Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 81 / 84

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Wahl in den USA, Ärger in der Koalition, Rente in Schweden, das Gespräch mit dem Philosophen Markus Gabriel – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 46/2024

Eine neue Weltordnung

Heft 45/2024 Titel: Es geht um alles 

  • Die Überschrift ist falsch: Amerika steht nicht am Abgrund, sondern es ist schon einen entscheidenden Schritt weiter und bereits in den Abgrund gefallen, ganz gleich, wer die Wahl gewinnt. Die USA sind bereits im freien Fall, und ob ihre Demokratie einen Fallschirm hat oder am Ende ungebremst aufschlagen wird, das wird man in ein paar Jahrzehnten in den Geschichtsbüchern nachlesen können.
    Florian Lahmann, Peine (Nieders.)

  • »Richtungswahl«, »Schicksalswahl« – dieses Vokabular gehört seit je zum Wahlkampfgetöse. Gleichwohl war ich früher davon überzeugt, dass demokratisch -legitimierte Regierungen an den Grundzügen der Außen- und -Sicherheitspolitik festzuhalten hätten. Seit der Wahl Trumps 2016 wurde ich jedoch eines -Besseren belehrt. Bei dieser Wahl geht es nicht nur für die USA in der Tat um nicht weniger als um eine neue Weltordnung. Es bleibt nur die Hoffnung, dass nicht »alles« verloren ist, wenn dieser Leserbrief erscheint.
    Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)

  • Die Unabhängigkeitserklärung galt übrigens nicht für diejenigen, die schon da waren, als die Europäer nach Amerika kamen und das Land raubten: die indigenen Völker, die Native Americans. -Ihnen wurde das Wahlrecht sogar erst 1924 zugestanden, also nach den Frauen. Und bis heute wird es ihnen erschwert, dieses Wahlrecht auszuüben.
    Ruth Scherneck, Limburg an der Lahn (Hessen)

Einspruch!

Heft 45/2024 Leitartikel: Diese Koalition sollte vorzeitig Schluss machen 

  • Herr Hickmann, ich verstehe Ihre Argumentation nicht, warum die Regierung aufhören sollte. Wenn – wie Sie feststellen – die Leistungsbilanz der Ampel besser ist als die von Vorgängerregierungen, wenn Rot-Gelb-Grün Dinge voranbringt, die unter Merkel liegengeblieben sind bei der Energiewende, in der Digitalisierung und der Migrationspolitik, warum sollte sie aufhören? Diese Regierung macht ihre Arbeit in einer Welt, wie wir sie vor dem Ukrainekrieg seit Jahrzehnten nicht kannten. Sie sollte das weiter tun.
    Mathias Knappe, Marktoberdorf (Bayern)

  • Die breite Öffentlichkeit und auch der SPIEGEL-Leitartikler glauben offenbar, ein Auseinanderbrechen der Ampel führe automatisch zu Neuwahlen. Das stimmt aber nicht. Nur eine verlorene Vertrauensfrage oder ein gewonnenes konstruktives Misstrauensvotum können Neuwahlen bringen. Für beide Alternativen wären – wenn nicht die SPD gegen den eigenen Kanzler stimmt – zum Erfolg die Stimmen der AfD erforderlich. Das will überlegt sein, und vor diesem Hintergrund sind Schlagzeilen wie »Hauptsache, es geht schnell« unbedachte Schreiberei.
    Dr. Christoph Hauschka, Starnberg (Bayern)

  • Einspruch, Herr Hickmann! Sie sind mit Verlaub ziemlich optimistisch, was die Zeit nach eventuellen Neuwahlen betrifft: Wieso sollte danach alles besser werden? Thüringen lehrt uns anderes. Die Gelben kommen bei Ihnen zu gut weg, ist es doch diese kleinste der Parteien, die wie ein trotziges Kind immer auf der Durchsetzung ihrer Ideen besteht und bald jede Woche ein neues Kampfpapier mit überwiegend alten Hüten veröffentlicht. Es stimmt, dass in der letzten Zeit der Kompromiss diskreditiert wurde, aber nicht nur von der Regierung. Es stimmt auch, dass die Art des Übereinanderredens »alles andere überdeckt« hat – nur stellt sich dann die Frage, wie es dazu kommt. Spielen die Medien da nicht auch eine Rolle, wenn sie Positives höchstens am Rande erwähnen, Negatives aber betont ausbreiten und viele von ihnen alles, zu Recht oder nicht, nur einer Partei anlasten? Hier müssten wir rufen: »Aufhören!«
    Heide Itasse, Ettlingen (Bad.-Württ.)

