Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 65 / 68

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Das Gespräch mit Wolodymyr Selenskyj, Lehrermangel, Luxusuhren, Nancy Faeser und das Gespräch mit Nobelpreisträgerin Annie Ernaux – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 8/2023

Ungebrochener Verteidigungswille

Heft 7/2022 »Putin ist ein Drache, der fressen muss« 

  • Tolles und wichtiges Interview!
    Mario Rauschenbach, Hamburg

  • Herr Selenskyj hat seine wie auch die Lage der Ukraine sehr treffend, verständlich und ohne politisches Geschwurbel erklärt. Es hat mich bestärkt, dass ich mit meinen bisher vier privaten Fahrten mit Hilfslieferungen für Babys und Mütter nach Kiew, Butscha und Chernihiv doch richtig handle. Etliches, was aus dem Interview herauszulesen ist, habe ich vor Ort von den Bürgern des Landes so auch erfahren. Es ist bis jetzt ungebrochener Verteidigungswille vorhanden, mit dem Glauben, diesen Krieg zu ge­winnen.
    Rainer Mebes, Waldkirchen (Bayern)

  • 20 Jahre lang haben wir die Bundeswehr nach Afghanistan geschickt, um Deutschlands Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen. Nun, da Russland die Ukraine und damit Europa angreift, lassen wir, hasenherzig und unsere Möglichkeiten kleinredend, die Ukraine auch einen Stellvertreterkrieg für uns führen, für unsere Freiheit, unsere Werte. Viele von uns berufen sich auf einen (christlich fundierten) Pazifismus, der ein hohes Gut und ein noch höherer Anspruch, in Zeiten von Notwehr jedoch eine Überforderung ist. Bedeutet das fünfte Gebot nicht auch: Du sollst nicht töten (zu-)lassen? Und ist das nicht das, was wir gerade tun? Auch das Böse ist in der Welt. Selbst der Pazifismus der einen Seite kann der anderen Seite als Anreiz für einen Krieg dienen. Ein Friede muss beständig erarbeitet, sogar erkämpft werden.
    Dr. Eberhard Meyer-Raven, Göttingen

  • Langsam nervt Selenskyjs Gejammer. Europa, insbesondere Deutschland, hat in keinem anderen Krieg so viel geleistet wie jetzt für die Ukraine. Sowohl finanziell als auch in puncto Waffenlieferungen steht Deutschland keinem anderen europäischen Land nach. Man erinnere sich an den Balkankrieg, wo die Hilfe zu spät kam.
    Bülent Kalman, Duisburg

  • Wir haben dem Drachen Putin im Februar 2014 ein zahmes Aus­sehen gegeben, indem wir ihn die Olympischen Winterspiele in Sotschi ausrichten ließen. Einen Monat später hat dieser Drache gefressen: den Osten der Ukraine, die Krim. Anstatt ihm danach sein Fressen zu entziehen, haben wir ihn gemästet – durch den Verkauf unserer systemrelevanten Gasspeicher, den Bau einer zusätzlichen Gaspipeline, die Lieferung wichtiger Elektronikteile für Präzisionswaffen und durch die tägliche Zahlung von Millionensummen für fossile Energien und seltene Rohstoffe. Als er genügend gemästet war, machte er sich daran, die Ukraine zu fressen. Wir hatten nichts dagegen. Hofften vielmehr, er würde es schnellstmöglich tun, uns vor vollendete Tatsachen stellen, die unser Eingreifen nicht mehr erforderten. Der Drache war aber überfüttert, zu behäbig, um Beute zu machen. Vor diesem Pro­blem stehen wir jetzt und wissen nicht, ob wir das angeschlagene Untier mit erlegen sollen.
    Josef Gegenfurtner, Schwabmünchen (Bayern)

  • Einige SPIEGEL-Titel und -Storys in letzter Zeit ließen mich als jahrzehntelangen Leser mit der inhaltlichen Entwicklung des Magazins und der mangelnden Abgrenzung zum Boulevard fremdeln. Die Aufarbeitung, Hintergründe und Gespräche über diesen furchtbaren Krieg in Europa beseitigen die aufkeimenden Zweifel an der journalistischen Ausrichtung und Qualität des SPIEGEL allerdings mit einem Schlag. Eine Ausgabe, die es wert ist, als historisches Dokument bewahrt zu werden. Nicht zuletzt zur Wiedervorlage, wenn wir einmal wissen werden, mit welchen Auswirkungen dieser Krieg für die Menschen in der Ukraine und ganz Europa geendet haben wird.
    Heinz Hoppe, Bühl (Bad.-Württ.)

