Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 73 / 76

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Diskriminierung der Alten in Deutschland, die geplante Wahlrechtsreform der Ampelkoalition und der tägliche Irrsinn in einer Ausländerbehörde – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 14/2023

Immer noch flott unterwegs

Heft 13/2023 Titel: Plötzlich zu alt? 

  • Vielleicht sollten wir Boomer uns mehr auf die beiden großen Tugenden der Deutschen besinnen: Gelassenheit und Humor.
    Clive Kewell, Hamburg

  • Das Problem »alt oder jung?« ist ja nicht neu! Schon Kurt Tucholsky stellte 1931 in seinem Aufsatz »Der Mensch« Folgendes fest: »Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, dass sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, dass sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.« Das schreibt Ihnen jemand, der zwar alt geworden ist, aber nie vergessen hat, dass er auch mal jung war.
    Hans-Joachim Uhlemann, Berlin

  • Aus Neugierde auf die Titel­geschichte habe ich mir den SPIEGEL gekauft. Ich war gespannt zu erfahren, wo und wie und wann Alte zurückgesetzt werden. Große Enttäuschung: Es gab gar keine liebevoll recherchierte Geschichte, sondern nur ein paar triviale Leserbriefe zum Thema Altersdiskriminierung. Peinlich!
    Elisabeth Scherf, Hamburg

  • Es stimmt schon: Alt werden will jeder, alt sein niemand. Ich bin alt, fühle mich aber nicht so. Nach meinem Ausstieg aus dem Berufsleben habe ich mich in mein kleines Wohnmobil zu meiner Lebensgefährtin gesetzt und alle Kontinente durchquert. Völlig selbst organisiert und ohne jede fremde Hilfe. Über Sibirien ging es durch die Mongolei, weiter durch China und Laos nach Thailand. Von dort wurde nach Südamerika verschifft und von Feuerland nach Alaska verholt. Dann ging es von Kapstadt nach Kairo und von Brisbane nach Perth. Nach der Coronapause noch einmal für ein halbes Jahr durch Südamerika. Man ist eben so alt, wie man sich fühlt.
    Hans Gerd Scholz, Delbrück (NRW)

  • Ich bin ein Kriegskind, 1944 geboren, war über 40 Jahre lang berufstätig und fühle mich heute mit 78 Jahren nicht als Grufti, geschweige denn als Komposti. Ich sehe immer noch fabelhaft aus, wenn auch anders als vor 30 Jahren, habe viel Lebenserfahrung gesammelt und die Lebensfreude nicht verloren. Den politischen Begriff »überalterte Gesellschaft« und die ständigen Diskussionen darüber empfinde ich jedoch als Vorwurf, und sie klingen in meinen Ohren fast wie »unsozial«, um nicht zu sagen »unverschämt«, dass ich noch lebe.
    Ursula Thielemann, Hamburg

  • In einem Punkt muss ich den Verfassern dieses Artikels widersprechen: Entgegen Ihrer Behauptung, dass Älteren das Nutzen von U-Bahnen oder Bussen durch »rücksichtslos drängelnde Junge vermiest« werde, habe ich hier in Köln die gegenteiligen Erfahrungen gemacht. Mir, dem 83-Jährigen, lassen die Jungen den Vortritt, bieten mir ihren Sitzplatz an und bücken sich, wenn mir der Gehstock aus der Hand fällt. Mit Pauschalurteilen sollte der SPIEGEL vorsichtiger umgehen.
    Klaus Friedrich, Köln

  • Vielen herzlichen Dank an den SPIEGEL, der ein wichtiges Thema aufgreift, aber weit hinter der Realität zurückbleibt. Es liegt an den »Alten«, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Technische Innovationen, die ältere Mitbürger nicht sofort verstehen, sind nicht das Problem der jüngeren Generation. Hätte Henry Ford auf die älteren Mitbürger gehört, hätten wir jetzt schnellere Pferde und keine Autos. Menschen jenseits der 60 mit Neugier und Wissensdurst sind für die Wirtschaft immer noch wichtiger als manch 45-Jährige, die meinen, sie brauchten keine neuen Impulse.
    Prof. Dr. Thomas Osburg, München

  • In elf Monaten werde ich 70, und ich fühle mich privilegiert: Ich muss nicht mehr arbeiten, die Schulden sind abbezahlt, und meine Rente reicht für ein ordentliches Weiterleben. Wenn ich in der schönen neuen digitalen Welt einmal Probleme habe, dann versuche ich, mich einzuarbeiten, oder mir helfen Frau und Sohn. Allet jut. Danke, Deutschland.
    Peter Kock, Oberhausen

  • Wo haben die Autor:innen bloß ihre Umfragen gemacht? Ich bin 85 und fühle mich überhaupt nicht verachtet und aussortiert. So frei wie nach meinem Ruhestand habe ich mich noch nie gefühlt. Ich bin weder auf dem Heiratsmarkt noch auf dem Karriereweg, muss niemandem zum Munde reden, niemandem gefallen, kann meine Meinung frei äußern und tue das auch bei Diskussionen mit meinen Enkelinnen und Freundinnen. Meinen Enkelinnen habe ich es auch zu verdanken, dass ich mit dem Smartphone für die mir wichtigen Funktionen umgehen kann. Natürlich belasten mich oft gesundheitliche Probleme, aber das ist doch normal im Alter. Ich bin weiterhin neugierig und interessiere mich für Politik und habe jetzt die Zeit, darüber nachzudenken.
    Erika Kokott, Großhansdorf (Schl.-Hol.)

