Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 79 / 82

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Gewalt in Deutschland, Nord Stream, Klimaberichterstattung – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 50/2024

Bitte mehr Analysen

Heft 49/2024 Titel: Sind wir sicher? 

  • Sie sollten solche Titelbilder nicht machen. Sie fischen auch nach Lesern und Abonnenten wie Habeck am Küchentisch nach Wählerstimmen. Enttäuschend!
    Dagmar Naegele, Köln

  • Die Titelgeschichte war sehr informativ und bewegend. Doch fehlten wichtige Aspekte: Eine Ursache ist nicht nur die Armut als solche, sondern die immer größer werdende Kluft zu den Reichen – also die relative Armut. Angestachelt durch Internet und Co., wächst immer mehr Neid und auf wohlhabender Seite die he­rablassende Sicht auf Armut. Beides sind wesentliche Faktoren für Raub, Gewalt und so weiter.
    Bert Wenzlawski, Laupheim (Bad.-Württ.)

  • Der Titel dieser Woche ist nichts anderes als Populismus. Ich habe in Bonn, Brüssel und Hamburg gelebt und lebe heute teils in Berlin, teils in Spanien und fühle mich nicht unsicherer als früher. Medien können Ängste auch schüren. Es ist bekannt, dass der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder die häusliche Umgebung ist. Werde aber trotzdem weiter den SPIEGEL lesen.
    Petra van Delden Beckert, Berlin

  • Ich finde die Überschrift »Die Angst geht um« zu reißerisch. Sie suggeriert, dass sich eine Mehrheit der in Deutschland Lebenden nicht mehr auf die Straße traut, was faktisch falsch ist. Aber deutlich wird doch, was in der Regel zu mehr Gewalt führt: Armut! In Deutschland! Und gleichzeitig wird darüber diskutiert, den Sozialstaat einzuschränken, das Bürgergeld zu kürzen, soziale Projekte weniger zu finanzieren. Deutschland gilt nach wie vor als ein sicheres Land. Warum? Weil wir noch ein Sozialstaat sind. Nicht allein die Polizei verhindert Gewalt. Auch das Verhindern von Armut erhöht die Sicherheit eines Landes.
    Stefan Merkl, München

  • »Sind wir sicher?« Diese Frage ist leicht zu beantworten: Nein! Sind wir nicht und werden wir auch nie sein. Erster Risikofaktor: wir selbst – mit unserer Gier nach Macht, Geld und Bedeutung (politisch, wirtschaftlich und auch gesellschaftlich). Zweiter Risikofaktor: die Natur – mit Unwettern, Dürren und Überschwemmungen. Dritter Risikofaktor: die Auswirkungen unserer Erfindungen – mit CO2, Feinstaub, Baumängeln, Mikroplastik, schädlichen Chemikalien, unendlichen Abfallmengen, Waffen aller Art.
    Michael Müller, Lentföhrden (Schl.-Holst.)

  • Weder wurde die Titelfrage geklärt, nämlich ob wir jetzt sicher sind oder nicht, noch wurde in Relation gestellt, ob wir überhaupt unsicherer oder sicherer sind. Nicht nur im zeitlichen Kontext, auch im internationalen Vergleich. Lebe ich tatsächlich un­sicherer als im Deutschland der Sechzigerjahre? Oder lebe ich unsicherer als in den USA, Frankreich oder Italien? Gehen nicht vielleicht die größeren Gefahren meines Lebens vom Autofahren, Klimawandel oder Zigarettenrauchen aus? Vielen Dank für diesen reißerischen Titel.
    Patrick Blömker, Tecklenburg (NRW)

