Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Die Gewalt muss ein Ende haben
Heft 45/2023 Titel: Albtraum Gaza
Beim Blick auf das Titelbild »Albtraum Gaza« und das ganzseitige Foto auf Seite 8 mit der richtigen Überschrift »Zeiten des Hasses« war ich schockiert – und brach in Tränen aus. Dabei musste ich als jetzt 83-jähriger Nachrichtenredakteur für Außenpolitik mehr als 25 Jahre lang insbesondere über Kriege schreiben.
Olaf Heffe, BerlinWas der palästinensische Schriftsteller und Kulturminister Atef Abu Saif im Titelartikel berichtet, ist ein Appell an die Weltgemeinschaft, sich für eine Lösung des Konflikts im Gazastreifen einzusetzen. Die Gewalt muss ein Ende haben, und die Zivilbevölkerung muss geschützt werden.
Stefan Pachmayr, Dachau (Bayern)Wir erleben einen Krieg, dessen Ende in der Tat nicht absehbar ist. Die Gefahr der Ausweitung zu einem Flächenbrand ist groß. Es sind fraglos Terroristen, denen das alles vorzuwerfen ist. Doch es muss die Frage gestellt werden, wie eigentlich Tausende von Palästinensern zu Terroristen werden konnten. Ich bin Kriegsdienstverweigerer, war in den Fünfzigerjahren einer der ersten in der Bundesrepublik anerkannten Wehrdienstgegner. Ich frage mich, wie ich mich als junger Palästinenser in diesem schmalen Gazastreifen wohl entwickelt hätte, Jahr für Jahr Israels strikte Verweigerung einer Zweistaatenlösung erlebend. Mit ziemlicher Sicherheit wäre ich nicht der Pazifist geworden, der ich immer noch bin.
Atze Schmidt, Rütenbrock (Nieders.)Es ist nicht die Zeit für rosarote Brillen. In Gaza und im Westjordanland ist durch die Existenz der Hamas so wenig eine befriedende Lösung möglich, wie es mit den ebenso terroristisch agierenden Taliban in Afghanistan der Fall war. Die israelische Notstandsregierung tut also gut daran, eine Gruppierung konsequent zu zerschlagen, deren Existenz sich allein durch Gewalt und Unterdrückung nährt. Die Verursacher des tief bewegenden Schicksals aller Unschuldigen – Israelis wie Palästinenser – sind bekannt und dürfen ihrer Sühne nicht entgehen. Dass für die auch dafür nötige lebensgefährliche Drecksarbeit, bei der der Tod von Zivilisten unvermeidbar ist, Israel zuhauf gescholten wird, finde ich zutiefst verlogen, scheinheilig und fehlplatziert.
Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)
Zu Ihrem beeindruckenden SPIEGEL-Gespräch in der Titelgeschichte: Von Rami Elhanan könnte die Menschheit so viel lernen – zum Beispiel, welch ungemeine Kraft und menschliche Größe in der Vergebung steckt.
Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)Die ausdifferenzierte Argumentation von Bassam Aramin und Rami Elhanan beschreibt die komplexe Situation im Nahen Osten um Klassen besser als das Holzhammer-Getöse eines großen Teils der Politik und ihrer Gefolgsleute, auch der Talkshows. Ein wenig mehr Robert Habeck oder António Guterres wären nicht schlecht.
Christa Klopp, Bad Wimpfen (Bad.-Württ.)Respekt vor Bassam Aramin und Rami Elhanan. Diese beiden Menschen haben den Friedenspreis verdient. Ihre Einstellung ist ebenso auf den Ukrainekrieg übertragbar.
Gisela Neudeck, WiesbadenDas Gespräch mit Herrn Aramin und Herrn Elhanan zum Nahostkonflikt hat mich sehr berührt. Es ist bewundernswert, wie die beiden sich trotz des erlittenen Verlustes ihrer Töchter für Frieden und Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen und werben. Warum können nicht Menschen wie Herr Aramin und Herr Elhanan diese beiden Völker führen, statt einer Hamas und einer Regierung Netanyahu. Der in dem Interview geäußerte Weg zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ohne Rache ist der einzig mögliche Weg, damit beide Seiten in der Zukunft friedlich zusammenleben können.
