Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 72 / 75

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Abnehmspritze, Karamba Diaby, die Kampfkraft der Bundeswehr, verunglückte Fahrradfahrer und Caspar David Friedrich – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 3/2024

Enorme Folgekosten sparen

Heft 2/2024 Titel: Nie wieder dick?

  • Danke für den Beitrag über die neue Abnehmspritze. Zwei Anmerkungen: Eine Versorgung der an Adipositas Erkrankten mit Wegovy zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung ist heute schon möglich, da es sich bei dem Präparat nicht um ein Lifestyle-Medikament handelt. Die Er­höhung der Lebensqualität steht hier gerade nicht im Vordergrund, sondern die Behandlung von krankhaftem Übergewicht und Adipositas. Dies ist die überwiegende Zweckbestimmung, welche sich aus der arzneimittelrecht­lichen Zulassung ergibt. Und dass die Betroffenen nach dem Ab­setzen des Medikaments wieder zunehmen, ist klar. Denn: Wer von dem Wirkstoff eines Medikaments profitieren will, der muss es einnehmen.
    Tim C. Werner, Frankfurt am Main

  • Anders als das großartige Titelblatt verspricht, wird nur kurz eingegangen auf seltene, aber nachgewiesene Risiken, zum Beispiel »schmerzhafte Bauchspeicheldrüsenerkrankungen« und »Darmverschluss« – beides immerhin potenziell lebensgefährlich. In der Grafik werden daraus verharmlosend »Bauchschmerzen und Verstopfung«. Mögliche Langzeitschäden der auf Dauer angelegten Therapie sind noch nicht absehbar. Die Kosten belaufen sich auf knapp 4000 Euro pro Jahr. Die Bekämpfung der Volkskrankheit Adipositas ist zwar alle Mühen wert. Statt aber etablierte Behandlungskonzepte unter Einforderung von Mitwirkung der betroffenen Patienten zu fördern, träumt die Pharmalobby von einem Massengeschäft auch zulasten der gesetzlichen Krankenkassen. Und lockt uns alle mit einer milliardenteuren Scheinlösung in eine medizinische, sozial- und letztlich gesellschaftspolitische Sackgasse.
    Dr. med. Georg Schweitzer, Bonn

  • Da ich selbst fast mein ganzes Leben schon unter meinem Übergewicht leide – physisch und psychisch –, kann ich sehr gut nachvollziehen, dass diese Spritzen als große Heilsbringer angesehen werden. Die Diskriminierung von übergewichtigen Personen ist allgegenwärtig und doch für viele Nichtbetroffene zumeist unsichtbar. Selbst manche Ärzte drängen bei Übergewichtigen grundsätzlich erst auf Diäten, bevor andere Ursachen in Erwägung gezogen werden. Dass noch keine Langzeitstudien vorliegen, sehe ich als kritisch an, ich würde mir aber wünschen, dass sich die gesetzlichen Krankenkassen nicht grundsätzlich der Kostenübernahme bei Verschreibung zur Gewichtsreduktion verschließen. Es könnten enorme Folgekosten eingespart werden.
    Petra Stripp-Scheuring, Großostheim

Auch mal wertschätzen

Heft 1/2024 Sophie Garbe schrieb ein Porträt über den SPD-Mann Karamba Diaby und fragte sich nach begeisterten Leserbriefen: Berichten wir sonst zu negativ?

  • Große Zustimmung. Kritik zu üben an dem, was Politiker machen, ist sicherlich Ihre wesentliche Aufgabe. Aber wichtig ist auch, mal wertzuschätzen, was die Politiker in diesen komplizierten Zeiten für uns tun. Das könnte dazu beitragen, dass die Bürger wieder zuversichtlicher würden und sich auf eine kritische Auseinandersetzung in der Demokratie einließen. Und dass die demokratischen Parteien sich besserer Umfragewerte erfreuen könnten.
    Karin Cass, Bergisch Gladbach

  • Dieser Rückblick bestärkt mich in einer Idee: Wie wäre es, wenn Sie ein Sonderheft mit ausschließlich positiven Nachrichten auflegen würden? Artikel über kleine Erfolge, über Menschen, die sich was trauen, aus dem Hintergrund Großes bewirken, Energie oder ihr Vermögen in vielversprechende Ideen investieren. Menschen, die ihre Bekanntheit einsetzen für die Gesellschaft, ohne sich dafür feiern zu lassen. Artikel über Entscheidungen, Gesetze, Urteile, die zwischen all den als negativ wahrgenommenen Regulierungen positiv wirken – im Gesundheits- oder Bildungswesen, im Klimaschutz, im Bereich Inklusion. Nicht um alles Negative auszublenden und sich die Welt schönzuschreiben. Sondern um einmal dem Potenzial unserer Gesellschaft und der Stärke unserer Demokratie den gebührenden Platz zu geben. Wir brauchen mehr denn je Zuversicht, Mut und gute Vorbilder.
    Gabriele Jenz, Kürnbach (Bad.-Württ.)