  • Eine klare Mehrheit der Deutschen ist sich einig. Die Ampelregierung sollte so schnell wie möglich aufhören, unser Land in einen weiteren wirtschaftlichen Abschwung zu führen. Da sich die drei wichtigsten Protagonisten Scholz, Habeck und Lindner nichts mehr zu sagen und bereits in einen verfrühten Wahlkampfmodus geschaltet haben, muss möglichst schnell Schaden von unserem Land abgewendet werden. Es kann nicht sein, dass mittlerweile eine getrennte Gipfeldiplomatie um sich greift und diverse Papiere uns Bürgerinnen und Bürger völlig verunsichert zurücklassen. Die gemeinsame Gestaltungskraft ist nicht mehr vorhanden, und somit ist das Vertrauen in die derzeitige Regierung endgültig vorbei.
    Alois Schwind, Wachtberg (NRW)

Warum nicht kopieren?

Heft 44/2024 Was die Bundesregierung von der Schweden-Rente lernen kann 

  • Warum berichten Michael Brächer und Florian Diekmann ausschließlich vom Rentensystem in Schweden, das noch keinen nachweislichen langfristigen Erfolg aufzuweisen hat? Kein Wunder, dass Aktienkurse steigen, wenn Millionen hineininvestieren. Erfolgreich zeigen sich bereits heute die Schweiz – schon mit 13 Auszahlungen jährlich – und Österreich. Ein Blick dorthin wäre angebracht, es zahlen alle in das Umlagesystem, auch Beamte und Selbstständige.
    Dr. Isolde Riede, Überlingen (Bad.-Württ.)

  • Vor ungefähr elf Jahren habe ich eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. Mein Vorschlag war ein Mehr-Säulen-System für Deutschland wie in den skandinavischen Ländern. Die Zahl der Mitzeichner war ausreichend hoch, sodass ich eine circa sechs Seiten umfassende Stellungnahme bekam. Hier hieß es, dass diese Punkte in Deutschland schon umgesetzt werden. Davon habe ich bis jetzt nichts gemerkt. Das Schreiben empfand ich als reinsten Hohn, gepaart mit Ignoranz und German Angst. Das schafft kein Vertrauen in die Politik.
    Heike Welkerling, Forchheim (Bayern)

  • Im SPIEGEL erscheinen ja öfter mal Artikel wie dieser, in denen beschrieben wird, welche guten Lösungen manche Länder für bestimmte Probleme gefunden haben. Eben zum Beispiel für die Rente, für günstigere Mieten, klimafreundliches Heizen und so weiter. Möchten Sie nicht auch einmal recherchieren, warum unsere Regierungen trotzdem noch nie probiert haben, funktionierende Systeme anderer Länder, soweit übertragbar, zu kopieren? Ich jedenfalls habe, seit es die EU gibt, den Eindruck, dass Europa, zumindest von der deutschen Politik aus, wohl von vornherein nur als Förderverein für die deutsche Wirtschaft gedacht war. Dabei gäbe es sehr viel Potenzial, Dinge umzusetzen, die wirklich allen Bürgern nützen würden.
    Kurt Lingl, Nürnberg

Naive Utopie

Heft 44/2024 Philosoph Markus Gabriel erklärt im SPIEGEL-Gespräch, wie ethisches Wirtschaften funktionieren könnte 

  • Der Vorschlag des Philosophen Markus Gabriel, in Großunternehmen neben dem für den Geschäftserfolg verantwortlichen üblichen CEO zusätzlich einen gleichberechtigten CPO (Chief Philosophy Officer) zu installieren, um auf diesem Weg den Kapitalismus zivilisieren und ethisch veredeln zu können, ist nicht zielführend. Denn dann wird die notwendige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Zukunft eines auf grenzenloses Wachstum fixierten Wirtschaftssystems in die Unternehmen verlagert. Dies führt dort dann aber nicht zu mehr Profitabilität, sondern lediglich zu mehr Reibungsverlusten und Streit. Die Ampelkoalition lässt grüßen.
    Hans Schinke, Offenbach

  • Den Kapitalismus mittels philosophischer Argumentation moralischer und verantwortungsvoller zu gestalten, ist eine naive Utopie, die in neoliberalen Kreisen sicher Anklang findet. Die ureigene DNA des Kapitalismus ist das Streben nach kurzfristigen Gewinnen ohne Rücksicht auf Verluste. Er ist die Wurzel des Problems und lässt sich nicht durch moralisierende Appelle schönreden. Die Unfähigkeit dieses Systems, der in vollem Gange befindlichen globalen -Katastrophe durch beherztes Handeln entgegenzutreten, kann man gerade wieder am Scheitern der Weltnaturschutzkonferenz besichtigen. Wie nah müssen wir dem Abgrund noch kommen?
    Dr. Beate Kruse, Lübben (Brandenb.)

  • Im Interview fragen Sie: »Konzernchefs sind in erster Linie ihren Aktionären verpflichtet, die auf kurzfristige Gewinne schielen. Wieso sollten sie nachhaltig handeln?« Sie zeichnen den Aktionär als einen gierigen Burschen, der kein Morgen kennt. Das ist zu einseitig. Der Großteil der Aktionäre fordert nämlich nachhaltiges Handeln und freut sich über die daraus resultierende, stabile und stetige Wertsteigerung seiner Aktien. Einen solchen, viel sympathischeren Typus von Aktionär lernen wir in derselben SPIEGEL-Ausgabe kennen, im Artikel »Aktienrente – Was Schweden besser macht«.
    Sebastian Schreiber, Tübingen (Bad.-Württ.)

