Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Begeistern, trösten, aufmuntern
Heft 1/2025 Titel: 100 Menschen, die Hoffnung machen
Herzlichen Dank. Trotz der standardisierten Kürze der Berichte eine wahrhafte Hoffnungsvielfalt; allein aufgrund der sehr unterschiedlichen Gebiete und in der Vielzahl der positiven Beispiele, die uns vorgestellt werden.
Peter Windmüller, HamburgErstens: vielen Dank für so einen Titel zum Beginn des neuen Jahres! Zweitens: Der Auftakt-Essay zum Thema Hoffnung von Jonathan Stock rührt mein Herz und stärkt gleichzeitig meine Resilienz. Und das auf intellektuell überzeugende Weise. Danke!
Klaus H. Süberkrüp, LübeckDiese Aktion von Ihnen macht mir Hoffnung, und ich möchte mich dafür bedanken! Dieser optimistische Titel ist für mich eine Sternstunde des Journalismus in diesen oft als so trüb wahrgenommenen und auch geschriebenen Zeiten. Und was für tolle Menschen, die Sie porträtieren. Vor allem auch, wie viele tolle junge Frauen darunter sind. Das ist das Land, in dem, und die Welt, in der ich leben will und die ich mir vor allem für die Zukunft meiner Kinder wünsche. Ich habe eben beschlossen, für alle Mitarbeiter:innen in meinem kleinen Betrieb Printausgaben zu kaufen als Wunsch und Motivation hin zu einem besseren, optimistischeren Jahr 2025.
Gerd Klausen, BerlinMich beschleicht seit geraumer Zeit der Eindruck, dass der
SPIEGEL immer mehr Raum den Selbstdarstellern widmet. Viele dieser 100 Menschen verbinde ich nicht mit Hoffnung, sondern mit einem Problem unserer Zeit: Ich. Ich. Ich. Liest man die Biografien dieser Leute, muss man sich nicht wundern, dass selbst Politiker ihre Lebensläufe dreist aufhübschen, um interessanter zu wirken, als sie sind. Fragen Sie beim nächsten Versuch, die Welt zu verstehen, einfach die ersten 100 Menschen, denen Sie auf der Straße begegnen. Allein der Kontrast würde mich sehr interessieren. Dann kaufe ich mir das Heft auch wieder am Kiosk.
David Malecki, TübingenEs gibt allein in Deutschland viele, viele Millionen von Menschen, und auf der Welt sind es Milliarden von Homo sapiens, die dort, wo sie leben, lieben und wirken, versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sich und andere Mitmenschen zu begeistern, ihnen beizustehen, sie zu trösten, aufzumuntern, Hoffnung zu schenken. Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, die aus vielen Gründen das Gegenteil tun. Sie sind destruktiv im Kleinen und leider auch im Großen. Sie säen Zwietracht, entfachen Kriege. Auch im nächsten Jahr werden wir Menschen unbeschreiblich viele gute Dinge tun, aber leider auch das Gegenteil. Darin besteht die Schizophrenie des Homo sapiens.
Raffaele Ferdinando Schacher, Rohrschach (Schweiz)
Alles andere als charakterstark
Heft 52/2024 Die Grünen hoffen auf ein Bündnis mit der Union
Eine Koalition aus CDU/CSU und den Grünen nach der Bundestagswahl ist aus heutiger Sicht möglich. Friedrich Merz als zukünftiger Bundeskanzler könnte in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen, indem er die längst überfällige Fraktionsgemeinschaft zwischen CDU und CSU aufkündigt. Die CSU mag ja im rechtslastigen Bayern ihre Berechtigung haben, aber nicht in »Norddeutschland« oberhalb der Mainlinie. Die CSU war schon in den Merkel-Regierungen der Bremsklotz und Störenfried. Die CDU sollte auch keine Koalition mit der SPD eingehen, denn 16 Jahre innenpolitischer Stillstand unter Angela Merkel sind genug. Man hat in dieser Zeit die zukunftsgerichteten Investitionen verschlafen – das sollte sich nicht wiederholen. CSU und FDP gehören nicht in eine neu zu bildende Bundesregierung und AfD, BSW und Linke ebenso nicht. Wünschenswert wäre eine Bundesregierung aus CDU und Grünen unter einem Bundeskanzler Daniel Günther, Hendrik Wüst oder Robert Habeck; alle drei haben im Gegensatz zu Friedrich Merz Regierungserfahrung.
Felix Kötting, Havixbeck (NRW)Dass Herr Söder sich derart auf die Grünen eingeschossen hat, beweist nur eines: Er sieht sie als die einzige Kraft in Deutschland, die er als Konkurrent und Gegner wirklich ernst nimmt.
