Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Wo bleibt der Masterplan?
Heft 13/2024 Titel: Der Elektro-Schock
Deutschland verzweifelt nicht am E-Auto, sondern an der Ladeinfrastruktur. Ein E-Auto ohne vernünftige Ladeinfrastruktur zu fahren ist wie Bahnfahren ohne Schienen. Für den Ausbau der Ladeinfrastruktur fühlen sich aber weder Autoindustrie, Energieversorger noch öffentliche Institutionen hinreichend zuständig. Dazu kommt noch das Tarifchaos an den Ladesäulen. Wo bleibt der Masterplan?
Wolfgang Hanke, RegensburgAls ich den Titel sah, dachte ich, endlich wird zugegeben, dass es sich beim E-Auto um einen Irrweg handelt. Weit gefehlt – die woke, linke Klimaredaktion des SPIEGEL geht vorsichtshalber nicht auf die berechtigten Bedenken Millionen potenzieller Käufer ein (Infrastruktur der E-Tankstellen, Ladezeiten, Restwert Gebrauchtwagen, fragwürdige Umweltbilanz, Akkuhaltbarkeit, Länge des Autolebens und so weiter). Das E-Auto wird das gleiche Schicksal erleiden wie die einst von der EU vorgeschriebene Energiesparlampe: Die Produktion ist heute wegen Umweltbedenklichkeit verboten – Restbestände dürfen noch verkauft werden.
Bodo Schmidt, MünchenDie Forderung des Artikels an VW, Mercedes und BMW nach billigen elektrischen Kleinwagen führt ins Leere. Denn bei den genannten deutschen Vorzeige-Autoherstellern sind die Arbeitskosten besonders hoch, etwa durch VWs Sondertarifabsprachen. Insbesondere bei schlichteren elektrischen Kompaktfahrzeugen hat China einen klaren Kostenvorteil. Hohe deutsche Produktionskosten werden erst im gehobeneren Marktsegment relativ leichter verdaulich, wo die Kundschaft zahlungswilliger ist. Insofern setzen die Hersteller mit den höchsten Kosten nur notgedrungen auf das gehobene Segment. Der Tipp, dass die europäischen Hersteller einfach nur billige Einsteigermodelle anbieten müssen, könnte fern der wirtschaftlichen Realitäten liegen.
Andreas Umbreit, Gotha (Thür.)Als Besitzer eines VW ID.3 wird mir das Desaster vollends klar: VW kann sehr gute Autos bauen. Besser als viele andere. Nur leider hat VW nicht bemerkt, dass bei einem E-Fahrzeug nicht mehr der Motor das wichtigste Bauteil ist, sondern der Bordcomputer. Schwachbrüstiger und vernachlässigter geht es kaum. Da fällt auch der bessere Datenschutz nicht mehr ins Gewicht.
Michael J. Dettmer, Wolnzach (Bayern)Ich fahre jetzt seit drei Jahren den Volkswagen ID.3 mit Fotovoltaik. Ich würde nie wieder tauschen.
Frenz Frauen, Weddingstedt (Schl.-Holst.)Für den Hochlauf der E-Mobilität braucht es zwei Dinge: eine Steckdosenpflicht für jeden Stellplatz sowie eine Intensivschulung für Autohausmitarbeiter:innen. Viele kaufen kein E-Auto, weil sie nicht wissen, dass die Tageskilometer locker durch das Laden über Nacht an der Steckdose (Wallbox braucht es gar nicht) wieder drin sind. Autohausangestellte stellen Verbrenner viel sauberer dar, als sie sind. Zu den Vorteilen des E-Autos hört man auch nichts: dass sie um den Faktor 83 seltener brennen als Verbrenner, dass sie die idealen Winterfahrzeuge sind, weil sie sich per App enteisen und vorwärmen lassen; dass die großen Modelle ideal zum entspannten Fernreisen sind, weil sie ruhig gleiten und nach drei Stunden zur kurzen Ladepause bitten; dass sie wegen des hohen Drehmoments ab der ersten Sekunde ideale Zugfahrzeuge sind und auf der Landstraße gut überholen können.
Dr. Joachim Habbe, NürnbergEin informativer und gelungener Bericht über die deutsche Autoindustrie, der nachdenklich stimmt und betroffen macht. Besonders weil die AfD offensichtlich von der negativen Stimmung in Deutschland gegenüber der
E-Mobilität profitiert.
Eduard Kleinhans, Aachen
Nichts ist gut
Heft 12/2024 Leitartikel: Olaf Scholz ist besser als sein Ruf
Bravo, Herr Hickmann; das musste mal genau so gesagt und geschrieben werden! »Jetzt ist dann auch mal gut« ist exakt jetzt.
