Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 70 / 73

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Extremismus bei Jugendlichen, Demokratie und AFD, Gespräch mit Annalena Baerbock, Internatsschüler spricht über jahrelangen Missbrauch – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 39/2024

Das blau-braune Gift

Heft 38/2024 Titel: Jung, rechts, extrem 

  • Hatte die künstliche Intelligenz die Idee zu dem außergewöhnlich guten Titelbild? Ich finde es aus der Sicht eines Designers und Cartoonisten echt klasse.
    Christian Focke, Krefeld

  • Mit diesem genialen Titelbild haben Sie unserer heimischen Schuhbranche eine willkommene Vorlage geboten. Ist dieses Modell bereits in Produktion? Es fände mit Sicherheit bei entsprechenden Apologeten reißenden Absatz.
    Hildtraut Schröder, Augsburg

  • Jugendliche mit geballten Fäusten sind näher an der Dramatik und Gefahr des Themas. Ein Turnschuh mit AfD-Symbol ist zu nett.
    Joachim Koutzky, Hamburg

  • Völkisches Denken, besser Empfinden, vermittelt vor allem Unerfahrenen Geborgenheit, und viele sind daher nicht willens, manche auch nicht fähig, diese allzu menschliche Regung bei sich zu hinterfragen.
    Klaus Müller, Essen

  • Der Titel müsste richtigerweise heißen: »Jung, männlich, rechtsextrem«. Mich wundert wirklich sehr, dass die Tatsache, dass es vor allem junge Männer beziehungsweise überhaupt Männer sind, die rechte Parteien wählen, nicht stärker in den Fokus genommen wird. Wird hier, mehr oder weniger offen, bewusst oder unbewusst, um den Erhalt des Pa­triarchats gekämpft? Hier müsste meines Erachtens eine differenzierte Analyse des Themas ansetzen. Aber auch der SPIEGEL scheint dies nicht zu sehen, nicht zu wollen, nicht zu wagen.
    Barbara Neurohr, Saarbrücken

  • Die braunen Rattenfänger verstehen ihr Handwerk. Herr Höcke war Geschichtslehrer. Er weiß, wie man Jugendliche ansprechen und beeinflussen kann. Hier hilft nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung! Jede Schule in Deutschland sollte verpflichtet werden, mit ihren Schülerinnen und Schülern regelmäßig eine NS-Gedenkstätte zu besuchen. Wer Auschwitz, Bergen-Belsen oder Hadamar gesehen hat, entwickelt eventuell eine Immunität gegen das blau-braune Gift, welches die sozialen Medien erfolgreich durchtränkt hat.
    John Osmani, Nideggen (NRW)

  • Allein die Titelseite gibt eine Stimmung vor, die man auch ganz anders darstellen kann. Nehmen wir mal an, 20 Prozent der Jugendlichen denken völkisch. Das heißt, dass im Umkehrschluss 80 Prozent nicht so denken. Auf diese große Anzahl könnte man sich konzentrieren! Sie haben die Möglichkeit, eine positive Vision der Migration zu vermitteln. Sie können den Diskurs prägen und zeigen, dass Migration kein Schreckgespenst, sondern eine Chance für Deutschland ist – für wirtschaftliches Wachstum, für kulturellen Reichtum und für die Erneuerung unseres sozialen Zusammenhalts. Die Art, wie Sie über Migration schreiben, prägt die Stimmung im Land. Wir müssen weg von der Darstellung der Migration als Belastung und hin zu einem Narrativ der Chancen und des gemeinsamen Wachstums. Dies bedeutet nicht, He­rausforderungen zu leugnen, aber wir sollten betonen, dass wir als Gesellschaft durch Vielfalt wachsen und stärker werden können. Eine optimistische und lösungsorientierte Haltung gegenüber Migration könnte den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und auch politische Gräben überbrücken.
    Hans-Gerd Grummel, Köln

  • Viel zu oft werden die Grünen zu Unrecht gescholten. Es ist aber den Grünen zu verdanken, dass gerade die Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen, also die Zukunft Deutschlands, bei den Wahlen Beachtung findet. Früher wurden sie oft ausgegrenzt, und ältere Altersgruppen bestimmten maßgeblich die Wahl. Es zeigt sich jedoch bei den Umfragen, dass gerade diese Alterskohorte verantwortungsbewusst wählt und Parteien favorisiert, die Deutschland national und international voranbringen, um einem weiteren Ansehens- und Bedeutungsverlust Deutschlands in der Welt entgegenzuwirken. Dass die Grünen von Ihrem eigenen Vorschlag nicht profitieren, nehmen sie in der ihnen eigenen Bescheidenheit in Kauf.
    Dr. Gert Kunadt, Frankenberg (Hessen)

