Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 68 / 71

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Bayern, Hubert Aiwanger, die Grünen, Kolonialismus – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 38/2023

Bayerische Glücksformel

Heft 37/2023 Die Maßlosen 

  • Ich habe diesen Artikel mit Interesse gelesen: ein buntes Puzzle mit unterschiedlichsten Facetten aus einem manchmal beein­druckenden, manchmal widersprüchlichen und manchmal etwas wunderlichen Bundesland, das sich tatsächlich nur über sich selbst definiert. Ich hätte mir noch einen Exkurs in die Historie gewünscht, insbesondere eine Anmerkung zur Entstehung des durchaus beeindruckenden Wohlstands des Freistaats. Bayern war im Rahmen des Länderfinanz­ausgleichs bis 1986 und 1992 ein Nehmerland, es flossen Milliarden in das damalige Agrarland. Mit einer gewissen Scheinheiligkeit reitet das heutige Geberland Bayern eine Attacke nach der anderen gegen diesen Mechanismus.
    Dr. Thomas Bernstein, Leipzig

  • Die Art der Identität der Bayern und Bayerinnen, die sich mundartlich in der knappen Sentenz »Mia san mia« verdichtet, signalisiert Nichtbayern unvermeidlich ein überzogenes Maß an Stolz. Dennoch bringt die Liberalitas Bavariae demokratische Streitkultur und Toleranz gegenüber Andersdenkenden zusammen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.
    Karin Motz-Glasow, Schongau (Bayern)

  • Aus der Tatsache, dass Bayern heute den größten Anteil beim Länderfinanzausgleich leistet, wird gern geschlossen, dass das bayerische Pro-Kopf-Brutto­inlandsprodukt (BIP) das größte sei. Richtig ist, dass Bayern nach Hamburg und Bremen an dritter Stelle liegt. Will Bayern den dritten Platz halten, muss sein BIP stark wachsen. Dieses liegt jedoch beim Wachsen erst an achter Stelle, Bayern sackt also relativ gesehen ab. Vor Bayern liegen die Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg sowie die Länder Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Bayern sollte sich hier ein Beispiel nehmen.
    Wolfgang Maucksch, Herrieden (Bayern)

  • Ich bin in Bayern geboren, jedes Jahr komme ich dorthin. Was man als Glücksformel in der bayerischen Gesellschaft nennen kann, sind folgende Sätze: 1. »So werds gmacht und ned anders und etzad is a Ruah.« Nach diesem Satz weiß jeder, dass es keine Widerrede gibt. 2. Es wird nicht diplomatisch drum rumgeredet, sondern schonungsloser Klartext ist angesagt. 3. Diskussionsfreudigkeit hält sich darum in Grenzen. 4. »Mia san mia« ist eine wunderbare Erklärung für die selbstbewusste und stolze bayerische Mentalität, die von den Bayern selbst manches Mal selbstironisch, aber charmant den Zuagroastn oder Saupreißn überbracht wird.
    Ruth Christine Witzig, Kreuzlingen (Schweiz)

  • Es stimmt schon, dass es viele schöne Orte, nette Leute und gute Erfolge in vielen Bereichen in und für Bayern gibt. Aber es nervt doch ziemlich, das weit über­triebene Eigenlob von Söder und vielen seiner Parteigenossen hören zu müssen. Dies führt offenbar bei vielen in Bayern zu Ablehnung und auch Verspottung von Nichtbayern und »Preußen«. Ein solcher unerfreulicher Größenwahn ist doch Kinderkram. Es gibt überall Superlative. Wenn ich etwa an der Ostseeküste in Mecklenburg (sonnenreichste Region in Deutschland) stehe und auf das Meer und die Steilküste sehe, soll ich dann denken, schade, ich bin nicht im schönen Bayern?
    Dr. Berthold Schwarz, Hamburg

