Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Vergebung gibt Freiheit
Heft 15/2023 Titel: Die Kunst des Verzeihens
Manchmal muss man im Leben einen Schritt zurücktreten, um dann mit zweien nach vorne zu schreiten. Hassen ist nun mal menschlich – Tiere kennen keinen Hass –, Verzeihen aber eine Kunst für sich. Wer verzeiht, ist stark. Verzeihen kann man lernen, davon bin ich überzeugt, von Narzissten mal abgesehen. Verzeihen ist wie ein Medikament, das man benötigt, es lässt einen sich besser fühlen und wirkt gegen die Krankheit Hass. Man sollte sich selbst fragen: Ist es den Ärger wert, und wie hoch ist die Schuld des Anderen? Die Verletzung wird mit der Zeit heilen. Man muss auch wissen, wieso sich der andere so verhalten hat. Trage ich eine Mitschuld? Vergebung gibt Freiheit, welche wir sinnvoller nutzen können, als ständig mit Wut und Ärger erfüllt zu sein.
Dr. Jürgen Schöfer, Pasig City, Manila (Philippinen)Diesmal lieferte der SPIEGEL eine positive Osterpredigt ab. Als evangelischer Pfarrer habe ich das oft genauso gemacht. Ich habe erzählt, was Jesus getan hat, die Gemeinde ermutigt, das sacken zu lassen und es zu genießen, dann eingeladen, es nachzumachen. Die Stärke Ihres Artikels über das Verzeihen liegt in der wissenschaftliche Unterfütterung und den anrührenden Beispielen. Ich war einfach beeindruckt! Danke.
Reinhold Fritzsch, Erkheim (Bayern)Immer wieder begeistern mich Interviews, die Sie mit interessanten, besonderen Menschen führen. Also nicht unbedingt die mit Politikern. Ein herausragendes Beispiel ist das Interview mit Jan Philipp Reemtsma. Ein wirklich kluger Kopf und ein geerdeter Philosoph. Seine Aussagen regen zum Nachdenken an. An einer von ihnen bin ich hängengeblieben. Auf Ihre Frage »Das Verzeihen ist tatsächlich ein Grundgedanke des Christentums. Was halten Sie davon?«, antwortet er: »Die Idee eines Gottes, der dem Menschen die Tatsache verzeiht, dass der Mensch so ist, wie Gott ihn geschaffen hat, ist eine ungeheurere gedankliche Perversion.« Dieses Zitat gehört in die Hall of Fame der Aphorismen. Gedacht habe ich Ähnliches schon häufig, aber es derart genial zu formulieren, ist schon sehr beeindruckend. Mich würde wirklich interessieren, was ein hochrangiger Gottesmann zu genau diesem Zitat entgegnen würde.
Charley Graf, Auenwald (Bad.-Württ.)Das Verzeihen und Bereuen komplementär sind, weil Verzeihen nicht ohne Reue des Gegenübers möglich ist, wird sehr verständlich beschrieben. Das gilt aber nur in zwischenmenschlichen Beziehungen. Bei Staaten oder Organisationen sind Taten oft unpersönlich, weil persönliche Verantwortung fehlt. Da ist Jens Spahn eine rühmliche Ausnahme. Ob er allerdings auch Reue empfindet, ist, ist kaum nachweisbar. Staaten und Organisationen, die ihre Taten bereuen – und damit Verzeihung erwarten – können dies nur über Wiedergutmachung. Der Begriff fehlt im Artikel. Wiedergutmachung geht über Reue hinaus. Weil Wiedergutmachung Taten verlangt und mehr ist als Lippenbekenntnis.
Alexander Koerdt, Stansstad (Schweiz)Das ist ein wunderbarer, sensibler, empathischer Text über das Verzeihen. Absolut gelungen.
Gisela Neudeck, Wohnort angefragtEinen verschossenen Elfmeter und andere sportliche Fehlleistungen in einen Topf mit Beleidigungen und seelischen Verletzungen zu werfen erscheint mir doch recht fragwürdig.
