Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 64 / 67

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Olaf Scholz, die Gemeinsamkeiten der Ampel, das Umbetten von Kriegsgräbern und die Kolumne von Alexander Osang – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 49/2023

Das »Höhö« sagt alles

Heft 48/2023 Titel: Absturz eines Besserwissers 

  • Schock angesichts dieses finsteren Titelbildes: Ausgerechnet in dieser heiklen politischen Situation unserer Demokratie hat die Pandemie der Häme nun auch den seriösen Journalismus infiziert. Als alte Journalistin habe ich seit der Nachkriegszeit immer an die Notwendigkeit verantwortungsvoller Berichte und Analysen geglaubt. Im letzten Heft arbeiten sich jedoch neun Männer und eine Frau mit respektlosem »Höhö« am Bundeskanzler ab und haben auf sieben Seiten gerade mal 18 Zeilen für die Erfolge seiner Politik übrig. Und das in einer meiner wichtigsten Informationsquellen. Was wollt Ihr erreichen? Neuwahlen? Ausgang wie in den Niederlanden?
    Dr. Dorothea Schmitt-Hollstein, Karlsruhe

  • Gern lese ich den SPIEGEL und bin oft beeindruckt von den aufschlussreichen, informativen und wenig bewertenden Artikeln. Dieser Titel jedoch hat mich entsetzt: Er ist in der hasserfüllten, abwertenden Sprache geschrieben, in der gerade unsere Welt versumpft. Wer braucht das, wem gibt das Genugtuung?
    Nicola Liestmann, Meerbusch (NRW)

  • Das »Höhö«, die Überschrift zu Ihrem Text, sagt alles. Zehn Journalisten wollen in einem viel zu langen Artikel beweisen, dass die Bundesregierung eine Bande aus Tricksern und Täuschern ist. Höhö, wir decken jetzt alles auf. Aber auch die Journalisten und die ganze Bevölkerung haben von den »Tricksereien« gut gelebt. Kindergeld, Heizungsgeld, Inflationsausgleich und andere Maßnahmen, die unseren Wohlstand erhalten haben. »Demut und Bescheidenheit und Reue« soll der Kanzler zeigen. Was für eine Anmaßung.
    Annegrit Kreitz, Düsseldorf

  • Dieser Artikel war mehr als überfällig, und das nicht erst nach der Trickserei mit dem Klima- und Transformationsfonds. Auch die noch nicht abgeschlossene Cum-Ex-Affäre mit dem fehlenden Erinnerungsvermögen des Kanzlers liegt auf der gleichen Ebene. Ebenso das zögerliche Verhalten bei der Auslieferung von dringend benötigten Waffen für die Ukraine, wo sich Herr Scholz als großer Militärexperte profilieren wollte, dürfte indirekt ukrainische Soldaten das Leben gekostet haben. Seine Rücksichtnahme gegenüber Russland ist von Putin nicht einmal honoriert worden. Es reicht jetzt wirklich.
    Egon Aldag, Frankfurt am Main

  • Titelbilder sollen Neugier wecken, Aufmerksamkeit generieren und müssen folglich zuspitzen. Reißerischen Aufmachungen folgt im SPIEGEL meist eine Titelgeschichte, die – um Ausgewogenheit bemüht – multiperspektivisch angelegt ist. Genau das vermisse ich in der aktuellen Ausgabe. Es wird ein fragwürdiges Psychogramm des Kanzlers gezeichnet. Ein Egomane mit autistischen Zügen, umgeben von einer schmalen Boygroup fanatischer Fans und williger Jasager, ansonsten beratungsresistent und lernunfähig, unerträglich arrogant und ignorant, ein Narzisst, bar jeder Selbstkritik, der die Presse verachtet, ein Schummler, der sich über das Grundgesetz hinwegsetzt und qua Verfassungsbruch überhaupt erst in Amt und Würden kam. Mit derart tendenziösen Artikeln schüren Sie die ohnehin grassierende Politikverdrossenheit.
    Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Die Unverfrorenheit, mit der Herr Scholz bisher die eigentlich für ihn fälligen Konsequenzen der Warburg-Affäre hat abwenden können, ist vielen schon lange ein Dorn im Auge. Das ständige, aus einer Angst vor dem Verlust der Wählergunst herrührende Lavieren bei der scholzschen Entscheidungsfindung innerhalb der Regierungskoalition wirkt wie eine immer wieder auftretende Blutung, die man nicht gestillt bekommt und derer man als Betroffener überdrüssig geworden ist. Ihr Titelblatt nehme ich deshalb dankbar als überfälliges Trostpflaster entgegen.
    Christoph Schneppenheim, Berlin