Dr. Michael Groß, Duderstadt (Nieders.)Die Respektabilität der meisten Politiker geht verloren angesichts des inflationären Gebrauchs der Kommunikation mittels Social Media. Ein Friedrich Merz, der den Grünen per Plattform X gratuliert, bleibt ebenso mainstream-gemein-farblos wie Markus Söder, der per Instagram-Video rumböllert und sich somit als impulsiv und alles andere als charakterstark und stilvoll präsentiert. Das letzte Maß an Glaubwürdigkeit dieses Berufsstandes wird eingebüßt, wenn die Kunst des Zuhörens und der demokratischen Debatte im Bundestag geübt werden soll: Nicht einmal für den Moment einer Rede kann das Smartphone aus der Hand gelegt werden. Es entsteht der Eindruck größtmöglichen Desinteresses an den inhaltlichen Aussagen anderer Parteien, wenn derlei gut bezahlte Volksvertreter hemmungslos herumflegeln, dann aber mit bissigster Häme und persönlichen Beleidigungen den Gegner rhetorisch zu Boden ringen, ohne inhaltlich Konstruktives beizusteuern. Armes Deutschland, das aus derlei Vorbildern zu wählen hat.
Claudia Lübcke, Mülheim an der Ruhr (NRW)
Tagtäglich auf die Straße
Heft 52/2024 Wie Israels Armee im Norden Gazas die Bevölkerung vertreibt und möglicherweise neue Siedlungen vorbereitet
Ich verstehe die Israelis immer weniger. Warum zeigen sie so wenig Empathie gegenüber ihrer Minderheit, wo sie selbst jahrtausendelang als Minderheit diskriminiert wurden? Warum übernimmt Netanyahu faschistische Ideen einer Vertreibungs- und Vernichtungspolitik? Warum haben die Israelis vergessen, dass sie in ein Land gekommen sind, das nicht nur ihnen gehört, und dass die Palästinenser genau dieselben Ansprüche haben wie sie? Die Israelis mögen momentan von einem Herrschaftsgebiet träumen, das die palästinensischen Ansprüche nicht mehr berücksichtigt, aber sie werden nie einen dauerhaften Frieden erhalten, weil sie immer in einem geografischen Umfeld leben, in dem sie eine Minderheit bleiben.
Dr. Klaus Steinvorth, NorderstedtIn den letzten Ausgaben ist der SPIEGEL mit populistischen Beiträgen über Gaza aufgefallen. In Heft 51 werden Sie zu Recht von dem Leser Bernhard Öttinger für Ihren tendenziösen Journalismus kritisiert. Zuerst sechs Seiten zu Netanyahu, ausgezeichnet, dann vier Seiten zu den Medizinern in Gaza. Keine Erwähnung der Hamas-Schuld, keine Belege, einfach nur plakative Stimmungsmache. In Heft 52 das gleiche Spiel im Beitrag »In einem Jahr leben wir in Gaza«: Auf fünf Seiten beschreiben Sie die Familie Fenton, offensichtlich orthodoxe Juden, bei einem Ausflug vor Gaza. Von einer Plattform aus auf einem Hügel verfolgen sie per Fernglas die Aktivitäten der israelischen Armee. Und jubeln, wenn ein Geschoss einschlägt oder ein Haus gesprengt wird. Widerlich. Die Israelis, die die Zerstörung beklatschen, sind allerdings eine Minorität. Sie erwähnen nicht die Israelis, die tagtäglich auf die Straße gehen, um gegen die Regierung zu demonstrieren, und Waffenstillstand verlangen. Dadurch erwecken Sie den Eindruck, diese klatschenden Einzelfälle seien repräsentativ für die israelische Bevölkerung.
Karl Dieter Schaller, Hamburg
Mutig und beachtlich
Heft 52/2024 Das komplizierte Leben mit einer chronischen Darmerkrankung
Ich habe Herrn Mühles bemerkenswerten Artikel mit großem Interesse gelesen. Ich hatte ja keine Ahnung von dieser Erkrankung und davon, was sie mit sich bringt! Ich finde es sehr mutig und beachtlich, dass Sie mit diesem Thema (jetzt) so offen umgehen, Herr Mühle! Großen Respekt. Ich denke, dass Sie damit vielen Betroffenen einen großen Dienst erweisen.
Thomas Rexroth, Berlin
Mit Wissenschaft wenig zu tun
Heft 52/2024 Soziologe Detlef Pollack erklärt, warum die Kirche wichtig bleibt
Es verwundert mich doch sehr, dass ein Kirchenfunktionär es geschafft hat, ausgerechnet im SPIEGEL diesen Artikel zu platzieren. Ich bin vor längerer Zeit unter anderem deshalb aus der Kirche ausgetreten, damit ich dieses religiös-metaphysische Geschwurbel und Eiapopeia vom Himmel im Kirchenblättchen nicht mehr lesen muss! Der Autor ist Soziologe, der Artikel hat allerdings mit Wissenschaft wenig zu tun, sondern ist einseitig platte Interpretation. In absichtsvoller Geschichtsvergessenheit suggeriert er, das Christentum habe das Mitgefühl (auch Nächstenliebe genannt) erfunden. Als Beleg führt er dann auch an, dass vor allem die vielen konfessionslosen Mitbürger aus den neuen Bundesländern Solidarität mit den unter dem Krieg leidenden Ukrainern vermissen lassen und lieber das billige russische Gas nehmen. Die Ursachen könnten ebenso gut DDR-historisch sein! Ein Affront gegen die Bürger der neuen Bundesländer oder einfach nur ein Beitrag sehr unter SPIEGEL-Niveau?
