Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Nicht zu Ende gedacht
Heft 37/2025 Titel: Wie mächtig wird die KI?
Da die KI prinzipiell nichts wirklich Neues bringen kann, sondern immer nur auf die Verrechnung von bereits Vorhandenem beschränkt bleibt, wird KI auch in der Zukunft keine kreativen Lösungen bieten können. Es ist halt wieder nur ein neues Geschäftsmodell aus Silicon Valley.
Dr. Günther Witzany, Bürmoos (Österreich)Das Thema wurde schon von Goethe in seinem Gedicht »Der Zauberlehrling« gut beschrieben. Wir wissen schon was und legen voller Optimismus los, bis wir merken, dass wir die Sache nicht zu Ende gedacht haben. Im Gedicht geht es gut aus, weil der alte Meister rechtzeitig eingreift. Ob das auch in diesem Fall gilt? Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mehrere Meister um die Beute zanken und dabei alles verloren geht, erscheint mir größer. Hoffentlich liege ich falsch.
Heidemarie Wegener, Osterode (Nieders.)Danke für die sachliche Darstellung zu Chancen und Risiken einer Super-KI. Die Aussagen der (amerikanischen) KI-Jünger lesen sich wie feuchte Träume eines freidrehenden Daniel Düsentrieb. Solange KI-Modelle lediglich Textergänzungsmaschinen sind, werden sie im Leben keine eigenen Daseinsziele oder gar ein eigenes Bewusstsein entwickeln, gleichgültig wie viel Rechenleistung oder Daten man hineinstopft. Die Gefahr selbstverstärkender Rückkopplungsschleifen besteht allerdings schon heute.
Christoph Zischgl, Dorfen (Bayern)Auf der einen Seite die künstliche Intelligenz, deren Herren heute schon nicht mehr verstehen, warum sie tut, was sie tut. Auf der anderen Seite Forscherinnen wie Jie Mei, die sich daranmachen, die Funktionsweise des menschlichen Geistes in den Grundlagen zu erforschen. Wie lange es dauern könnte, bis beide Seiten erfolgreich zusammenfinden? Realer als die Unterjochung der Menschheit durch eine Superintelligenz ist derzeit das Ertrinken der Informationsgesellschaft in KI-generiertem Datenmüll (Slop), der von den Crawlern der KI-Hersteller wieder aus dem Netz gesaugt wird, um noch mehr davon zu produzieren.
Dr. Olaf Klinke, Bad Wünnenberg (NRW)
Zu hohe Ansprüche ans Personal
Heft 36/2025 Leitartikel: Angela Merkel hat die AfD groß gemacht
Jetzt behauptet auch der SPIEGEL: »Angela Merkel hat die AfD groß gemacht«. Ich erinnere an die Fakten: Die Flüchtlingskrise war 2015/16. Bei der darauffolgenden Bundestagswahl 2017 erhielt die AfD 12,2 Prozent der Stimmen, beim Abtritt Merkels 2021 waren es noch 10,4 Prozent. Aber unter Merz und Spahn 2025 kletterte die AfD auf 20,8 Prozent. Wer also hat die AfD wirklich groß und gefährlich gemacht?
Dr. Franz Alt, Baden-BadenKatrin Elgers ansonsten hervorragende Analyse von Merkels Satz »Wir schaffen das« lässt leider außen vor, dass es sich dabei um eine klassische einseitige Vereinnahmung des Souveräns unter Ausschaltung jedweder Debatte handelte. So war ihr Verhalten ein geradezu lehrbuchmäßiger Verstoß gegen das für Demokratien so grundlegende Wesentlichkeitsgebot, das letztlich für die Akzeptanz des Verhaltens der Regierenden durch die Regierten entscheidend ist. Der sogenannte of the Governed, in Demokratien bekanntlich das einigende Band zwischen Exekutive und dem Volk, wurde dadurch entscheidend beschädigt. Mit den Folgen müssen wir seitdem leben.
Andreas Dreyer, Landesbergen (Nieders.)Deutschland konnte und kann im Vergleich zu anderen Ländern froh sein, in Krisenzeiten vernünftige Politikerinnen und Politiker wie Angela Merkel oder Olaf Scholz an der Spitze gehabt zu haben. Dass diese Menschen nicht alles richtig machen (und das vielleicht noch nicht mal einsehen und zugeben), ist völlig klar – wer das nicht wahrhaben will, stellt Ansprüche an das demokratische Personal, denen dieses niemals gerecht werden kann. Auch Adenauers Politik der Westbindung oder Brandts neue Ostpolitik führten zu einer scharfen politischen Polarisierung und spalteten die Gesellschaft teilweise – aber würde man ihnen das noch vorwerfen? Entscheidend ist doch, was am Ende daraus wird – und da schreibt Katrin Elger selbst: »Tatsächlich ist die Bundesrepublik vergleichsweise wohlhabend und stabil« – vielleicht kann man in diesen weltpolitisch schwierigen Zeiten auch einfach gar nicht mehr erwarten.