Mehr gute Lehrer!

Heft 6/2022 Leitartikel: Die Politik muss dringend eine Strategie gegen den Lehrermangel entwickeln 

  • Tatsächlich sind die von Ihnen beschriebenen Lücken in der Unterrichtsversorgung an deutschen Schulen noch viel größer als offiziell bekannt. Bereits jetzt gibt es an sehr vielen Schulen zahlreiche Selbstlernstunden, in denen Schüler ohne Lehrkraft lernen sollen. Diese werden in der Schulstatistik aber als »Unterricht« verbucht. Sie tauchen also in den Erhebungen zu Lücken in der Unterrichtsversorgung gar nicht auf. Würde man diese Stunden hinzuzählen, wäre das Minus bei der Unterrichtsversorgung noch viel größer.
    Andreas Mertens, Vors. d. Bezirks­personalrats für Integrierte Gesamt­schulen in Rhld.-Pf., Nannhausen

  • Um dem Lehrermangel abzuhelfen: keine Sabbatjahre, keine Teilzeit, bei Krankmeldung genauer von Behördenaufsicht hinsehen, wer seine Krankheit in fernen Landen »auskuriert«. Das würde nicht nur den Schülern helfen, sondern auch denjenigen Lehrern, die alles tun, um den Schülern einen guten Unterricht zu ermöglichen. Denn sie sind es, die besonders unter den fehlenden Kollegen leiden. Außerdem sollte vor dem Lehramtsstudium unbedingt mindestens ein Pflichthalbjahr in der Schule stattfinden, damit den Studierenden klar wird, was sie heute in der Schule erwartet. Wir brauchen nicht nur mehr Lehrer, sondern mehr gute Lehrer!
    Bärbel Bruhn, Glinde (Schl.-Holst.)

  • Die Vorschläge der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission haben durchaus das benötigte Wumms-Potenzial, wenn man sie zu Ende denkt: Das System Schule braucht mehr Unterricht. Also mehr Lehrerinnen und Lehrer, die möglichst hoch qualifiziert dort tätig sind, wo sie gebraucht werden – im Klassenzimmer. Daraus folgt: Schulverwaltungs­assistenten in die Schulen, damit Lehrer:innen keine iPads warten, keine Klassenfahrten abrechnen, kein Budget verwalten und keinen Stunden- und Vertretungsplan erstellen müssen. Mehr Sozialpädagog:innen und mehr Schulpsycholog:innen ließen Lehrer:innen mehr Raum für ihr Kerngeschäft – den Unterricht. Viel zu viele Lehrer:innen nehmen während der Unterrichtszeit an Zertifikatskursen und Schulleitungsqualifizierungen teil, arbeiten als Fachberater:innen in den Bezirksregierungen oder als pädagogische Mitarbeiter:innen im Ministerium. Also gilt auch für die Behördenstrukturen: Pädagog:innen zurück in die Schulen, und Verwaltungsfachangestellte und Jurist:innen auf die entsprechenden Posten.
    Dr. Katja Kunz, Wuppertal

  • Die Abschaffung des sinnlosen Bewertungsrituals Klassenarbeit könnte die Lehrkräfte deutlich und spürbar entlasten und würde die Akzeptanz für eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung um ein oder zwei Stunden pro Vollzeitkraft erhöhen. Kinder, Eltern, korrigierende Lehrkräfte – niemand würde diesem für die Lernstandsanalyse nicht aussagekräftigen und allseits nur Stress auslösenden Prüfungsritual nachtrauern, während in den Schulen der Unterrichtsausfall sofort spürbar reduziert würde. Und junge Menschen, die gerne Lernfortschritte für Kinder und Jugendliche organisieren möchten, würden nicht länger durch die Aussicht auf die Korrektur Hunderter Klassenarbeiten vom Lehrerberuf abgeschreckt.
    Dr. Bernd Hauck, Autor »Lust und Last des Korrigierens«, Lengede (Nieders.)