  • Das Alter ist doch nur eine Zahl, die uns die Medien, die Schönheitsindustrie und sogar unsere Freunde vermiesen wollen. Leider glauben wir an dieses Missverständnis, denn wir selbst sind auch nicht überzeugt, dass man im Alter noch schön, fit und leistungsstark sein kann. Die einzige Möglichkeit, dem vehement entgegenzutreten, ist radikale mentale und körperliche Fitness. Wenn also wieder einmal jemand über Ihr Alter lästert, werfen Sie sich einfach in eine Yoga-Pose, und falls Sie sich unsichtbar fühlen; es gibt immer noch ungewöhnliche Haarfarben und Outfits! Seid frech und unverschämt!
    Beatrix Kruger, Zürich

  • Ich bin 80 und kann etwas mitreden: Bin ich »alt« oder ein »Oldtimer«? Ist Altersdiskriminierung ein neues Phänomen? Nein, wir haben uns »früher« auch den »Alten« überlegen gefühlt! Es liegt wohl in der Natur der Evolution, sich dem Flow des Lebens hinzugeben, sich nicht aufhalten zu lassen. Als die Gefährlichkeit des Coronavirus bekannt wurde, war ich gerührt davon, wie die Regierung versuchte, uns zu schützen, und mal ehrlich: Die medizinische Versorgung, die uns Senioren angeboten wird, ist doch wirklich gut! Heute sind wir mit 70 noch flott unterwegs. Was ich mir wünschen würde, wäre Folgendes: Den Begriff »Rentenalter« abschaffen – und die Menschen selbst entscheiden lassen, ob sie noch berufstätig bleiben und in die Rentenkasse einzahlen wollen.
    Solveigh Reinhardt, Rottau (Bayern)

  • Für mich 93-Jährigen war die Lesezeit verlorene Lebenszeit. Zusammengegoogelte Zitate statt konkreter Hinweise, wo die Diskriminierung besonders zutage tritt und erforderlicher Maßnahmenkataloge. Ich bin noch in drei Vereinen tätiges Mitglied und habe dort oft das Empfinden, der Jüngste in puncto Kreativität und Aktivität zu sein.
    Dr. Werner Siegert, Stockdorf (Bayern)

Fusion zur bundesweiten CDSU?

Heft 12/2023 CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kritisiert die Wahlrechtsreform der Ampel 

  • Was Alexander Dobrindt und die CSU völlig unterschlagen, ist die Tatsache, dass das Wahlrecht in Bayern genauso festgelegt ist, wie das jetzt von der Ampel vorgeschlagen wurde. Auch in Bayern gab es bei der Einführung des neuen Wahlrechts Verlierer – kann man bei der Bayernpartei nachfragen. Wenn dieses Wahlrecht jetzt die CSU selbst trifft, dann ist das natürlich undemokratisch.
    Robert Lehner, Karlsfeld (Bayern)

  • Obwohl kein CSU-Mitglied, dafür aber Bürger Bayerns, gebe ich hier Alexander Dobrindt recht. Es hat eine undemokratische Änderung der Wahlrechtsordnung durch die Ampelkoalition stattgefunden. Die direkte Wahl einer Wahlkreiskandidatin oder eines Wahlkreiskandidaten in das Parlament stellt den direkten Bezug der Bevölkerung zum Parlament dar und ist für mich urdemokratisch und nicht verhandelbar.
    Richard Fettinger, Büchenbach (Bayern)

  • Es war und ist wohl nicht von Vorteil, dass bei der Gründung der CDU der Freistaat Bayern nicht mitmachte, sondern eine eigene Regionalpartei CSU gründete. Vielleicht sollte jetzt mithilfe von Umfragen geprüft werden, ob eine Fusion von CDU und CSU mit der Bezeichnung Christliche Demokratische und Soziale Union (CDSU) zur Bundespartei als zweckmäßig erachtet wird. Es entfiele nach jeder Bundestagswahl die Verhandlung zur Bildung einer Fraktionsgemeinschaft. Die Gründung einer CDU in Bayern und die Gründung der CSU in den 15 anderen Bundesländern wäre auch nicht erforderlich.
    Hans-Georg Baltrusch, Bremerhaven

  • Wenn die CSU so wichtig werden will, dass sie über das Wahlrecht in ganz Deutschland mitbestimmen möchte, sollte sie sich in diesem für ganz Deutschland geltenden Wahlrecht auch in ganz Deutschland zur Wahl stellen oder eben in Bayern mit allen Bundestagsparteien konkur­rieren.
    Rüdiger Otto, Köln