  • Sechs Seiten tränenreiche Einzelfälle, eine halbe Seite Analyse. Nach viel Gejammer der verschämte Hinweis, dass es in den Neunzigern mehr Morde gegeben habe. Das zeigt wieder nur, dass das Sicherheitsgefühl mehr von der Berichterstattung abhängt als von der Lage. In meiner Teenagerzeit in den Neunzigern hatte jedenfalls keiner Angst, nach draußen zu gehen, obwohl es objektiv gefährlicher war. Nächstes Mal bitte mehr Analysen, zum Beispiel: Betrifft der jüngste Anstieg alle Gruppen oder nur manche? Wie sieht es in anderen Ländern aus? Was könnten Lösungsansätze sein?
    Christian Dittrich, München

  • Ich möchte anregen zu untersuchen, warum Männer immer gewalttätiger werden. Es wird leider ausgeblendet, dass der weitaus größere Teil der Täter:innen Täter sind. Bei jeder anderen Gruppe würde wohl ein Aufschrei durchs Land gellen.
    Ute Noack, Wirdum (Nieders.)

Bleibt wachsam!

Heft 48/2024 Wie ein ukrainisches Geheimkommando Nord Stream sprengte 

  • Was für eine Rechercheleistung, und so spannend geschrieben. Man kann verstehen, warum Ukrainer diese Sabotage als militärische Heldentat werten. Was ich nicht verstehe: Warum haben die Helden nicht auch ihre eigene Pipeline gesprengt, durch die bis heute russisches Gas nach Österreich fließt?
    Bernd Rohde, Ahrensburg (Schl.-Holst.)

  • Nette Story, aber sie überzeugt mich nicht. Ukrainer wissen, dass sie auf deutsche Hilfe und Fürsprache existenziell angewiesen sind. Das sollen sie nun selbst ernsthaft gefährden? Extrem unwahrscheinlich. Woher kannte die Crew den Verlauf der Röhren? Woher hatte der Segler das Hochleistungssonar? Woher kam der Sprengstoff? Was hat es mit den russischen Spezialschiffen auf sich, die sich – als Darkship – wohl mehrfach stundenlang über den späteren Explosionsorten aufhielten, zuletzt fünf Tage vor den Explosionen? Warum wurde die »Andromeda« nicht verbrannt, sondern voller Spuren hinterlassen? Ihr unterschätzt den russischen FSB, der genau weiß, wie neugierig deutsche Journa­listen sind. Und dass Putin einen Gaskrieg wollte, das wissen wir schon länger.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • Herzlichen Glückwunsch, gute Recherche. Ihr habt die Leute gefunden, die es getan haben. Aber wer war der Auftraggeber? Die Vermutung bleibt weiter, dass es die USA waren. Die USA möchten, dass der Westen kein Gas von Russland bezieht. Russland soll finanziell nicht erstarken. Die US-Ölkonzerne möchten Teil­habe am großen Geldgeschäft. Das Gleiche gilt auch für die europäischen Konzerne. Aus politischer Sicht: Die europäischen Staaten bleiben weiter von den USA abhängig. Politik ist ein knallhartes Geschäft. Bleibt weiterhin wachsam!
    Otto Reinke, Vechta (Nieders.)

  • Zu Ihrem ausgezeichneten Bericht: Chapeau! Wir leben schon in einem sonderbaren Land beziehungsweise auf einem sonderbaren Kontinent. Wenn ein Autofahrer in Italien falsch parkt, werden seine Spuren europaweit verfolgt, damit er seine Strafe bekommt. Auch scheut sich die Justiz nicht, nach einer scheinbar staatsgefährdenden »Schwachkopf«-Bemerkung die ganze Härte des Systems zu zeigen. Um aber ein Verbrechen aufzuklären, das tatsächlich die Grundfesten unserer Infrastruktur erschütterte, bedarf es einer Handvoll Journalisten. Dass Deutschland und die EU-Partner entweder unfähig oder nicht willens sind, so etwas aufzuklären, erschüttert das Vertrauen in den Staat und die EU bis ins Mark.
    Michael Heuberger, Seligenporten (Bayern)