  • Einfach nur herrlich! Endlich hat Herr Söder die Chance schlechthin bekommen, allen beweisen zu können, was er ist: eben
    keine Führungskraft.
    Olav Garz, Hünfelden-Dauborn (Hessen)

Gewinne statt Klimaschutz

Heft 36/2023 Leitartikel: Warum der Staat weiter Elektroautos fördern sollte 

  • Einen bedeutsamen Grund für die schleichende Entwicklung bei der Zulassung von Elektroautos und damit eine große Behinderung der E-Mobilisierung haben Sie leider nicht erwähnt: die Gier der Autohersteller. Es gibt keinen rationalen Grund dafür, dass E-Autos so irre teuer sind. Man könnte sie wesentlich preiswerter fertigen als Verbrenner. Schließlich kann man auf teure Komponenten wie ein kompliziertes Getriebe und einen aufwendig-präzisen Motor verzichten – weder Auspuffanlage samt Katalysator noch eine Ölschmierung sind nötig. Das einzig teure Element ist der Akku – und auch der ist preiswerter herzustellen, als heute behauptet wird.
    Wolfgang Schmidt, Lage / Lippe (NRW)

  • Eine Steuer auf Verbrennerautos ist zielführender, als E-Autos finanziell zu fördern. Wenn die Klimaschädigungsteuer hoch genug angesetzt wird, schießt die Nachfrage nach E-Autos sprunghaft nach oben. Die Regierung muss sich gegen die Autolobby durchsetzen.
    Dr. med. Andreas Kösters, Ibbenbüren (NRW)

  • Es wird deutlich, dass die Autohersteller nicht am Klimaschutz interessiert sind. Die Förderung der letzten Jahre scheint jetzt in die Rabatte für Verbrenner zu fließen. Die Autohersteller sollten Rabatte auf Elektroautos geben und damit die staatliche Förderung ersetzen. Einen eigenen ernsthaften Beitrag zum Klimaschutz zu leisten ist offenbar nicht drin. Gewinne und Renditen sind wohl wichtiger.
    Dieter Kuhlenkamp, Berlin

Zutiefst inhumaner Text

Heft 36/2023 Hubert Aiwangers Vergangenheit weckt Zweifel an seinen Aussagen 

  • Was Hubert Aiwanger vor 35 Jahren gesagt und getan hat, ist weniger erschreckend als das, was er in den letzten 35 Wochen gesagt und getan hat: Damals war er provokativ und zynisch, heute ist er überheblich und eiskalt berechnend. Er ist in 35 Jahren kein besserer Mensch geworden, sondern viel gefährlicher.
    Klaus Rupprecht, Nürnberg

  • Neulich fielen uns beim Entrümpeln eines Dachbodens alte Abschlusszeitungen aus den Achtzigern in die Hand. Kurz gesagt: Nicht nur die Mode inklusive Frisuren war grausam, sondern auch der sprachliche Umgang. Nichts davon könnte man heute so veröffentlichen. Entschuldigt das Herrn Aiwangers Mittelscheitel und seine höchstwahrscheinliche Autorschaft des Flugblatts? Meiner Ansicht nach nicht. Hätte er Verantwortung übernommen und von einer Jugendsünde gesprochen, wäre seine heutige politische Position klarer von rechtsextremen Äußerungen entfernt, wer würde dann den ersten Stein werfen? Aus den Fehlern der Jugend zu lernen ist eine Chance. Manche nutzen sie nicht.
    Alexandra Teller, Regensburg

  • Ein ungutes Gefühl bleibt in puncto Aiwangers Umgang mit den Vorwürfen. Er prangert sie sogleich als Hetzjagd an, hat Erinnerungslücken und beruft sich auf seinen Bruder als Flugblattautor, eine Strategie wie aus dem Trump-Kader. Ein bayerisches Wahlplakat fordert »Kompetenz statt Hubsi«. Ich ergänze: Integrität statt Aiwanger.
    Dr. Angelika Koller, München

  • Das Flugblatt ist pure irre Satire eines Minderjährigen, natürlich grenzüberschreitend, nicht akzeptabel und mit Recht zu kritisieren. Dass diese bewusste Provokation 35 Jahre später halb Deutschland in Erregung versetzt, ist doch völlig absurd. Ich erkenne nicht, dass Herr Aiwanger bewusst ein antisemitisches Pamphlet verfassen wollte.
    Klaus Betac, Aumühle (Schl.-Holst.)