Singend in den Krieg

Heft 1/2024 SPIEGEL-Gespräch mit dem Historiker Sönke Neitzel zur Kampfkraft der Bundeswehr 

  • Der Beitrag schildert klar und -eindrücklich, wie es um die Bundeswehr und um Deutschlands Verteidigungsfähigkeit steht. Die jahrzehntelange Wohlfühlstrategie mit Vermeidung jeglicher Zumutungen für die Bundesbürger rächt sich nun. Kein Aggressor wird sich durch einseitige Abrüstung und Friedensdemonstrationen abhalten lassen, wie zum Beispiel München 1938 schmerzhaft gezeigt hat.
    Dr. Michael Lau, Altlandsberg (Brandenb.)

  • Es war erschütternd zu lesen, dass deutsche Soldaten sich singend auf das Töten und Getötetwerden vorbereiten sollen, geht es nach Herrn Neitzel. Er sollte wissen, dass deutsche Soldaten singend in den Ersten Weltkrieg gezogen sind. In seiner Funktion als Militärhistoriker ist ihm das Ergebnis bekannt. Wer den zu erwartenden Krieg derart glorifiziert wie Herr Neitzel, sollte keine jungen Leute unterrichten dürfen.
    Wolfgang Mayer, Rödental (Bayern)

  • Bei aller Sympathie für die Korrektheit seiner Analysen: Herr Neitzel ist zu optimistisch. Die Bundeswehr wird weder »mit Anstand sterben« können, noch wird die Litauen-Brigade »in wenigen Wochen abgekämpft sein«. Die Bundeswehr wird innerhalb der ersten drei Kriegstage implodieren und in sich zusammenfallen. Unter der Federführung der Pro-Putin-Parteien im Deutschen Bundestag werden Millionen sofortige »Friedensverhandlungen« verlangen. Die deutsche Bevölkerung ist zur Selbstverteidigung nicht mehr bereit. Als die Bundeswehr vor 50 Jahren (im Westen) noch eine Armee war, hatten wir im Heer 36 »kriegstüchtige« Brigaden mit 340.000 Soldaten, nur als »Friedensumfang«. Das heutige Restheer ist mit 63.000 Soldaten in 8 Brigaden nicht ansatzweise in der Lage, das Land zu verteidigen. Das versteht der Bundestag nicht – von der Bundesregierung ganz zu schweigen.
    Prof. Dr. Thomas Stehl, Oberleutnant d. R. a. D., Potsdam

  • Zur Aufrichtigkeit gehört auch die Feststellung, dass die Bundeswehr in der Lage sein muss, das eigene Land zu verteidigen, wozu notwendigerweise der Besitz eigener Nuklearwaffen zählt. Ebenso sollte spätestens seit Trump klar sein, dass die USA niemals Washington für Berlin opfern würden. Der Hinweis von Herrn Neitzel, dass dieses Jahr Artikel 5 des Nato-Vertrages wahrscheinlich »aufgeweicht« werde, vermeidet leider Klartext. Beide Aspekte wurden offensichtlich im Interview verdrängt.
    Georg Anders, Oberleutnant d. R., Leverkusen

Es geht um Waffengleichheit

Heft 1/2024 Warum mehr Fahrradfahrer tödlich verunglücken 

  • Als wäre es nicht genug, dass der Etat für gute Radwege schon vor dem Haushaltsloch zusammengekürzt und eine sinnvolle Novelle der Straßenverkehrsordnung im Bundesrat blockiert wurde. Nun wird auch noch suggeriert, dass die Radfahrenden an ihren Unfällen irgendwie halt selbst schuld seien. Dabei sind mehrheitlich die Unfallgegner und die lausige Infrastruktur hierzulande die Hauptschuldigen. Hier liegt also eine Täter-Opfer-Umkehr vor. Aus einem tatsächlichen und Hunderten Beinaheunfällen kann ich ableiten, dass mich weder zusätzliches Reflexionsklimbim noch ein Helm, den ich trotzdem trage, geschützt hätten. Ordentliche Radwege, ein gelegentlicher Schulterblick der Autofahrer und die Einhaltung des Seitenabstands von mindestens 1,5 Metern durch die Autofahrer täten das schon eher.
    Nikolaj Krieg, Hagen (NRW)

  • Fahrradfahrer sind keine Störer im Verkehr, sondern gleichberechtigte, wenn auch schwächere Teilnehmer. Egal wie umsichtig ein Fahrradfahrer agiert, er ist dem Pkw immer unterlegen und riskiert mehr als nur Kratzer im Lack und eine Beule im Blech. Deswegen müssen die Autofahrer viel defensiver fahren, die Geschwindigkeiten müssen angepasst werden, und es muss erhebliche bauliche Veränderungen geben. Wir brauchen noch viel mehr leisen, gesunden und abgasfreien Verkehr.
    Melanie Tönnis, Hann. Münden (Nieders.)

