Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 68 / 71

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Der Tag an dem der Krieg begann, Medienschelte im Fall Aiwanger, kann künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen, Deutschland muss attraktiver werden – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 39/2023

Aus der Geschichte lernen

Heft 38/2023 Titel: Der Tag, an dem der Krieg begann 

  • Endlich mal wieder eine umfassende, glaubhafte politische Story zu einem akut wichtigen Thema. Bei der ansonsten oft oberflächlichen Diskussion um den aktuellen Krieg fehlt dies oft. Hoffentlich hilft diese Rückblende, eine Lösung zu finden.
    Helmut Hartmann, Nürtingen (Bad.-Württ.)

  • Fehleinschätzungen gibt es immer, wie bei der Verfolgung der historischen deutschen Ostpolitik auch gegenüber Putin. Der eklatanteste Fehler im Zuge dessen war es allerdings, das geforderte Zweiprozentziel des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung innerhalb der Nato immer noch nicht geleistet zu haben. Im Gegenteil – nach der alarmierenden Rede Putins in Bukarest hat sich an der deutschen Haltung in Bezug auf Militärausgaben nichts geändert – nein, man hat die Bundeswehr noch mehr vernachlässigt. Ein eklatanter, aber souverän selbst verschuldeter Fehler, der nunmehr, allein durch Knappheit der einsatzbereiten Waffensysteme hierzulande, zu einer zwangsläufig geringen Lieferung an die Ukraine führt und zu den bekannten Folgen für Soldaten und Zivilisten in der Ukraine.
    Andreas Schömmel, Frankfurt am Main

  • Ihre Darstellung der »Ukraine und die Nato«-Entwicklung vor, auf und nach dem Nato-Gipfel 2008 in Bukarest enthält viele Informationen, die ich so bisher nirgendwo erfahren konnte, ein spannender Artikel. Allerdings kann ich Ihre Schlussfolgerung, die Aufnahme der Ukraine in den Nato Membership Action Plan (MAP) 2008 hätte Russland vom Krieg abgehalten, nicht teilen. Die Erteilung des MAP-Status 2008 hätte meines Erachtens das Eingreifen Russlands früher provoziert; denn dieser Status hätte keinen Nato-Schutz garantiert. Außerdem war zu der Zeit die Verteidigungsbereitschaft der Ukra­ine politisch, psychologisch und materiell weit geringer als 2022. Im Übrigen halte ich die von Ihnen angedeutete Verantwortung der Kanzlerin Merkel und ihres Außenministers Steinmeier an der negativen Entwicklung für nicht korrekt. Die Haltung der Merkel-Regierung fand ich im Sicherheitsinteresse Europas richtig.
    Günter Jaunig, Swisttal (NRW)

  • Der fatale Irrtum der Nato auf dem Gipfel 2008 bestand darin, den Lügen Putins Glauben zu schenken. Er fühlte sich entgegen seiner Behauptung nicht durch die Osterweiterung der Nato bedroht. Er wusste ganz genau, dass kein Nachbarland es wagen würde, Russland anzugreifen.
    Dr. Martin Böttger, Zwickau

  • Zu der interessanten Titelstory ist die Überschrift »Ein Irrtum, der zur Katastrophe wurde« im Inhaltsverzeichnis unglücklich formuliert. Die Reduzierung der Ergebnisse des Nato-Gipfels 2008 als Ausgang oder Ursache für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 zu beschreiben, wird der Komplexität des Themas nicht gerecht. Erst ganz am Ende Ihrer Titelstory korrigieren Sie sich mit dem Satz »Der Weg führte von Bukarest 2008 nicht zwangsläufig in den heutigen Ukra­inekrieg«.
    Thomas Pierburg, Stuttgart