  • Für ein Land, das seit Jahrzehnten nur von reformunwilligen Politikern und deren Parteien regiert wird, ist diese Wahlrechtsreform ein wahrer Meilenstein und bisher die größte Errungenschaft der aktuellen Koalitionsregierung.
    Dr. Asok Mukherjee, Erlangen

  • Wer wie die CSU jahrelang auf Zeit spielt und eine konstruktive Wahlrechtsreform verweigert, der sollte nicht jammern, wenn andere Parteien das Reform­projekt beherzt anpacken, sobald sie dazu die Möglichkeit haben. Bereits Gorbatschow wusste: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
    Roland Sommer, Diedorf (Bayern)

»Er wird von Putin persönlich gefangen gehalten«

Heft 12/2023 Julija Nawalnaja über die Haft ihres Mannes Alexej 

  • Was für eine würdevolle, liebende, klar denkende und formulierende Frau. Ansonsten: Halte durch im Lager, Alexej Nawalny!
    Rolf Heidemann, Berlin

Überkomplex, verkorkst, teuer

Heft 12/2023 Unterbesetzt und überlastet – täglicher Irrsinn in einer Ausländerbehörde 

  • Dieser Artikel beschreibt sehr treffend den Zustand in den Ausländerbehörden seit »Wir schaffen das«. Als langjährige Sach­bearbeiterin in einer Ausländerbehörde, die vor fünf Jahren freiwillig ging, weil der Burn-out drohte, kann ich sagen: Dieser Artikel spiegelt den von mir dort erlebten Arbeitsalltag wider. An kaum einem anderen Arbeitsplatz in einer Behörde werden Mitarbeiter dermaßen verheizt.
    Christine Schlichting, Velpke (Nieders.)

  • Vielen Dank für die ebenso beeindruckende wie beunruhigende Reportage von unten! Sie hinterlässt bei mir den fatalen Eindruck, dass das deutsche Asyl- und Einwanderungsregime dermaßen überkomplex, verkorkst und teuer ist, dass es unweigerlich eines Tages zusammenbrechen muss. Seit 2015 warte ich auf den großen Wurf in der Einwanderungs- und Asylpolitik, der ebenso vernünftig und pragmatisch sein müsste, wie etwa in Dänemark oder Kanada. Aber das ist anscheinend bei uns nicht zu machen. Es muss erst noch schlimmer kommen: Arme und alte Deutsche, die keine Wohnung mehr finden; migrantische Schüler ohne ausreichende Sprachförderung; Erosion der öffentlichen Ordnung; unbezahlbare Sozialleistungen in den Kommunen; zunehmende Wahlerfolge der Rechten; große Frustration bei Einheimischen wie bei Migranten. Ein Hoffnungsschimmer sind die Bürgermeister und Landräte. Wenn sie vereint und ohne falsche Rücksichten auf den Tisch hauen würden, würden die Ahnungslosen in Berlin vielleicht aufschrecken.
    Günter Herrmann, Heilbronn

»Ich bin kein Antisemit«

Heft 12/2023 SPIEGEL-Gespräch mit Roger Waters und Meron Mendel über abgesagte Konzerte und Antisemitismus 

  • Roger Waters’ egomanische Wutanfälle dienen nicht den Interessen der palästinensischen Bevölkerung, sondern unserem Verständnis für seine ehemaligen Bandkollegen, die nicht mehr mit ihm eine Bühne betreten wollen.
    Ernst Horn, München

Als Vorbild nicht protzen

Heft 12/2023 Gastbeitrag: SPD-Politikerin Sawsan Chebli über ihre Herkunft und Hassattacken im Netz

  • Wer für eine Partei arbeitet, die vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen vertreten will, sollte sich nicht im Porsche und nicht mit Rolex zeigen. Dafür wären alle SPD-PolitikerInnen angezählt worden, unabhängig der eigenen Herkunft. Die Wirkung des eigenen Auftritts auf die WählerInnen im Auge zu behalten gehört einfach dazu. Unabhängig von diesem Fauxpas müssen PolitikerInnen dringend mehr Schutz vor Anfeindungen erhalten, im Netz und in der realen Welt: Drohungen und Übergriffe müssen konsequent angezeigt und streng geahndet werden. Sonst findet sich bald niemand mehr, der VolksvertreterIn sein will – dann ist Demokratie am Ende.
    Vera Moosmayer, Berlin

  • Wer sich aus ärmlichen Verhältnissen in die Mitte der Gesellschaft hocharbeitet, verdient Respekt; um als Vorbild dienen zu können, sollte Sawsan Chebli mit dem erkämpften Neureichtum jedoch nicht öffentlich protzen. Die aus Steuergeldern finanzierte Schweizer Luxusuhr am Handgelenk widerlegt und disqualifiziert die bekennende Sozialdemokratin, die offensichtlich verkennt, was gesellschaftlich wirklich eine Rolex spielt.
    Dr. Fred Maurer, Mannheim

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