Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 73 / 76

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Wahl in Frankreich, Kraftfahrzeuge, das Bürgergeld, Polizeigewalt in Dortmund, Joe Biden und russische Kriegsgefangenschaft – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 28/2024

Rien ne va plus

Heft 27/2024 Titel: Fällt Frankreich 

  • Manchmal wird eine im SPIEGEL gestellte Titelfrage flugs durch die Realität zeitnah beantwortet. Und wie! Frankreich ist nach dem ersten Wahlgang tief gefallen. Und ein Aufstehen zurück in die Normalität dürfte nun noch viel schwieriger werden als nach der Europawahl vor wenigen Wochen.
    Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)

  • Emmanuel Macron, Monsieur le Président de la Grande Nation, wünscht Roulette zu spielen und setzt dabei nicht etwa auf Rouge und Noir, Impair und Pair oder Manque und Passe, nein, es muss schon mit der 30 Plain sein. Alles oder nichts, das klingt nach einem Verzweiflungsakt, wobei sein Einsatz nicht nur die französische Demokratie ist, nein, die ganze ohnehin wacklige Konstruktion der EU gehört dazu. Man dürfte einfach Ämtern, wie sie die französischen oder amerikanischen Präsidenten innehaben, keine nahezu uneingeschränkte Macht zubilligen, sonst heißt es irgendwann für die Demokratie: Rien ne va plus.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)

  • Der französische Präsident Macron hat genau das Richtige getan. Er hat die Franzosen aus der jahrelangen Lethargie heraus­geholt und vielleicht auch geschockt. Sie müssen sich jetzt entscheiden, in welche Richtung Frankreich gehen will, entweder in der Demokratie verbleiben oder aber nach rechtsaußen in eine Diktatur gehen.
    Lothar Wirth, Berlin

  • Die Frage »Fällt Frankreich?« ist falsch gestellt. Sie müsste lauten: Verändert sich Frankreich? Die Antwort kann nur lauten: Ja. Frankreich wird politisch nach rechts rücken. Das wird aber weder unsere außenpolitischen noch wirtschaftlichen Beziehungen zu Frankreich beeinträchtigen. Vielleicht wird Frankreich etwas dominanter auftreten als bisher. Aber eine Präsidentin Marine Le Pen wird es nicht geben. Das werden die Franzosen nicht zulassen. Auf dem Präsidententhron sitzt seit de Gaulle ein Mann. Das wird sich nicht ändern. Die Bezie­hungen zur EU werden sich verwandeln. Damit die französische Dominanz nicht zu stark wird, müssen die EU und Deutschland gegensteuern. Ob das gelingt, wird von der neuen alten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen abhängen. Und na­türlich von Bundeskanzler Olaf Scholz. Das wird ein interessantes Schauspiel werden.
    Götz Doll, Köln

  • Warum sollte ein Präsident mit geringer Akzeptanz so weitermachen wollen oder müssen, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung den Rassemblement National und einem 28-jährigen Jordan Bardella die politische Macht zutraut? Aus der Opposition lässt sich gut kritisieren, aber Regieren ist etwas anderes. Einfache Lösungen für komplizierte Dinge funktionieren bekanntlich nicht, schöne Wahlversprechen halten ohne das nötige Geld auch nicht. Vielleicht geht manchen Realitätsverweigerern dann doch noch ein Licht auf. Praktische Politik wird nicht am Stammtisch oder in sozialen Medien wie TikTok und Co. gemacht.
    Angelika Erb, Saarbrücken

  • Es sind nicht in erster Hinsicht die Arroganz und Selbstgefälligkeit Macrons, die dieses Chaos provoziert haben, sondern dessen Politik. Millionen Franzosen können sich die Mieten der Reichen, die Kosten der privaten Kliniken und Schulen nicht leisten. Der Hauptschuldige dieser Misere ist allerdings François Hollande, der damals seinen vermeintlichen Kameraden in der Partei dieses Trojanische Pferd vor die Nase gesetzt und damit den Niedergang der sozialistischen Partei be­siegelt hat.
    Gérard Hengel, Luxemburg

  • »Fällt Frankreich?« Das klingt schon sehr nach Kriegsvokabular und ist aus meiner Sicht sehr unangemessen als SPIEGEL-Titel.
    Ulrike Gätje, Wehretal (Hessen)

Des Deutschen -liebstes Kind

Heft 26/2024 Leitartikel: Deutschland braucht keine zehnspurigen Autobahnen 

  • Die Anzahl an Kraftfahrzeugen in Deutschland ist in den ver­gangenen Jahren – trotz Corona, Homeoffice und 49-Euro-Ticket – weiter gestiegen. Das spiegelt den individuellen Freiheitsdrang wider. Die Lösung kann aber nicht darin liegen, weitere Flächen zu versiegeln, egal ob durch Neubau, Ausbau oder Ortsumgehungen. Das wäre einfach für uns, nicht aber für die Natur. Die Verantwortlichen im Bund und in den Ländern sollten sich daher auf den Erhalt der bestehenden Straßen und den Neubau von Bahnstrecken konzentrieren. Des Deutschen liebstes Kind – wir müssen uns zwar nicht davon verabschieden, es aber doch etwas weniger hätscheln.
    Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)