  • Olaf Scholz hat mit dem vernichtenden Karlsruher Haushaltsurteil die wohlverdiente Quittung für seine provozierende Arroganz erhalten.
    Hans Schinke, Offenbach

  • Da braucht es zehn Reporter, um so einseitig zu berichten. Herr Merz fährt gerade wissentlich unsere Wirtschaft an die Wand, verhindert jeglichen Fortschritt, ohne den wir abgehängt werden. Das Ganze geht auf Kosten von Arbeitsplätzen und Strompreisen, es führt zu wirtschaftlichem Stillstand. Alles Futter für die AfD. Die CDU/CSU fährt Deutschland an die Wand, karrieregeil und skrupellos. Demut, Bescheidenheit und Reue – so ein Schmarrn! Damit lösen wir nicht die Aufgaben, die anstehen.
    Catharina Fischer, Waiblingen (Bad.-Württ.)

  • Hätte ich kein Abo des SPIEGEL, ich hätte ihn heute nicht gekauft. Gern hätte ich eine CDU-Regierung erleben wollen, die in der Pandemie anfängt, dann kommt der Überfall der Russen auf die Ukraine, dann Gas- und Strompreisprobleme, dann hohe Inflation und die Israel-Katastrophe! Ich denke, dass alle Mitglieder dieser Regierung unglaublich viel für uns tun. Manches geht schief. Aber ein süffisant lächelnder Herr Merz, der alles mit Dreistigkeit kommentiert, hilft uns nicht. Er hat nicht mal eine Mehrheit in seiner eigenen Partei! Ich entschuldige mich bei Herrn Scholz für diesen »Titanic«-Titel.
    Monika Kast-Jürgs, Brauweiler (NRW)

  • Als jahrzehntelanger Abonnent und bisher (fast) immer begeisterter, da von Kompetenz und Sachverstand beeindruckter Leser haben mich sowohl der Titel als auch der Artikel sprachlos gemacht. Sie reden hier vom Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland in einer respekt­losen, ehrverletzenden Art und Weise, die nicht politische Inhalte, sondern persönliche Merkmale eines Politikers zum Thema macht, die schlicht Unwahrheiten verbreitet (Wieso hat Scholz »getrickst«? Tricksen setzt Verheimlichung voraus), mit Spekulationen arbeitet (etwas »soll« gesagt worden sein) und nichts anderes will, als einen Menschen, der als Bundeskanzler mit seiner Regierung Krisen zu händeln hat, die noch vor Kurzem unvorstellbar gewesen waren, zu vernichten. Natürlich muss Scholz kritisiert werden. Das gehört zur Demokratie. Mir geht es darum, darauf hinzuweisen, dass Journalismus dieser Art die Staatsverdrossenheit in unserem Land stärkt und nur einem nutzt: der AfD und allen Populisten. Sie sollten sich bewusst sein, welche Verantwortung Sie tragen.
    Kani Kilic, Saarbrücken

  • Olaf Scholz schadet diesem Land. Da die Grünen einen »Königsmord« nicht begehen werden, kann man der FDP nur zurufen, dieses Gewürge sofort zu beenden und damit dieses Land zu retten – und zusätzlich auch sich selbst, da die FDP, sollte sie diese Koalition noch zwei Jahre stützen, den Bundestag nur noch von außen sehen wird. Wenn sie jetzt handelt, wird es jedoch viele Menschen geben, die ihr das durch eine Wählerstimme vergelten, was ihr dann sogar eine wiederholte Regierungsbeteiligung, aber diesmal mit einem Kanzler der Union, bescheren könnte.
    Michael Schneider, Siegburg (NRW)