  • Es ist nahezu infam, eine solch manipulative Überschrift für den Titel zu wählen. Wie unberechtigt werden Merkel, Steinmeier und Brandenburg für ihre friedens- und versöhnungsbereite Haltung kritisiert und Kriegsführer Bush und sein Stab in ein positives Licht gerückt. Dabei ist der Text inhaltlich ausgewogen, und gerade die Aussagen über den großen Teil der ukra­inischen Bevölkerung, der eben nicht zur Nato gehören wollte und mit Kampagnen davon überzeugt werden sollte, den Beitritt zu bejahen, verdeutlichen die Unterschiedlichkeit der Positionen.
    Sylvia Rosenkranz-Hirschhäuser, Weilrod (Hessen)

  • Der Artikel ist sehr interessant, gut recherchiert und ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Lage der Ukraine und Europas. Es drängt sich für mich der Vergleich mit dem Münchner Abkommen von 1938 auf. Die Appeasement-Politik ermöglichte es Hitler, den Zweiten Weltkrieg zu entfesseln. Hier zeigte sich, was Verträge mit Größenwahnsinnigen wert sind, wie Westeuropa und besonders Deutschland heute schmerzlich erfahren müssen. Wir sollten aus der Geschichte lernen, auch dass Angst ein schlechter Berater ist.
    Dr. Michael Lau, Altlandsberg (Brandenb.)

  • Es ist ein Irrglaube, dass, wenn Merkel sich beim Nato-Gipfel 2008 für die Mitgliedschaft der Ukraine ausgesprochen hätte, dies die Ukraine vor einem Angriff Russlands geschützt hätte. Putin hätte das Land mit Sicherheit vor Inkrafttreten der Mitgliedschaft überfallen. Dasselbe gilt für einen möglichen EU-Beitritt. Putin hätte es niemals hingenommen, dass es der Ukra­ine besser geht als seinem Land. Noch dazu, wo die Bürger Russlands, die ja auch Verwandte in der Ukraine haben, den Unterschied im Lebensstandard gesehen hätten. Putin wäre 2008 allerdings noch schlechter vorbereitet gewesen als im Jahr 2022.
    Manfred Sommerfeld, Hamburg

  • Die historische Aufarbeitung des vermeintlichen oder tatsächlichen Versagens westlicher Russlandpolitik in allen Ehren. Aber dann wäre es notwendig, die Neunziger genauer zu beleuchten zwischen dem Zusammenbruch des »Ostblocks« und dem Beginn der »Putin-Ära«. Warum war es nicht möglich, das von Gorba­tschow beschworene neue gemeinsame europäische Haus zu bauen, unter Einschluss Russlands? Warum wurde die Nato als Kind des Kalten Krieges nach dessen Ende nicht aufgelöst wie der Warschauer Pakt oder zumindest auf völlig neue Beine gestellt, etwa unter dem Dach der OSZE? Stattdessen – wie im Artikel erwähnt – wollten relevante Kräfte in Washington, dass Russland spüren sollte, dass es »verloren« hatte. Und Europa setzte solchen Dummheiten wenig entgegen.
    Peter Meier, Bremen

  • Korrektur

    Zu »Merkel und der Wolf« in Heft 38/2023, Seite 14: In der Titelgeschichte über den Nato-Gipfel 2008 lautet ein Zwischentitel »Hitler, Stalin, Steinmeier«. Wir wollten damit keinesfalls den Bundespräsidenten mit den beiden Diktatoren vergleichen. Gleichwohl ist die Reihung unangebracht. Wir haben die Zwischenzeile deshalb in der digitalen Version des Artikels geändert und Frank-Walter Steinmeier um Entschuldigung gebeten.

Nach rechts verschoben

Heft 37/2023 Leitartikel: Die Medienschelte im Fall Aiwanger nutzt nur der AfD 

  • Natürlich ist der Umgang der Freien Wähler und der CSU mit dem abscheulichen Flugblatt aus dem Hause Aiwanger äußerst kritikwürdig und bedarf nun auch einer ausführlichen Berichterstattung. Aber wenn wenige Wochen vor einer Wahl ein 30 Jahre altes Pamphlet aus Schülerzeiten ans Tageslicht geholt wird, was wird denn anderes damit bezweckt, als eine Kampagne zu initiieren? Selbst mir – sozialliberaler Leser von SPIEGEL und »Süddeutscher Zeitung« – fehlt das Verständnis für diese Form von Kampfjournalismus.
    Stefan Sethe, Erfurt