Den Wählern überlassen

Heft 6/2022 SPIEGEL-Gespräch mit Innenministerin Faeser über ihre Kandidatur in Hessen und Pläne für die innere Sicherheit 

  • Die Aussage der deutschen Innenministerin Nancy Faeser, ihr Amt weiterzuführen und sich für das Amt der hessischen Ministerpräsidentin zu bewerben, hat die anderen Parteien ziemlich geschockt. Sonst wären nicht so seltsame Aussagen zu lesen gewesen. Besonders die Oppositionsparteien CDU und CSU haben hier auf Stammtischniveau argumentiert. Markus Söder, der bayerischer Ministerpräsident war und ist und sich gleichzeitig in den Wahlkampf begab, um Kanzlerkandidat zu werden, hat dies wohl verdrängt und seinen unqualifizierten Senf dazuge­geben.
    Helmut Kotyrba, Bad Camberg (Hessen)

  • Im Gegensatz zu Norbert Röttgen, der für das Amt des Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen kandidierte, hat Frau Faeser unmissverständlich klargemacht, dass sie nur als Ministerpräsidentin nach Hessen gehen wird. Die von der Opposition geäußerte »Befürchtung«, das Ministeramt und der Wahlkampf für das Amt der Ministerpräsidentin seien eine unzulässige Doppelbelastung, ist heuchlerisch. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Ministerinnen und Minister Wahlkämpfe betreiben. Es macht keinen Unterschied, ob der Wahlkampf dem aktuellen oder dem angestrebten Amt gilt. Die damals amtierenden Ministerpräsidenten Strauß und Stoiber haben – unbeanstandet – als Kanzlerkandidaten Wahlkampf geführt.
    Dr. Hubert van Bühren, Köln

  • Warum sollte Frau Faeser in ihrer Freizeit nicht Wahlkampf in Hessen machen können? Die Antwort auf die Frage, ob Wiesbaden oder Berlin, sollte man doch lieber den selbstbewussten hessischen Wählerinnen und Wählern überlassen, die am 8. Oktober mit ihrem Votum klug darüber entscheiden werden, ob sie Nancy Faeser zur ersten hessischen Ministerpräsidentin machen oder sie lieber weiterhin in Berlin sehen wollen.
    Hans Schinke, Offenbach (Hessen)

Sehr vergnüglich

Heft 6/2022 Wie ich lernte, Luxusuhren zu lieben 

  • Fünf Seiten über Luxusuhren, die sich die meisten der SPIEGEL-­Leser sowieso nicht leisten können! Wow! Was hat Euch denn da geritten?
    Klaus Räk, Glienicke/Nordb. (Brandenb.)

  • Angesichts der Vielzahl von Marken-Nennungen habe ich den Hinweis vermisst: »Die Recherche wurde unterstützt von der Schweizer Uhrenindustrie«.
    Harald Kötter, Berlin

  • Eine überhebliche Diktion des Verfassers mit Lesewert gegen null.
    Siegfried Nicolay, Saarbrücken

  • In jedem der von mir seit Jahren gekauften SPIEGEL lese ich grundsätzlich alle Artikel; diesen habe ich aus Desinteresse zuallerletzt gelesen. Mein Vorschlag: Nutzen Sie den Platz lieber für investigativen Journalismus, den schätze ich beim SPIEGEL seit jeher ganz besonders.
    Annette Winkel, Hamburg

  • Obwohl ich selbst keine Luxusuhr trage oder besitze, hat mich Ihre Reportage sehr vergnüglich gestimmt. Vielen Dank dafür.
    Stephan König, Schönebeck (S.-Anh.)

