Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Mit Marionetten und Gewalt
Heft 11/2022 Titel: Kann er noch zurück?
Nun steht Putin ohne Maske da. Er wird künftig in einer Reihe genannt werden mit Hitler, Stalin, Ulbricht, Honecker und anderen früheren und heutigen Despoten. Jedoch brauchen selbst diese Unmenschen willige Helfer. Putin stehen sie in Gestalt superreicher Oligarchen und anderer Lakaien zur Verfügung. Dieser Tage ist jedoch auch Putin ein gravierender Fehler unterlaufen: Es wurde öffentlich gezeigt, wie er über unterwürfige Helfer verächtlich lächelte – und dies in deren Gegenwart. Ein solches Verhalten geht zumindest einigen Lakaien zu weit. Bleibt zu hoffen, dass jene Helfer Putins Fehler einsehen und sich von dem Despoten und Kriegsverbrecher absetzen.
Siegfried Bierwirth, Rheinbach (NRW)
Erst waren wir alle Nationaltrainer. Dann Virologen. Jetzt Militärexperten. Informationen werden aus allen Richtungen verbreitet. Talkshows glühen vor Kampfbereitschaft. Experten mit sattem Monatseinkommen besprechen die Weltlage, fordern Verzicht und die Bereitschaft zum Frieren. Wir folgen anscheinend begeistert dem ukrainischen Präsidenten, Herrn Klischko, und weiteren Menschen, die vom Heldentod für die Freiheit sprechen. Was mir fehlt, ist die Frage, ob es auch andere Möglichkeiten geben könnte, als ein ganzes Land in Schutt und Asche legen zu lassen. Auch wenn ich es mir anders wünsche: Die Ukraine hat auf Dauer keine Chance gegen eine skrupellose Militärmacht wie Russland. Warum also keine militärische Kapitulation und den Weg in eine kampfbereite Gesellschaft des zivilen Widerstands? Vorteil: mehr Infrastrukturen und Leben bleiben erhalten. Die Bedingungen dafür sind günstig, ein mutiges Volk, weltweit durch wirtschaftliche Sanktionen unterstützt. Wie will Putin denn langfristig dort regieren? Klar, mit Marionetten und Gewalt – doch genau das wird auch passieren, wenn die Ukraine verloren hat. Dann allerdings fast ohne kampfbereite Menschen.
Frank Tofern, HamburgJahrgang 1939, habe ich als Kind noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Das war bei Gott keine schöne Zeit – mit Flucht und Vertreibung aus Königsberg. Aber im Gegensatz zu dem, was Putin in der Ukraine veranstaltet, konnten wir uns noch einigermaßen schützen und auch die Versorgung funktionierte noch einigermaßen. Also, wenn ich heute die Bilder von zerbombten Krankenhäusern sehe und Massengräber mit Leichensäcken, sehe ich Putin Arm in Arm mit Hitler und hoffentlich bald in der Hölle.
Klaus Gutzeit, Rösrath (NRW)Ohne das Leid der Menschen in der Ukraine hintanzustellen, möchte ich mich für das sehr gelungene Bild auf dem Titel bedanken. Eine eindringliche und zugleich nüchterne Illustration der neuen Situation; auch ein Echo vergangener Jahrzehnte. Beste politische Kunst, die zeigt, was das Genre leisten kann! Ebenso angemessen, dass das so erst nach dem vergangenen Heft mit den unmittelbaren und schrecklichen Eindrücken des Krieges erscheint. Hier zeigt sich auch einer der Vorteile eines Print-Abos: dieses Bild liegt bei mir eine Woche auf dem Tisch und immer wieder fällt der Blick darauf; online wäre das nie so.
Marc Ihm, MainzDas Fatale an dem Titelbild: Es wird Putin gefallen.
Stefan Waasem, KölnDanke für das außergewöhnliche Interview mit dem Politologen Ivan Krastev. Luizide seziert er darin die Ursachen für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine: Diese liegen vor allem in der ideologisch fixierten Gedankenwelt von Wladimir Putin, für den die Ukraine nicht existiert, sondern ein von »Nazis« okkupiertes russisches Territorium ist, das es zu befreien gilt. Das Interview mit Krastev sollte Pflichtlektüre sein für die vielen Putinversteher, die die Gründe für die russische Aggression immer noch in der Nato-Osterweiterung sowie dem fehlenden Respekt des Westens für Putin sehen.
