Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 77 / 79

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Kann Trump Frieden? Ostdeutsche Politiker ­berichten über ihren Umgang mit Hass, EU ringt um Green Deal, Wie eine Patientenverfügung eine Familie zerriss, SPIEGEL-Gespräch mit ­Michael »Bully« Herbig, – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 36/2025

Die Welt hofft und bangt

Heft 35/2025 Titel: Kann Trump Frieden? 

  • Nach »Wir sind Papst« hat die Sprachpanscherei der Boulevardpresse mit dem neuen Titel leider auch den SPIEGEL erreicht. Diese Tendenz zu Stummelsätzen ist eines SPIEGEL nicht würdig.
    Wolfgang Popp, Ansbach (Bayern)

  • Ob Trump Frieden kann, weiß ich nicht. Dies aber schon: Jeder Beitrag an die russische – und leider auch an die ukrainische – Kriegsmaschinerie trieft vom Blut junger Soldaten und unschuldiger Zivilisten. Wie Politikerinnen und Politiker weltweit da noch ihre Nachtruhe finden, bleibt ein Wunderding menschlichen Irrsinns.
    Jann Schwarzenbach, Paradiso-Lugano (Schweiz)

  • Die Frage müsste doch eigentlich lauten: »Kann Putin Frieden?«
    Emanuel Lange, Kelheim (Bayern)

  • Donald Trump ist völlig ungeeignet, im Ukrainekrieg als Friedensstifter aufzutreten. Er hat kein Konzept, wie ein einigermaßen »gerechter« Frieden aussehen müsste, und es fehlen ihm auch die staatsmännischen Qualitäten, so etwas dann beharrlich und geduldig durchzusetzen. Während Putin eiskalt seine Ziele verfolgt, wird Trump in dieser Sache weiter dilettieren, irgendwann daran die Lust verlieren und sich seinem Golf-Handicap und dem Vorantreiben der Autokratie in den USA widmen. Den Friedens­nobelpreis wird er natürlich auch nicht bekommen. Ach ja, und dann muss noch nach einem Schuldigen für den Misserfolg gesucht werden. Die Europäer täten gut daran, sich auf ein solches Szenario einzustellen.
    Georg Meirick, Heiden (NRW)

  • Die Reisen der europäischen Staatschefs nach Washington zu Trump gleichen immer mehr einer Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers »Alice im Wunderland«. Ein Besuch im Weißen Haus ist wie eine Audienz bei der despotischen Herzkönigin. Trump hat sich mit einem Hofstaat aus handverlesenen Lakaien umgeben, die nicht müde werden, die Großartigkeit des Präsidenten zu preisen. Als Besucher von Trump weiß man nie, welche neue Narretei der launische Regent aus dem Hut zaubern und zur Staatsräson erklären wird. Vielmehr schätzt man sich glücklich, wenn man beim Verlassen des Weißen Hauses seinen Kopf auf den Schultern und nicht unter dem Arm trägt. Das Nonsens­märchen, das Lewis Carroll vor 160 Jahren schrieb, ist in den USA des 21. Jahrhunderts zur bitteren Realität geworden.
    Roland Sommer, Diedorf (Bayern)

  • Trump als Friedensstifter ist so grotesk, weil dieser gar nichts fertigbringt. Alle Welt hofft und bangt,
    aber aus den großen Ankündigungen wird einfach nichts. Ich habe nichts anderes erwartet, deswegen kann ich auch nicht enttäuscht sein.
    Heinz-L. Schilder, Hartha (Sachsen)

»Besonders im Osten«?

Heft 34/2025 Ostdeutsche Politiker berichten über ihren Umgang mit Hass und Anfeindungen 

  • Mittlerweile hat wohl jeder kapiert: Rechte Gewalt kriecht aus »sozialen« Netzen, künstlich hochgepusht durch Bots und Trolle. Wann wird dieser kommerzgesteuerte Dreck endlich abgestellt und ein eigenes, kontinentales Netz errichtet, das europäischer Gesetzgebung untersteht? Weitgehend hassfrei, gewaltfrei, mobbingfrei, kontrolliert von einer hochagilen, spezialisierten Schnelljustiz. Werbefrei, ohne Tracking, technisch auf dem neusten Stand, für beispielsweise einen Euro pro Monat. Wo bitte ist das Problem? Macht ein Wahlkampfthema draus! Jede europäische Regierung leidet unter der digitalen Anonymität, verschleppten Auskünften bei Strafverfahren, Lügen, gezielter Desinformation, Hass und Hetze.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • »Besonders im Osten Deutschlands« – beim Lesen der Unterüberschrift fällt mir spontan ein, dass im Westen der einzige Mord an einem Regierungspräsidenten begangen wurde (Walter Lübcke, CDU). Und eine Oberbürgermeisterin (einen Tag vor der Wahl, Henriette Reker, Köln) mit einem Messer am Hals verletzt wurde. Schon vergessen?
    Caroline Nather, Berlin

Sträflich vernachlässigt

Heft 34/2025 Die EU ringt um die Zukunft des Green Deal 

  • Welche Überraschung, das im SPIEGEL zu lesen: »Und Deutschland hat seine Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz genommen, obwohl sie anders als Solarparks oder Windräder dauerhaft günstigen Strom produzieren könnten.« Leider eine zu späte, teure Erkenntnis.
    Ulrich Seyffer, Talheim (Bad.-Württ.)