  • In seiner »Entschuldigung« stilisiert Aiwanger sich vom Täter zum Opfer. Es hätte dabei ausreichende Gründe für einen freiwilligen Rücktritt gegeben. Aber es geht um weit mehr. Die Vorsitzenden der Unionsparteien, Herr Söder und Herr Merz, haben die Version »Jugendsünde« akzeptiert. Sie haben ihre beiden Parteien von der Mitte weiter nach rechts verschoben. Herr Aiwanger mag seinen Antisemitismus zwischengelagert haben, aber seine Abneigung gegen den demokratischen Staat hat er in Erding öffentlich gemacht. Er will für »die schweigende Mehrheit die Demokratie zurückholen« – das ist das Narrativ aller Populisten und Demagogen – von Trump, Le Pen, Meloni, Orbán – bis zur bayerischen Miniaturausgabe Aiwanger. Er will nicht die De­mokratie zurückholen, er will seine Version von Demokratie durchsetzen.
    Rainer Fels, Hannover

  • Mit ihren Kommentaren und Artikeln hauen sowohl Politiker als auch Journalisten auf Hubert Aiwanger ein, mit dem offensichtlichen Ziel, ihm und seinen Freien Wählern zu schaden. Sie erreichen damit aber nur das Gegenteil. In der Adenauer-Zeit wären solche Aktivitäten notwendig gewesen. Man erinnere sich nur an dessen langjährigen Staatssekretär Hans Globke. Dieser war ein offizieller Kommentator der Nürnberger Rassengesetze. Ich hätte Verständnis dafür gehabt, wenn die Politik und Presse damals seine Abberufung verlangt hätte. Bei Aiwanger stammt sein mögliches Vergehen jedoch aus seiner Jugendzeit.
    Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)

Bestürzende Reportage

Heft 37/2023 Kann künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen? Selbstversuch eines Autors 

  • Dem SPIEGEL sei Dank für Quentin Lichtblaus grandiose Realsatire über die Tarnungen und Täuschungen des real existierenden Kapitalismus – und über die KI-Fangemeinde, die sich in quasi-religiöser Glaubensgewissheit an diesen Tarnungen und Täuschungen labt.
    Michael Meiners, Darmstadt

  • Sowie KI eine Erzählung vom Format »Wunschloses Unglück« von Peter Handke schreiben kann, wird es gefährlich, weil es dann zu spät ist.
    Prof. Dr. Janko Ferk, Klagenfurt (Österreich)

  • Danke für diesen Artikel. Der Text hat das Zeug zum Klassiker. Ich kann nur hoffen, dass er den Weg in möglichst viele Schul­bücher, Anthologien, Monografien und Dokumentationen findet, die sich mit unserem gegenwärtigen Zeitalter befassen. Aufklärender Investigativjournalismus im besten Sinne. Als Reportage eher bestürzend, ist der Artikel literarisch ein Genuss. Danke auch für die kongenialen Illustrationen.
    Alex Bauch, Freiburg

Nicht fremdenfreundlich

Heft 37/2023 Deutschland muss attraktiver werden 

  • Erschreckend ist, wie viele qualifizierte Zuwanderer Deutschland enttäuscht wieder verlassen. Dazu trägt auch das völlige Versagen von Ausländerbehörden, wie zum Beispiel in Stuttgart, bei. Seit Wochen müssen dort ausländische Fachkräfte, um arbeiten zu dürfen, eine Nacht vor der Behörde im Freien schlafen, um vielleicht eine Chance zu haben, zu einem Bearbeiter durchgelassen zu werden. Der ärztliche Direktor des Robert-Bosch-Krankenhauses etwa beklagt, dass er quali­fizierte angeworbene ausländische OP-Schwestern oder Pflegekräfte wieder verliert, weil diese keine Verlängerung ihrer Arbeitserlaubnis erlangen können. Deutschland erweist sich auch bei der Anwerbung von dringend benötigten ausländischen Fachkräften als ein »failed state«.
    Dr. Thorolf Stegmann, Leinfelden-Echterdingen (Bad.-Württ.)

