Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 75 / 78

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Neues Liebesleben, Streikgesetz, Protestwähler, Biermann-Gespräch – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 8/2024

Kompass ohne Nadel

Heft 7/2024 Titel: Neues Liebesleben 

  • Schock am Kiosk. Zweimal hingesehen. »Neues Liebesleben«. Ist das wirklich der SPIEGEL? Nein, muss die »Bild der Frau« sein. Die Entwicklung des SPIEGEL zum Boulevardblatt ist wohl nicht mehr aufzuhalten.
    Wiemann, Pommelsbrunn (Bayern)

  • Selten habe ich einen so gut recherchierten und so präzisen Artikel über Beziehungsformen im Mainstream gefunden. Ich danke Ihnen herzlich dafür und glaube, dass Sie damit vielen Menschen einen großen Dienst erweisen.
    Sonja Jüngling, Münster

  • Wieder ein Beispiel, wo eine Minderheitenmeinung zur Mehrheitsmeinung gemacht wird. Und: Der Text verdeutlicht, wie kaputt unsere Gesellschaft bereits ist. Ich habe selten einen solchen Unsinn gelesen.
    Bernhard Sauerwein, Breuna (Hessen)

  • Das Text-Sammelsurium »Neues Liebesleben« bietet Orientierungslosen einen Kompass ohne Nadel.
    Gebhart Müller-König, Moisburg (Nieders.)

  • Eine der überflüssigsten SPIEGEL-Titelgeschichten überhaupt. Ihre Quintessenz lautet: Jedes Partnerschaftskonzept kann gelingen oder scheitern. Das wusste man auch schon vorher.
    Ekkehard Grube, Dinslaken (NRW)

  • Beim aufmerksamen Lesen habe ich erstaunt, verwundert und verunsichert feststellen müssen, offenbar inzwischen zum »alten, weißen (keineswegs weisen) Mann« degeneriert zu sein, der sich altmodisch, ja spießig an die klassische Mann-Frau-Zweierbeziehung klammert und sich so aus Ignoranz um die wenig verlockenden Formen sogenannter freier Liebe bringt. Mich rettet, dass meine Frau, unser Sohn und unsere Schwiegertochter ähnlich denken: Ist »klassische« Liebe nicht Freiheit genug?
    Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)

Einzige Waffe der Arbeitnehmer

Heft 6/2024 Leitartikel: Warum Deutschland ein Streikgesetz braucht 

  • Der Autor verlangt nach einem Streikgesetz zum Schutz der Gesellschaft? Für mich die übliche reflexartige Symptombehandlung. Doch das Übel sitzt viel tiefer. Seit Jahrzehnten schützt keiner die Gesellschaft vor Politikern, die sich als Erfüllungsgehilfen für eine ständig wachsende Minderheit von Reichen andienen, beraten von Lobbyisten, die auch auf deren Lohnlisten stehen. Eine Minderheit, die trotz weltweiter Krisen ihr Vermögen in wenigen Jahren nochmals verdoppeln könnte.
    Stefan Essling, Merchweiler (Saarl.)

  • Es wurde Zeit, dass sich der SPIEGEL in einem Leitartikel der skandalösen Geiselnahme großer Bevölkerungsteile durch die Streikwellen im Verkehrswesen annimmt. Allerdings formuliert Alexander Preker zu zaghaft. Vermögen die Heere an juristischer Intelligenz im Lande nicht den grundsätzlichen Unterschied zu formulieren: den von gerechtem Ausgleich zwischen privatwirtschaftlichen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, für die das Streikrecht einst gedacht war, und der besonderen Schutzwürdigkeit der öffentlichen, kritischen Infrastruktur durch staatliche Institutionen? Wenn dies ein neues, modernes Beamtentum erfordert, warum nicht – bevor die Züge weiter abwärtsfahren in Richtung einer dekadenten, verarmten Bananenrepublik.
    Prof. Dr. Johannes Heinrichs, Duisburg

  • Ich bin Angestellter bei dem Verkehrsunternehmen Hamburger Hochbahn AG und befürworte den Streik. Als Busfahrer hat man eine große Verantwortung. Zusätzlich ist man viel Stress ausgesetzt. Der Schichtwechsel zwischen Früh- und Spätdienst und – nicht zu vergessen – der Nachtdienst wirken sehr ermüdend. Und auch wenn die Arbeit Spaß macht: Am Ende hat auch ein Busfahrer seine Grenzen und muss überlegen, für was oder wen er die Arbeit macht. Deswegen denke ich, dass zu streiken ein Recht ist, welches man nicht einschränken sollte.
    Walid Ghaly, Hamburg