Manfred Miks, KrefeldIch bin seit 1966 mehrfach durch Israel gereist und auch in Städte des Westjordanlands. Mich hat dabei die Frage bewegt, wieso bei Äußerungen von Israelis über Palästinenser und umgekehrt stets so sehr die Ablehnung im Vordergrund stand, weniger aber Bereitschaft zur Selbstkritik und der Versuch, die anderen auch zu verstehen. Vor diesem Hintergrund und der aktuellen kriegerischen Zuspitzung bin ich von Ihrem Interview mit dem Palästinenser Bassam Aramin und dem Israeli Rami Elhanan sehr beeindruckt. Muss weiterhin das Gegeneinander so dominieren, mit Hass und schlimmsten Zerstörungen für beide Seiten, statt der Versuch von Verständnis?
Dr. Volker Busse, BonnWas für ein Gespräch mit diesen beiden großartigen Weltbürgern. Herr Aramin, Herr Elhanan und die Organisation »Elternkreis« haben den Friedensnobelpreis verdient. Dies würde auch ein großes Zeichen setzen in den beiden Ländern. Ein Mahnmal auch für alle anderen Länder. Europa und die USA müssen endlich die Weiterführung des Vertrags von Oslo, welche letztlich die Installierung von zwei souveränen Staaten garantiert, uneingeschränkt umsetzen. Dann können alle Menschen in dieser gedemütigten Region friedvoll zusammenleben und einander respektieren. So wie es die beiden Weltbürger vorleben.
Albert Schweikardt, StuttgartMit dem Artikel zu Gaza, zur Verzweiflung der Angehörigen der Hamas-Geiseln und mit dem Gespräch mit Bassam Aramin und Rami Elhanan gehört der SPIEGEL in dieser Woche zu den besonnensten Stimmen im deutschen Blätterwald.
Helga Kotthoff, Freiburg im Breisgau
Hell aufscheinen und schnell verglühen
Heft 44/2023 Wie Sahra Wagenknecht die politische Landschaft verändert
»Sahra und die Wagenknechte« – was für ein passendes Wortspiel mit metaphorischer Beschreibung der Verhältnisse und Strukturen im Bündnis Sahra Wagenknecht.
Reinhard Dobschall, GüterslohFrau Wagenknecht übt sich schon lange in der Kunst, links zu blinken und rechts abzubiegen: Gas aus Russland, Aufhebung der Sanktionen, Austritt aus der Nato. Bleibt zu hoffen, dass sie so der AfD viele Stimmen abnimmt, um anschließend, wie früher die Schill-Partei, als politische Sternschnuppe hell aufzuscheinen und schnell zu verglühen. Lafontaine hat die SPD verraten, Wagenknecht verrät die Linke.
Martin Stemmrich, EssenAm Ende ihrer Egotrips können sich Frau Wagenknecht und Herr Lafontaine gegenseitig dazu gratulieren, jeweils eine etablierte Partei kaputt gemacht zu haben. Leider waren es die Falschen.
Harald Lauterbach, Schalkenmehren (Rhld.-Pf.)Frau Wagenknecht wird mit ihrer neuen Partei nicht in den Bundestag kommen. Sie hat im Osten viele Anhänger, im bevölkerungsreicheren Westen aber nicht. Um die Fünfprozenthürde zu schaffen, benötigt sie sehr viele Wählerstimmen aus dem Westen. Mit ihrer Kandidatur für die nächste Bundestagswahl wird sie keinen Erfolg haben, aber Folgendes erreichen: Die Linken kommen dann auch nicht mehr in den Bundestag, die AfD wird es wohl schaffen, aber sehr viele Sitze verlieren. Insoweit ist ihr Projekt insgesamt zu begrüßen.
Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)Sahra Wagenknecht hätte sich besser das Schicksal der Frauke Petry etwas näher angesehen. Ähnlich begabt, hat diese sich ins politische Abseits manövriert. Das erscheint mir die wahrscheinlichste Variante auch für Wagenknecht. Wenn es besonders schlecht läuft, hebeln sich die Kräfte, also neue Wagenknecht-Partei, Linke und AfD gegenseitig aus. Fliegen aus den Parlamenten, weil es für keinen reicht. Viele alternative Positionen würden dann im Parlament nicht mehr vertreten sein. Es wäre der größte Triumph für diejenigen aus Medien, Politik und Wirtschaft, die denken, eigentlich habe man doch alles richtig gemacht. Man kann dann weitermachen wie bisher und die Realität ausblenden, schöne Traumschlösser bauen. Man ist ja wieder unter sich, keiner stört mehr. Es lebe der enge Meinungskorridor. Wäre das wirklich gut für das Land?
