Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Allein die Käfer!
Heft 23/2024 Titel: Der Kafka-Kult
Als Franz Kafka eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich zu einem ungeheuer großartigen SPIEGEL-Cover verwandelt. (O Gott, al-ein die Käfer! Danke, lieber SPIEGEL.)
Julia Atzmanstorfer-Namysl, Bad Goisern am Hallstettersee (Österr.)Das Cover des SPIEGEL-Heftes zu Franz Kafka ziert ein Käfer, eine klare Hommage an »Die Verwandlung«. Jedoch ist es wohl ein sogenannter Bronzegrüner Rosenkäfer, elegant länglich, smaragdgrün schillernd und hübsch anzusehen. Dem erfahrenen Lepidopterologen Vladimir Nabokov zufolge hat Gregor Samsa sich in ein viel profaneres und plumperes Insekt verwandelt: nämlich in einen Mistkäfer.
Anton Leo, HamburgHerzlichen Dank für diese SPIEGEL-Ausgabe, im Speziellen für die Titelreportage zu Kafka anlässlich seines 100. Todesjahres. Es sind hervorragende Beiträge, in die man sich vertiefen kann, die zum Nachdenken über das Leben anregen, durchaus auch das Gefühl ansprechen – bereichernd für jedermann. Respekt! Diesen SPIEGEL werden wir aufbewahren.
Elisabeth Küttel, ChemnitzAls ich das Titelbild mit dem kunterbunten »Popstar« Kafka sah, dachte ich bloß: Oje, muss das wirklich sein? Was sich dann aber hinter der knalligen Käferkulisse auftat, ist mit das Beste, Pointierteste, Einfühlsamste, Informierteste, was ich je über Kafka und seine Rezeption gelesen habe, Teile der sogenannten Forschungsliteratur inbegriffen. Ein dickes Dankeschön an Ihren Autor Xaver von Cranach.
Prof. Dr. Sabine Haupt, Literaturwissenschaftlerin, Savigny (Schweiz)Keine Frage: SPIEGEL-Autor Xaver von Cranach hat fleißig recherchiert, hat sich an der Bodleian Library in Oxford umgesehen, Kafka-Texte im Original studiert, mit renommierten Kafka-Experten gesprochen und sogar das Sanatorium in Kierling bei Wien besucht, in dem Kafka starb. So hat er eine enorme Menge an Detailkenntnissen erworben, die er vor den erstaunten Augen des interessierten Lesers ausbreitet. Ich frage mich jedoch, ob weniger nicht mehr gewesen wäre, vor allem, wenn Herr von Cranach an dieser oder jener Stelle konzentrierter geblieben und in die Tiefe vorgestoßen wäre, anstatt weitere Fakten aufzuzählen, die in die Weite führen und sich irgendwann im Uferlosen auflösen würden. Auf diese Weise hätte (was sicher sein Anliegen war) ein wirksamer Gegenpol zu der oberflächlichen Gefühlsduselei und Geschwätzigkeit gebildet werden können, mit der sich selbst ernannte Kafka-Fans in den sozialen Netzwerken ausbreiten, die den Prager Autor als Projektionsfläche für ihre narzisstische Selbstbespiegelung vereinnahmen.
Hans-Georg Wendland, HannoverSie hätten nicht zu Maos China blicken müssen, um zu zeigen, dass Kafka in der vorgeblich sozialistischen Welt als dekadent angesehen wurde. Das war in der DDR nicht anders. Mit 15 Jahren wandelte ich 1967 auf den Spuren Kafkas in Prag und im August 1968, als die Panzer kamen, noch einmal. Als ich dann in der Schule zwei Kafka-Geschichten vorlesen wollte, wurde mir das streng untersagt, obschon drei Jahre zuvor eine erste Kafka-Ausgabe in der DDR erschienen war. Doch für die Kulturfunktionäre blieb er ein dekadenter Autor, der nicht mehr zu der Entwicklung des Sozialismus beitragen könne. Gelesen wurde er dennoch.
Jörg Abromeit, Berlin
Nur durch Stärke zu beeindrucken
Heft 22/2024 In der Regierung wächst die Sorge vor einer Eskalation im Ukrainekrieg
Täglich wird die ukrainische Bevölkerung durch russische Raketen terrorisiert. Doch die Bundeswehr hat von ihren zehn Patriot-Systemen nur drei abgegeben und von ihren 300 einsatzfähigen Taurus-Marschflugkörpern gar keine. Warum? Dieses durch diverse Bedenken kaschierte Verhalten ist an Verantwortungs- und Empathielosigkeit schwer zu überbieten. Letztlich fehlt es auch massiv an strategischer Voraussicht, denn Putin ist im Tiefsten einfach der alte Leningrader Hinterhofschläger, der nur durch Stärke beeindruckt werden kann und nicht durch »Besonnenheit«.
Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)Ich bin fassungslos, dass nun, da der Feind vor unseren Grenzen steht, Uneinigkeit über Hilfen für die tapfer kämpfende Ukraine besteht. Der Artikel zeigt deutlich auf – und da stimme ich den Zitierten Baerbock, Kiesewetter, Habeck und Pistorius voll zu –, dass alle möglichen Waffenhilfen schnellstens erfolgen müssen. Wenn ich etwas verschenke, kann der Beschenkte damit anstellen, was er für strategisch richtig hält, ohne dass ich gegen Regeln verstoße. Auch kann er den Aggressor auf dessen Gebiet präventiv angreifen, um sein eigenes Volk vor Angriffen zu schützen. Deshalb kann auch der Taurus abgegeben und eine Abwehr an den Grenzen angebracht werden. Deutschland allein hätte sowieso keine ausreichenden Verteidigungsmöglichkeiten im Ernstfall.
Angelika Schröder, BielefeldIm Angesicht einer Notlage keine Notlage zu erkennen, das macht Scholz und Lindner – wenn sie weiterhin starrsinnig bleiben – zu zwei Sargnägeln für die zukünftige Demokratie in Europa. Herr Scholz, liefern Sie möglichst schnell Taurus-Marschflugkörper, damit endlich der Nachschub von russischen Soldaten in die Ukraine aufhört. Wenn Sie sich nicht endlich dazu entschließen, helfen Sie Putin. Machen Sie Herrn Lindner Dampf, er soll sich für Deutschland statt für die Zukunft seiner Partei starkmachen. Und bitte hören Sie auf Ihren Verteidigungsminister, auf Personen wie Stoltenberg, Habeck, Baerbock, Kiesewetter, Hofreiter, Strack-Zimmermann und auch Herrn Merz – die können sich doch nicht alle irren.
Waltraud Bauernfeind, Aschaffenburg
Ein Gewinn für die EU
Heft 22/2024 FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann im SPIEGEL-Gespräch über ihre Ziele bei der Europawahl
Vielen Dank für Ihre präzisen und fundierten Fragen an Frau Strack-Zimmermann. Diese Frau wird in Deutschland mit ihrer Forderung nach Waffenlieferungen für die Ukraine, die schneller und im größeren Umfang geleistet werden müssten, fehlen. In Brüssel wird Frau Strack-Zimmermann diese Position auch vertreten und lautstark vermitteln, dass es logisch wäre, neben der Wirtschaftsunion auch eine Verteidigungsunion aufzubauen. Die politische Klarheit dieser Frau ist für den Diskurs in Deutschland ein Verlust, aber für die Europäische Union ein Gewinn.
Friedhelm Jansen, Hattingen (NRW)Ich finde, mit ihrer energischen und selbstbewussten Art könnte Frau Strack-Zimmermann als Abgeordnete im EU-Parlament einiges bewirken.
Manfred Radina, Schweinfurt (Bayern)Eine Frau wie eine Axt! Dank für das großartige Gespräch.
Katja Mackens-Hassler, Hamburg
Die halbe Optik ist verdeckt
Heft 22/2024 Über ein friedliches Land, das versucht, »kriegstüchtig« zu werden
Danke für diesen sehr facettenreichen Artikel. Auf dem Foto schaut die Heimatschützerin durch ein Fernglas. Aber nur einer der zwei Schutzdeckel vor der Linse ist entfernt und die -halbe Optik noch verdeckt. Die Sicht ist dadurch eingeschränkt und eine räumliche Wahrnehmung nicht möglich. Das zweifellos teure Fernglas wird dadurch nicht richtig genutzt. Welch ein unfreiwillig komisches Bild. Welch ein entlarvendes Symbol für die Wehrhaftigkeit unseres Landes.
Dr. Bernhard Labudek, MünchenToller Artikel, sowohl inhaltlich als auch sprachlich beziehungsweise »literarisch«. Bringt das Thema wirklich nahe. Danke.
Micha Lindner, Ruds Vedby (Dänemark)
Menschenverachtend behandelt
Heft 22/2024 Wie Asylsuchende gezielt in entlegenen Orten im Norden Afrikas ausgesetzt werden
Als ich die Bilder im Fernsehen sah, schossen mir die Tränen in die Augen. Migranten und Asylsuchende werden in der Wüste ausgesetzt ohne Wasser und Proviant. Die autokratischen Staaten wie Mauretanien, Marokko und Tunesien werden von der EU, vertreten durch Frau von der Leyen, mit Millionen unterstützt, damit sie Migranten und Asylsuchende an der Reise nach Europa hindern. Diese werden von den Grenzsoldaten menschenverachtend behandelt, beraubt, misshandelt und in der Sahara ausgesetzt. Sie sind sich und der Umwelt überlassen. Diese korrupten Länder sind Handlanger der EU und Frau von der Leyens. Die EU sollte die Gelder stattdessen in die Ausbildung und die Schaffung von Ausbildungsplätzen durch in dem Land tätige Hilfsorganisationen investieren.