Benjamin Gerig, Lauffen am Neckar
Kostenlose Werbung für die Rechten
Heft 36/2025 Molkereimilliardär Theo Müller feierte seinen Geburtstag mit AfD-Chefin Alice Weidel – und anderen Radikalen
Danke, Frau Amann und Frau Müller! Das sind ja interessante (problematische) Querverbindungen – und es ist Ihrer beider Verdienst, dass wir, die LeserInnen, das jetzt auch wissen.
Dr. Nelia Schmid König, Heimenkirch (Bayern)Sechs Spalten, ein hübsches Foto und wenig erreicht. Der Versuch, mit dieser Auflistung der Gäste bei dem Geburtstag von Müllermilch-Chef Theo Müller, darunter viele Prominente, Stimmung gegen die AfD zu machen, ist voll danebengegangen. Es zeigt nur, dass diese Partei immer salonfähiger wird. Schönes Foto von Frau Weidel und kostenlose Werbung für eine rechtsextreme Partei.
Karl Dieter Schaller, HamburgDieser Artikel könnte ein Bericht, verfasst von Mitarbeitern der Stasi anlässlich einer Feier mit Westkontakten, sein. Als treuer, seit 1958 ständiger SPIEGEL-Leser muss ich mich fremdschämen.
Volkmar Johannes Schneider-Merck, HamburgKein Wunder, dass sich Molkereimilliardär Theo Müller und AfD-Parteichefin Alice Weidel so gut verstehen. Beide beackern die Wirklichkeit nach ihren eigenen Regeln. Müller bezahlt die Arbeiter in seinen Fabriken unter Tarif. Weidel behandelt Migranten als Menschen zweiter Klasse, macht sie doch diese – neben den Politikern der bürgerlichen Parteien – für alles Übel in Deutschland verantwortlich, weshalb sie sie aus Deutschland vertreiben will.
Klemens Hofmann, Marbach am Neckar (Bad.-Württ.)
Ursache in leidvollen Erfahrungen
Heft 36/2025 Die Illusionen der Deutschen über Israel
Es ist sicher anmaßend, die Politik im Nahen Osten verstehen zu wollen, wo es seit 77 Jahren keine Lösung zu geben scheint. Aber ich kann dieses Israelbashing kaum ertragen. Am 7. Oktober 2023 haben Juden, Beduinen, Drusen, Gastarbeiter der Kibbuzim und viele andere ein unvorstellbares Massaker erlebt, aber darüber breitet sich mittlerweile der Mantel des Schweigens. Auch das Schicksal der noch immer in der Hand grausamster Terroristen befindlichen Geiseln spielt in der Berichterstattung kaum eine Rolle. Wie soll denn eine Zweistaatenlösung funktionieren? Wer beschützt Israel, wenn radikale Organisationen in einem eigenen Staat eine reguläre Armee zur Vernichtung Israels aufbauen? Dass das Ziel der Hamas die Vernichtung Israels ist, ist ja kein Geheimnis. Eine nennenswerte Opposition ist dort nicht in Sicht. Golda Meirs Worte sind leider noch aktuell: »Frieden wird es geben, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen.« Wir können hier gut moralisieren, denn wir müssen den alltäglichen Terror nicht ertragen.
Dagmar Möller, Frankfurt (Oder)Ein hervorragend recherchierter Artikel, der zu einer Relativierung der anhaltenden Scham- und Schuldgefühle der Deutschen beitragen kann, hin zu einer realistischeren Betrachtung der Israelpolitik, und letztlich auch die Gleichung Israelkritik ist gleich Antisemitismus ad absurdum führen kann. Das Benennen von Völkerrechtsverletzungen, und zwar in allen Teilen der Welt, sollte auch Staatsräson der Deutschen sein.
Dr. Matthias Euler, Vallendar (Rhld.-Pf.)Der Autor berichtet, dass aktuelle Umfragen in der israelischen Bevölkerung eine »stabile Mehrheit gegen einen palästinensischen Staat« ergeben. Er vergisst aber, die Ursache für diese eindeutige Meinung zu nennen. Sie liegt in den leidvollen Erfahrungen, die die Israelis seit Jahrzehnten mit den palästinensischen Akteuren Hamas, PLO und Fatah gemacht haben. Alle Parteien, die den Palästinensern mit Zugeständnissen begegnen wollen, haben in Israel keine Chance. Die Bevölkerung weiß, dass es keine ernst zu nehmenden Repräsentanten des palästinensischen Volks gibt, die bereit wären, den Staat Israel anzuerkennen. Warum sollte das bei dem Staat anders sein, den der französische Präsident Macron im September in der Generalversammlung der Vereinten Nationen ausrufen will?