  • SPIEGEL-Redakteurin Cornelia Schmergal schreibt: »Es wäre ein Schritt zu einer echten Willkommenskultur, wenn auf mehr
    Ämtern Englisch gesprochen würde.« Aber führt das wirklich in die richtige Richtung? Ich bin 2011 aus Rumänien nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten. Zum Glück hat man mich nicht auf die verführerische, aber abschüssige Bahn geleitet, mit mir Englisch zu reden. An deren Ende mag alles Mögliche stehen, aber keine Integration. Stattdessen habe ich Deutsch gelernt, auch mithilfe meiner damaligen Nachbarn, und bin seit 2021 deutsche Staatsangehörige. Das Schicksal, dieses schöne und kulturell so reiche Land nur als eine Art Benutzeroberfläche betrachten zu können, ist mir erspart geblieben. Noch ein Gesichtspunkt: Wenn die an die 100 Millionen Deutschsprachigen anfangen, peu à peu auf ihre Sprache zu verzichten, was ist das dann für ein Signal an kleinere Sprachgruppen in Europa?
    Petronela Lacatusu, München

  • Toller Beitrag. Trifft den Punkt. Deckt sich leider total mit meinen Erfahrungen und auch Gesprächen: Deutschland ist kompliziert, Deutschland ist nicht fremdenfreundlich!
    Walther Merz, Weiterstadt (Hessen)

  • Wer als Ausländer in den Nullerjahren in der deutschen Wirtschaft beruflich weiterkommen wollte, stieß schnell auf einen gesamtdeutschen Überlegenheitskomplex, ob der Einkaufskraft, der dicken Autos als Statussymbol oder meinetwegen der großen Fußballkunst. Es folgten und folgen daraus hohe und überdurchschnittliche Erwartungen und Anforderungen an Ausländer, die sich – so wie ich, aus Frankreich stammend – in Deutschland mit einer beruflichen Perspektive niederlassen wollten und wollen. Erst als ich durch meine Eheschließung die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen konnte und wir später unser Haus be­zogen haben, wurde ich weitgehend in meinen Berufskreisen akzeptiert und nicht mehr nur als Paradiesvogel oder Quotenausländer wahrgenommen, der zufällig Deutsch spricht. Die Akzeptanz hierzulande entwickelt sich zwar, jedoch bisweilen recht langsam. Dabei können der Austausch und die Zusammenarbeit mit ausländischen Fachkräften für alle Seiten bereichernd sein, sie fördern das gegenseitige Verständnis für andere Sichtweisen und gereichen zum Wohlstand aller.
    Michel Rouland, Höhr-Grenzhausen (Rhld.-Pf.)

Aggressives Fehlverhalten

Nr. 37/2023 Zwei Beamte sollen in Mannheim einen Patienten in die Psychiatrie bringen, kurz darauf stirbt der Mann 

  • Angesichts eines derart krassen und hochaggressiven Fehlverhaltens von Polizeibeamten fehlen mir die Worte. Ich bin fassungslos!
    Anne Essmann, Berlin

Luxusgut Bordelais

Nr. 37/2023 Der bittere Niedergang des Bordeauxweins 

  • Klassifizierter Rotwein aus dem Bordelais bleibt ein Luxusgut und auch en vogue. Da kann ich keinen Preisverfall beobachten. Man kann nicht jeden Tag Léoville-Barton für 76 Euro trinken.
    Martin Cordes, Hannover

Russlands moralischer Niedergang

Nr. 37/2023 Elena Gordon, die Mutter des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Wladimir Kara-Mursa, über ihren Sohn 

Eine das Herz fast zerreißende Liebeserklärung einer Mutter an ihren zu 25 Jahren Straflager verurteilten Sohn. Zudem ein Dokument des bitteren politischen und moralischen Niedergangs Russlands.
Hans Schinke, Offenbach

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