Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Wasser auf die Mühlen der Extremen
Heft 50/2024 Titel: Der Täuscher
Eine ganze Titelseite mit Herrn Lindner muss doch nun wirklich nicht sein, der Artikel hätte völlig gereicht. Die aktuelle FDP ist Lichtjahre von ihren durchaus ehrenwerten Idealen entfernt und zu einer reinen Klientelpartei verkommen, die kein Bürger mehr braucht. Das macht zwar andere Parteien nicht besser, aber diese angeblich liberale Splittergruppe hat ihre Rolle im Parteienspektrum leichtfertig verspielt.
Jens Ode, HamburgIch bin kein FDP-Wähler. Aber was Sie hier veranstalten, ist eine echte Grenzüberschreitung. »Täuscher« ist eine handfeste Beleidigung, die durch nichts zu belegen ist. Warum wählen Sie nicht dasselbe Wort für andere Politiker? Diese Art, einen Politiker »runterzuschreiben«, ist abstoßend.
Michael Grau, BerlinDer ungemein informative Artikel über die Hintergründe, die handelnden Personen und die jämmerlich gescheiterte Desinformation der Öffentlichkeit ist ein journalistisches Meisterstück, zu dem ich der Redaktion meine große Anerkennung aussprechen möchte.
Bernd Koch, Einbeck (Nieders.)Irgendwann reicht’s wirklich. Auch der SPIEGEL arbeitet sich also an Christian Lindner ab. Wie einfallslos Titelbild und -geschichte, wie unpolitisch. Wie schön für den schlechtesten Kanzler, den Deutschland je hatte, und für den wirtschaftspolitischen Laiendarsteller von der Hallig, dass man mit der Unterstützung solcher Medien von der eigenen Katastrophenbilanz einer komplett gescheiterten Ampelregierung ablenken kann. Wie oberflächlich, sich nicht mit dem überfälligen Richtungswechsel für Deutschland auseinanderzusetzen, den Lindners Ausstieg endlich ermöglicht, und sich stattdessen hochzuziehen an einem geleakten internen FDP-Papier.
Dr. Ernst-Christoph Meier, Kleinmachnow (Brandenb.)Seitdem der Teil der FDP, der Bürgerrechte vertreten hat, verstummt ist, verhält sich Lindner genau so, wie man es von der Partei erwarten kann. Er hat schließlich sehr dafür gearbeitet, dass die FDP und er deckungsgleich sind. Die Maximierung persönlicher Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit, möglichst wenig Verantwortung für das eigene Handeln und gar keine Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, sind wohl der Markenkern der FDP. Überraschend wäre gewesen, wenn er sich anders verhalten hätte. Sollte die FDP nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, dann sollten sich potenzielle Partner daran erinnern, was da zu erwarten ist.
Uwe Görlitz, KarlsruheDass Christian Lindner immer noch das Amt des FDP-Vorsitzenden innehat, mutet sehr bizarr an. Denn eins ist doch klar: Entweder hat dieser Mann von dem internen Schreiben gewusst und die Öffentlichkeit dreist belogen, indem er das Gegenteil behauptete, oder er wusste es wirklich nicht. Was ist nun schlimmer? Wahrscheinlich letzterer Fall. Denn das hieße ja, dass er den Laden nicht im Griff hat und über entscheidende Dinge nicht informiert wird. Mir soll das alles recht sein. Denn je schneller die FDP in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, desto besser für das Land. Mir tun nur die alten, echten liberalen Kräfte leid, wie ein Herr Baum, die dies alles noch miterleben müssen.
Ullrich Herzau, BerlinHerr Lindner hat das Vertrauen der Bevölkerung endgültig verspielt. Er hat die FDP durch arrogantes, bürger- und realitätsfernes Verhalten ins Aus befördert. Politiker haben die Aufgabe, zum Wohle der Bevölkerung zu handeln, nicht Wasser zu predigen und für sich selbst Wein zu beanspruchen.
Sabine Fischer, Friedrichshafen (Bad-Württ.)Teamarbeit besteht aus gegenseitigem Vertrauen und Transparenz. Wer hier ausschert, muss das Team verlassen. Im Fall Lindner hat der Kanzler zu lange gewartet. Er hätte ihn viel früher feuern müssen. Wir Bürger konnten seit Beginn des Jahres erkennen, dass Herr Lindner nur seine eigene Agenda abspulen wollte, um als Retter der Nation Geschichte schreiben zu können.