  • Bundeskanzler Scholz hat sich kürzlich bei einer Fragestunde vor Publikum gewünscht, dass die Saboteure wichtiger deutscher Infrastruktur vor ein deutsches Gericht kämen. Nachdem inzwischen die Namen und
    Adressen der teilweise mit Haftbefehl gesuchten Ukrainer bekannt sind, müssten diese nach Deutschland ausgeliefert werden. Warum Deutschland, das die Ukraine inzwischen mit mehr als 30 Milliarden Euro (Geld und Waffen) unterstützt hat, die Auslieferung nicht durchsetzen kann oder vielleicht nicht will, bleibt ein Rätsel.
    Dr. Norbert Müller, Herdecke (NRW)

  • Es ist schon unglaublich, was das Rechercheteam von SPIEGEL und ZDF zur Zerstörung der Gaspipelines Nord Stream herausgefunden hat. Unglaublich, mit welch einfachen Mitteln dieser Sabo­tageakt durchgeführt wurde, der Deutschland in eine schwere Energiekrise gebracht hat. Unglaublich, wie nicht nur unsere Geheimdienste versagt haben. Unglaublich, dass Präsident Selenskyj von allem nichts gewusst haben will. Am unglaublichsten aber ist die ukrainische Auffassung, dass die Gasleitung ein militärisches Ziel sei, deren Zerstörung ein Segen für Deutschland und völkerrechtlich nicht zu beanstanden sei.
    Dr. Manfred Breitenkamp, Berlin

  • Bewundernswert, wie operativ-investigativer Journalismus noch funktioniert, sogar international – oftmals im Gegensatz zu staatlichen Ermittlungsinstitutionen.
    Dr. Edmund Haferbeck, Lübeck

Minutiös und schonungslos

Heft 48/2024 SPIEGEL-Kritik: Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen analysiert unsere Klimaberichterstattung 

  • Auf diesen Artikel habe ich Jahrzehnte gewartet. Jedem Satz ist beizupflichten. Hoffentlich richtet sich der SPIEGEL zukünftig nach der Empfehlung, ein Ressort für Klima und Zukunft einzurichten, um über Klimakriminalität aufzuklären und anhand von Beispielen aufzuzeigen, wie man es besser machen kann. Denn wie heißt es im Bericht: Realität ist das, was nicht weggeht, auch wenn man nicht daran glaubt.
    Ernst Muscheid, Neuwied (Rhld.-Pf.)

  • Kompliment zu Ihrem Wagnis »SPIEGEL-Kritik«. Diese Form von Selbstkritik dürfte in der Medienlandschaft ihresgleichen suchen. Respekt.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

  • Es ehrt den SPIEGEL, dass er Bernhard Pörksen den Schlingerkurs des Blatts in Sachen Klimaschutz so minutiös und schonungslos hat darstellen lassen. Mich als langjährigen Umweltjournalisten gruselte es immer, wenn der querquasselnde, von den Medien als seriöser Klimaforscher hochstilisierte Hans von Storch wieder einen großen Auftritt im Blatt hatte.
    Dr. Dietrich Weder, Frankfurt am Main

  • Der Artikel ist eine ausgezeichnete Analyse und macht genau die richtigen Vorschläge. Eine Veränderung der sprachlichen Behandlung ist ebenfalls dringend erforderlich. Schließlich handelt es sich bei den jetzt und in den kommenden Jahrzehnten ablaufenden Klimaveränderungen nicht darum, das Klima zu schützen (»Klimaschutz«) – sondern darum, einen für die Menschheit und das Leben erträglichen Planeten zu erhalten. Es geht also um Menschheits- und Lebensschutz. »Sagen, was ist«, bedeutet hier vor allem auch: positive Veränderungsbeispiele zu verbreiten.
    Torsten Thiele, Meppen (Nieders.)