  • Vielen Dank für das Interview mit Alexander Yendell, das mich besonders gefreut hat. Was Kindheit mit Extremismus zu tun hat, wird in der Öffentlichkeit in der Regel kaum besprochen, massiv unterschätzt oder abgewehrt. Ich habe mich mit etlichen Kindheitsbiografien von Extremisten befasst, und in der Tat ist es auch meine Erfahrung, dass wir erst wirklich verstehen (nicht entschuldigen!), wenn wir die Kindheitsbiografien solcher Akteure umfassend anschauen. Dann verstehen wir, woher der Hass ei­gentlich kommt. Und wir verstehen, dass extremistische Gruppen im Grunde nur Auffangbecken für schwer belastete (oft auch traumatisierte) Menschen sind. Die nachhaltigste Lösung zur Bekämpfung von Extremismus wären massive Investitionen in Kitas, Schulen, Kinderfürsorge, Kinderschutz, Aufklärungsarbeit, Elternarbeit, Psychotherapie und so weiter. Ich sehe nicht, dass die Gesellschaft gewillt ist, hier massiv zu investieren. Somit bleibt nur die Hoffnung, dass die stetige Evolution von Kindheit (ein historisch nachweisbar Stück für Stück besserer Umgang von Eltern mit ihren Kindern) langfristig Verbesserungen bringt.
    Sven Fuchs, Fellbach (Bad.-Württ.)

Als elitär und arrogant empfunden

Heft 37/2024 Leitartikel: Wer die AfD bekämpft, sollte die Sorgen ihrer Wähler ernst nehmen 

  • Eine vorzügliche und treffende Analyse von Frau Dr. Amann zum Umgang der sogenannten etablierten Parteien mit der AfD und anderen neuen Parteien wie dem Bündnis Sahra Wagenknecht. Jeder Politiker, jede Politikerin, der oder die sich mit der AfD strategisch auseinandersetzen muss, sollte diesen Leitartikel lesen und Schlüsse daraus ziehen. Wir werden sehen, ob das geschieht. Danke, Frau Amann.
    Uwe Pankel, Hamburg

  • Gefühle lassen sich laut Melanie Amann nicht mit Fakten kontern. »Wut lässt sich nicht wegargumentieren« und »mag die Gefahr nicht real sein, die Angst ist es.« Das impliziert, mit Fakten ließen sich die Gefühle als völlig unberechtigt entlarven, der wütende (und offensichtlich als intellektuell begrenzt wahrgenommene Wähler) verstehe dies aber nicht. Leider tappte auch Friedrich Merz in diesen Fettnapf, als er feststellte, im Osten müsse man mehr erklären als im Westen. Die unmissverständliche Botschaft (und das versteht der wütende Wähler sehr wohl) lautet: AfD-Sympathisanten ist die Komplexität von Problemen nicht vermittelbar. Daher müssen wir ihre Gefühle ansprechen. Genau diese Haltung aber wird als elitär und arrogant empfunden, das verstärkt die Wut noch. Frau Amann, auch wenn ich und zum Glück noch die Mehrheit der Wähler sich dies sehnlichst wünschen, ihr Appell ist leider kein neues Konzept, sondern die Fortführung des bereits gescheiterten.
    Susanne Kneißle, Bad Buchau (Bad.-Württ.)

  • Glaubt Frau Amann allen Ernstes, dass die etablierten Parteien nur mit Fakten Wahlkampf machen? Gerade die haben doch lange bevor es eine AfD gab, je nach Bedarf die Umdeutung, das Verschweigen, das Leugnen und das Schönreden von Tatsachen erfunden. Aktuelles Highlight: die Behauptung des Vizekanzlers Habeck, das BSW würde sich von Moskau wegen seiner Haltung im Ukrainekrieg bezahlen lassen. Aber vielleicht legt er die Überweisungsbelege ja noch vor.
    Uwe Fuhrmann, Monschau (NRW)

  • Dass Menschen auf wesentliche Veränderungen nicht nur sachlich und gefasst reagieren, sondern auch emotional und womöglich radikal, ist eine Erfahrung, die vielen historischen Umbrüchen innewohnt. Wie man an das Thema des Umgangs der Politik mit Krisen und Veränderungen »mit Herz, nicht nur mit Verstand« herangeht, demonstriert in den USA eindrucksvoll die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris. Befreiend, unprätentiös und im eigentlichen Sinne des Wortes »beherzt« führt sie ihren Wahlkampf, geht lächelnd auf die Menschen zu und bringt ihren eigenen, oft fordernden Lebenslauf in ihre Reden ein. Sie erklärt ihren Zuhörern aber auch sachlich ihre politischen Ziele und weiß ebenso, dass es wichtig ist, ihnen zu helfen, die Ursachen und Hintergründe der Krisen, die sie ängstigen, zu verstehen.
    Karin Motz-Glasow, Schongau (Bayern)

  • Dass die CDU nun aufgefordert wird, über die Leitkultur zu sprechen, für die sie bisher bestenfalls belächelt oder sogar verurteilt wurde, ist ja ein Witz allererster Güte. Soll Frau Amann es doch selbst machen.
    Berend Detsch, Düsseldorf

  • Es ist für mich immer ein Highlight, Leitartikel von Frau Amann zu lesen. Sie trifft zuverlässig den Nagel auf den Kopf, sowohl inhaltlich als auch sprachlich.
    Reinhard Egenolf, Freiburg im Breisgau (Bad.-Württ.)