Harry Paul, Zeuthen (Brandenb.)Glückwunsch für die Vielfalt der Artikel, nicht nur in dieser Ausgabe. Zum Titelartikel über das Verzeihen fand ich folgendes Zitat des amerikanischen Vipassana-Meditationslehrers Jack Kornfield: »Vergebung heißt, dass man aufgehört hat, sich eine bessere Vergangenheit zu wünschen.«
Karin Geissler, Neustadt am Rübenberge (Nieders.)
Nur den Kopf schütteln
Heft 14/2023 Leitartikel: Die Ampelregierung scheitert in der Klimapolitik an den eigenen Ansprüchen
Wow, wow, wow, Herr Neubacher, was ist Ihnen denn da rausgerutscht? Sie argumentieren ja wie ein alter weißer Mann: undifferenziertes Verschwurbeln sich gegenseitig widersprechender Argumente. Die radikalen Forderungen einer Protestbewegung sind nicht gleichzusetzen mit den Verhandlungsergebnissen einer (grünen 14-Prozent-)Regierungspartei. Und unpopuläre Vorschläge zu diskutieren war in der Vergangenheit noch nie ein Garant, um sofort Mehrheiten zu gewinnen. Wäre ich Grünen-Wähler, könnte ich wohl stolz sein auf die wichtigen und richtigen Akzente, welche die Partei seit Jahren setzt.
Steffen Schmid, Berlin
Dieser Artikel beschreibt vorzüglich die deutsche Problematik: Nicht gut verhandeln können. Detailorientierung. Neigung zum lutherischen Verzichtdenken. Mangel an Pragmatismus. Kurzsichtigkeit. Dadurch ein Mangel an Überblick. So verlieren wir, trotz hervorragender Unternehmen und wunderbarer Produkte, die ursprüngliche Führungsstärke unserer Wirtschaft. Es ist ein Trauerspiel. Ich war 35 Jahre lang Unternehmensberater weltweit. Hier in Kamerun, mit sieben Prozent BIP-Wachstum pro Jahr, geht die Post ab. Ebenso, trotz massiver Probleme, in vielen andern Ländern dieser schönen Welt. Anscheinend will Deutschland sich lieber verbuddeln und Asche aufs Haupt werfen. Pragmatismus fehlt. Ich kann nur lachend empfehlen: Aufwachen!
Bernd Hofmann, Jaunde (Kamerun)Leitung hat vor allem mit Führung zu tun. Wenn das Thema Klima für uns so wichtig ist, und daran hat wohl niemand einen Zweifel, sollten wir von der jeweiligen Regierung als Leitstelle die richtigen, nachhaltigen Impulse bekommen, um langfristig unseren Beitrag leisten zu können. Da aber viele von uns (eigene Recherche im Freundeskreis) noch nicht einmal den Namen der Umweltministerin kennen, die in den Medien so gut wie nicht vorkommt, muss man sich nicht wundern, wenn die Medien mehr das Gezanke der Koalition im Fokus haben. Diese Regierung tut sich keinen Gefallen damit, das wohl wichtigste Resort farblos zu besetzen, was zur Konsequenz hat, dass sich Aktivistenhandlungen verselbstständigen.
Norbert Höpfner, Kronberg (Hessen)Herr Neubacher vertritt im Leitartikel so absurde Positionen, dass ich nur noch den Kopf schütteln kann. Es hat seinen Grund, dass die von ihm genannten Mittel unter echten Fachleuten keinen hohen Stellenwert haben. Die Grünen lehnen Geoengineering und Carbon Capture and Storage (die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid) nicht aus Prinzip oder Ideologie ab, sondern aus Gründen. Diese Techniken sind kaum erforscht und mit erheblichen Risiken verbunden. Vor allem sind sie bestenfalls Notnägel, bei denen die Gefahr besteht, sich zu sehr auf diese vermeintlichen »Lösungen« zu verlassen und beim echten Klimaschutz, der schnellstmöglichen Emissionsreduktion, weiter zu schludern. Das Wichtigste bleibt, die durch die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas entstehenden Emissionen schnellstmöglich zu reduzieren. Ihre Vorschläge, auf unausgereifte Technologien im Ideenstatus oder gefährliche Technologien der Vergangenheit zu setzen? Die sind des Klimas falsche Freunde.