Werner Caspers, Garmisch-Partenkirchen (Bayern)Mein Lieblings-Nachrichtenmagazin vergaloppiert sich in diesem Wahlkampf leider völlig. Natürlich hatten alle Parteien auf allen Ebenen Pläne, wie es zum Koalitionsbruch kommt und was danach passiert; allein die FDP hatte auch Verräter, die es an die Medien durchgestochen haben. Relevant ist das nicht. Relevant ist auch das Pferderennen nicht, das Woche für Woche halbe Prozentpunkte bei den Parteien auf und ab in Umfragen sieht. Relevant ist auch die Koalitionstheorie nicht, wer nach der Wahl mit wem könnte. Einzig relevant wäre jetzt, wer für die Zeit nach der Wahl die richtigen Ideen hat, wie Wirtschaft, Steuern, Bildung, Verteidigung, Justiz und innere Sicherheit zu organisieren wären. Unter einer zerstörten Wirtschaft in Deutschland leiden die »Reichen« viel weniger als die, die auf die Hilfe eines leistungsfähigen Staates angewiesen sind. Gute Wirtschaftspolitik ist die einzige gute Sozialpolitik. Gerade der SPIEGEL muss Austragungsort solcher Debatten sein.
Dirk Urmoneit, Ratingen (NRW)Christian Lindner und Systemsprenger? Geht’s noch? Er ist doch die personifizierte Restauration und hat erfolgreich die Axt an den urliberalen Baum gelegt. Egal, ob in der Verkehrs- oder Sozialpolitik, es geht immer nur darum, Besitz und Privilegien einer kleinen Gruppe zu wahren und zu schützen, was ja auch mehr oder weniger dem harten Kern der Stammwählerschaft entspricht. Wer sich da getäuscht fühlt, hat Lindner nicht verstanden.
Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)Christian Lindner hat eine einstmals im besten Sinne liberale Partei zu seinem Buddy-Klub verkommen lassen, der politisch nur noch Schuldenbremse und Steuersenkungen anzubieten hat. »Große« Liberale wie Hildegard Hamm-Brücher, Gerhart Baum oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sind längst vergessen, weil für den Porschefahrer obsolet. Wer also braucht diese Partei mit so einem arrogant, pathetisch und »disruptiv« daherkommenden »Vorsitzenden«? Als Ein-Personen-Veranstaltung gibt es doch schon das Bündnis Sahra Wagenknecht.
Dr. Angela Graf, HamburgLindner ist kein Täuscher, sondern Realist: Alle haben es gemerkt, dass diese Koalition keine Zukunft hat. Naiv ist, wer glaubt, dass nur die FDP strategisch über das Ende der Koalition nachgedacht hat. Leider bekommt zu Unrecht nur die FDP die Prügel, Scholz mit seiner »spontanen« Entlassungsrede bleibt ungeschoren.
Dr. Hubertus Utz, MainzEinmal davon abgesehen, dass Politiker wie Lindner und leider auch große Teile der FDP Wasser auf die Mühlen der Extremen sind und deren Thesen (anscheinend) bestätigen, stellt sich mir noch eine ganz andere Frage: Wann, nicht ob, werde ich im SPIEGEL, der »Zeit« oder der »Süddeutschen« lesen dürfen, dass der gute Freund, Parteichef und Kanzlerkandidat der CDU informiert und involviert war? Welche Gegenleistungen wurden vereinbart?
Bernd Meyer, Ottweiler (Saarl.)Der Titel »Danke, Herr Lindner!« wäre angemessener gewesen, denn er beendete eine sich den Realitäten verweigernde Bundespolitik. Ob es nach den Wahlen besser wird, bleibt bei den zu erwartenden Koalitionsmöglichkeiten allerdings auch ungewiss.
Ingrid Rill-Schelenz, Marl (NRW)Dem werdenden Vater Christian Lindner ist zu wünschen, dass er nach dem 23. Februar 2025 seine ganze Kraft seinem Kind statt dem deutschen Volk widmen und uns somit weitere Enttäuschungen ersparen kann.
Ingeborg Kaiser-Bauer, Bonn
Bis die Welt aufwacht
Heft 49/2024 Ärzte aus Europa und den USA berichten über die Kriegswunden von Kindern in Gaza
Erst sechs Seiten zu Netanyahu und danach vier Seiten zu Medizinern in Gaza: schwer zu ertragende Kost, die mir der SPIEGEL da serviert und die mich erschüttert hat – einmal politisch, einmal menschlich.
Berthold Vetter, Limburgerhof (Rhld.-Pf.)Ärzte berichten über verletzte und getötete Kinder in Gaza. Ich habe das gelesen. Ich weine.
Hans Große-Heitmeyer, MünchenAls ich den Artikel über die medizinische Katastrophe in Gaza zu lesen begann, bekam ich zuerst Gänsehaut und Beklemmungen. Doch mit jedem weiteren Statement kam die Wut in mir hoch: Man kann auch mit Wahrheiten Lügen verbreiten. Der Artikel suggeriert, Israels Armee sei schuld – an allem. Nicht die Hamas mit ihrer Märtyrer-Todesideologie. Der Artikel suggeriert, dass der Spruch der Hamas-Sympathisanten: »Kindermörder Israel« doch korrekt sei. Wo werden die Ursachen des Krieges genannt? Warum wird immer noch in Gaza gekämpft? Warum wurden Krankenhäuser missbraucht für Waffenlager und Tunneleingänge? Warum benutzen die Terroristen immer noch Kinder und Frauen und Männer als »Schutzschilde«, um weiter für ihre Terrorideologie zu kämpfen? Ich bin sprachlos, traurig und wütend über diese tendenziöse Art von »Journalismus«.
