Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Die Bilder sind unerträglich
Heft 31/2025 Titel: Gaza – ein Verbrechen
Nachdem die Auswahl der Titelbilder in der letzten Zeit doch etwas zu wünschen übrig ließ, ist es Ihnen nun wieder gelungen, der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft anhand von fünf Gesichtern einen wahren Blickfang an schreiendem Unrecht, Dramatik und Verzweiflung zu präsentieren. Dass Bilder mehr als 1000 Worte sagen, mag eine abgedroschene Phrase sein, aber dieser Titel scheint sie zu bestätigen!
Matthias Kaiser, Schutterwald (Bad.-Württ.)Leider adressieren Sie das Verbrechen falsch. Ausgangspunkt ist, dass sich Israel gegen einen Aggressor, die Hamas, wehrt. Der Schlüssel zum Ende der Gewalt liegt allein bei ihr. Vielmehr noch, als die Gewalt einzustellen, nimmt sie die »eigene« Bevölkerung in Geiselhaft. Zudem widersprechen Sie sich in Ihrem Artikel. Einerseits sei die Hamas »militärisch weitgehend besiegt«, andererseits – so im folgenden Absatz – postulieren Sie, »Verhandlungen um eine Waffenruhe« kämen »nicht voran«. Verhandlungen, die eben nicht notwendig wären, wäre die Hamas (weitgehend) besiegt.
Steffen Simmer, Ober-Mörlen (Hessen)Ich frage mich, wie man angesichts der apokalyptischen Bilder aus dem Gazastreifen noch Zweifel daran haben kann, dass hier das humanitäre Völkerrecht durch Israel verletzt wird. Die Bilder in der täglichen Berichterstattung sind unerträglich. Dieser dicht besiedelte Küstenstreifen wird in die Unbewohnbarkeit gebombt. Da wird keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen. Und die Hardliner in der israelischen Regierung wollen das offensichtlich auch gar nicht. In den bombardierten Gebieten soll zudem Siedlungsland gewonnen werden, möglichst ohne angestammte palästinensische Bevölkerung. Gehört Aushungern auch zum unerklärten Ziel der Siedlerfraktion um den rechtsradikalen Minister Smotrich im Kabinett Netanyahu? Wer diese Politik mit Waffenhilfen unterstützt, macht sich mitschuldig. Eine Rechtfertigung mit deutscher Staatsräson ist inzwischen völlig fehl am Platz.
Markus Speer, PforzheimDanke für den unter die Haut gehenden Bericht. Die Bundesregierung wird ihrer internationalen Verantwortung nicht gerecht, wenn sie angesichts der Verbrechen im Gazastreifen nichts gegen die israelische Regierung unternimmt. Das israelische Militär muss aufhören, Menschen, die für Lebensmittel anstehen, zu erschießen. Gegen Netanyahu, Smotrich und Ben-Gvir sollte Deutschland Sanktionen verhängen und die Waffenexporte nach Israel endlich stoppen. Unsere Solidarität gilt der israelischen Bevölkerung, aber nicht einer verbrecherisch handelnden Regierung.
Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)
Zu groß für Spahn
Heft 30/2025 Leitartikel: Die gescheiterte Richterwahl zeigt die Verunsicherung der Kanzlerpartei
Es ist besorgniserregend zu sehen, wie CDU und CSU in der Debatte um die Richterwahl einer rechtsextremen Kampagne Beachtung schenkten. Die im Artikel genannte Beobachtung, dass die AfD mittlerweile die Richterwahl beeinflusst, sogar von der Oppositionsbank aus, ist ein beunruhigendes Signal für den Zustand unserer Demokratie. Die aktuellen Geschehnisse erinnern an Dynamiken der Weimarer Republik, wo konservative Kräfte glaubten, durch Appeasement gegenüber rechtsextremen Demokratiefeinden diese kontrollieren zu können. Die Geschichte lehrt uns, dass ein solcher Pakt die Republik nicht stärkte, sondern zu ihrer Destabilisierung beitrug. Die Richterwahl unterstreicht, dass rechtsextreme Parteien nicht nur am Rande des politischen Spektrums agieren, sondern aktiv die Fundamente der Demokratie herausfordern.
Jens Mayer, IngolstadtJens Spahn hat bei der missglückten Richterwahl das Gespür für die Stimmung innerhalb der Koalition gefehlt. Das gehört allerdings zum Profil eines Fraktionsvorsitzenden. Auch ist seine kürzlich geäußerte Forderung, die AfD wie eine normale Partei zu behandeln, brandgefährlich. Die AfD ist nämlich keine normale Partei, sie ist rechtsextrem und will der Demokratie an den Kragen. Sie muss deshalb verboten werden. Der Versuch, sie politisch einzuhegen, wird scheitern. Das hat zum Beispiel die verunglückte Richterwahl gezeigt, aus der einzig die AfD gestärkt herausgegangen ist. Das zeigt, dass das Amt des Fraktionsvorsitzenden noch zu groß für Jens Spahn ist. Er sollte stattdessen lernen, wie man dieses Amt ausfüllt – als einfacher Abgeordneter.