  • Spätestens mit dem Verlauf der letzten Sommer sollte doch auch dem hartnäckigsten Leugner der Klimaveränderungen klar geworden sein, dass hier Entwicklungen im Gange sind, die wir nur abmildern können, wenn wir auf erneuerbare Energien umstellen. Das wird im Beitrag deutlich, aber einige schwerwiegende Probleme werden immer wieder ausgespart: Die seit 2000 erfolgende staatliche Förderung der erneuerbaren Energien hat zu Fehlentwicklungen geführt. Mit den bisher von Steuerzahlern und Verbrauchern eingetriebenen EEG-Beiträgen von mehr als 300 Milliarden Euro wurden hauptsächlich Windmüller und Solarbauern mit exorbitanten Subventionen zugeschüttet. Die vorab absolut notwendige technische Entwicklung der Energieanlagen wurde sträflich vernachlässigt. Zum Beispiel wurden keine serienreifen Hochleistungs-Speichertechnologien entwickelt, es gab keinen Ausbau der Übertragungsnetze. Die Physik der Energietechnik fällt uns folgerichtig seit Jahren drastisch auf die Füße und kostet jetzt noch einmal richtig Geld.
    Dr. Thomas Bernstein, Leipzig

Hier ist noch Aufklärung nötig

Heft 34/2025 Wer entscheidet über Leben und Tod? Der dramatische Fall einer Frau und ihrer Angehörigen 

  • Stilistisch ist dieser Artikel der SPIEGEL-Reporterin Julia Jüttner eine Meisterleistung. Inhaltlich verwundert es, dass selbst im Jahr 2023 bei einer 82-jährigen Patientin mit Hirnblutung die Einbeziehung einer klinischen Ethikkommission nicht in Erwägung gezogen wurde. Immerhin ging es um die Frage der Weiterbehandlung und die Interpretation einer Patientenverfügung. Dies hätte die Mitwirkung des Amtsgerichts und der Staatsanwaltschaft sicher überflüssig machen können. Hoffentlich lassen sich die geschlagenen Wunden besonders im familiären Umfeld wieder heilen. Man wünscht es allen Beteiligten.
    Dr. med. habil. Johannes Jörg, Professor für Neurologie und neurologische Intensivmedizin (em.), Uni-Klinik Wuppertal

  • Ein wichtiges Thema. Hier ist noch viel Aufklärung in der Bevölkerung und der Ärzteschaft notwendig. In jedem Fall ist eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht wichtig. Diese sollte die eigenen, individuellen Vorstellungen für konkret festzulegende Situationen widerspiegeln und zu Lebzeiten mit Angehörigen oder Bevollmächtigten auch besprochen werden. Ungeachtet dessen muss ein Patient, der kommunizieren kann, immer befragt werden.
    Alfred Cacek, Chirurg und Notarzt, Schwabach (Bayern)

  • Zu der äußerst seltenen beschriebenen Konstellation stellt die Juristin Albers fest, die Zeiten in deutschen Krankenhäusern hätten sich grundlegend geändert: Unberechtigt seien die Ängste der Menschen, dass sie monatelang an Maschinen künstlich am Leben gehalten würden, nur damit das Krankenhaus teuer abrechnen könne. Das Gegenteil sei der Fall. »Wegen der Fallpauschalen lohnt es sich für Krankenhäuser nicht, Patienten unnötig lange festzuhalten«, sagt Albers. Diese völlig unbelegte und aus der Luft gegriffene Behauptung geht an der Lebenswirklichkeit vorbei. Richtig ist vielmehr, dass sich die Behandlung eines Schlaganfalls nach wie vor für Kliniken sehr lohnt, insbesondere wenn Beatmung notwendig ist. Absurd ist ihre Schlussfolgerung, man müsse aufpassen, dass man nicht an medizinisches Personal gelange, das die Patientenverfügung als Aufforderung sehen könnte, eine Behandlung eher einzustellen als fortzuführen. Denn genau aus diesem Grund füllen die meisten Menschen eine Patientenverfügung aus: Sie wollen eben nicht in bestimmten Zuständen über Jahrzehnte nurmehr an die Decke starren. In kaum einer Region werden mittlerweile so viele hochaltrige Menschen mit intensivmedizinischen Maßnahmen am Sterben gehindert wie in Deutschland.
    Dr. Matthias Thöns, Palliativnetz Witten e. V., Witten (NRW)