  • Wie schön wäre ein solch aufrüttelnder Artikel oder gar ein »Klimaressort«, wie es das offensichtlich in anderen Ländern längst gibt, zu einer Zeit gewesen, in der wir Grüne an der Regierung hatten. Vernunftgeleitete Unterstützung gegen Lügen und Hassreden von Söder, Merz, Lindner und Co. hätte im günstigen Fall die Ignoranz in der Bevölkerung noch aufrütteln können. Nicht erst die nächste Generation wird dafür in der Klimahölle büßen, aber den meisten scheint das vollkommen egal zu sein.
    Ursula Deinzer, Nürnberg

  • In dem wunderbaren Beitrag steht dieser zentrale Satz: »Das Problem ist die Vermischung von Meinung und vermeintlicher Realitätsanalyse.« Leider gilt diese Erkenntnis nicht nur für den Themenkreis Klima. Diese Vermischung findet in nahezu allen Themenfeldern statt, und das nicht nur beim SPIEGEL.
    Tony Petersen, Hamburg

  • In Bezug auf die Klimakatastrophe hat sich der SPIEGEL viel zu langsam seinem Grundsatz »Sagen, was ist« angenähert. Umso nötiger war diese schonungslose, aber differenzierte Analyse. Ich bin mir sicher, der SPIEGEL wird daraus die richtigen Schlüsse ziehen und umsetzen. Es geht einfach um viel zu viel. Dem Magazin zu unterstellen, sich wenigstens teilweise der »Lügenpresse« angeschlossen zu haben, ist grundfalsch. Welches Presseorgan seiner Bedeutung räumt einem Fundamentalkritiker solchen Raum ein? Es ist aber auch daran zu erinnern, dass der SPIEGEL in der Causa Relotius schonungslos und aus freien Stücken gegen sich selbst vorgegangen ist und der Wahrheit die Ehre gegeben hat.
    Dr. Klaus Swieczkowski, Hildburghausen (Thür.)

  • Die kritischen Bemerkungen von Herrn Pörksen treffen ins Schwarze. Mir ist die teilweise stark wechselnde Qualität von Recherche, (reißerischen) Überschriften und Lektorat aufgefallen. Der SPIEGEL sollte die Empfehlungen umsetzen: erstens ein eigenes Ressort, zum Beispiel Klima und Zukunft; zweitens die Stärkung der Narrative zur Ermutigung und Kooperation; und drittens die verstärkte transnationale Kooperation auch zum Thema Klimakriminalität. Dazu eine Förderung qualitätsorientierter Leser:innenbeteiligung, so wie Herr Pörksen auch eine verstärkte Beteiligung der Leserschaft einfordert. Dies könnte thematisch sortiert und gut lektoriert sein.
    Dr. Bernd Eversmann, Andernach (Rhld.-Pf.)

  • Die Verknüpfung von aktuellen Themen (Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten) mit dem Thema Klimakatastrophe fehlt in dem ansonsten hervorragenden Artikel von Bernhard Pörksen. Auch Kriege sind Klimakrimi­nalität. Sie töten nicht nur Menschen, sondern tragen durch die erhebliche Belastung des Klimas mittelfristig auch zur Zerstörung der Grundlagen für alles Leben auf unserem Planeten bei.
    Ute Beese, Bottrop (NRW)

Thema 3

Heft 48/2024 Die Selbstzerstörung der Genossen­ 

  • »Ich habe Parteivorstand und Fraktionsführung darüber informiert, dass ich als Kanzlerkandidat nicht zur Verfügung stehe.« Das waren die richtigen Worte! Nur leider vom falschen Mann.
    Horst Ahrens, Schaffhausen (Schweiz)

Thema 3

Heft 48/2024 Kolumne »Alles Gutsch« über das Wort des Jahres, Elon Musk und die deutsche Lust am Untergang 

  • Jochen-Martin Gutsch hält uns Deutschen selbstironisch den Spiegel vor. Ohne Lage und Stimmung schönzureden. »Manchmal denke ich, dass das lustvolle Leiden am Zustand der Welt vielleicht das größte deutsche Talent ist«, schreibt er. Wie wahr. Leider.
    Dr. Frank Latka, Berlin

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