Bassam Mostafa, Oberwambach (Rhld.-Pf.)Dass auch deutsche Politiker:innen beim angeblichen Schutz der EU-Außengrenzen Länder wie Mauretanien, Marokko und Tunesien die Drecksarbeit erledigen lassen, weil sie sich mithilfe einer restriktiven Asylpolitik Wahlerfolge versprechen, ist ein zum Himmel schreiender Skandal. Völlig unverständlich, dass das dem SPIEGEL keine Titelgeschichte (»Abgefangen, verschleppt, ausgesetzt«) wert ist.
Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)
Einseitig und undifferenziert
SPIEGEL-Autor René Pfisters treffliches Porträt von Judith Butler fördert die Ungereimtheiten in der Argumentation der Berkeley-Philosophin klarsichtig zutage. Aber wie kommt der SPIEGEL dazu, diesen wirren Geist in der Überschrift als »eine der größten Denkerinnen der Gegenwart« zu bezeichnen?
Martin Köhl, BambergMir scheint, dass Judith Butler über eine bemerkenswerte Fähigkeit verfügt, die Macht des Wirklichen zu verdrängen: Geschlecht wird bei ihr im Wesentlichen ein Produkt der Gesellschaft (und damit ein sinnvolles Ziel von Rebellion), und die mehr als hinreichend belegten Gräuel der Hamas müssen erst noch bewiesen werden. Ich empfinde es als erstaunlich, wie viel Bedeutung und Einfluss diese Eigenschaft – zusammen mit weiteren Talenten – verschaffen kann.
Prof. Dr. Klemens Döpp, HannoverIhr Artikel über Judith Butler hat mich sehr schockiert. So etwas war ich bisher nur von »Bild« oder »Welt« gewohnt. Zum einen die Einseitigkeit und Undifferenziertheit, die fast schon so wirkt, als hätte der Autor persönlich etwas gegen Butler, sowie das grundsätzliche Infragestellen jeglicher Art von Kolonialismus- und Genderkritik. Des Weiteren kann man vom SPIEGEL erwarten, dass Personen, über die geschrieben wird, ein gewisses Maß an Respekt entgegengebracht wird. Dazu gehört auch die Ansprache mit den korrekten Pronomen. Insgesamt finde ich diese Diskursentwicklung gruselig, und sie macht mir Angst. Bisher hatte ich immer das Gefühl, solche Artikel nur in rechten Blättern zu finden und bin daher umso überraschter, diesen Artikel bei Ihnen zu lesen.
Charlie Weißer, Hamburg
Jetzt weiß ich’s
Heft 22/2024 Elmar Hörig war ein Radiostar. Heute hetzt er auf Facebook gegen Geflüchtete
Nach dem Artikel von Alexander Kühn habe ich gemerkt, wie lange das her ist, dass man Elmis witzige Radioshow auf SWF3 auch in der Schweiz hören konnte. Inzwischen bin ich Rentner, zwei Jahre jünger als Elmi, und wundere mich, was dieser Mann, von dem ich mal überzeugter Fan war, für dummes Zeug von sich gibt! Ich würde dem ehemaligen Moderator gönnen, dass er gründlich über sich nachdenken und dabei seinen inneren Frieden finden würde. Mein Tipp an Elmi: mehr Gelassenheit.
Heinz Schwarz, Kriens (Schweiz)SWF3 lief von morgens bis abends und hat meine Teen- und Twenjahre geprägt. Frank Laufenberg, Elke Heidenreich, Elmar Hörig, natürlich »Feinkost Zipp« … Noch vor Kurzem habe ich an Hörig gedacht, was er wohl nach dem Witz über die »Rosa Wochen« gemacht hat. Jetzt weiß ich’s und hätte es lieber nicht gewusst – traurig.
Robert Kresanek, Niedernhausen (Hessen)
Nichts mehr zu tun
Heft 22/2024 Wie Frontmann Maximilian Krah die AfD in die Krise stürzt
Diese Partei jetzt noch groß politisch bekämpfen? Kein Demokrat bekäme das besser hin als die AfD selbst. Wir müssen nur darauf achten, die Politsektierer nicht bei ihrer Arbeit zu stören. Mehr ist nicht zu tun.
Eckhart Boelger, Berlin
Erfrischend und undogmatisch
Heft 22/2024 ESC-Star Nemo über Identität, Politik und einen Wettbewerb voller Kontroversen
Welch erfrischende und undogmatische Aussagen in diesem Interview mit Nemo! Da hat jemand mit gerade einmal 24 Jahren begriffen, wie es geht. Das sauertöpfisch-kryptische Geschwurbel von Judith Butler braucht hingegen kein Mensch.
Harald Ströbel, Wien
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