  • Ich frage mich, ob den Mitmenschen, die das in Rede stehende Pamphlet als »Jugendsünde« verharmlosen, bewusst ist, welche Dimension der Scheußlichkeit dieses Geschmiere aufweist. Es handelt sich hier nicht um einen explizit antisemitischen, sondern einen zutiefst inhumanen Text, welcher a priori alle Teilnehmer eines Geschichtswettbewerbs des »Vaterlandsverrats« verdächtigt und sie mit ihrem beabsichtigten »Ende« konfrontiert. Ich denke, unter Satire ist etwas anderes zu verstehen.
    Hans Georg Wintzen, Bad Birnbach (Bayern)

  • Man kann sich nicht entschuldigen, sondern nur andere um Entschuldigung bitten. Im Falle Aiwanger würde mir eine Entschuldigung schwerfallen. Wer nach zwölf Schuljahren solche Schriftstücke verfasst oder nur verteilt, kann nicht glaubwürdig behaupten, sich geändert zu haben. Solche Geisteshaltung verliert man nicht. Man lernt höchstens, im politischen Alltag seine Grundhaltung zu verbergen.
    Helmut Kolar, Neuruppin (Brandenb.)

  • Mit seinem Populismus hat Aiwanger politische Gegner, Menschen mit anderen Meinungen regelrecht diffamiert. In einem hat er recht – wenn er behauptet, dass eine Schmutzkampagne auf die (den) Verursacher zurückfällt. Nun muss er dies selbst erleben.
    Rainer Jakob-Paul Eck, Nürnberg

So soll es sein

Heft 36/2023 Die Grünen haben ein Führungsproblem 

  • Langsam aber sicher komme ich zu dem Schluss, dass der SPIEGEL FDP-freundlich ist. Herumgehackt wird auf den Grünen, in oft ärgerlich süffisanter Weise. Das ehrliche Bestreben der grünen Minister wird nicht honoriert, die Altlasten der vorherigen Regierung nicht genügend herausgestellt, genauso wie die Blockadepolitik der FDP.
    Dr. Kira van Lil, Denver (USA)

  • Der »Machtwirrwarr« bei den Grünen wird ausschließlich negativ bewertet. Dabei ist es doch die Grundlage unserer Demokratie, dass nicht alles in einer Spitzenrunde entschieden wird. Während in anderen Parteien gelegentlich alles der Geschlossenheit untergeordnet zu werden scheint, zeigen bei den Grünen die Angehörigen der verschiedenen Organe ihre Unterschiede und haben deshalb auch oft Abstimmungsbedarf. So soll es sein!
    David Höffer, Bremen

Alle Opfer berücksichtigen

Heft 36/2023 Reportage aus Nigeria , -wohin Tausende geraubte Benin-Bronzen -zurückgegeben werden sollen – und dort für Konflikte sorgen

  • Die Restitution der Benin-Bronzen aus dem britischen Kriegsraub im Königreich Benin 1898 wird nicht gerecht gelöst werden können, solange die Interessenvertreter der Opfer der Sklaverei, so unter anderem deren Nach­fahren in den USA, nicht an den Verhandlungen um die Verteilung der Kunstwerke beteiligt werden. In Ihrem Text wird die »Restitution Study Group« (ebendiese Interessenvertretung) in New York noch nicht einmal erwähnt, ähnlich wie deren zahlreiche Eingaben an europäische Regierungen und Museen bislang weit­gehend ignoriert wurden.
    Dr. Claus Deimel, Ethnologe, Museums­direktor a. D., Hamburg