Robert Goldbach, Berlin
Sprücheklopferei
Heft 14/2023 Karrieren: SPIEGEL-Gespräch mit dem scheidenden BayWa-Chef Klaus Josef Lutz über Versäumnisse der Politik
Erstaunlich ist, mal wieder so ein gutes Gespräch im SPIEGEL lesen zu können. Fragen okay, Antworten erfrischend realistisch. Fazit: Der SPIEGEL sollte Herrn Lutz einen Beratervertrag für redaktionelle Mitarbeit im Wirtschaftsressort anbieten. Zeit hat er jetzt genug, und seine Expertise täte dem SPIEGEL gut. Das Auf und Ab der Artikelqualität im SPIEGEL vergnügt mich jetzt schon über 60 Jahre.
Holger Bode, Norderstedt (Schl.-Holst.)Danke für dieses Interview. Klare Worte. Mir macht die Wirtschafts- und Außenpolitik dieser Regierung Angst.
Detlef Lieckefett, PotsdamIch bin sehr verwundert über die plumpen und überheblichen Aussagen des Chefs dieses großen Unternehmens. Offensichtlich hat er nicht kapiert, dass sich unser Land in der größten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg befindet. Mit Sprücheklopferei kommen wir nicht weiter. Er muss vermutlich hervorragende Mitarbeiter haben, die dafür sorgen, dass dieser Konzern so erfolgreich ist.
Hermann Regal, Klosterlechfeld (Bayern)Ihre Redakteure hatten ihre Meinung bereits vor dem Gespräch mit Herrn Klaus Josef Lutz. Für mich erneut die Erfahrung, Geld und Zeit für Ihre Belehrungen verplempert zu haben.
Karl-Heinz Musial, MünsterSeit 50 Jahren lese ich den SPIEGEL und habe noch nie einen Leserbrief geschrieben. Aber das Interview mit Herrn Lutz bringt mich auf die Palme. Das sind die Männer, die für Kinderarbeit, einstürzende Textilfabriken und Treibhausgase die Verantwortung tragen. Ukraine? Nicht mein Krieg. Atomkraft (ohne Endlager)? Ja bitte. Und 24 Stunden arbeiten pro Tag? Na klar. Natürlich auch für meine Mitarbeiter. Wie krank ist das denn? Schafft seine Arbeit nicht und ist auch noch stolz darauf. Gut, dass er abtritt.
Dietrich Peter, Hähnichen (Sachsen)Der Mann hat in allen Punkten recht. Endlich mal ein Interview, das die Dinge beim Namen nennt. Diese Regierung, die durch Sanktionen gegen Russland dafür gesorgt hat, dass wir kein günstiges Gas zur Energieversorgung mehr erhalten, aber durch die langfristigen Lieferverträge mindestens 42 Milliarden Kubikmeter im Jahr bezahlen müssen und nun endlich das teure, schmutzige Fracking-LNG-Gas aus den USA beziehen, das auch noch mit stark CO2-erzeugenden Transporten angeliefert werden muss. Bravo an unseren Philosophiemagister-Wirtschaftsminister Habeck, der mit immensem Sachverstand die Energiepreise für Industrie- und Privathaushalte in unbezahlbare Höhen trieb. Nur so kann man den Industriestandort Deutschland kaputt machen. Auch liest Herr Lutz unserer hochdiplomatisch affinen Außenministerin Baerbock mal die Leviten, die mit ihrem feministischen Ansatz Russland »den Krieg erklärt« und mit China in jedes erdenkliche undiplomatische Fettnäpfchen tritt. Will man nun noch die immens wichtigen Wirtschaftsbeziehungen mit China kaputtreden und die deutschen Exportchancen zerstören? Was hat Deutschland für eine Politik verdient? Wie lange nehmen wir das alles hin?
Gerd Behringer, Bad Aibling (Bayern)Ihr SPIEGEL.de-Kolumnist Nikolaus Blome und Klaus Josef Lutz sind zwei umweltpolitische Narren nach dem Prinzip: »Was machen die anderen? – Toll, das machen wir auch!« Tja, in der Masse stirbt sich’s eben leichter.