Peter Parthe, Nauheim (Hessen)Treffender als »Rechts? Links? Hauptsache, ich!« kann man Frau Wagenknecht nicht beschreiben. Ihr ist es egal, was mit ihren ehemaligen Parteikollegen passiert. Ihr Mandat behält sie, weil sie »so viele Bürger dazu aufgefordert« hätten? Jede Wette, wenn es mit der Wagenknecht-Partei nicht klappt, kehrt sie zu den Linken zurück, weil »so viele Bürger sie dazu aufgefordert haben«. Schlichtweg verlogen und unanständig.
Klaus Schumacher, Reinbek (Schl.-Holst.)
Wunderbarer Debattenbeitrag
Heft 44/2023 Schriftstellerin Eva Menasse über das eitle Ich und die digitale Revolution
Was im besten Fall Aufgabe und Anspruch des SPIEGEL ist, gelingt der Schriftstellerin Eva Menasse im Vorabdruck ihres Buches auf exzellente Weise: der Gesellschaft und ihren Individuen einen Spiegel vorzuhalten, ihr Tun und Handeln fundiert zu analysieren und Denkanstöße zu geben. Was ich daraus gelernt habe? Wichtiger denn je sind heute Selbstreflexion und das Hinterfragen des eigenen Egos mit seinen Verhaltensweisen und Standpunkten in der Gesellschaft – und daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen.
Peter Wachter, NürnbergDie Schlüsselworte in Eva Menasses wunderbarem Debattenbeitrag über die Kommunikation in der heutigen Social-Media-Gesellschaft und was bei ihr verloren geht, sind: Kreativität, Unabhängigkeit, Geheimnis. Hinzuzu-fügen wären vielleicht noch: Humor und Ironie.
Margot Degand, Freiburg im Breisgau
Eine Freude und ein Trost
Heft 44/2023 SPIEGEL-Gespräch mit Salman Rushdie über die Grenzen der Freiheit in der Kunst
Dachte man, anlässlich der Preisverleihung und durch die Lektüre diverser Berichte und Interviews in verschiedenen Publikationen alles Wissenswerte über diesen großen Schriftsteller erfahren zu haben, so stellt man bei der Lektüre dieses schönen Interviews fest, dass das eine Fehleinschätzung war. Großartig die beinahe kongenialen Fragen und Einlassungen des Interviewers – wohltuend entspannt und dennoch überaus informativ, lehrreich und von menschlicher Größe zeugend die Antworten dieses außergewöhnlichen Mannes. Danke für dieses tolle Interview.
Hans-Dieter Schabram, BerlinSeit Langem habe ich kein so kluges, gelassenes, anmutiges und politisch weitsichtiges Gespräch wie dieses mit Salman Rushdie gelesen. Eine lang anhaltende Freude und ein Trost in dieser Zeit aggressiver Dummheit. Danke dem Autor, aber auch dem Frager dafür.
Eva Demski, Frankfurt am Main
Ruhig und sachlich
Heft 44/2023 Die FDP-Politikerin Ria Schröder sieht Studierende in der Verantwortung
Ich fand es klasse, wie Frau Schröder auf die teilweise provozierenden Fragen ruhig, sachlich, souverän und konsequent geantwortet hat und auch nicht über die Stöckchen gesprungen ist!
Ulrich Seyffer, Talheim (Bad.-Württ.)
Bitte nicht austauschen
Heft 44/2023 Die Augenzeugin: Carolyn Eickelkamp kämpft in Düsseldorf für die Erhaltung der Gas-Straßenbeleuchtung
Ist es wirklich ein Problem, dass Gaslicht gegen energiesparende LED-Beleuchtung ausgetauscht wird? Die Farbmischung wird sich auch mit LEDs erzeugen lassen. Die gusseisernen Laternen müssen dafür doch nicht ausgetauscht werden!
Werner Feja, Berlin
Für einige Minuten innegehalten
Heft 44/2023 Erinnerungen an Harald, eine Kölner Legende
Was für eine tolle Geschichte in unseligen Zeiten: rührend, humorvoll und zum Nachdenken. Ich habe für einige Minuten innegehalten!
Georg Jahn, Velbert (NRW)
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