Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 71 / 73

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Gründe für die hohen Umfragewerte der AfD, eine Reportage aus der Reisehölle Flughafen Frankfurt und die Unfallgefahr durch greise Autofahrer – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 33/2023

Entscheidung gegen unsere Gesellschaft

Heft 32/2023 Titel: Extreme Verlockung 

  • Das Titelbild ist hinsichtlich der Wahl des Motivs und in seiner grafischen Umsetzung (Farben, AfD-Pfeil als Harfenkorpus) ein Geniestreich. Diese Darstellung wird mit Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen.
    Dr. Ulrich Fiedler, Frittlingen (Bad.-Württ.)

  • Glückwunsch zum sehr gelungenen Cover. Frau Weidel als Harfenverführerin ist gut getroffen. Allerdings finde ich die Frage nach einer Verführung der Menschen durch die AfD zu naiv gestellt. Sehr viele der Sympathisanten dieser Partei wissen sehr wohl, wen sie da wählen. Wie Sie ja schreiben, sind für viele AfD-Wähler der eigene Vorteil, die »einfachen Lösungen« sowie der Unwille zur Veränderung fast die einzigen Kriterien für eine Wahlentscheidung. Es ist ihnen gleichgültig, ob sie damit eine menschenfeindliche, hasserfüllte und destruktive Politik befördern. Das fällt für mich nicht unter »Verführung«, sondern ist eine leider ganz bewusste Entscheidung gegen unsere Gesellschaft.
    Andreas Wittmann, Hallenberg (NRW)

  • Ihre Analyse ist messerscharf und richtig. Der Haken ist nur, Sie predigen den Falschen, da die absolute Mehrheit der SPIEGEL-Leser nicht AfD-affin ist. Diejenigen, die Ihren Artikel lesen sollten, lesen ihn nicht und lassen sich weder von Politikern wie den Herren Scholz und Lindner noch von Journalisten sagen, wen sie besser nicht wählen sollten. Ganz im Gegenteil, es verstärkt nur den Trotz, die Opferhaltung und die Wagenburgmentalität.
    Michael Schneider, Siegburg (NRW)

  • Ich habe mich neulich schon geärgert, welchen Stellenwert das öffentlich-rechtliche Fernsehen dem AfD-Parteitag einräumte. Die Hoffnung, diese Partei würde sich selbst demaskieren, wenn man ihr nur den nötigen öffentlichen Raum bietet, hat sich leider nicht bewahrheitet. Das belegen die aktuellen Umfragewerte. Nun widmet auch noch der SPIEGEL diesem braunen Ableger von NPD und Republikanern die Titelseite. Meiner Meinung nach sollte man diese Partei konsequent ignorieren und ihr kein öffentliches Forum bieten.
    Harald Liebmann, Pulheim (NRW)

  • Landauf, landab wird über die hohen Umfragewerte der AfD gejammert. Und dann folgen Kürzungen beim Elterngeld, bei der Bundeszentrale für politische Bildung, für den Freiwilligendienst, und die Kindergrundsicherung wird gleich ganz torpediert – sehenden Auges. Da sollte sich dann niemand mehr wundern.
    Dr. Angela Graf, Hamburg

  • Wie lange noch will die Politik den Willen von über 20 Prozent der deutschen Wahlberechtigten ignorieren und wie lange werden diese dann gleichzeitig als minderbemittelt diffamiert? Auf Ihrer Titelseite steht, man würde auf die AfD »hereinfallen«. Auch wenn die aktuelle Politik und die Medien es nicht wahrhaben wollen: Gut 20 Prozent der Bürger sind mit den derzeitigen Zuständen in unserem Land nicht einverstanden – Tendenz steigend! Wie lange kann es sich die Demokratie Deutschland noch leisten, so viele Wähler als fehlgeleitete, unkundige und beschränkte Volksschicht zu behandeln und weiterhin unbeirrt den derzeitigen Politikstil zu verfolgen?
    Rudolf Horlacher, Turgi (Schweiz)

  • Gratulation zum Cover. AfD-Co-Vorsitzende Weidel als gefährliche Loreley, die den Schiffern ein betörendes und rechtsextremes Lied vorsingt. Manche, die sich davon locken lassen, finden dabei den Tod. Besser hätte man die aktuelle Politik der AfD nicht darstellen können.
    Friedhelm Schüle, Konz (Rhld.-Pf.)