James Siever, MünchenMeist gibt es nur zwei Lager: Die, die Putin für größenwahnsinnig oder psychisch gestört halten und die, die seine Argumentation zumindest ansatzweise rechtfertigen. Und nun dieses differenzierte Interview, in dem nicht ein Putin-Versteher, sondern ein Putin-Erklärer zu Wort kommt. Die sehr eigene Logik und Weltsicht Putins wird nachvollziehbar beschrieben – und er wird nicht für verrückt erklärt. Dies würde seine Verantwortlichkeit für diesen Angriffskrieg auch nur ungerechtfertigt mildern. Für alle Verhandler mit Putin bleibt es eine große Herausforderung, sich in seine Gedankenwelt hineinzuversetzen, um von dort aus Lösungsvorschläge zu entwickeln, die eine weitere Eskalation verhindern.
Klaus Detert, Wallenhorst (Nieders.)Für die vorbildliche Berichterstattung zum Ukraine-Krieg in dieser Ausgabe möchte ich mich bedanken. In dieser in der Tat kritischen Zeit ist es wichtig, auf seriöse Informationen zurückgreifen zu können, jenseits von substanzloser Beschwichtigung oder Panikmache. Ich habe Ihre Beiträge in einem Zug durchgelesen. Besonders beeindruckt haben mich die kenntnisreichen, im Urteil klug abgewogenen Ausführungen des Admirals James Stravidis.
Thorsten Frühbuss, BonnAls Kleinkind, Jahrgang 1940, habe ich noch einiges vom Krieg mitbekommen und jahrzehntelang davon geträumt. Jetzt ist wieder Krieg und ich träume nichts mehr!
Horst Weingärtner, München
Unsere einzige Chance
Heft 11/2022 Leitartikel: Ein Energieembargo wäre eine ökonomisch riskante, aber wirksame Waffe
Ihr Leitartikel trifft genau den Nerv. Unsere Regierung eiert jetzt mit der Entscheidung, Öl und Gas zu stoppen, genauso herum wie noch vor einigen Wochen, als es um die Waffenlieferungen ging. Wäre die Entscheidung damals früher und konsequenter gefallen, sähe es in der Ukraine heute besser aus. Genauso wird es sich verhalten, wenn wir noch lange mit stärkeren Sanktionen warten. Es ist unsere einzige Chance, dazu beizutragen, dass Putin gestoppt wird. Ohne dieses Signal werden Europa und die Welt noch einiges erleben. Natürlich werden wir uns alle umstellen müssen. Aber was ist eigentlich dabei, wenn unsere Wirtschaft mal nicht immer nur wächst? Vielleicht täte es uns gut, uns vom »immer höher, schneller, weiter« zu verabschieden.
Rüdiger Schulz, Ellerau (Schl.-Holst.)Mathieu von Rohr präsentiert den Vorschlag, Nord Stream 1 zu schließen und dann das Gas über die Ukraine nach Europa zu leiten. »Diese Leitungen werden die Russen dann nicht bombardieren.« Ein seltsamer, unausgegorener, weltfremder Gedankengang.
Dr. Ralph Detze, Ehingen (Bad.-Württ.)Ein deutscher Boykott von russischem Erdöl? Unmöglich! Was soll dann aus den vielen SUV-Fans mit ihren 2,5-Tonnen-Spritfressern werden? Was aus den Helikopter-Eltern, die für 500 Meter Schulweg unbedingt das Auto brauchen? Aus den Hybridfahrzeug-Steuersparern, die noch nie das Ladekabel benutzt haben? Was aus all den Rasern, Dränglern und Posern? Tempolimit, Fahrgemeinschaften, öffentliche Verkehrsmittel, BILD-Zeitung und Brötchen zu Fuß kaufen gehen – igitt! Und dann evtl. auch noch bei 20 Grad Raumtemperatur bitter frieren: Liebe Ukrainer, bei aller Solidarität müsst ihr verstehen – das geht einfach nicht!