  • Das Streikrecht ist die einzige Waffe der Arbeitnehmer. Plädiert der Leitartikel ernsthaft für seine Aushöhlung – oder ist das ein Karnevalsgag? Und wenn schon Karneval: Man muss Weselsky nicht mögen, aber statt ihn mit einer Karnevalsfigur zu vergleichen, sollte man eher einige peinlich überbezahlte Funktionäre der Bahn in den Fokus von Karnevalsbetrachtungen rücken. Von CDU-nahen Kreisen erwartet man solche Angriffe auf das schwer erkämpfte Streikrecht, aber vom SPIEGEL? Wie soll die Bahn in Zukunft streiken: un­bemerkt und störungsfrei? Die Beschäftigten sollen nicht teuer sein, sie sollen störungsfrei funktionieren, und sie sollen Bürger und Arbeitgeber nicht nerven. Bin ich froh, dass ich in Rente bin und nicht Arbeitnehmerin in diesem Land sein muss!
    Dr. Suna Wölk, Hannover

  • Finger weg vom Streikrecht! Sonst hoffe ich auf Deutschlands ersten Generalstreik. Dafür holen wir dann Herrn Weselsky zurück.
    Hermann Scheufgen, Köln

Die zarte Seele der Protestwähler

Heft 6/2024 Kolumne: Die Gegendarstellung 

  • In diesen Wochen gehen viele Hunderttausend Mitbürger auf die Straße, um sich für die Demokratie einzusetzen, auch, um gegen rechts zu demonstrieren. Endlich ist es so weit, die Demokraten sind aufgestanden, wie Sie richtig zitieren. Die Mitte unserer Gesellschaft hat verstanden, dass wir das Thema »Remigration« nicht einfach so stehen lassen können. Und Sie polemisieren dagegen. Wie können Sie nur, als SPIEGEL-Autor! Ich bin empört und schreibe deshalb meinen ersten Leserbrief.
    Dr. Ludger Landwehr, Bielefeld

  • Die Demos mögen oder mögen nicht gegen die hohe Wahlbereitschaft für die AfD helfen. Müssen sie das? Ich frage mich, ob das überhaupt ihr Sinn ist oder vielmehr das Bedürfnis befriedigt, eine klare Sprache zu sprechen. Nämlich uneingeschränkt Nein zu sagen zu menschenrechtsverletzenden Tendenzen am rechtsextremen Rand. Dass dabei nicht alle differenziert bleiben, ist nun mal so bei einer demokratischen Öffentlichkeit. In mir wehrt sich etwas gegen den journalistischen Reflex, jedes mögliche aller Gegenargumente als Maßstab anzulegen. Was sollte Ihrer Meinung nach die Alternative sein? Nicht demonstrieren und die AfD ignorieren? Die »Hilft ja doch nicht«-Haltung nervt ungemein und bringt niemanden weiter.
    Caroline Roy, Berlin

  • Ich sehe es wie Sie. Man hat jetzt den Eindruck, dass »Linke« jeden, der sehr vorsichtig darauf hinweist, dass wir nicht alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen und integrieren können und dass es Zeit ist, an der Begrenzung der Flüchtlingszahlen zu arbeiten, als Schwurbler, Rassist, Nazi et cetera ansehen. Die Linken ersticken damit jede demokratische Auseinandersetzung. Manche halten dann wohl lieber den Mund. Und im Osten wählen sie dann vielleicht heimlich AfD. Vielleicht heißt dort die größte Hoffnung gegen die AfD dann tatsächlich »Bündnis Sahra Wagenknecht«.
    Beatrix Muhtz, Hamburg

  • Auch wenn ich Ihrer Argumentation folgen kann, teile ich ihre Analyse nicht. Ich finde, dass der AfD derzeit nicht sonderlich zum Lachen zumute ist und sie eher nervös und irritiert reagiert, selbst wenn ein paar Verirrte sich durch Deportationsfantasien angezogen fühlen. Auch kann ich die Bedenken nicht mehr hören, dass durch ein paar unreflek­tierte Slogans die zarte Seele der scheuen Protestwähler verschreckt werden könnte. Wer mit ideologischen Fäkalien um sich wirft, darf sich nicht wundern, wenn die Antwort darauf auch nicht nach Rosenwasser riecht. Die auf den Demos stattfindende Selbstvergewisserung dieses breiten Bündnisses aus Demokrat:innen, das ich in unserer fragmentarisierten Gesellschaft so für kaum mehr möglich gehalten habe, ist der wichtigste Hebel im Kampf um unsere Demokratie.
    Thomas Heinicke, Burgthann (Bayern)

  • Was ist denn der von Ihnen bevorzugte »Graubereich«? Ein bisschen Nazi sein – nur montags bis donnerstags? Oder Volksverhetzung nur gegen Muslime, nicht Juden? Oder »Remigration« nur ab einer bestimmten Hautfarbe? Stelle ich mir schwierig vor. Und die Spaltung der Gesellschaft wird nicht durch die Demonstrationen verursacht, sie sind Ausdruck dieser Spaltung – die sich übrigens mit Pegida und so weiter schon abgezeichnet hat. Und »gegen rechts« heißt nicht »gegen konservativ«, das ist doch klar. Vor allem äußern sich sehr viele konservative Politiker von CDU und CSU eindeutig gegen rechts!
    Dawid Barczynski, Karlsruhe