  • Ihr Titel zeugt nicht nur selbst von Besserwisserei, sondern auch von Arroganz. Das ist keine kon­struktive Kritik mehr.
    Ulrich Kadelbach, Stuttgart

Frohe Botschaft

Heft 47/2023 Leitartikel: Die Ampel muss klären, welche Gemeinsamkeiten sie noch hat 

  • Statt »Rettet Robert Habeck!« wäre die bessere Überschrift »Rettet die deutsche Wirtschaft!«. Die Ampel hat sich mit einer Politik übernommen, die den Klimaschutz als wesentliches Ziel verfolgt, dem alles andere unterzuordnen ist. So kann man die viertgrößte Volkswirtschaft in der Welt nicht umkrempeln. Statt die berechtigten Klimaziele in bedachten Schritten zu ver­folgen, will die Regierung das Land in einem Gewaltakt deindustrialisieren. Dabei sollen die noch für notwendig angesehenen, aber ungeliebten Bereiche der Industrie durch Subventionen am Leben gehalten werden, bis das grüne Paradies erreicht ist. Dieses Konzept musste krachend scheitern.
    Dr. Frank Leschhorn, München

  • Dass Deutschland in großem Umfang Investitionen in seine Zukunft braucht, ist wohl bei allen demokratischen Partei unumstritten. Die frohe Botschaft ist, dass die 60 Milliarden Euro sogar unter Einhaltung der Schuldenbremse tatsächlich da sind, nur eben an den falschen Stellen: Gut 60 Milliarden Euro werden nämlich laut Umweltbundesamt jährlich für umwelt- und klima­schädigende Subventionen ausgegeben – eine Win-win-Si­tuation also, wenn diese in umwelt- und klimafreundliche Ausgaben umgewidmet würden. Und bei den Vermögens- und Erbschaftssteuern nehmen selbst so neo­liberal geprägte Länder wie die USA und das Vereinigte Königreich viele Milliarden mehr als Deutschland ein. Da müsste jetzt auch die FDP mal ganz tapfer sein und zeigen, wie sehr ihr der Fortschritt unseres Landes wirklich am Herzen liegt.
    Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)

  • Ein kluger Leitartikel. Er spart nicht die Fehler der Koalition aus, die einen Verfassungsbruch riskiert hat. Er erinnert daran, dass die Ampel versprochen hat, Klimaschutz und Wohlstand gingen Hand in Hand. Er beklagt die Häme des FDP-Vizechefs Kubicki gegenüber Habeck als dumm und unverantwortlich und fordert von Finanzminister Lindner zu zeigen, dass ihm ein solider Haushalt wichtiger ist, als seine Wählergruppen zu bedienen, indem er das Dienstwagenprivileg und klimaschädlichen Dieselkraftstoff nicht mehr subventioniert. Leider unterläuft Gerald Traufetter ge­gen Ende noch ein fataler Fehler: Er stellt die Kindergrundsicherung infrage mit der Begründung, Investitionen in die Zukunft des Landes müssten Vorrang haben vor sozialen Wohltaten. Was ist eine Investition in die Zukunft, wenn nicht in die Grundbedürfnisse unserer Kinder?
    Stefan Siller, Stuttgart

  • Wenn die Kindergrundsicherung als »soziale Wohltat« bezeichnet wird, vor der die »Investitionen in die Zukunft des Landes« Vorfahrt haben müssen, dann muss man sich wirklich fragen, welche Zukunft dieses Land überhaupt noch hat.
    Dr. Nathali Klingen, München

