Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Eindeutig parteiisch
Heft 2/2025 Titel: »Finger weg von unserer Demokratie, Herr Musk!«
Mir scheint, dass Sie Robert Habeck überproportional viel Raum geben. Dadurch ist bei mir der Eindruck entstanden, dass der SPIEGEL Wahlkampf für die Grünen macht. Ich hoffe doch sehr, dass mein Eindruck täuscht. Ich bin neugierig, wie sich Ihre Berichterstattung über Friedrich Merz gestalten wird.
Sabine Schwiemann, Steffeln (Rhld.-Pf.)Vielen Dank für dieses ausgezeichnete Interview. Herr Habeck ist sehr souverän, ruhig, sachlich und differenziert mit den teilweise provokanten Fragen umgegangen. So hat er mich überzeugt. Er ist zweifellos der richtige Kanzlerkandidat; der, den unser Land jetzt braucht. Mit ihm gibt es kein Zurück wie mit CDU/CSU. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt. Er hat sich deutlich weiterentwickelt und aus Fehlern gelernt. Ich werde ihn wählen.
Imogen Schäfer, BerlinIch habe mich sehr über das Interview geärgert. Die Fragen und Anmerkungen der Redakteure waren so eindeutig parteiisch gegen Robert Habeck gerichtet, meistens sogar überheblich und herabwürdigend. Sie wollten ihn nicht nur vorführen, sondern auch teilweise lächerlich machen. Ein Interview kann gern hart sein – aber fair. Und das war dieses nicht.
Erika Kokott, Großhansdorf (Schl.-Holst.)Minister Habeck sagt im SPIEGEL-Gespräch: »Ich kann mit einigen Ihrer Fragen nicht viel anfangen.« Mein Fazit nach Lesen des Textes lautet: Ich kann mit den meisten seiner Antworten nichts anfangen.
Hans-Jürgen Kroggel, Hameln (Nieders.)Mit einigen Ihrer Fragen an Robert Habeck konnte ich auch nicht viel anfangen. Dafür aber umso mehr mit seinen brillanten Antworten. Dieser Mann ist rhetorisch einfach unschlagbar. Ihren fachlich hochversierten Redakteuren war er mit Sicherheit ein geschätzter »Sparringspartner«.
Hildtraut Schröder, AugsburgBesser hätte auch Markus Söder die respektlosen Fragen nicht formulieren können. Fazit: Sie wurden extrem gut gekontert – und ich bin bei Gott kein Grüner, was ich mir nach diesem Interview aber am Überlegen bin.
Rainer Mebes, Waldkirchen (Bayern)Was für besonnene, gute Antworten eines empathischen Menschen! Ganz anders als unsere Macho-Gockel Merz, Lindner und Söder. Da sollte die Wahl eigentlich nicht schwerfallen.
Carsten Rieckhoff, Bleckede (Nieders.)Selten habe ich ein derart schlechtes Interview im SPIEGEL gelesen. Der Ton überheblich und arrogant, die Fragen unsachlich und größtenteils inhalts- und erkenntnisfrei. Populistische Fragen an einen Politiker, dem Populismus vorgeworfen wird. Apropos Populismus: Ist das das neue Totschlagargument, mit dem künftig jede abweichende Meinung diskreditiert wird? Ich bewundere Herrn Habeck, dass er dieses Interview bis zum Ende sachlich geführt hat. Mir wäre dies nicht gelungen. Ich hätte die Reporter nach zehn Minuten hinausgebeten.
Rainer Stehmeier, HamburgHerr Habeck versucht, einen anderen Ton über die Politik hinaus auch in der Gesellschaft zu etablieren. Für Menschlichkeit und einen freundlichen Umgang wird man belächelt. Auch von den Interviewern des SPIEGEL. Das stimmt mich traurig.
Jörn Kreische, Neukirchen-Vluyn (NRW)Eine wichtige Frage befasste sich mit dem Anteil der Grünen am Erstarken der AfD. Ich sehe hier auch den SPIEGEL in der Verantwortung, und dieser wurde das Interview nicht gerecht. Der überwiegende Teil der Fragen war nicht inhaltlicher Natur, sondern gab zum Teil diffamierende Eindrücke der Redakteure zu Habecks Stil wieder. Ich erwarte von einem solchen Interview harte Kritik in der Sache, aber persönlichen Respekt gegenüber unseren demokratisch gewählten Vertretern. Wo der fehlt, wird dem Erstarken extremer Parteien Vorschub geleistet. Ich wünsche mir vom SPIEGEL einen inhaltlicheren und respektvolleren Ansatz. Die Führung dieses Interviews war einer Titelstory nicht würdig – die Antworten von Robert Habeck waren es durchaus.