  • Diesen Artikel las ich mit großem Interesse. Seit 2018 bin ich leitender Mediziner im Bereich Patientenverfügung und Advance/Future Care Planning für Wales. England und Wales haben seit dem gesetzlich festgelegten Mental Capacity Act 2005 eine Gesetzeslage, bei der Advance Deci­sions to Refuse Treatment (ADRTs) legal im medizinischen Bereich eingesetzt und eingehalten werden müssen. Patienten können festlegen, welche Behandlungen sie im Falle der Bewusstlosigkeit nicht akzeptieren würden, auch wenn dieser Verzicht ihr Leben verkürzen könnte. Beispiele sind Verzicht auf Antibiotika bei Lungenentzündung oder auf Blutprodukte bei Anämie. Dass es Probleme gibt, ist programmiert: Viele Mediziner wissen wenig über diese ADRTs, ignorieren sie oder hören auf Verwandte, die mit der Entscheidung nicht einverstanden sind. Das kann dann, ähnlich wie bei Ruth Beckers Verfügungen, zu gericht­lichen Auseinandersetzungen führen. Mehr Informationen zu diesem Thema, am besten wenn man noch bei guter Gesundheit ist, werden wohl nicht nur in Deutschland benötigt.
    Prof. Mark Taubert, Clinical Director & Consultant Palliative Medicine Velindre University NHS Trust & Cardiff University School of Medicine, Großbritannien

Verspanntes Interview

Heft 34/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Michael »Bully« Herbig über »Das Kanu des Manitu« und Lachen in düsteren Zeiten 

  • Oje, das ist wahrscheinlich das verspannteste Interview, das der SPIEGEL in den vergangenen 20 Jahren im Kulturbereich geführt hat. Erst versuchen die wohl als besonders kritisch gelesen werden wollenden Redakteure, Bully Herbig mit seinem neuen Film als woke-bekehrten Musterhumoristen auf Wiedergutmachungskurs zu outen, um dann umzuschwenken und ihm klischeehaftes Karikieren von Minderheiten vorzuwerfen – beides erfrischend abgeprallt an Bullys entspannt-lockeren Antworten.
    Hans-Hartmann Munk, Wittlich (Rhld.-Pf.)

  • Es war zu befürchten. Nachdem die öffentlichen Nachrichtensender zur besten Sendezeit über den Michael-Herbig-Klamauk »Das Kanu des Manitu« berichtet haben, folgt der SPIEGEL mit einem Interview über drei Seiten. Schade.
    Bernd Schönecker, Husum (Schl.-Holst.)

  • Was hätte man auf den Seiten 107 bis 109 alles Interessantes schreiben können. Fragen nach dem Drehbuch des Films, dem Zustandekommen so mancher Szene, des Casts, alles Mögliche. Nach 25 Jahren kommt die Fortsetzung des erfolgreichsten deutschen Films unter völlig neuen technischen Voraussetzungen. Und da sitzt vor Ihnen der Macher des Films, der in alle noch so kleinen Kleinigkeiten eingeweiht ist, der alles weiß. Welche eine Chance! Stattdessen fanden es die Redakteure offenbar sinnvoller, auf drei Seiten stets die gleiche Frage zu wiederholen, nämlich, ob der Film denn jetzt politisch korrekt sei oder nicht. Und darauf zu beharren, dass sie Anzeichen gefunden hätten, dass er es sei. Dies war Ihnen allen in der Redaktion offenbar wichtig genug, um dafür die Interviewgelegenheit mit Bully Herbig quasi ergebnislos vorübergehen zu lassen.
    Christoph Ruffing, Waldmohr (Rhld.-Pf.)

  • Sorry, aber die Frage an Bully Herbig »Freuen Sie sich, wenn AfD-Wähler über Ihren Film lachen?« ist die blödeste, die ich seit Langem in einem Interview gelesen habe. Was erwarten Sie als Antwort? Oder ist es Vorgabe der Redaktion, diese Partei in jedem auch noch so unpassenden Zusammenhang erwähnen zu müssen? Es regt mich auf, außer in Nachrichten inzwischen auch in jeder Satiresendung mit dem Thema AfD belästigt zu werden. Merken die Medien wirklich nicht, dass sie es sind, die deren Aufschwung durch pausenlose Beschäftigung mit ihr herbeischreiben?
    Michael Peters, Heuchelheim (Hessen)

  • Was denn nun – kulturelle Aneignung oder übertriebene Wokeness? Will man es allen recht machen, geraten Kunst und Humor zwischen alle Stühle. Das zeigt das Gespräch mit Bully Herbig über seinen neuesten Film, das beweist: Wie man’s macht, man macht’s verkehrt.
    Mia Herber, Wadgassen (Saarl.)

Berührende Glücksfrikadelle

Nr. 34/2025 Wie eine Bulette den Busfahrer Freddy Külpmann zum Weinen brachte 

  • Die Geschichte von Freddy Külpmann im Ruhrgebiet mit seiner morgendlichen Glücksfrikadelle, fehlendem Personal, vielen Tränen und einer überstandenen Depression mit Panikattacken war sehr berührend. Vielen Dank.
    Regine Posé, Reichshof (NRW)

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