und seiner Folgen ist es längst nicht mehr getan, das macht die Klimawissenschaft ja schon seit Jahrzehnten. Wer soll uns Laien denn davon überzeugen, dass jetzt ganz dringend Handeln angesagt ist – etwa »die Politik«?
    Erwin Bixler, Rodalben (Rhld.-Pf.)

  • Während man bei der Lektüre dieses Interviews diese kluge, engagierte Frau bewundert, fragt man sich zugleich, ob die Fragen der Interviewer bewusst, quasi augenzwinkernd, provokant oder naiv formuliert wurden, um adäquate Antworten herauszukitzeln. Antworten wie »Was soll ich denn sonst sein? Passivistin?« kommen denn auch erfrischend forsch und überzeugend. Dass Frau Otto zum Schluss einräumt, dass es neben ihrer tollen Forschungsarbeit zusätzlich »kreativere Leute« als sie braucht, ehrt sie eher, als dass es ihre Glaubwürdigkeit schmälert.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

Soziales Erlebnis Kino

Heft 52/2023 Über den Versuch, Kinoklassiker vor dem Verschwinden zu retten 

Ich bin schon lange ein Filmenthusiast und -sammler und vermisse in den öffentlich-rechtlichen Medien das deutsche Filmerbe. Nur der Sender Arte bietet hin und wieder einige Klassiker, darunter auch interessante französische Stummfilme. Viele Werke kann man auf DVD bestellen, manches gibt es bei Ebay zu entdecken und vieles auch bei -YouTube, allerdings ist bei den Public-Domain-Werken (bei denen die Urheberrechte abgelaufen sind) die Bildqualität häufig sehr schlecht. Antifaschistische Propagandawerke oder spätere Filme, die Themen jener Zeit behandeln, wurden und werden in Deutschland nur selten oder verfälscht synchronisiert gezeigt.
Rainer Hempen, Hamburg

Den jungen Konsumenten mit ihrer digital geprägten Medienerfahrung Filmgeschichte in dem ihnen vertrauten Format schmackhaft zu machen, ist der falsche Weg. Ein zu Hause gestreamter Klassiker kommt unweigerlich dröge und langweilig daher. Das soziale Erlebnis des Kinos, wo man zu einer bestimmten Zeit da sein muss oder etwas verpasst, gehört zum Film dazu. Die Musikbranche hat nach dem Internetboom legaler wie illegaler Downloadmöglichkeiten eine Krise durchlaufen, an deren Ende das Live-Event Konzert einen nie vermuteten Aufschwung erlebt, in kleinerem Maßstab kam es zur Renaissance von Vinyl und Plattenläden.
Andreas Schömmel, Frankfurt am Main

Etwas Positives

Heft 52/2023 Leitartikel: Frohe Botschaften 

  • Na, das ist doch mal was, lieber SPIEGEL. Ausgewogene Berichterstattung ist für mich, dass es auch Positives zu berichten gibt. Und das brauchen wir in diesen wahrlich schwierigen Zeiten wohl alle. Mehr davon!
    Bernd-Michael Rabisch, Potsdam

Viel zu einfach

Heft 52/2023 Wer zahlt für das Deutschlandticket? 

  • 30 Millionen ver(sch)wenden, um aus 16 S-Bahn-Zügen die Toiletten auszubauen!? Hätte man nicht einfach die Türen abschließen und »Außer Betrieb«-Schilder anbringen können? Das wäre deutlich kostengünstiger gewesen, aber vermutlich viel zu einfach.
    Anette Kleiner, Bamberg

Nichts zu retten

Heft 52/2023 Fünf Profis berichten, wie sie mit hohem Personalausfall klarkommen 

  • Seit Monaten erlebe ich in ambulanten Pflegediensten oft 15 Prozent krankheitsbedingten Ausfall, in Spitzen fast 30 Prozent. Da ist bei größter Flexibilität nichts zu retten: Die Patienten bekommen nicht die notwendige Pflege.
    Dr. Harald Groth, Delmenhorst (Nieders.)

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