Wolfgang Luckner, Bonn
Bravo und danke
Heft 14/2023 Legenden: Jimmy Carter, ungewöhnlichster Präsident der USA, liegt im Sterben – ein Besuch in seinem Heimatort Plains
Bravo und danke für den Artikel. Es ist seit Langem, glaube ich, das erste Mal, dass ich einen positiven Beitrag über Jimmy Carter gelesen habe. Und unendlich wohltuend neben all dem Gezerre, dem Hadern, Hass, der Missgunst und dem Streit zu sehen, dass es auch anders ging.
Dr. Reinhart Fuchs, Hausen (Bad.-Württ.)Gratulation, Frauke Hunfeld, zu Ihrem Artikel »Mister Jimmy«, den Sie mit so viel Wärme und Sympathie geschrieben haben; es wird einem dabei warm ums Herz.
Alexander Reiter, Kirchzarten (Bad.-Württ.)Im Artikel wird der Eindruck erweckt, dass Jimmy Carter eine verurteilte Mörderin begnadigte, die ihn auch jetzt noch pflegt. Das gibt den realen Hintergrund allerdings nur verkürzt wieder. Mary Prince ist eine in den frühen Siebzigerjahren zu Unrecht verurteilte Afroamerikanerin, deren Unschuld später vom selben Richter offiziell festgestellt worden ist, der sie zunächst fälschlich hinter Gitter brachte. Der ursprüngliche Prozess war gezeichnet von einer mehr als unzureichenden juristischen Betreuung durch ihren Pflichtverteidiger.
Henning Preuß, Schwerin
Unsäglicher Kulturkampf
Heft 14/2023 Gesellschaft: Ein Vater zog gegen Gendersprache vor Gericht
Die Genderei führt besonders bei Gesetzestexten und Anleitungen zu Verständnisproblemen, die Inkonsequenz dabei ist oft missverständlich und ärgerlich. Wie zum Beispiel »Liebe Leserinnen und Leser« – aber Leserbriefe@spiegel.de – nur für Leser? »Liebe Bürgerinnen und Bürger«, steht das »Bürgergeld« nur männlichen Bürgern zu? Die Verbraucherinnen und Verbraucher stellen höhere Verbraucherpreise fest, die Zuschauer applaudieren den Sportlerinnen und Sportlern ... Oder Wortschöpfungen, die früher jeder/jede Deutschlehrer:*/in angestrichen hätte, wie: »Studierendenwohnheim«. Mein Vorschlag: nur noch die weibliche Form, ich fühle mich als Mann damit auch angesprochen, wie wohl auch die Diversen.
Dr. Henning Lüpertz, DarmstadtIch persönlich gendere nicht, stehe aber in diesem unsäglichen Kulturkampf denjenigen näher, die eine geschlechtersensible Sprache verwenden – ohne diese zur Norm für alle machen zu wollen. Jene, die öffentlichkeitswirksam Kampagnen gegen das Gendern starten, können sich des Zuspruchs eines großen Teils der Bevölkerung sicher sein, verfolgen jedoch darüber hinaus eine fragwürdige »Anti-Wokeness-Agenda«, die mit den gegenwärtigen schulischen Lehrplänen und dem Selbstverständnis einer toleranten und diversen Gesellschaft nur schwer zu vereinbaren ist. Dass es dem Kläger »Herrn Müller« hierbei weniger um das Wohl seines Kindes als um die Durchsetzung eigener ideologischer Überzeugungen geht, gibt er gegen Ende des Artikels ja ehrlicherweise zu.
Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)
Was spricht dagegen?
Heft 14/2023 Patriarchat: Plädoyer für die Abschaffung der Ehe
Jedes Paar kann heiraten oder unverheiratet zusammenleben. Was ist dagegen einzuwenden, Verantwortung füreinander zu übernehmen? Die aufgezeigten negativen Rollenmuster werden auch bei unverheirateten Paaren gelebt.
Iris Ehlers, Kronshagen (Schl.-Holst.)
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