Ronald Mandler, Pirmasens (Rhld.-Pf.)Statt einem Ölboykott, der schwer einschätzbare und wohl schwerwiegende Folgen für die deutsche Wirtschaft haben würde, sollten wir alle folgende wirksame und populäre Forderung stellen: kostenloser öffentlicher Personennahverkehr in ganz Deutschland für zunächst sechs Monate. Und wenn Herr Habeck dann noch die Einspeisevergütung für Solaranlagen auf 15 Cent pro Kilowattstunde anhebt, dürfte sich in diesem Land sehr schnell sehr viel ändern. Denn Kleinvieh macht sehr viel mehr Mist als man denkt.
Johannes Schubert, Bad Aibling (Bayern)
Tränen im Gesicht
Heft 10/2022 Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk und die Deutschen
Der umtriebige, in allen Talkshows präsente ukrainische Botschafter Melnyk ist offenbar bereit, mit seinen maßlosen Forderungen nach noch mehr (deutschen) Waffen für sein Land Deutschland und Europa in einen dritten Weltkrieg zu treiben. Entgegen dem Begriff wird dieser womögliche Atomkrieg in Europa stattfinden, und an seinem Ende dürfte auch von der Ukraine nichts übrigbleiben. Diesen höchstgefährlichen Forderungen müssen die Politik und wir Bürger energisch entgegentreten. Solidarität mit der Ukraine – ja! Sterben für die Ukraine – nein!
Alf Hase, Esens (Nieders.)Eine Flugverbotszone über der Ukraine würde zwangsläufig zum dritten Weltkrieg führen. Wie dieser verliefe, mag man sich kaum vorstellen. Sicher ist nur, welche Waffen im Vierten Weltkrieg zum Einsatz kommen: Knüppel und Steine.
Thomas Pfeiffer, KielDieser Stepan Bandera, an dessen Grab Botschafter Melnyk einen Blumenstrauß niedergelegt hat, war mit seinen ultranationalistischen Kumpanen dran beteiligt, dass 140.000 russische Kriegsgefangene in der Zitadelle von Lwiw (Lemberg) durch Verhungern umkamen. Diese Tatsache wird bis heute verdrängt und beschwiegen.
Klaus Korn, HamburgMuss ein deutscher Politiker – Michael Roth, SPD, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages – hinnehmen, vom ukrainischen Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, als »Arschloch« bezeichnet und als Mensch »der nie die Wahrheit« sage, diffamiert zu werden? Von einem überaus selbstbewussten und eitlen Botschafter übrigens, der explizit, wie auch der ukrainische Präsident Selenskyj selbst, im Zuge seiner klagend fordernden Auftritte allen Ernstes Deutschland verantwortlich macht für den Krieg, seine Toten, seine Geflüchteten. Ich meine: Nein, das muss er nicht. Bei allem Verständnis für die Aufgeregtheit ukrainischer Politiker: Auch in Kriegszeiten gelten Regeln der Fairness und Contenance.
Inge Zenker-Baltes, BerlinEs ist nicht einfach, uneingeschränkt Sympathie für den ukrainischen Botschafter Melnyk zu zeigen. Berührt haben mich jedoch seine Worte nach einem Gespräch über die Kriegsverbrechen mit Finanzminister Christian Lindner. Lindner »zeigte nicht mal Betroffenheit, er war kühl und sachlich«. Melnyk habe dann das Gespräch abgebrochen, danach seien »Tränen nur so über das Gesicht gelaufen«. Ich schäme mich für das Verhalten des obersten Repräsentanten der Freien Demokraten.
Alois Schwind, Wachtberg (NRW)
Romantisch verklärt
Heft 10/2022 Vor allem Mütter hielten in der Pandemie das Land am Laufen – jetzt können viele nicht mehr
Danke für diesen Artikel über Mental Load und Care-Arbeit von Müttern in der Coronazeit. Ich kenne unzählige Familien – und gerade mal eine Handvoll, in denen sich die Väter während der Schulschließungen um ihre Kinder gekümmert oder sich zumindest hälftig beteiligt haben. Wo ist der Coronabonus für die Mütter, in einer Zeit, in der viele Lufthansamitarbeiter voll bezahlt zu Hause bleiben konnten, Lehrer sich wegen »fehlender Kamera« dem Videounterricht verweigert haben und ganz Schlaue sich dumm und dämlich verdient haben mit Corona-Testzentren oder Maskendeals? Ich persönlich halte nichts von Mutter-Kind-Kuren und empfinde das Zusammensein mit so vielen Kindern und Müttern als Stress pur. Schön zu lesen, dass es anderen Müttern ein wenig hilft. Warum aber, frage ich mich, ist in Berlin schulfrei am Tag vor dem Weltfrauentag? Damit wir Mütter wieder Kinder betreuen, statt zu arbeiten? Ganz ehrlich: Schiebt Euch den Weltfrauentag bitte in den Allerwertesten. Was für ein Zynismus in einer Welt, in der Mädchen und Frauen in vielen Ländern systematisch unterdrückt werden und auch in Deutschland Männer nach wie vor häufig Vorfahrt haben.