Rainer Werner, BerlinSelbstverständlich ist es schrecklich, wenn Menschen hungern und sterben, aber trotz aller Kritik an Israels Regierung muss ich feststellen, dass ein einseitiger Blick darauf, was »der Zionismus« für eine »dunkle Seite« habe und dabei lediglich zwei wenig aussagekräftige Quellen aus der Zeit lange vor der Staatsgründung Israels zitiert werden, mich verstört zurücklässt. Das Volk der arabischen Palästinenser wird vor allem von den eigenen Anführern seit spätestens 1929 (Mohammed Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem) instrumentalisiert und manipuliert, lässt das aber halt auch seither mit sich machen und steht praktisch ununterbrochen in Kriegszustand gegen Israel, nicht nur während der offenen Kriege 1948, 1967 und 1973. Die zentrale Forderung: Israel muss von der Landkarte verschwinden, die Israelis vertrieben oder besser gleich getötet werden. Dies wäre auch derzeit die Staatsräson eines Palästinenserstaates, und dass die Zustimmung dazu in Israel überschaubar ist, verwundert nicht. Alle Angebote zu einer Zweistaatenlösung wurden in der Geschichte vonseiten der arabischen Palästinenser abgelehnt, nicht vonseiten Israels.
Martin Obermeyer, Rosenheim
Elektronischer Schnickschnack
Heft 36/2025 BMW setzt in der Krise alles auf eine Karte und bringt ein völlig neues Auto auf den Markt. Ein Insiderreport
Der iX3 von BMW macht wirklich Hoffnung auf ein Comeback der deutschen Autoindustrie: mit großer Reichweite und schnellem Laden, bewährter mechanischer Ausgereiftheit und vor allem mit der anscheinend gelungenen Wende zu modernster Software, die lange Zeit Alleinstellungsmerkmal von Tesla war. Schade nur, dass (noch) nichts von bidirektionalem Laden und Vehicle-to-Grid (V2G) zu lesen war, denn gerade mit dieser Technologie könnte die Energiewende zu den Erneuerbaren nicht nur in Deutschland wirklich gelingen – mit Grüßen an Frau Ministerin Reiche: »Gas geben ist out«.
Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)Die Zuversicht des BMW-Chefs ist einigermaßen schwer nachvollziehbar. Selbst wenn das Elektrowunder alle hier gepriesenen Vorzüge bestätigt, sind 70.000 Euro für den Normalverbraucher kaum zu stemmen.
Michael Danders, BochumDieser über sieben Seiten gehende Artikel liest sich wie ein Krimi. Spannung einerseits durch den Inhalt – den wirklich mutigen, konsequenten Weg von BMW –, andererseits durch die Berichterstattung – detailliert analysierend, fesselnd.
Prof. Dr. Christian Teping, SaarbrückenDas Hoffnungsmobil entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Hoffnungslosigkeit der Autoindustrie. Es wird weiterhin zwei bis drei Tonnen wiegen und
30 Zentimeter breiter sein als eine Limousine der Achtzigerjahre. Es ist weiterhin unökologisch hinsichtlich Herstellung und Betrieb und raubt uns den Platz in den Städten. Völlig neu ist hier nur eine über alle Maßstäbe hinausgehende elektronische Aufrüstung eines Dings, das durchschnittlich 1,3 Personen von A nach B bringen soll, aber nicht mehr in die Zeit der Verkehrswende passt, die sich viele Menschen wünschen.
Robert Wunder, NürnbergVorsprung durch Technik zieht nicht mehr. Bei den Elektroautos ist neben dem elektronischen Schnickschnack die Batterie die einzig wirkliche technische Komponente. Hier konnte unsere Industrie nicht mehr mithalten, wobei auch der Zugang zu den wichtigen Batterie-Rohstoffen China überlassen wurde. Die sichere Versorgung mit kritischen Mineralen wird auch hier das Urteil fällen.
Dr.-Ing. Frank Leschhorn, München
Freiheit auf Bremse
Heft 36/2025 Was passiert, wenn Teenager allein in den Urlaub fahren?
Danke für den großartigen Artikel. Das verhuschte Gefühl von Freiheit auf Bremse konnte ich unmittelbar nachvollziehen. Sensationell die Fotos, nah dran, aber sehr respektvoll – und einige so grandios komponiert, das ist Kunst!
Susanne Brefort, Bottrop
Märchen schwarze Null
Heft 36/2025 Private Vermieter müssen oft knapp kalkulieren
Die schwarze Null bei Vermietungen ist ein Märchen. In jeder Kreditrate steckt auch Tilgung, die meist der Mieter bezahlt. Der Vermieter lässt dadurch andere für seine Altersvorsorge aufkommen.
Maximilian Philipp, Emmendingen (Bad.-Württ.)
Demokratische Selbstbehauptung
Heft 36/2025 Michel Friedman fordert ein Ende des politischen Taktierens
Der Essay hat eine klare Botschaft für den Umgang mit der AfD und Demokratiefeinden, die ich sehr begrüße. Wer Menschenrechte infrage stellt, muss mit Widerspruch rechnen, das ist demokratische Selbstbehauptung.
Hubert Tiemeyer, Bad Iburg (Nieders.)
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