  • Ein gelungenes Oxymoron: »ethischer Kapitalismus!«
    Claudio García, Bad Hersfeld (Hessen)

  • Dieses Interview ist ein hervorragender Beleg dafür, warum Philosophen eben nicht in die Chefetagen gehören. Mit ihren weltfremden und unfassbar naiven Vorstellungen würden sie die Unternehmen im Eiltempo in den Ruin treiben.
    Raimund Römer, Zirndorf (Bayern)

Ein Text wie Musik

Heft 44/2024 Der schillernde Dirigent Christian Thielemann wird Nachfolger von Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper 

  • Ich bedanke mich für das herzergreifende Interview und bitte um mehr.
    Gerd Hofmeister, Kaiserslautern

  • Ein grandioser Essay, einschließlich eines klugen, erhellenden Interviews – Glückwunsch und Dankeschön. »Macht« sei das falsche Wort, sagt Thielemann, es gehe eher um »emotionale Übertragung«. Das klärt es kaum, denn bei Macht geht es immer auch um emotionale Übertragung – wie man in faschistoiden Parteien -immer und aktuell bei der AfD beobachten kann. Die Funktionsbezeichnung »Dirigent« macht es bereits klar: Er oder sie sagt, wo es langgeht. Aber der schönste Satz von Thielemann: »Das Schönste ist, wenn das Orchester sagt: Er lässt uns spielen.«
    Hartmut Krauß, Bielefeld

  • Ich weiß über diesen Dirigenten wenig, habe vor allem einige Ausschnitte seiner Konzerte im Fernsehen miterlebt. Obwohl ich im deutschen Bewusstsein für die Problematik des Charismatischen sozusagen geimpft bin, hatte ich bei diesem Dirigenten immer das Gefühl, dass er für seine Musik ehrlich brennt und das selbstbewusst, aber von innen her ausstrahlt. Es ist spannend, dass mein Eindruck durch den klug und aspektreich aufgebauten Artikel mit Interviewteilen sehr gut bestätigt wird.
    Michael Marx, Garbsen (Nieders.)

  • Ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt einen so hin- und mitreißenden Artikel gelesen habe. Bravo, Christina Rietz.
    Frank Löbbermann, Koblenz

  • Das war der beste unnütze Artikel, den ich seit Langem gelesen habe. Besser kann man die Tätigkeit und die Magie eines Dirigenten nicht beschreiben.
    Guido Hasel, Sindelfingen (Bad.-Württ.)

  • Nach all den Männer-sind-böse-Chorälen und all dem Gelnägel-sind-cool-Geklingel in der letzten Zeit endlich mal wieder ein großartiger Beitrag im Kulturteil, der geistvoll, höchst aufschlussreich und unterhaltsam, also wirklich lesenswert ist. Beim preußischen Generalmusikdirektor Thielemann stöhnen die Posaunen, die Geigen metzeln alles nieder, und dann ist auch noch Rotkäppchen hin. Ein Text wie Musik. Danke.
    Lothar Reese, Koblenz

  • Ich verstehe nicht sehr viel von klassischer Musik, aber das Porträt von Frau Rietz über Christian Thielemann ist eines der spannendsten und mitreißendsten, die ich je gelesen habe.
    Jan Soucek, Gießhübl (Österreich)

Wir trinken kein Bier

Heft 44/2024 Eine schwäbische Keglerin schrieb Sportgeschichte 

  • Als aktive Sportkeglerin hat mich der Artikel sehr berührt, auch nach mehrmaligem Lesen hatte ich Gänsehaut. Der Redakteur hat diesen oft belächelten Kneipensport dank einer großartigen Recherchearbeit auf eine Art und Weise dargestellt, wie ich es selbst regelmäßig bei Training und Spielen erlebe: Sportkegeln ist extrem anspruchsvoll. 120-mal in Folge werden Konzentration, Präzision, Technik und Ausdauer verlangt. Und, nein, wir trinken kein Bier. Ich ziehe den Hut vor Kathrin Lutz – eine solche Leistung scheint mir wie von einem anderen Stern.
    Saskia Mahlstede, Würzburg

Einfach fernbleiben

Heft 44/2024 Frauen kämpfen um Gleichberechtigung in der katholischen Kirche 

  • Liebe Frauen, es wäre doch so einfach: Ihr solltet dem Wunsch des Papstes entsprechen und dem Altar fernbleiben. Und selbstverständlich auch die Plätze im Kirchengestühl freilassen. Folge: die Macht des Patriarchats in der Kirchenhierarchie hätte bald ein Ende!
    Bernd Schönecker, Husum (Schl.-Holst.)

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