  • Was für ein großartiger Text! Scheinbar ganz leicht aus dem linken Handgelenk geschüttelt, steht alles drin, was man wissen muss – von Quarzkrise bis Fake-Rolex. Und vor allem, wie man lernt, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Am besten gefallen hat mir in diesem Sinne die Uhrmacher-Spezial-Vokabel für Lupe: Lupe. Genial.
    Benedikt Hotze, Berlin

  • Viele Fans von hochwertigen Uhren begründen ihre Bereitschaft, teilweise obszöne Kaufpreise zu akzeptieren, mit der Faszination von Design, Material und Verarbeitung. Dabei gibt es kaum Konsumgüter mit einer so hohen Diskrepanz zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis. Würde man bei einer Rolex-Uhr das Rolex-Logo abnehmen und, sagen wir, stattdessen zum Beispiel »Aldi Süd« oder »Dacia« draufschreiben, dann könnte man die identische Uhr sicher für ein Drittel des Kaufpreises erwerben. Leider wäre sie aber vermutlich komplett unverkäuflich, trotz der angeführten großen Faszination. Also nennen wir das Kind doch bitte beim Namen. Luxusuhren sind einfach ein halbwegs klimaneutrales Top-Statussymbol, das man notfalls auch 24 Stunden am Handgelenk vorzeigen kann und nicht verschämt in einer Tiefgarage versteckt. Ich habe übrigens auch eine.
    John Hillebrand, Wiesbaden

  • Schöner Artikel, viel Spaß mit der Speedmaster. Da kann ich ja nur froh sein, dass mich nur die Rado ausgesucht hat. Immer war eine Reklame im SPIEGEL oder auch auf den Tennisplätzen, da musste ich die haben.
    Dieter Bohl, Aachen

Knapp und mitreißend

Heft 6/2022 SPIEGEL-Gespräch mit Nobelpreisträgerin Annie Ernaux über die Last der Prominenz 

  • Ist Annie Ernaux’ Literatur wirklich so revolutionär, dass sie den Nobelpreis verdient? Immer nur und über Jahrzehnte in der eigenen Biografie herumstochern bis zur Selbstverletzung? Ihr erster Roman »Die leeren Schränke« beinhaltet bereits ihr ganzes Werk: alles ziemlich leer. Was soll man aus dieser Leere schöpfen? Die autoaggressive Sprache soll schön sein? Nein, sie stört.
    Gérard Carau, Beckingen (Saarl.)

  • Ihr Büchlein »Der junge Mann«, nur 40 Seiten stark, habe ich ratzfatz gelesen. Mein Gott, kann Annie Ernaux kurz, knapp und mitreißend schreiben, alle Achtung!
    Klaus Jaworek, Büchenbach (Bayern)

Ein Zeichen von wahrer Intelligenz

Heft 6/2023 Otto Waalkes ist CEO – wenn KI-Programme wie ChatGPT halluzinieren 

  • Dass es die Chatbots mit der Wahrheit ihrer Aussagen nicht so genau nehmen, ist für mich ein Zeichen von wahrer Intelligenz: Jeder weiß doch, dass es viel leichter ist, die Wahrheit zu sagen, als eine gute Lüge zu erfinden.
    Peter Pielmeier, Alsbach-Hähnlein (Hessen)

Ein unglaublicher Mann

Heft 6/2023 Warum die letzten Bestatter im ukrainischen Bachmut immer noch ihrer Arbeit nachgehen 

  • Ich danke für diesen bewegenden Artikel. Ihr Reporter Christoph Reuter ist ein unglaublicher Mann. Möge es ihm in jeder Hinsicht gut gehen. Und möge er einen guten Weg finden, mit diesen Erlebnissen umzugehen.
    Andreas Bathelt, Karlsruhe

Verwerfliches Verhalten

Heft 6/2023 Was eine Journalistin über das renommierte Medienhaus Tamedia berichtet 

  • Anuschka Roshanis Schilderungen sind kaum auszuhalten. Was sie im journalistischem Milieu erlebte, ist erschütternd. Verwerflich bleibt das der Feigheit geschuldete Verhalten der Kolleginnen und Kollegen. Haltungslosigkeit bestimmt offensichtlich deren Existenz.
    Burkhard Maus, Paris

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