Klemens Hofmann, Marbach am Neckar (Bad-Württ.)Das neue Grundsatzprogramm der CDU betont also die überragende Bedeutung für den Schutz des ungeborenen Lebens, was wohl der Hauptgrund für die Ablehnung von Frau Brosius-Gersdorf sein dürfte. Konsequent wäre es, wenn sich die Christdemokraten ebenso tatkräftig für den Schutz des bereits geborenen Lebens einsetzen würden. Zum Beispiel bei der Seenotrettung. Hier offenbart sich die ganze Heuchelei von CDU/CSU.
Thomas Naatz, Frankfurt am Main
Fulminanter Artikel
Heft 30/2025 So ringt die SPIEGEL--Redaktion um den richtigen Umgang mit der AfD
Herzlichen Dank an Dirk Kurbjuweit für die Einblicke in die Diskussion innerhalb der Redaktion des SPIEGEL. Ja, die Anhängerschaft der AfD, die keine rechtsextreme Einstellung erkennen lässt, sollte nach ihren Motiven befragt werden. Beispiele für Interviewfragen: Was versprechen Sie sich davon, AfD zu wählen? Welche konkreten Verbesserungen erwarten Sie nach einem AfD-Wahlsieg? Was erwarten Sie von den etablierten Parteien, die dann wegen fehlender Mehrheit nicht mehr regieren können? Aus welchen Medien beziehen Sie Ihre Informationen? Mit diesen und ähnlichen Fragen renne ich schon lange den Wählerinnen und Wählern der AfD und der »Freien Sachsen« hinterher. Leider nur mit sehr geringem Erfolg.
Dr. Martin Böttger, Zwickau (Sachsen)Aus der zutreffenden Erkenntnis, dass die AfD eben keine normale Partei ist, sondern eine gefährliche Herausforderung für unsere liberale Demokratie, handeln Sie in Ihrer Redaktion, nach diesem Beitrag zu urteilen, reflektiert und gewissenhaft. Sie beschäftigen sich mit der AfD, ohne deren Spitzenpersonal Schuttabladeplätze in Form von autorisierten Interviews einzuräumen. Weiterhin setzen Sie sich kritisch mit den demokratischen Parteien auseinander, die die liberale Demokratie stützen. Sie verhehlen dennoch nicht Probleme im Zusammenhang mit der Migration, ohne deren unbestreitbaren Fortschritte zu vernachlässigen. Ein guter Ansatz, den Chefredakteur Dirk Kurbjuweit hier aufzeigt. Mögen Sie Ihren Journalismus auch künftig danach ausrichten.
Hendrik Leuker, BambergAllein die Tatsache, dass man Oppositionspolitiker nicht interviewt, weil sie lügen könnten (Lügen in der Politik? Man stelle sich so was mal vor!) ist unfassbar. Hier geht es nicht um Meinungsbildung, sondern um Agitation für die vermeintlich gute Sache. Die Einlassungen zum Thema Migration zeigen, dass die Redaktion das komplette Meinungsspektrum von A bis …, nun, B abzubilden bereit ist. Dieser Text ist in seiner Ignoranz wirklich erschütternd.
Thomas Max, Bretten (Bad.-Württ.)Als SPIEGEL-Leser seit 60 Jahren habe ich etliche Chefredakteure »mitgemacht«. Dirk Kurbjuweit reiht sich nahtlos ein mit seinem fulminanten Artikel. Chapeau! Solche positiven Zeichen sind dringend notwendig. Also: archivieren unter »hervorragende Artikel«. Weiter so!
Wolfgang Hund, Hersbruck (Bayern)Dieses Essay von Dirk Kurbjuweit als Chefredakteur des SPIEGEL zum Thema AfD kennzeichnet die ganze Haltung dieses Blattes. Ich kann es nur Agonie des Journalismus nennen. Krönung: Interviews mit Spitzenpolitikern der AfD. »Wir führen sie nicht, weil wir wissen, dass wir mit Un- und Halbwahrheiten rechnen müssen, manchmal mit Unwahrheiten, die wir nicht sofort in der Gesprächssituation entlarven können.« Aha. Führt ein SPIEGEL-Redakteur ein Interview mit einem Spitzenpolitiker der CDU oder SPD, weiß er natürlich, dass er dort die Wahrheit, die absolute Wahrheit erfährt. So viel Arroganz und fehlende Selbstkritik hätte es unter Augstein nicht gegeben.