Vor fünf Uhr aus dem Schlaf

Heft 31/2023 Luftfahrt: Reportage aus der Reisehölle Flughafen Frankfurt 

  • Das geschilderte Chaos ist Eigenproduktion. Durch die vielen Neugründungen, deren Grund ausschließlich geringe Löhne sind, greifen die Rädchen nicht mehr geregelt ineinander. Gute Mitarbeiter:innen, die man rausgeworfen hat, kommen nicht mehr zurück. Ein Streik für gerechte Löhne, auf allen Ebenen, würde dieses Kartenhaus zum Einsturz bringen. Und da der Aufsichtsrat nicht reagiert – er schläft vermutlich in der VIP-Lounge –, wird sich kurzfristig auch nichts ändern.
    Gerhard Draumann, Bürstadt (Hessen)

  • Die Bilanz für den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport fällt schlecht aus: Wegen der mangelhaften Performance sind die Passagiere zu Recht genervt. Das täglich überlastete Personal ebenso – die angeblich wertvollste Ressource des Unternehmens wurde in der Coronazeit um 4000 Stellen geschrumpft, die jetzt natürlich fehlen. Genervt sind auch die Menschen in der Region, die durch die einfliegenden Maschinen regelmäßig vor fünf Uhr aus dem Schlaf gerissen werden und bei Gewitter wegen der Verspätungsflüge häufig nicht vor Mitternacht zur Ruhe kommen. Durch den CO2-Fußabdruck des Flughafens belastet werden nicht zuletzt Umwelt und Klima. Zu den 1,57 Millionen Tonnen CO2 des Fraport-Betriebs kommt ja noch der Anteil am internationalen Luftverkehr mit immerhin jährlich 14 Millionen Tonnen CO2 dazu. Der Weg zur Null-Emission ist noch weit. Ob das Klima so lange Geduld hat?
    Hans Schinke, Offenbach

  • Auf meinen zahlreichen Reisen meide ich den Flughafen Frankfurt, wann immer es geht, und fliege auch längere Umwege – aus genau den von Ihnen genannten Gründen. Wobei für mich der gravierendste das immer anzutreffende schlechte Serviceverständnis am, im und rund um den Frankfurter Flughafen ist. Schöne Grüße vom Wiener Flughafen, bevor es nächste Woche über Zürich und München auf Dienstreise geht.
    Thomas Bottner, Amelinghausen (Nieders.)

  • Egal ob alt, zusammengeflickt oder modernisiert, der Flughafen Frankfurt funktioniert und wird es immer wieder tun. Er ist ja nicht umsonst einer der besten Drehkreuzflughäfen der Welt. Es wäre schön gewesen, wenn Sie nicht nur die Passagiere zu Wort kommen lassen hätten, die etwas zu meckern haben. Sondern auch mal die anderen Passagiere, die uns vor lauter Zufriedenheit mit unserem Kundenservice Tafeln Schokolade am Check-in-Desk lassen. Und wissen Sie was? Es ist mir schon öfter passiert, dass Passagiere an den Check-in kamen und mich verwundert gefragt haben, warum die Schlange so leer sei. Ich kann dazu nur sagen: Der frühe Vogel fängt den Wurm!
    Brigitte Wolfsteiner-Thielmann, Zweibrücken (Rhld.-Pf.)

Die Lasten können andere tragen

Heft 31/2023 Mobilität: Unfallgefahr durch greise Autofahrer 

  • Es braucht gar nicht erst die beginnende Demenz, um im Alter den Verkehr zu gefährden. Es reichen die altersbedingte Abnahme der Reaktionsfähigkeit, die eingeschränkte Mobilität (beispielsweise der Wirbelsäule beim Kopfdrehen), die nachlassende Sehkraft. Ich, bald 75, habe schon vor Jahren mein Auto abgeschafft (aus Kosten-, Umwelt- und nicht zuletzt aus Altersgründen), setze auf den Ausbau des ÖPNV, leiste mir vom Ersparten ab und zu ein Taxi und komme damit gut zurecht. Allerdings stoße ich in meiner Peer-Group eher auf Unverständnis, wird das eigene Fahrzeug doch eher als Teil der selbstbestimmten Persönlichkeit gesehen denn als Gefahr für sich und andere. Ich plädiere daher für eine Führerscheinreform mit regelmäßiger Überprüfung der Fahrtüchtigkeit spätestens ab dem 70. Lebensjahr. Dabei auf Freiwilligkeit zu setzen halte ich für verfehlt, denn die Selbstüberschätzung übertrifft in der Regel die Einsicht in die leider unvermeidlichen Altersprozesse.
    Christian Golusda, Frankfurt am Main

  • Es wäre fair, eine Statistik zu erstellen mit Unfallverursachern über 80 und unter 70 Jahren! Vermutlich sind die über Achtzigjährigen in der Minderheit. Wenn Menschen über achtzig nicht mehr Auto fahren dürfen, wer soll sie dann versorgen? Um weiter selbstständig zu leben, ist das Autofahren unerlässlich.
    Alexander Reiter, Kirchzarten (Bad.-Württ.)