  • Der Artikel bringt die Problematik auf den Punkt. Bestimmte Parteien versuchen, mit rückwärtsgewandten Autobahnprojekten Wählerstimmen zu erhaschen, anstatt Wähler von der Notwendigkeit anderer Fortbewegungsstrategien zu überzeugen und diese auch voranzutreiben. Der Plan, die A5 weiter auszubauen, ist in der Tat irrsinnig. Weitere Zerstörung unserer Umwelt ist vor allem der FDP, die ja nicht einmal bereit ist, für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen zu sorgen, völlig egal. Ihre Enkel werden es ihnen danken.
    Dr. Jutta Peters, Frankfurt am Main

  • Diese Art und Weise der Diskussion ist so städtisch geprägt, dass ich sie nicht mehr ernst nehmen kann. Wenn ich in Prenzlauer Berg oder Schwabing hocke, stellt sich die Welt so anders dar als in Posemuckel, wo Bahn und Bus zweimal am Tag fahren und die Kinder zur 15 Kilometer entfernten Schule müssen. Allein über die Katastrophen der Münchner S-Bahn könnte ich stundenlang schreiben. Also bitte nicht immer dieses wohlfeile Auto-Bashing, sondern zuerst wirkliche Alternativen schaffen. Dann steigen die Menschen von ganz allein um. Nach meinen Bahn-Erfahrungen allein diese Woche vor den Augen von Fußballfans aus ganz Europa setzt sich bei mir aber der Eindruck fest, dass die deutsche Verkehrspolitik auf ganzer Linie gescheitert ist.
    Gunnar Ritzmann, Otterfing (Bayern), via SPIEGEL Debatte

Bitte konsequent und logisch

Heft 26/2024 Der Unmut über das Bürgergeld setzt die Ampel unter Druck 

  • Die offensichtliche Absurdität ist anscheinend weder der Regierung noch dem SPIEGEL aufgefallen: Man kann doch nicht mit der einen Hand kontinuierlich Waffen liefern und mit der anderen die zur Bedienung nötigen Menschen bei uns einbehalten. Natürlich finde ich, dass wir Kriegsdienstverweigerer – egal ob Ukrainer, Russen, Syrer oder Israelis – immer alle aufnehmen, finanziell helfen und nie ausliefern sollen. Aber dann bitte konsequent und logisch. Den Aus­löser dieser verständlichen Flucht vor Tod, Leid und Zerstörung sollten wir nicht parallel dazu weiter anfeuern! Wir würden sonst sehr viel Geld in beide Richtungen versickern lassen, und die Ukraine säße auf einem Berg (Rhein)Metall – aber ohne Soldaten. Vielleicht ist das ja am Ende dann doch eine Lösung? Wie hieß es früher? »Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!«
    Julia Berendsohn, Hamburg

  • Es wäre schon hilfreich zu erfahren, was daran denn populistisch wäre, ukrainische Flüchtlinge finanziell den Standards aller anderen Flüchtlinge anzupassen. Das würde Geld einsparen, was indirekt auch dem Abwehrkampf der Ukraine zugutekommen würde. Die CDU reklamiert, dass das rechtlich sehr wohl möglich wäre. Warum geht der Autor dieser Frage nicht nach? Für viele Leser:innen wäre das bestimmt interessant. Und warum werden die wehrfähigen Männer nicht an­gehalten, ihre Leute im Kampf zu unterstützen? In den Kraft­werken, der Etappe oder in den Fa­briken? Alles Populismus?
    Ulrich Storr, Hamburg

Die Blauäugigkeit nervt

Heft 26/2024 Wer war Mouhamed Dramé, der drei Monate nach seiner Ankunft in Deutschland von der Polizei erschossen wurde? 

  • Danke für diesen Artikel. Super wichtig dieses Thema, denn zu viele Menschen denken noch, dass Polizeigewalt nur ein US-Problem ist. Dieser Fall zeigt, dass deutsche Polizisten ähnlich rassistisch reagieren. Hätten sie mit einem Maschinengewehr auch auf einen weißen deutschen Mann geschossen? Es macht mich extrem wütend und hilflos zugleich. Die Polizei benötigt Antirassismustraining. Ganz toll, wie über den Kontext und das Umfeld von Mouhamed berichtet wird. Ich lese die Artikel von Dialika Neufeld sehr gern und freue mich immer, wenn ein Artikel von ihr dabei ist. Es geht immer um das Menschliche und die Menschen. Dieser Artikel macht Mouhamed zu einem Menschen wie wir. Diese Art von Berichterstattung trägt dazu bei, die Schranken in unseren Köpfen abzubauen, die Distanz zu verringern zwischen mir und Flüchtlingen, mir und Afrika. Tolle Arbeit.
    Uli Müller, Maastricht (Niederlande)

