Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Sachlich, informativ, empathisch
Heft 41/2024 Titel: Teufelskreis Nahost – vom 7. Oktober zum großen Krieg?
Das mehr als Traurige ist, dass der Überfall der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 sicherlich hätte verhindert werden können. Warum hat der Premier Benjamin Netanyahu auf die Geheimdienstinformationen nicht reagiert? Jeder politisch Interessierte weiß, dass es ohne eine Zweistaatenlösung im Gazastreifen keinen dauerhaften Frieden geben wird. Dies wird insbesondere von den erzkonservativen Parteien in der jetzigen israelischen Regierung verhindert. Diese Haltung ist offensichtlich auch dafür verantwortlich, dass es bislang zu keinem Austausch der Geiseln gekommen ist. Mit jedem Tag sinkt ihre Überlebenschance.
Dieter Obst, WiesbadenGratuliere, wieder eine sehr sachliche, sehr informative und doch empathische Reportage über das unsägliche Leiden der Zivilisten im Krieg, dem anonymen »Collateral Damage« wird Name und Gesicht gegeben.
Volkmar Johannes Schneider-Merck, HamburgDer Konflikt wird so lange schwelen, wie Israel sich weigert, einer Zweistaatenlösung zuzustimmen.
Peter Ruthsch, Grafschaft (Rhld.-Pf.)Ich habe es gar nicht glauben können, diese Arroganz des israelischen Offiziers gegenüber den jungen Frauen, die als Späherinnen an der Grenze eingesetzt wurden. Ich habe auch noch nie in einer Berichterstattung darüber gehört oder gelesen. Hat man die israelischen Opfer willentlich in Kauf genommen? Wenn ich mir die Überlegenheit des Mossad und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet anschaue, kann ich es noch weniger glauben, dass der Vorlauf des Überfalles der Hamas an diesen Geheimdiensten vorbeigegangen ist.
Hans-Ulrich Bresch, Cuxhaven (Nieders.)Hier bleibt keine Frage offen, und es wird keinerlei Partei ergriffen. Das ist wirklich wieder SPIEGEL-Style! Wer diese Zeilen gelesen hat, erhält ein schonungsloses objektives Bild des Geschehens sowie die wirklichen Hintergründe.
Harald Schlichting, Valencia (Spanien)
Arbeiter, nicht Intellektueller
Heft 40/2024 Leitartikel – SPD und FDP sollten sich am Rücktritt des Grünenvorstands orientieren
Angesichts mehrfacher Wahlniederlagen und eines Rückgangs auf »nur« noch zehn oder zwölf Prozent tritt die Grünenspitze zurück, während die FDP sich mit ähnlichen Wahlniederlagen und einem Absturz auf vier Prozent hoffnungsfroh gibt mit einem Vorsitzenden Christian Lindner, der auf einen »neuen Kurs« einer neuen Grünenspitze setzt. Wer sind jetzt die Realos und wer die Fundis in der Politik? Aber auch die Grünen müssen aufpassen, nicht nur noch Außenseiter wie die FDP zu sein, und die Partei der Jungen scheinen die »Establishment-Grünen« offenbar immer weniger zu sein. Und die gute alte Tante SPD muss sich fragen, ob sie bei ihren gegenwärtigen Wahlumfragewerten, die hinter der AfD liegen, nicht auch mal ernsthaft über den einen oder anderen Wechsel an ihrer Spitze nachdenken sollte. Das Beispiel USA zeigt übrigens, dass das sogar vor einer bevorstehenden Wahl neuen Aufwind verschaffen kann. Und auch das Brandenburger Beispiel zeigt die Bedeutung des richtigen Manns oder der richtigen Frau an der Spitze zur richtigen Zeit.
Wilfried Mommert, BerlinSeit Längerem nervt mich, wie einseitig der SPIEGEL über die Ampel schreibt. Natürlich sollen Fehler und Schwächen einer Regierung aufgezeigt werden, aber es wäre angemessen, genauso über Erfolge und Stärken zu berichten. Alles andere ist substanzlose Stimmungsmache. Die negativen Äußerungen über Bundeskanzler Olaf Scholz, etwa seine angebliche Überheblichkeit und miese Performance, teilen wahrlich nicht alle. Ich empfinde es als ausgesprochen angenehm, wie unaufgeregt und sachlich dieser Kanzler argumentiert. Er macht politisch vieles richtig und führt seit drei Jahren eine politisch problematische Dreierkoalition in besonders schwierigen Zeiten.
Jochen Barnack, WiesbadenJa zu allem, was Herr Neukirch so schön in seinem Leitartikel formuliert, aber warum wird den Grünen ständig Bevormundung vorgeworfen? Um den gesellschaftlichen Wandel aufzuhalten oder zurückzudrehen, sind Verbote und Bevormundung für CDU/CSU schon immer das Mittel der Wahl gewesen, früher die Paragrafen 218 und 175, heute das Verbot von Gendern und Cannabis – AfD und BSW stimmen da frohgemut ein. Wenn aber die Grünen die wissenschaftlichen Argumente gegen Verbrennungsmotor, fossile Heizung und Atomkraft oder gegen das aktuelle System der Landwirtschaft in eine politische Agenda umsetzen, ist plötzlich von Bevormundung die Rede. Wie wäre es mit einer Kampagne gegen die Bevormundung durch die Schwerkraft, denn diese schränkt schließlich alle Bürger schon viel zu lange auf geradezu unerträgliche und nicht länger hinzunehmende Weise ein?
Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)Scholz ist weder Intellektueller noch Kommunikator – er ist ein Arbeiter. Seine Regierung hat gegen etliche Widerstände diverse viel zu lange liegen gebliebene Probleme in Gesetze gegossen, die das Zeug haben, die Zukunft des Landes wieder aktiv zu gestalten. Peinlich ist dabei Scholz’ kommunikative Praktik (und die seiner Regierung), sich in Rechtfertigung und Verteidigung zu erschöpfen, statt mit Zielen und Visionen laut nach vorn zu kommunizieren. Und peinlich ist erst recht, dass die demokratische Opposition CDU/CSU (und, haha, auch die Regierungspartei FDP) aus wahl- und machtpolitischen Motiven Teile des AfD-Narrativs übernehmen. Da darf man sich über solche Wahlergebnisse nicht wundern.
Kaleb Utecht, Rodenbach (Hessen)Die Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg sind vorbei. Die Anbiederung der Altparteien an die Positionen der AfD hat nichts genutzt. Rund 30 Prozent der Bevölkerung haben das rechtsextreme Original gewählt, nämlich die AfD. Das müsste ein Anlass für die Altparteien sein, zur Einsicht zu kommen und sich auf ihre ureigenen Ziele und Inhalte zu besinnen. Nötig ist die Abkehr von den migrantenfeindlichen Vorstellungen der AfD, die Anerkennung der Realitäten und die Respektierung der deutschen, europäischen und internationalen Rechtsvorschriften. Bei einem Wettkampf mit der AfD um die besten rechtsextremen Versprechungen würden sie auch künftig die Verlierer sein.
Dr. Heiner Jüttner, Aachen
Tellerrand Landesgrenze
Heft 40/2024 Der Historiker Heinrich August Winkler warnt CDU und SPD vor einem Bündnis mit Sahra Wagenknecht
Wie nah wir am Rand eines Umkippens unserer Demokratie in Deutschland stehen, hat Heinrich August Winkler mit seinem Beitrag klargemacht. Dass die großen demokratischen Parteien SPD und CDU sich bisher nicht ausdrücklich gegen eine Zusammenarbeit mit dem BSW ausgesprochen haben, ist besorgniserregend. Die derzeitige politische Situation in Sachsen, Thüringen und Brandenburg mit einer starken AfD und einem BSW, das seine Nähe zu Russland nicht verhehlt, ist schwierig genug. Sollte es zu einer Koalition und Regierungsbildung dieser beiden Parteien in einem Bundesland kommen, wäre dies hoffentlich ein heilsamer Schock, der Schlimmeres für das ganze Land verhüten könnte. Sollte es zu einer Zusammenarbeit der demokratischen Parteien mit dem BSW kommen, steht die Demokratie in ganz Deutschland auf dem Spiel.
Birgit Jackson, Haselünne (Nieders.)Eigentlich könnte alles so einfach sein: Man nehme sich einen guten Historiker, schaue sich mit ihm zusammen die Historie an – und ziehe die Lehren daraus. Heinrich August Winkler ist so ein Historiker, sogar ein brillanter, das beweist einmal mehr sein aktueller Beitrag. Leider hört nur niemand auf ihn. Da vertritt er doch tatsächlich die Meinung, dass CDU wie SPD, also von Thüringen über Sachsen bis Brandenburg, Nein sagen müssten zu einer Koalition, die mit ihren politischen Identitäten nicht zu vereinbaren wäre, also Nein zu einer Zusammenarbeit mit der AfD oder dem BSW. Denn das wäre sonst ein Triumph, »von dem Putin kaum zu träumen wagte«. Dabei hat Bodo Ramelow ja in Thüringen jahrelang vorgemacht, wie man auch in einer Minderheitsregierung ein Land durchaus voranbringen kann. Selbst Neuwahlen hält Winkler notfalls für besser als ein Arrangement mit den beiden extremistischen Parteien. Es geht in der Tat um nicht weniger als die Zukunft der deutschen Demokratie und »den außenpolitischen Standort der Bundesrepublik Deutschland« – und nicht nur um Länderinteressen. Das Problem ist jedoch, dass die wahrscheinlich zukünftigen Ministerpräsidenten in den drei Ländern nicht über den Tellerrand, sprich ihre Ländergrenzen, hinausschauen können – oder mögen. Und der Spalter im Kreml sieht einmal mehr seine Strategie aufgehen – und lacht sich ins Fäustchen.