Bernhard Ottinger-Kasper, KölnEine US-amerikanische Notfallärztin hat die in der Überschrift des Beitrags formulierte Frage nach zweimaligem Hilfseinsatz in Gaza formuliert: »Wie soll ich nach dem, was ich gesehen habe, noch in dieser Welt leben?« Ihre Frage empfinde ich als sehr nachvollziehbar, denn es ist geradezu unfassbar, welche Gräuel Israel in Gaza anrichtet. Der Beitrag macht das sehr transparent, auch wenn die Täterschaft Israels oft nur angedeutet wird. Meine eigene Frage dazu lautet: Wie lange steht Deutschland noch fest an der Seite Israels und unterstützt das weitere Grauen standhaft mit der Lieferung von Waffen und anderen Hilfsleistungen?
Dr. Franz Thoren, Renningen (Bad.-Württ.)Danke für diese erschütternden Augen- und Ohrenzeugen-Berichte der begnadeten Ärztinnen und Ärzte, die unter schlimmen Bedingungen in Gaza aushelfen. Die sachlichen Schilderungen der albtraumhaften Umstände dort über zerschossene Kinder gehen unter die Haut. US-Senator Sanders hat diese Artikel im Senat vorgelesen, und genau das bräuchte es vor jeder politischen und gesellschaftlichen Versammlung jeden Tag überall, wo dies ansatzweise möglich ist. Ebenso könnten hier noch mehr seriöse Medien aktiv werden und auch die Kirche und der Papst.
Otto Hagemann, ErlangenZutiefst erschüttert – und nur mit Pausen, weil der Inhalt unerträglich auszuhalten ist – las ich diesen Artikel. Ich sende den Ärzt:innen meine größte Hochachtung und viel Kraft für ihre so großartige humanitäre Hilfe für die kleinen und großen Kriegsopfer in Gaza. Diese Ärzt:innen sollten den Friedensnobelpreis erhalten.
Martina Mangels, HamburgNachdem man diesen Artikel gelesen hat, kann man den SPIEGEL nicht weiterlesen. Bitte verbreiten Sie wöchentlich solche Augenzeugenberichte, bis die Welt aufwacht.
Helmut Müssig, Isenbüttel (Nieders.)Bei der Lektüre muss man die Kraft haben, sich zu beherrschen, um nicht weinen zu müssen. Kann man diese Berichte vielleicht Netanyahu zukommen lassen?
Nico Thewes, Luxemburg
Was ist schlimm daran?
Die Promotion einer Dermatologin unter der Rubrik Kultur ist zumindest bemerkenswert. Passender wäre vermutlich die Wirtschaft gewesen.
Wolfgang Kessler, BonnWas ist so schlimm daran, wenn Frauen auf attraktives Äußeres Wert legen, um auch Männern zu gefallen? Wäre doch unemanzipiert, das als Verrat an der Emanzipation zu empfinden. Leider kann man als Leser das Ergebnis nicht beurteilen, da die vermeintlichen Falten oder die vermeintlich nicht mehr ganz straffe Gesichtshaut vor der Behandlung auf den ersten Bildern nicht zu erkennen sind.
Volker Wegener, Erftstadt (NRW)Meiner seltsamen Art folgend, die SPIEGEL-Lektüre immer am Heftende zu beginnen, las ich zuerst den Artikel über die Dermatologin Emine Arpa. Anja Rützel unterzog sich bei ihr offensichtlich aus Recherchegründen einer schmerzhaften Schönheits-OP. So schön, so gut. Als ich dann auf Seite 78 ankam und die Interviews mit Ärztinnen und Ärzten las, die in Gaza über Monate Zivilisten aller Altersgruppen behandelt haben, wurde mir erneut die totale Absurdität auf unserer Welt grausam bewusst. In unserem (noch) friedlichen und satten Land ist ein »Schildkrötenhals« offensichtlich ein großes ästhetisches Problem, und gerade mal 3000 Kilometer entfernt in Gaza kämpfen zeitgleich Kinder unter grausamen Bedingungen ums blanke Überleben. Ich habe höchsten Respekt vor den Leistungen aller medizinischen Helferinnen und Helfer, die in diese geschundene Region reisen und unter höchster Gefahr Nothilfe leisten. Im Vergleich dazu stellen sich die Künste der daheim gebliebenen Schönheitsmediziner armselig dar.
Christine Lehder, Saalfeld (Thür.)
Thema 4
Heft 49/2024 Die Politologin Florence Gaub über den gefährlichen Pessimismus der Deutschen
Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Debattenbeitrag. Bitte unbedingt mehr von solchen Mutmacher-Texten!
Eckhart Boelger, Berlin
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