Heino Matthies, BerlinVielen Dank für Ihren erhellenden Artikel. Es ist wohltuend zu lesen, wie Sie die Probleme und Dilemmata der SPIEGEL-Redaktion im Umgang mit der AfD darstellen. Trotzdem wünschte ich mir, Sie hätten ein Patentrezept, wie man die AfD wieder in die Bedeutungslosigkeit schicken könnte. Ich bin eine alte Grüne von Beginn an und reibe mir immer noch ungläubig die Augen, weil ich es nicht fassen kann, wie leicht und schnell unser Land nach rechts gerückt ist.
Angelika Schulze-Purwin, Verden (Nieders.)Aus dem Text von Herrn Kurbjuweit spricht eine gewisse Ratlosigkeit, obwohl die Lösung ebenfalls kurz aufleuchtet: Sucht nach den Ursachen. Nichts geschieht ohne Grund, und die Ursache für das Erstarken der AfD wird kaum in großer Zufriedenheit mit den etablierten Parteien liegen. Aber während diese alle Probleme möglichst herunterspielen (sie sind daran ja meist beteiligt), greift die AfD solche Themen auf, benennt sie und erweckt damit den Eindruck, sich für ihre Lösung einzusetzen. Ob sie das tatsächlich will und kann, sei einmal dahingestellt.
Heidemarie Wegener, Osterode (Nieders.)Ich glaube, die Zustimmung resultiert bei vielen Menschen daraus, dass die AfD sich (ähnlich wie Trump) traut, Dinge zu tun und Sätze zu sagen, die man sich selbst nie trauen würde. Und mit einer geheimen oder auch offenen Bosheit sitzt man am heimischen Herd und erfreut sich daran, dass man gefahrlos Teil einer solchen Grenzüberschreitung sein – und, wenn es schiefgeht, nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.
Marlen Theiß, MainzKonzentriert euch bitte auf die investigative Recherche und erspart uns das Aufzwingen eurer Meinungen, egal wie gespalten sie auch sind. Das interessiert die meisten Leser nicht.
Brigitte Wolfsteiner-Thielmann, Hohenahr-Altenkirchen (Hessen)Die AfD muss in die deutsche Politik eingebunden werden. Ein Grund für ihre Existenz besteht ja darin, dass sie nichts beweisen muss. Sie schürt die verschiedenen Ängste ihrer Wähler und vergrößert so dauernd ihr Fundament; ein Verbot der Partei würde dies nur noch akzentuieren. Bestes Beispiel: François Mitterrand, der die Kommunisten in seine Regierung mitnahm und so beweisen konnte, dass sie halt dazu unfähig waren. Die Aura wurde zerstört. So müsste es doch gelingen, diese Partei vom Podest herunterzuholen.
Edgar Blöchlinger-Lude, Sainte-Croix (Schweiz)Vielen Dank für diesen Hintergrundartikel. Er hat mich in meiner bereits vorhandenen Meinung bestärkt, dass der SPIEGEL verantwortungsvoll mit seiner redaktionellen Aufgabe umgeht. Die Dilemmata kann man gut verstehen, aber umso wichtiger ist es, dass Sie bei Ihrer kritischen Berichterstattung bleiben.
Thomas Hamann, EssenVielen Dank, dass Sie mich als Leserin an den Gedanken und Diskussionen der Redaktion im Umgang mit der AfD teilhaben lassen. Die selbstkritische Auseinandersetzung und das Ringen um den richtigen Ton im Umgang mit dieser Partei halte ich für richtig und wichtig. Den Einblick und Ihre Offenheit, Unsicherheit zu zeigen, machen mir Mut.
Antje Winter, Mainz
Prinz Protz
Heft 30/2025 Weitere Vorwürfe gegen den Zechpreller Jimi Blue Ochsenknecht
Ich sah es zwar, aber ich glaubte es nicht: Mehr als zwei Seiten einem Z-Promi namens Jimi Blue Ochsenknecht zu widmen, ist mir unverständlich. Musstet Ihr ein Sommerloch füllen?
Joachim Gätjen, Hamburg
Wie weit man gehen kann
Heft 30/2025 Warum Tanja Höschele 847 Kilometer in ihrer Garage lief
Ein meisterlich geschriebenes Porträt voller Empathie und feiner Beobachtung, inspirierend, humorvoll, todtraurig und doch voller Hoffnung. Man ist ganz nah an Tanja Höschele bei ihrem ehrgeizigen Rekordversuch und taucht dabei immer tiefer in ihre bewegte Vergangenheit ein – Schritt für Schritt. Ganz großen Respekt dafür.
Tobias Mader, München
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