Ein Syrer dreht durch – alle raus!

Heft 37/2024 Außenministerin Annalena Baerbock verteidigt im SPIEGEL-Gespräch ihre Pendeldiplomatie 

  • Großes Kompliment. Mit Ihren doch recht kritischen Fragen an die grüne Außenministerin haben Sie mich sehr positiv überrascht. Schade nur, dass Sie zum Thema Afghanistan nicht noch eine Frage zu der Verantwortung für die Kultur des Wegschauens und Durchwinkens bei der Visavergabe gestellt haben. Bleiben Sie bitte weiterhin – in alle politischen Richtungen – kritisch.
    Peter Rohde, Fellbach (Bad.-Württ.)

  • Der SPIEGEL: »Was haben Sie außer vielen Papieren, Flugmeilen und schönen Bildern diplomatisch erreicht? Sie stecken auf Ihren Reisen viele Ressourcen in schöne Bilder und Social-Media-Aktivitäten. Wie wichtig ist Ihnen die Inszenierung Ihrer Politik?« – Was sollen solche machohaften, unsachlichen Fragen? Was wollten Sie damit? Provozieren? Zum Glück ließ sich Frau Baerbock nicht aus dem Konzept bringen. Vor subtilem Sexismus sind auch SPIEGEL-Redakteure nicht gefeit. Sehr ärgerlich. Ansonsten ein interessantes Interview.
    Inge Wessels, Berlin

  • Manchmal sind wir schon sehr einfach strukturiert: Ein Syrer dreht durch – alle raus! Blinder Aktionismus hilft uns bei derartigen Problemen nicht weiter. Ein Hamburger dreht durch – alle Hamburger nach Bayern deportieren? Dann bekommt man in Hamburg endlich wieder preiswerten Wohnraum. Politiker, die Syrien als sicheres Herkunftsland qualifizieren, sollte man mit einem Urlaubsticket dorthin beschenken. Es kann aber passieren, dass es eine Reise ohne Rückkehr wird.
    Michael Danders, Bochum

Ekel, Wut und Mitgefühl

Heft 37/2024 Porträt eines ehemaligen Internatsschülers, der mehrfach von einem katholischen Ordensbruder missbraucht worden sein soll 

  • Was für eine unerträgliche Geschichte. Ein Geistlicher missbraucht über Jahrzehnte junge Männer – und die katholische Kirche unternimmt nichts, außer den Mann zu versetzen und ihm damit auch noch neues Menschenmaterial für seine widerwärtigen Unternehmungen zu liefern. Der Täter gibt immer nur so viel zu, wie ihm sowieso bewiesen oder bezeugt werden kann und wie es ihn immer wieder mit Bewährungsstrafen davonkommen lässt. Hat er nicht mal selbst das Bedürfnis, seine Taten zu reflektieren? Buße zu tun? Ehrlich zu sein? Geständig zu sein? Denkt er mal an seine vielen Opfer? Wie furchtbar, dass man Peter Schneider nicht glaubt und er nicht wenigstens seelisch Frieden schließen kann. Da kommen einem die übelsten Gedanken an Selbstjustiz in den Sinn.
    Ute Heckmann, Karben (Hessen)

  • Beim Lesen kamen in mir Entsetzen, Ekel, Wut und sehr viel Mitgefühl für Peter Schneider und seine Familie auf. Wie kann es sein, dass Frater G. immer noch frei herumläuft und bisher nur eine Verurteilung auf Bewährung bekommen hat? Und vielleicht kommt er auch dieses Mal wieder mit einer Bewährungsstrafe davon, was unerträglich wäre. Er hat das Leben vieler Jugendlicher, die ihm anvertraut wurden, zerstört. Und wie kann es unser Rechtssystem zulassen, dass einem Kind nicht geglaubt wird und es selbst als Erwachsener immer und immer wieder seine Geschichte erzählen muss und dadurch eventuell erneut traumatisiert wird? Die von Frater G. missbrauchten Kinder haben bereits lebenslänglich! Ich gehöre immer noch der katholischen Kirche an, schäme mich aber zutiefst für diese »Gottesmänner«. Es ist gut, dass Sie solche Fälle recherchieren und öffentlich machen. Hier darf unsere Gesellschaft nicht wegsehen.
    Sabine Böse, Frankfurt am Main

»Wenn die CDU mich bittet, dann drücke ich mich nicht«

Heft 37/2024 Parteichef Markus Söder erklärt, warum er ein guter Kanzler wäre 

  • Herr Söder sagt: »Deswegen ist kein Platz für Eitelkeiten und für Egos.« – Ich habe selten so gelacht.
    Gernot Hilge, Münster

So lebt es sich in einem Schloss

Heft 37/2024 Wie lebt es sich auf einem Schloss? 

  • Gut geschriebener, aber leider einseitig negativer Bericht, sehr auf das Monetäre und Energetische fixiert. Widersprechen möchte ich der Unheizbarkeit eines Denkmals – es gibt genug Wege, ein Bauwerk energieautark zu ertüchtigen.
    Anne Rose Tisje, Architektin, Leisnig (Sachsen)

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