  • Hätte die CDU/CSU-Opposition die positive Auswirkung des Klimatransformationsfonds auf den grünen Wandel der Wirtschaft akzeptieren können, hätte sie auf eine Klage beim Bundesverfassungsgericht verzichtet. Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. So aber hat sie ihre Macht genutzt, um der Koalition einen Schaden zuzufügen. Dem Staat und der Gesellschaft hat sie damit einen Bärendienst erwiesen – wohlwollend ausgedrückt.
    Albrecht Hauter, Hamburg

Überrascht und berührt

Heft 47/2023 Unterwegs mit Mitarbeitern des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Tote früherer Kriege umbetten 

  • »Langweiliger Artikel«, dachte ich. Dann habe ich ihn doch gelesen. Zum Glück! Frieden ist also doch möglich unter verfeindeten Völkern. Sogar nach den schrecklichen Weltkriegen mit uns Deutschen. Das macht optimistisch, gerade jetzt. Wer weiß aber, wie viele Jahrzehnte noch ohne Frieden vergehen werden?
    Heinz G. Wagner, Berlin

  • Selten hat mich ein Bericht zugleich so überrascht und berührt wie dieser. Wirkt der Begriff »Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge« zunächst vermeintlich verstaubt, ähnlich meinen ersten Erinnerungen an ihn durch meine Oma – Spenderin und Jahrgang 1909 –, hat die Geschichte dahinter einen erschreckenden Bezug zur Gegenwart. Allein der Mensch, der des Menschen Wolf sein kann, aber nicht muss, hat die Wahl, aus seiner Geschichte zu lernen – oder sie immer und immer wieder leidvoll zu wiederholen.
    Christina Graf, Moers (NRW)

  • Der Text stellt gut dar, dass die derzeitige Prägung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge sich nicht nur dem widmet, was der altmodische Name assoziiert. Es gibt mehrere Jugendbegegnungsstätten des Volksbunds, zum Beispiel auf der Insel Usedom oder im Elsass. Ich selbst bin zwölfmal mit Schulklassen in Niederbronn-les-Bains gewesen und konnte die sehr gut ausgewählten Module der Arbeit mit Schulklassen, an der auch viele Schülerinnen und Schüler aus anderen Ländern, Kulturen und Religionen beteiligt waren, kennenlernen und anwenden. Allen gemeinsam war, dass den Beteiligten der Besuch der Kriegsgräberstätte nebenan, des KZ Natz­willer-Struthof, der Maginot-­Linie oder der Schützengräben am Lingekopf sehr nahegegangen ist. Die deutsch-französische Geschichte ist ja ebenso belastet wie die deutsch-polnische.
    Friedhelm Schmal, Schauenburg (Hessen)

  • Ullrich Fichtner schreibt in seinem vorzüglichen Artikel, dass Versöhnung nur gelingt, »wenn, nach einer Frist nicht mehr aufgerechnet wird und wenn niemand mehr darüber streiten will, wer woran die Schuld trägt, wer mit allem angefangen hat«. Die Voraussetzung dafür aber ist, dass der Aggressor bereit ist, seine Schuld anzuerkennen. Sonst wird es immer wieder Krieg geben. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Weigerung, Verantwortung für begangene Verbrechen zu übernehmen, zu immer neuen Gewaltausbrüchen führt.
    Thorsten Meyer, Krefeld

  • Diese Reportage von Ullrich Fichtner ist spannend zu lesen, sie ist außerdem von tiefer Einfühlsamkeit und hat mich von Anfang bis Ende tief berührt. Das ist große Schreibkunst. Danke dafür.
    Hansjörg Schwoch, Seevetal (Nieders.)

Bier in Berlin

Heft 47/2023 Kolumne: Mit der Straßenbahn zu Robert Habeck 

  • Eine Straßenbahn in zwei Richtungen, ein Wegbier, Windmühlen und bedrückende Gebäude: Vielen Dank, Herr Osang, für Ihren symbolkräftigen, thematisch durchdachten und emotional berührenden Einblick ins frühnächtliche Berlin.
    Jann Schwarzenbach, Paradiso (Schweiz)

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