Julia Kull, BerlinEs sind nicht nur die unmöglichen Kita- und Schulöffnungszeiten, die Familien und vor allem Frauen sehr belasten. Es sind auch die rücksichtslosen Ansprüche der Arbeitgeber, sich andauernd und flexibel anzupassen. Ein Arbeitsrecht, das die Interessen der Arbeitnehmer besser schützt und die Interessen beider Seiten ausgleicht, würde helfen. Die Politik ist bisher nicht bereit, daran wirklich etwas zu verbessern.
Irene Weidlich, BerlinMich wundert schon seit Langem, mit welch romantisch angehauchter Verklärtheit sich manche das Kinderhaben vorstellen. Würde die Aufgabe, die Eltern mit Kindern gerade in den ersten Jahren haben, ernst genommen, ist es doch automatisch mit sehr viel Arbeit verbunden. Und Kinder zu kriegen ist – zumindest in den meisten Fällen – eine proaktive Entscheidung. Damit, dass es globale Krisen und auch leider immer wieder Kriege gibt und es sehr unwahrscheinlich ist, dass das Gleichmaß und die politische Stabilität der letzten Jahrzehnte ewig währen, war auch schon länger zu rechnen.
Ullrich Herzau, BerlinDieser Text hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen. Das Dilemma der von der Gesellschaft häufig nicht wertgeschätzten Care-Arbeit haben wir als Eltern in der »mittleren Generation« während der Corona-Zeit ja am eigenen Leib erfahren, als erwartet wurde, dass wir unsere Kinder betreuen, die Großeltern schützen, das Homeschooling übernehmen und nebenher noch die Wirtschaft vom heimischen Schreibtisch aus oder an der Supermarktkasse am Laufen halten. Sie schreiben, dass es 73 Kliniken des Müttergenesungswerks mit circa 50.000 Betten gibt. Soweit ich informiert bin, ist der Großteil dieser Kliniken jedoch für Mutter- bzw. Vater-Kind-Kuren vorgesehen. Für eine »richtige« Mütter-Kur – also ohne Kinder – gibt es, soweit ich weiß, deutschlandweit nur sehr wenige Plätze. Mir hat eine dreiwöchige Kur sehr gutgetan und ich kann nur allen Müttern (bzw. Frauen, die pflegende Aufgaben übernehmen; auch diese haben ja Anspruch auf eine solche Kur) empfehlen, sich darum zu bemühen und dafür zu kämpfen. Es lohnt sich. An die Politik appelliere ich, diese Kurkliniken finanziell zu unterstützen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass wir Frauen diese Angebote wahrnehmen können – durch Familienhelfer, Urlaub für den/die Partner:in oder anderweitige Hilfen in der Kinderbetreuung oder der Pflege.
Cornelia Rohleder, BayreuthZu den fünf bestehenden WhatsApp-Gruppen kommt jetzt noch die Kur-Gruppe hinzu, es wird in Zukunft nicht leichter. Hilfreich für junge Frauen wäre, das Handy mal aus der Hand zu legen. Und die Frauen nach dem Krieg konnten auch nicht andauernd zum Pilates rennen.
Dietmar Geike, Kleinmachnow (Brandenb.)
Die Ökorevolution im Weinbau
Heft 10/2022 Trinken Sie Ihren Merlot mit Pestiziden – oder ohne?
Wenn im Supermarkt eine Flasche Wein für unter zwei Euro angeboten wird, sollten die Käufer sowieso stutzen. Um jetzt dem legalen Gepansche aus dem Weg zu gehen, sollte man sich auf veganen Biowein konzentrieren.
Gerhard Draumann, Bürstadt (Hessen)
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