Carsten Collatz, BerlinAlles, was Robert Habeck so in dem Interview sagt, ist wie immer ausgewogen. Bloß niemandem was wegnehmen, das könnte potenzielle Wähler verprellen. Aber wir Altgrünen sind eher kritisch und nicht glatt. Die Wahrheit ist, dass die Erde sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit auf eine Biodiversitätskatastrophe zubewegt, mit der Klimakatastrophe im Gepäck. Darauf hat die Politik keine Antwort und verdrängt diese existenzielle Frage einfach. Wenn biologische Systeme zusammenbrechen, können wir diese Entwicklung irgendwann nicht mehr aufhalten, was existenzielle Verwerfungen für unsere menschlichen Gesellschaften bringt. Das müsste eigentlich das Thema in diesem Wahlkampf sein.
Ulrich Schulte, Altenmedingen (Nieders.)Vielen herzlichen Dank für das informative Interview. Hervorragender Klartext. Robert Habeck ist der einzige Politiker, dem ich es zutraue, die komplexen Geschicke unseres Landes verantwortungsvoll und konstruktiv zu vertreten: Er zeigt Weitblick über den parteipolitischen und nationalen Tellerrand hinaus, hat Substanz und Regierungserfahrung, ist gebildet, fair und intelligent. Eigenschaften, die wir dringend brauchen.
Prof. Silke Braemer, Ihringen (Bad.-Württ.)Herrn Habecks Antworten haben im Gegensatz zu denen vieler Populisten und Neopopulisten eine Logik. Dass sich das deutsche Volk und Ihre Leser diese Antworten nicht so gern anhören möchten, das ist wohl der Zeitgeist. Die Realität des Klimawandels und der Kriegskrisen wird wohl keine Wahl lassen. Wir sollten uns alle so langsam daran gewöhnen, dass die klassische Marktwirtschaft an ihre Grenzen gestoßen ist. Der Club of Rome hat schon vor 53 Jahren ähnliche Antworten gegeben.
Rudi Wolz, Kremmeldorf (Bayern)In diesem SPIEGEL-Gespräch ist alles zur Zukunft Deutschlands gesagt worden! Jetzt braucht es nur noch einen Kanzler Habeck mit PartnerInnen, die fähig sind, die Inhalte mitzutragen. Für diese Fähigkeit haben sich AFD, FDP und BSW schon selbst disqualifiziert. Markus Söder sollte sich hinterfragen, ob er diesem Kreis ebenfalls angehören möchte.
Rainer Hönig, Weroth (Rhld.-Pf.)Es ist für Robert Habeck nicht einfach, das Gespräch gegen die pubertäre Rotzigkeit der SPIEGEL- Redakteure auf die substanziellen Fragen hinzulenken, aber es gelingt ihm. Eindrucksvoll!
Barbara Weiß, Berlin
Auf den Punkt
Heft 1/2025 Leitartikel: Deutschland braucht eine Wende zum Wachstum
Herr Kurbjuweit stellt richtig fest, dass sich Deutschlands Stellung in der Welt verschlechtert hat. Als Allheilmittel fordert er prioritär eine »Wende zum Wachstum, wirtschaftlich und politisch«. Hohes Wirtschaftswachstum als zentrale Lösung für (fast) alle sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen zu sehen, ist jedoch eine überholte Strategie. Heute sollten andere Ziele im Vordergrund stehen wie nachhaltige Entwicklung, Lebensqualität, Reduktion des Ressourcenverbrauchs, Verbesserung der Einkommens- und Vermögensverteilung, Vermeidung von Zivilisationskrankheiten. Nach zwei Generationen mit gewaltigen Wachstumsquoten wäre es an der Zeit, die Grenzen dieser maßlosen und kontraproduktiven Entwicklung mit allen ihren Negativfolgen infrage zu stellen und in Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik eine neue Post-Wachstumsökonomie (Wirtschaft ohne Wachstum) zu entwickeln.
Toni Stadelmann, ZürichWelch ein Kontrastprogramm in diesem SPIEGEL. Einerseits der sehr lesenswerte Leitartikel »Die verzwergte Republik« und andererseits ein Bericht über die vielfältigen Initiativen zur nachhaltigen Verbesserung der hiesigen Realität. Dies gibt Hoffnung für die Zukunft. Packen wir es an.
Dieter Obst, Wiesbaden
Unentdecktes sichtbar machen
Das Kulturhauptstadtmotto »C the Unseen« ist gerade nicht überambitioniert, denn beim »bislang Ungesehenen« geht es nicht um »nie Dagewesenes«, wie der Artikel verkündet. Vielmehr soll bislang Ungesehenes und Unentdecktes sichtbar gemacht werden. Menschen, Orte und Aktivitäten, die bisher nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wollen gesehen werden (so ähnlich ist es auf chemnitz2025.de zu lesen). Das entspricht denn auch der Übersetzung von »unseen«, nämlich unbemerkt, ungesehen, unsichtbar. »Nie Dagewesenes« im Sinne von spektakulär, sensationell, neu trifft es nicht. Zu dieser leichtfertigen Übersetzung passt dann aber wieder der Umstand, dass man kaum eine Ahnung hat, wo Chemnitz überhaupt liegt, die Ungesehene also wirklich noch nicht wahrgenommen hat: »ein wenig abseits im Osten Sachsens am Fuß des Erzgebirges«. Das meiste stimmt, nur: Chemnitz liegt im Südwesten von Sachsen.