  • Der Artikel lässt mich etwas ratlos zurück. Keinerlei Reflexion der Familie über den eigenen Anteil des Jungen oder der Familie ist erkennbar. Der naive Traum von einer Fußballkarriere ist ja kein Fluchtgrund. Dann kommen Geflüchtete hier in der Realität an, und manche kommen damit nicht zurecht, sind traumatisiert und in psychischem Ausnahmezustand, und andere können es ausbaden. Vielleicht sollten diese Unterstützerkreise auch denjenigen die Heimkehr ermöglichen, die hier erkennbar nicht klar­kommen und lieber wieder gehen würden. Auch Mouhamed Dramé hat sich wohl entsprechend geäußert. Wenn nicht die Papiere weggeworfen würden, wäre eine Rückreise kein Problem. Aber bei uns hat man für alles Verständnis, auch für weggeworfene Papiere und falsche Altersangaben. Ich klinge für Sie wohl wie eine AfD-Wählerin, aber das bin ich nicht, und ich werde es auch nicht werden. Aber die blauäugige Politik der vergangenen Jahre in diesem Punkt geht mir auf die Nerven, auch die Blauäugigkeit mancher Journalisten.
    Irene Göhring, Schönaich (Bad.-Württ.)

Armes Amerika

Heft 26/2024 Präsident Bidens Wahlkampf läuft nicht gut. Bringt ein TV-Duell mit Trump die Wende? 

  • Ist Joe Biden nochmals fit für eine Präsidentschaft? Nein. Sollte er nochmals Präsident werden? Nein. Aber alles ist besser als Trump. Armes Amerika.
    Martin Fischbacher, Rohrdorf (Bayern)

  • Wenn es um Alter, Gesundheit und die ewige Jugendlichkeit geht, haben wir Amerikaner und auch Europa etwas vergessen. Wenn Franklin D. Roosevelt heute US-Präsident wäre, wäre er »einfach hingefallen«. Während der langwierigen Jahre der Depression und des Zweiten Weltkriegs hat er trotz Lähmung zusammen mit unseren Verbündeten effektiv regiert. Der Wille zum Frieden war größer als die äußerliche Schwäche. Kurz vor dem Frieden 1945 ist er erst mit 63 Jahren in der Reha plötzlich gestorben. Heute haben wir dem wackligen Mann viel zu ver­danken.
    Carmen Salvatore Curasi, Kalifornien (USA)

Protokoll des Grauens

Heft 26/2024 Ein ukrainischer Soldat erzählt von den Grausamkeiten -russischer Kriegsgefangenschaft 

  • Wer es angesichts der geschilderten unerträglichen Grausamkeiten geschafft hat, die Lektüre dieses Berichts bis zum Ende auszuhalten, den haben sicherlich folgende Umstände besonders erschüttert: erstens die Tatsache des Beinahe-Verhungerns und zweitens, dass beim Gefangenenaustausch »die russischen Kriegsgefangenen gut genährt« waren (wenngleich es ihnen gegönnt sei) und der Vorwurf des Sohns, dass der Vater seine Familie im Stich gelassen habe. Die Bereitschaft, trotz der erlittenen Qualen erneut in den Krieg zu ziehen, ist schier unfassbar – und schlicht als Heldentum zu bezeichnen.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

  • Ein Protokoll des Grauens, das an die Nieren geht, wenn man es durchgelesen hat, was mit Sicherheit auf die eine wie andere Art und Weise auf nicht wenige ukra­inische Kriegsgefangenen zutrifft. Ein Verstoß gegen die Genfer Konvention von 1949, welche die kriegsführenden Parteien verpflichtet, Gefangene, Verwundete und Kranke der bewaffneten Kräfte im Felde human zu be­handeln. Diese Behandlung in rus­sischer Gefangenschaft kommt aber einem Kriegsverbrechen gleich und muss aufs Schärfste durch den internatio­nalen Strafgerichtshof verfolgt werden.
    Detlef von Seggern, Pforzheim (Bad.-Württ.)

Die schlauen Roboter kommen

Heft 26/2024 Patienten waschen und aus dem Bett heben? Übernimmt der Roboter 

  • Was die KI-Systeme können, gehört zu Intelligenz, aber zu Intelligenz gehört mehr. Ein Motor gehört zum Bus, aber für einen Bus be-nötigt man mehr als einen Motor.
    Hans-Joachim Bock, Röhrmoos (Bayern)

Unterwegs im Helikopter mit Jürgen -Klinsmann am Steuerknüppel

Heft 26/2024 »Da kommst du schon ins Schwitzen« 

  • Wann werden wir erfahren, wie es Promis bei der Pediküre ergeht? Ich werde schon ganz hibbelig.
    Bernd Scherwatzki, -Mönchengladbach

Der Milliardär -Hamdi Ulukaya bringt Flüchtlinge in Jobs

Heft 26/2024 »Ich habe bewusst Flüchtlinge beschäftigt« 

  • Was für ein erfrischender Artikel, der Mut macht. Ich wünsche mir, dass der SPIEGEL das Thema »Zuwanderung, warum wir sie brauchen und nicht fürchten müssen« einmal zum Titelthema macht!
    Martina Lührs, Hamburg

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