  • Der Artikel hat mich wegen seiner Einseitigkeit schockiert. Gerade weil wir Autofahrer so viel auf die Radfahrer:innen, eine Mischung aus Möchtegernrambos, Kleinkindern und Selbstmördern, aufpassen, verursachen wir so wenige Unfälle mit ihnen. Der ADFC ist eine Vereinigung für Mittdreißiger, die nicht darüber nachdenkt, ob der Bau eines Radweges überhaupt sinnvoll ist (CO₂-Bilanz) oder ob ein paar nun mit PS ausgestattete Rentner mit ihrem E-Bike darüberrollen. Die, die mit E-Lastenrädern ihre Hunde durch die Stadt kurven, sollten mal darüber nachdenken, was sie für Energieverschwender sind.
    Thomas Schiochet, Weiler-Simmerberg (Bayern)

  • Wesentlich sicherheitsdienlicher und weniger abschreckend als eine Helmpflicht für Radfahrer wäre eine Verpflichtung, auch tagsüber mit Licht zu fahren, und ein absolutes Verbot der Nutzung von Kopfhörern beim Fahren.
    Dr. Hermann H. Dieter, Trebbin (Brandenb.)

  • Die Realität ist, dass Autofahrer die Straße beherrschen dürfen und das auch tun. Wer Rad fährt, weiß, wenn ein Unfall passiert, ist er selbst in der Regel tot und das beteiligte Auto hat eine Schramme. Es geht also um Waffengleichheit, und der Gesetzgeber ist auf der Seite der Autofahrer. Es ist aber auch ein Problem der Verkehrserziehung. Viele Autofahrer glauben felsenfest, dass beispielsweise die Rechts-vor-links-Regel nicht bei Fahrradfahrern gilt, und fahren einfach weiter. Viele Autofahrer sehen das Dreiecksschild mit dem stilisierten Radfahrer nicht als Vorsichtswarnung. Viele Autofahrer denken auch, dass sie auf Radwegen parken oder halten dürfen.
    Helmut Kapferer, Freiburg

  • Das Grundproblem bleibt: Dem Radverkehr wird viel zu wenig Platz eingeräumt. Damit steigt das Unfallrisiko, und die Aggression nimmt zu. Dem Autoverkehr muss Fläche weggenommen werden. Aber mit FDP-Verkehrsministern ist das nicht zu erwarten.
    Ernst Metzler, Münster

Er sah Gott in allem

Heft 1/2024 Caspar David Friedrich wird zu seinem 250. Geburtstag mit vielen Schauen gefeiert. Woher kommt der Hype? 

  • Grundlage aller Bilder Friedrichs, die keineswegs »bloß aus Gefühlen« bestehen, ist seine Auffassung von der Welt als göttliche Schöpfung. Ohne ausreichende Kenntnis seiner Weltsicht bleibt der Sinn seiner Werke unklar. Zum einen bekannte sich Friedrich dazu, mit den Mitteln der Kunst seine antifeudale, nationale und antifranzösische Haltung in der Zeit der napoleonischen Besetzung zum Ausdruck zu -bringen und die Helden der Befreiungskriege gegen Napoleon zu würdigen. Darin ganz Kind seiner Zeit, war er Anhänger einer nationalen Befreiungsbewegung. Zum anderen verband er als tiefgläubiger Protestant die erhofften gesellschaftlichen Veränderungen mit ersehnter religiöser Erneuerung. Caspar David Friedrich sah Gott in allem, selbst im Unscheinbarsten. In allem vermischen sich bei Friedrich politische und christliche Allegorien. Seine Gemälde sind keine einfache Naturnachahmung, sondern entstanden in der gedanklichen Reflexion und künstlerischen Verarbeitung seiner Naturerlebnisse. Alle subjektiven Deutungen fernab von Friedrichs eigener Sicht und Situation führen zu irrigen Auslegungen. So gesehen gibt es keine grenzenlose »Deutungsoffenheit« für sein Werk!
    Waltraud Krannich, Dresden

Nur Hendrik Wüst

Heft 1/2024 Das unionsinterne Rennen um die Kanzlerkandidatur 

  • Ernsthaft betrachtet, kann die Alternative zwischen Friedrich Merz und Markus Söder unbedingt nur Hendrik Wüst sein. Leider wird aber wohl einer der beiden Populisten das Rennen machen.
    Wolfgang Tittus, Nürnberg

Verbale Rülpser

Heft 1/2024 Weil FDP-Politiker Kubicki sich über einen SPIEGEL-Text aufregte, redet er seit Monaten nicht mehr mit dem Redakteur Christoph Schult 

  • Das Amüsement der Redakteure während eines Gespräches mit Herrn Kubicki kann ich nachempfinden. Aber gereichte es dem SPIEGEL inhaltlich wirklich zum Nachteil, wenn die intellektuell grenzwertigen verbalen Rülpser dieses Herrn nicht gedruckt würden?
    Dr. Rudolf Mengersen, Berlin

Verdächtige Argumente

Heft 1/2024 Kulturkampf um die Genschere Crispr 

  • Die gentechnische Veränderung von Pflanzen mag in Zukunft erforderlich sein oder auch nicht. Das Problem bei den ganzen Diskussionen ist, dass von allen Seiten größter Wert darauf gelegt wird, auf eine Kennzeichnung zu verzichten! Dies macht alle Argumente für diese Technik verdächtig.
    Michael Müller, Lentföhrden (Schl.-Holst.)

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