  • Der Kommentator scheint noch nicht oft an Demos teilgenommen zu haben, sonst wüsste er, dass erstens zugespitzte Reden und Sprüche immer dabei sind und zweitens man als Teilnehmer häufig nicht mit solchen Details einverstanden ist, aber das Grundanliegen teilt. An dieser Stelle ist also Großzügigkeit gefragt, besonders jetzt, wo es um genau die Breite und Mitte geht, die sich dem, ja, rechten Rand endlich entgegenstellt! Die Größe des Zeichens ist jetzt wichtiger als die kleinkrämerische Fixierung auf Formulierungen und Aufrechnerei von AfD-Eintritten. Wie man an der Landratswahl im
    Saale-Orla-Kreis sehen kann, kommt es jetzt auf Aktivierung der bisherigen Nichtwähler an, und bekanntlich sind viele Menschen lieber bei der Mehrheit als bei der Minderheit.
    Angelika Goldmann, Göttingen

Hoffnung auf Vernunft

Heft 6/2024 SPIEGEL-Gespräch mit Liedermacher Wolf Biermann 

  • Danke für dieses erhellende und unterhaltsame Interview mit Liedermacher Wolf Biermann. Konnte er mich mit seiner Lyrik und Musik nie so richtig vom Hocker holen, so sind seine philosophischen Erkenntnisse und seine politische Analyse von damals und heute brillant! Wie er mit knapp 90 Jahren sprachlich und inhaltlich die Sachen auf den Punkt bringt und seine Einstellung zu Leben, Missständen, Tod und Politik sind unerhört überzeugend. Frau Amann und Herr Rapp haben die richtigen Fragen gestellt und ein feines Auge und Ohr für Details bewiesen. Mehr davon!
    Otto Hagemann, Erlangen

  • Mit der ihm eigenen Melange aus derber Schnoddrigkeit, einer Prise Sarkasmus, geerdetem Realismus, altersmilder Weisheit und Anflügen eines sentimentalen Weltschmerzes kommentiert Wolf Biermann die Krisen dieser Zeit. Besonders treffend ist die politische Verortung des eitlen Populisten-Ehepaars Wagenknecht und Lafontaine, das in seinem Groll eine verhängnisvolle »nationalistisch-nationalkommunistische« Symbiose eingehe.
    Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Biermann, was bist Du doch für ein schlauer, gerissener, mit allen Wassern gewaschener großartiger Kerl. Das Interview ist ein Hochamt der Klugheit, Altersweisheit und des Humors, Balsam für mein wundes sozialdemokratisches Herz. Ich habe jede Zeile genossen und würde es dreimal unterschreiben. Dank und nochmals Dank, Du hast mich wieder aufgerichtet in der Hoffnung
    auf Vernunft und menschliches Miteinander, das leider in diesem Land in letzter Zeit sehr gelitten hat.
    Angelika Männel, Greiz (Thür.)

  • Ich habe vor Jahren mal ein Interview mit Wolf Biermann im Deutschlandfunk gehört. Er sagte darin in Bezug auf die politische Entwicklung im Osten: »Dem gelernten Sklaven tut die Demokratie weh!« Ich habe mich damals sehr geärgert – je länger ich nachgedacht habe, umso mehr musste ich ihm recht geben. Heute unterstreiche ich das dick! Man müsste das Zitat aber erweitern: »Auch dem mit Demokratie verwöhnten Bürger tut die Demokratie letztendlich weh!« Eine schaurige Entwicklung. Hoffentlich bleibt uns Wolf Biermann noch sehr lange erhalten.
    Stefan Kademann, Mechelgrün (Sachsen)

  • Da ist Ihnen ein faszinierendes Gespräch mit faszinierenden Einsichten des faszinierenden Herrn Biermann gelungen. Weiter so!
    Johannes Zauner, Laaber (Bayern)

Erst in zweiter Linie Grüne

Heft 6/2024 Annalena Baerbock entfremdet sich von ihrer Partei 

  • Annalena Baerbock ist zunächst einmal deutsche Außenministerin – und erst in zweiter Linie Grüne. Daraus ergibt sich ab und an ein Dissens zu den Grünen. Das rechne ich ihr hoch an und würde es mir von anderen Regierungsvertretern auch wünschen.
    Tobias Gruhler, Pfullingen (Bad.-Württ.)

Ohne jegliche Stereotype

Heft 6/2024 SPIEGEL-Gespräch mit Schauspieler Franz Rogowski 

  • Großartiges Interview. Dass man Franz Rogowski gestattet hat, spezifisch, individualistisch und ohne jegliche Stereotype zu antworten, ist den beiden SPIEGEL-Leuten hoch anzurechnen. Seine Antworten werden noch länger beschäftigen.
    Thomas Wördehoff, Wien

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