  • Wenn die Restitution der Benin-Bronzen eine Frage der Wiedergutmachung kolonialer Schuld ist, sollte diese alle Opfer des erlittenen Unrechts berücksichtigen. Doch offenbar stellen sich (Mit-)Täter gern selbst als Opfer dar, um von der eigenen (Mit-)Verantwortung abzulenken: So tragen die Oba als Nachkommen der Sklavenhändler gegenüber den amerikanischen Nachkommen der Sklaven eine historische Schuld an deren Leid. Eine Restitution ohne Entschädigung der direkt gegen deutsche Metalle getauschten Sklaven ist moralisch und politisch heuchlerisch, in Europa wie in Afrika. Da spielen gebrochene Zusagen der Rückgabekonditionen nur eine untergeordnete Rolle, wenn eine solche Täter-Opfer-Umkehr schamvoll verschwiegen wird.
    Wolfgang Neitzel, Hamburg

  • Ich danke Ihnen für Ihren Artikel. Erstmals habe ich verstanden, was Entkernung einer Kultur bedeutet.
    Ursula Lemke, Köln

  • Die Bronzen wurden vorwiegend aus den Profiten finanziert, die die Obas aus ihren Sklavenjagden und Sklavenverkäufen an die arabischen und europäischen Sklavenhändler erzielten. Die wahren Opfer und Restitutionsberechtigten sind also die Nachkommen dieser Versklavten vor allem in Amerika, deren Organisationen sich daher scharf gegen die Rückgabe an ihre Versklaver aussprechen, hier aber nicht einmal erwähnt werden.
    Prof. Dr. Wolfgang E. J. Weber, Stadtbergen (Bayern)

Fatale Gruppendynamik

Heft 36/2023 Miese Vorgesetzte, toxisches Betriebsklima: Zu viele Firmen machen ihre Angestellten systematisch unglücklich 

  • Chef wird man in der Regel, weil man irgendeine Sache gut kann und weil davon ausgegangen wird, dass wer mit Sachen gut umgehen kann, es auch mit Menschen kann, also eine Führungseignung hat. Dieser Schluss ist möglich, aber da es sich um eine völlig andere Anforderung handelt, in den meisten Fällen falsch, wie in den Hierarchien zu besichtigen. Notwendig wäre eine Beurteilung der charakterlichen Ausstattung der Führungsaspiranten.
    Bernd Leopolder, Bad Wimpfen (Bad.-Württ.)

  • Ihr Artikel trifft voll ins Schwarze. Die Störungen der Chefs werden gut beschrieben, allerdings kommen die Ängstlichkeit und auch die Unterwürfigkeit der Angestellten zu kurz. Daher ist es eine psychotherapeutische Aufgabe, eine fatale Gruppendynamik in den Betrieben, die die Ängstlichkeit und Unterwürfigkeit der Angestellten verstärkt, abzuschmelzen. Von dieser fatalen Gruppendynamik leben die Führungskräfte.
    Dr. Lothar Schattenburg, Psychologischer Psychotherapeut, Ltd. Psychologe, Bad Neustadt (Bayern)

Auf den Tisch hauen

Heft 36/2023 In der SPD wächst die Ungeduld mit Kanzler Scholz 

  • Nein, Scholz muss nicht auf den Tisch hauen. Er muss nur endlich führen. Also Menschen vom Ziel, dem richtigen Weg und den passenden Methoden überzeugen. Ich befürchte aber, das kann er gar nicht.
    Dr. Matthias Müller, Braunschweig

Legaler Sexkauf

Heft 36/2023 Anwältin Christina Clemm spricht über Gewalt gegen Frauen 

  • Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sexkauf legal ist. Männer wachsen hier im Selbstverständnis auf, dass Frauen verfügbar sind, wann sie es wollen. Daraus entstehen Frauenverachtung und ein Machtgefühl gegenüber weiblichen Personen.
    Tanja Raffler, Haselbach (Bayern)

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