Hans-Dieter Schabram, BerlinHerr Winkler macht Einschätzungen über die DDR-Lebenswirklichkeiten quasi via Vermutung. Behauptungen wie: »Die Ermordung der europäischen Juden bildete in der DDR ein Tabu« sind Unfug. Er sollte mal eine Feldstudie machen: Was wissen DDR-Bürger darüber, welche KZs es gab, wie oft waren sie da und so weiter – und was wissen ehemalige Westdeutsche darüber? Fragen Sie mal, was in Westdeutschland über die Belagerung Leningrads bekannt ist.
Dr. Frank Grützmacher, Ilmenau (Thür.)Eine Geschichtslektion vom Feinsten! Bleibt zu hoffen, dass SPD und CDU/CSU dem Appell Folge leisten, einen offensiven Wahlkampf gegen die Feinde der Demokratie und der Westbindung zu führen.
Monika Dengler, Hamburg
Der neue Freund des Bauern
Heft 40/2024 Sind Roboter die besseren Bauern?
Ein Artikel zu dem Thema war überfällig, doch die Überschrift »Roboter schlägt Bauer« könnte kaum unpassender sein. In der Landwirtschaft fehlt genauso Personal wie in anderen Branchen. Außerdem wird der Boden immer teurer. Eine schonende und effiziente Nutzung ist für den Ackerbau und damit unsere Ernährung unerlässlich. Immer schwerere Maschinen sind kontraproduktiv. Die verdichten nicht nur den Boden, sie belasten auch die öffentliche Infrastruktur. Der Farmroboter wird der neue Freund des Bauern und ihn nicht ersetzen oder in irgendwas »schlagen«. Wünschenswert ist, bei der Weiterentwicklung fürs Düngen auch die bedarfsgerechte Feldbewässerung zu integrieren. Die derzeit eingesetzten Wasserkanonen sind ungenau, haben große Verdunstungsverluste und an den Anschlüssen oft Leckageverluste. Der erforderliche hohe Wasserdruck wird außerdem noch oft mit ineffizienten Dieselpumpen erzeugt.
Olaf Brokate, Peine (Nieders.)
Riesiger Kübel Dreck
Heft 40/2024 Die Umwälzungen bei der »Berliner Zeitung«
Gehen dem SPIEGEL die relevanten Ostthemen aus, oder was war Ihre Motivation, sich derart intensiv mit der »Berliner Zeitung« und insbesondere den aktuellen Eigentümern zu beschäftigen? Was macht ausgerechnet diese Regionalzeitung und das Ehepaar Friedrich so interessant, dass zum wiederholten Male ein recht umfangreicher Artikel im SPIEGEL erscheint? Warum dieser Rahmen einer vermeintlichen Untergrundreportage ohne zitierfähige Namen, die undeutliche Zeichnung eines Klimas der Angst bei der »Berliner Zeitung« und die raunenden Andeutungen zur angeblichen Nähe zu Moskau? Haben Sie dazu nichts Handfestes recherchieren können?
Alexander Witt, LeipzigIhr Artikel zeichnet ein aufschlussreiches Bild der »Berliner Zeitung« unter Holger Friedrich. Besonders die anonymen Aussagen ehemaliger Mitarbeiter
liefern wichtige Einblicke in die problematische Ausrichtung und
den autoritären Führungsstil. Dass die Zeitung meiner Ansicht nach zunehmend Verständnis für Autokraten, Impfgegner und russische Propaganda zeigt, bereitet mir große Sorge. Der auf Ihren Artikel folgende offene Brief
der »Berliner Zeitung« an den SPIEGEL, angereichert mit Leserbriefen, die alles unkritisch loben, erinnert mich an die gleichgeschaltete Zustimmung aus DDR-Zeiten. Es wirkt fast, als wäre abweichende Meinung unerwünscht. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, dass kritischer Journalismus, wie in Ihrem Artikel, wachsam bleibt und offene Debatten fördert.
Matthias Borowski, BerlinHerr Kuzmany hat einen riesigen Kübel Dreck über Holger und Silke Friedrich ausgeschüttet. Ich möchte die im Text gestellte Frage »Was ist nur aus der ›Berliner Zeitung‹ geworden?« beantworten: Die »Berliner Zeitung« gehört zu den ganz wenigen Medien des Landes, die sich nicht dem politischen und medialen Mainstream unterworfen haben. Das zeichnet sie aus.
Christian Schurig, Berlin
Thema 4
Heft 40/2024 Bund und Länder streiten über das 58-Euro-Ticket
Wenn die Grünen nicht weiter unglaubhaft werden wollen, müssen sie jetzt für Stabilität des Preises und für Vergünstigungen für Rentner und Dauerabonnenten kämpfen.
Robert Wunder, Nürnberg
Thema 4
Heft 40/2024 Tausende Kinder werden im Gazakrieg schwer verletzt. Einige können sich in Katar erholen
Den Artikel ohne Tränen zu lesen, ist kaum möglich. So viel Leid und Schmerz. So viel Leid Unschuldiger, unschuldiger Kinder. Verursacht von Krieg. Verursacht von Waffen.
Sylvia Rosenkranz-Hirsch-häuser, Weilrod (Hessen)
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