Thomas Reißmann, Chemnitz
Mir stockt der Atem
Heft 1/2025 Der Täter von Magdeburg fiel den Behörden jahrelang mit Drohungen auf
Leider scheint es, dass in Deutschland 90 Prozent aller Taten mit Toten, wie illegale Autorennen, Terroranschläge, Prügeleien und so weiter wohl von Personen begangen werden, die bereits vorher inakzeptabel auffällig waren. Wir bräuchten eine Justiz, die auch mal früher hart durchgreift, um die Unversehrtheit aller anderen Bürger zu schützen. Wenn man das regelmäßig versäumt, wirken Verbote für alle Bürger halt so, als hätte man nur auf eine Gelegenheit gewartet, seine Bürger zu bespitzeln.
Kurt Lingl, NürnbergEigentlich alles wie immer, eine große Ankündigung zur Aufklärung – allerdings gibt es dieses Mal dank Ihrer Recherche so viele Beweise, dass alle Verantwortlichen dafür den Platz verlassen müssen. Ich bin wütend, und mir stockt der Atem bei den Gedanken, was hier alles falsch gemacht wurde. Meine intensiven Gedanken sind bei allen Menschen, die bei diesem Anschlag verletzt wurden oder Angehörige verloren haben.Martina Möller, Bad Marienberg (Rhld.-Pf.)
Nur Plinsen und Schlafmützen
Die Quintessenz: »Kleinere Klassen bringen wenig. Beim Lernen kommt es vor allem auf den Lehrer an.« Der zweite Satz ist großartig und in seiner Banalität nicht mehr zu toppen. Den ersten Satz kann ich nach über 30-jähriger Unterrichtspraxis so nicht bestätigen. Er gibt die Einschätzung eines Theoretikers wieder, der selbst allerhöchstens über eine minimale eigene Praxis verfügt. Bei der Diskussion über die Vergeudung von Talenten fällt auf, dass John Hattie offensichtlich wenig Ahnung davon hat, dass es bei uns in der schulischen Entwicklung keine Sackgassen gibt. Unser System ist an jeder Stelle nach oben offen über Berufsfachschulen, Berufskollegs, berufliche Gymnasien, Abendgymnasien und Fernuniversität.
Dr. Ulrich Benz, Schwäbisch Gmünd (Bad.-Württ.)Ich bin selbst leidgeprüfte Schülerin mehrerer unfähiger Lehrkräfte, die letztlich das große Glück hatte, doch noch einen dieser fantastischen Lehrer zu haben. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich die Schule nicht abgebrochen, sondern mit einem guten Abitur beendet habe. Gute Lehrer fördern das freudige Lernen. Genauso unterstütze ich die These, wie sehr schlechte Lehrer Schülern schaden. Ganzen Klassen wird so die Freude an Fächern verdorben, und die Eltern können nichts unternehmen, um solche teilweise katastrophalen Lehrkräfte zu verhindern. Diese Erkenntnisse müssen dazu beitragen, dass schlechte Lehrkräfte aus dem sowieso schon mittelmäßigen deutschen Schulsystem genommen werden.
Corinna Grabner, Rhadereistedt (Nieders.)Der Mann hat vollkommen recht. Unser Schulsystem ist eine Katastrophe. Die Trennung der Schüler entscheidet viel zu früh maßgeblich über deren weiteren Werdegang und ihren Lebensablauf. Das ist der helle Wahnsinn und eine Vergeudung von Potenzial. In unseren vielen Ministerien und unseren vielen Schulämtern, die über die Schulpolitik befinden, sitzen offenbar nur Plinsen und Schlafmützen, mit der Folge, dass der von Herrn Hattie im Interview thematisierte üble Missstand bisher nicht angegangen worden ist. Alles wird wie eh und je gehandelt, ohne dass der Kopf eingeschaltet wird. Das ist alles so ärgerlich.
Frank Wunderlich, Nöbdenitz (Thür.)Herr Hattie hat mit einem recht: Auf den Lehrer (mit Verlaub: auch auf die Lehrerin) kommt es an. Alle anderen Äußerungen zeigen eine erfahrungslose Elfenbeinturm-Ideologie.
Reinhard Egenolf, Freiburg (Bad.-Württ.)
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