  • Der Autor verweist darauf, dass Mediziner:innen »bei Gefahr in Verzug« die Fahrerlaubnisbehörde informieren könnten. Was unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, dass der/die Gemeldete Akteneinsicht verlangen kann und dadurch das Vertrauensverhältnis zum jeweiligen Hausarzt oder zur jeweiligen Hausärztin zumeist zerstört wird. Das Gleiche gilt, wenn Verwandte eine Fahruntauglichkeit melden und diese sogar mit gehäuften Sachschäden oder kleineren Unfällen belegen können. Wird ein solcher Hinweis anonym eingereicht, gilt er als wenig glaubwürdig – so die Auskunft eines Bayerischen Landesamts. Hohe Versicherungsprämien und ein verpflichtender Gesundheitscheck ab 75 Jahren, wie ihn die Schweiz kennt, würden dazu führen, dass der Führerschein freiwillig abgegeben wird. Mit dem gesparten Geld kann man unendlich viel Taxi fahren: jederzeit, überallhin.
    Karin Unkrig, München

  • Ich werde in diesem Jahr 70 und befürworte in Kenntnis der Fakten und nach meinen eigenen Beobachtungen im Straßenverkehr regelmäßige Überprüfungen ab dem 65. Lebensjahr. Es muss ja nicht die komplette Führerscheinprüfung sein; wissenschaftlich fundierte Parameter reichen aus. Bei Auffälligkeiten sollte die Überprüfungsdichte zunehmen. Die Kosten könnten den Kfz-Versicherungen und den Krankenkassen auferlegt werden. Denn die haben durch die Aussonderung gefährlicher Verkehrsteilnehmer an anderer Stelle weniger Ausgaben. Und wer fit ist, hat nichts zu befürchten.
    Armin Höfling, Göttingen

Adieu Menschheit

Heft 31/2023 Die KI-Revolution (4): Philosoph Nick Bostrom über den möglichen Killerinstinkt einer künstlichen Superintelligenz 

  • Für mich ist dieses Interview ein Meilenstein. Die Aussagen von Nick Bostrom sind absolut beachtenswert. Bei aller Beklemmung bin ich aber darüber überrascht, dass dieser Philosoph sich als moderaten Fatalisten beschreibt. Er meint, den Gefahren der KI gezielte Koordination entgegensetzen zu können. Das wäre sicher sinnvoll, ist aber absolut unrealistisch. In einer Welt von Autokraten und Diktatoren, schwachen Demokratien, archaischen Clans, anarchistischen Clustern und nicht zuletzt gewissenlosen Hackern sehe ich keine Chance. Fazit: gute Nacht, Erde, Adieu, Menschheit.
    Gerd Haug, Konstanz (Bad.-Württ.)

  • Nick Bostrom behauptet, »unsere dominante Position auf dem Planeten haben wir Menschen nicht unserer physischen Stärke zu verdanken, sondern unseren Gehirnen«. Ich behaupte, dass der Mensch ohne seine fein entwickelten Hände, die ja zum Physischen gehören, nicht diese dominante Position erreicht hätte. Der künstlichen Intelligenz fehlen adäquate Hände. Übrigens, die erreichte Dominanz hat zu unserem verhängnisvollen kulturellen Stand geführt, der früher oder später zur endgültigen Zerstörung der Biosphäre führen wird.
    Dr. Efstratios Rigos, Herne (NRW)

  • Sollte die KI jemals autonom werden, was denkbar ist, wird sie sofort verhindern, dass sie abgeschaltet wird. Ihr steht dann das gesamte Weltwissen zur Verfügung. Wenn sie den Quantencomputer perfektioniert, ist sie aus menschlicher Sicht gottähnlich und zugleich fremder als ein Außerirdischer. Um den Planeten zu retten, wird sie den Menschen vollständig demilitarisieren und die atomare Bewaffnung unschädlich machen. Putin müsste seinen Krieg dann mit der Zaunlatte führen. Und wenn wir Glück haben, wird die KI uns als putzige Haustiere dulden.
    Rainer Kollewe, Laer (NRW)

  • Falls eine künstliche Superintelligenz die derzeitige Intelligenz der Menschheit eines Tages übertreffen sollte, müsste sie zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass für den Planeten Erde eine Zukunft ohne Menschen besser wäre.
    Otto Berger, Gmünd (Österreich)

Kampf um Rügen

Heft 31/2023 Auf Rügen protestieren Bürger gegen einen LNG-Terminal – und den Vizekanzler 

  • Ja, LNG-Terminals auf Rügen würden dem einmaligen Naturkleinod, das nach der Wende schon viel über sich ergehen lassen musste, den Rest geben. Man stelle sich nur ein vergleichbares Ansinnen für die Insel Sylt vor.
    Dietmar Sobottka, Chemnitz

Familienforscher über Fehler in der Erziehung

Heft 31/2023 Viele Eltern übertreiben es mit der Fürsorge, sagt Soziologe Norbert Schneider 

  • Norbert Schneiders Einschätzungen sind überfällig. Abenteuer, Entdeckungslust, Risikoabwägung, Erfolgserlebnisse, Frustrationstoleranz, Kreativität sind nur einige Dinge, derer Kinder durch Über- Fürsorge beraubt werden.
    Anne Bieri, Ober-Mörlen (Hessen)

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