Johannes Wilmes, Brühl (NRW)Alles gut, bis auf den Schwenker zur Ukraine. Vielleicht ist es ja ganz anders, vielleicht sieht der konfessionslose Osten mehr die Menschen im Vordergrund, die im und durch den Krieg großes Leid erfahren, und nicht politische Ansprüche und Forderungen, und stellt sich so eher gegen die Fortdauer auch dieses Kriegs, gegen die Fortdauer der Feindschaft »Westen hier, Osten dort«. War so eine Haltung nicht einmal christlich?
Bruno Eickholt, Köln
Früher war mehr Lametta
Heft 52/2024 Sophia Thomalla ist erfolgreiche Moderatorin – und provoziert viele
Als ich in Heft 1 auf Seite 48 angekommen war, habe ich spontan auf dem Cover nachgesehen, ob ich mich diesmal nicht im Zeitschriftenregal vergriffen habe. Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern beim SPIEGEL auch mehr inhaltlicher beziehungsweise intellektueller Anspruch.
Michael Strobel, BerlinIch sehe mir kein Reality-TV an, deshalb ist mir Frau Thomalla nur von ihrer wütenden öffentlichen Kritik an den Klimaklebern ein Begriff. »Rotzgören, beleidigte Leberwurst« wurden diese von ihr betitelt, weil sie »das hart arbeitende Volk« von der Arbeit abhielten und vor allem weil Frau Thomalla es unerträglich findet, auf der Fahrt zum Friseur wegen zwei Klimaklebern drei Stunden im Stau zu stehen. Einerseits findet sie es toll, mit ihrem finanziellen und prominenten Hintergrund alles sagen zu dürfen und ihr Leben so zu leben, wie sie es richtig findet. Das finde ich auch prima, und ich will das nicht kritisieren. Andererseits aber findet sie es nicht so prickelnd, wenn junge Menschen ohne diesen Hintergrund das auch versuchen, nicht mit den geeigneten Mitteln, aber aus nachvollziehbarer Angst um ihre Zukunft. Frau Thomalla darf gerne auf ihre Weise leben, aber warum das ein Grund für einen SPIEGEL-Artikel sein soll, ist mir ein Rätsel.
Elmar Mostegl, Koblach (Österreich)Wann hören Sie endlich damit auf, Berichte zu bringen, die überall möglicherweise passen könnten, aber niemals in einem politischen Magazin wie dem SPIEGEL? Nach verschiedenen Tiefschlägen in den vergangenen Wochen und Monaten sind Sie mal wieder ganz tief in den Keller der Unmöglichkeit gegangen. Wen interessiert unter den echten SPIEGEL-Lesern Sophia Thomalla? Der Gipfel ist dann noch, dass ein Reporter der Dame nach Ko Samui hinterherfliegt. Kosten? Uninteressant? Sorry, aber das musste raus!
Bernd Weber, Eutin (Schl.-Holst.)Sechs (!) Seiten über Sophia Thomalla? Mit Bildern, die bewusst nichts mit ihr selbst zu tun haben, und ohne wirkliche Aussage? Ich habe den SPIEGEL abonniert, nicht die »Bunte«! Jedenfalls noch.
Dr. Ronald Winter, Bargteheide (Schl.-Holst.)
Was für ein Leckerli!
Heft 52/2024 Wer stand als Erster auf dem Mount Everest?
Das »Flüstern der Toten« – und wie sie flüstern! Dank an Herrn Pfeil für den Bericht mit dem Geologen und Alpinhistoriker Jochen Hemmleb. Was für ein Leckerli, so einen interessanten Text zu lesen. Welch ein Jammer wäre es, wenn künftig über eine Aluleiter zum Dach der Welt hinaufgestiegen würde! Ich hoffe, die Chinesen klappen diese schnellstmöglich wieder zusammen und verwerfen ihre wilden Pläne, sonst beginnt der Tod des Everest.
Marek Martinek, Schweringen (Nieders.)Laut Edmund Hillary ist es für eine Bergbesteigung erforderlich, vom Berg auch wieder sicher herunterzukommen. Das sehe ich genauso. Insofern ist es hinsichtlich
der Erstbesteigung unerheblich, wie weit Mallory und Irving gekommen sind.
Volker Wegener, Erftstadt (NRW)
Die freundliche PR-Strategie der Start-up-Islamisten
Heft 52/2024 Was wollen die islamistischen neuen Machthaber wirklich?
Bravo! Wieder ein sehr informativer, sachlicher Artikel, der einen besonderen Einblick in die sehr komplizierten, verworrenen Verhältnisse in Syrien vermittelt. Weiter so!
Volkmar Schneider-Merck, Hamburg
Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.