Hans Kruft, Zirndorf (Bayern)Wegen Ihrer oft sehr einseitig negativen und teilweise regelrecht hämischen Berichterstattung über den Bundeskanzler und die von ihm geführte Regierung in den vergangenen Monaten war ich kurz davor, dem SPIEGEL nach mehr als 40 Jahren die Freundschaft zu kündigen. Mit diesem Leitartikel zeigen Sie jedoch, dass Ihnen der Sinn für die Fakten doch noch nicht abhandengekommen ist. Gut so. Mit diesem ruhigen, besonnenen Sachwalter, der handelt, statt populistischen Humbug von sich zu geben, und der nicht die Umfragewerte zum Dreh- und Angelpunkt macht, ist unserem Land besser gedient als mit denen, die sich selbst für geeigneter halten, aber außer Parolen und destruktiver Kritik nichts zu bieten haben.
Achim Leeser, Dittelsheim (Rhld.-Pf.)Die Duma kündigt an, die Bundesrepublik zur Kriegspartei zu erklären, sollten wir die Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine liefern. Putin kündigt den Ausbruch des dritten Weltkriegs mit dem Eintritt der Nato in den Ukrainekrieg an. Warum sehen Grüne, FDP und CDU/CSU diese Gefahr nicht? Sehen diese Parteien auch nicht, dass wir selbst Waffen für unsere Verteidigung beziehungsweise zur Abschreckung brauchen? Ist Frau Stark-Watzinger die Einzige in der FDP, die sieht, wie gefährlich die Politik ihrer Parteifreundin Strack-Zimmermann ist, und die deswegen den Zivilschutz in den Schulen üben will?
Jörg Aldag, HamburgWir sollten aus unserer Vergangenheit gelernt haben, dass eine Appeasementpolitik gegenüber Autokraten und Diktatoren der falsche Weg ist. Aber genau diesen Weg will der Bundeskanzler zusammen mit Mützenich gehen. Denn selbst Mitglieder der Fraktionen von Grünen und FDP verstehen den Kanzler nicht mehr. Glaubt Scholz denn, sein Nein zum Taurus beeindruckt Putin? Das Gegenteil wird der Fall sein.
Dietmar Wielgoß, Stimpfach (Bad.-Württ.)Mag sein, dass, wie Herr Hickmann sagt, dieses Land »auch schon schlechtere Regierungen« hatte. Aber unter keiner Regierung ging es dem Mittelstand schlechter, wurden Arme immer ärmer und die Reichen immer reicher. Dabei ist es der Mittelstand, der das Land am Laufen hält und sich einschränkt, aber kaum mehr etwas sparen kann. Der Mieten und Stromrechnungen nicht mehr zahlen kann, teure Klimaschutzvorgaben auf sich nimmt oder freiwillig friert, um die Klimaziele zu erreichen und vieles mehr. Aber dies wird vonseiten dieser Regierung gar nicht wahrgenommen und geschätzt. Nichts ist gut.
Gabi Hanner, Freyung (Bayern)Dank an Christoph Hickmann. Der Bundeskanzler hat in seinem Amtseid geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Das tut er. Daher halte ich auch die Taurus-Entscheidung für richtig.
Ingeborg Kaiser-Bauer, Bonn
Endlich macht das mal jemand
Heft 12/2024 Kolumne: Die Gegendarstellung – Mit Höcke reden
Die Meinung von Herrn Neubacher teile ich uneingeschränkt. Dass sich Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt mit einem Gegenüber wie Björn Höcke auseinandersetzt, finde ich mutig und richtig. Endlich macht das mal jemand. Wenn das gut läuft – was ich mir wünsche –, ist das die Möglichkeit, die unsäglichen Phrasen zu hinterfragen und ad absurdum zu führen.
Christine Frank, Mülheim an der Ruhr (NRW)Viele Kommentare Ihrer Leser zeigen auf, was Herr Neubacher übersieht: AfD-Wähler stimmt man leider nicht mehr um in einer Diskussionsrunde. Sie warten sozusagen auf die Äußerungen voll Hass und Hetze und Niedertracht eines Herrn Höcke in öffentlichen Medien und freuen sich auch an unserer Empörung. So eine Diskussion bringt vielleicht mehr Menschen gegen die AfD auf die Straße, aber sie wird der AfD keine Wähler entziehen. Das ist eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft. Der AfD wieder Wähler abzugewinnen gelingt nicht mit Diskussionsrunden und sicher nicht mit weiterer Regierungsschelte. Da braucht es jetzt kluge Strategien und die gebündelte Kraft von klugen Menschen, die nicht nur die nächste Wahl im Auge haben.
Marianne Merz-Petrat, Bendorf (Rhld.-Pf.)Ein öffentliches Gespräch mit Vertretern anderer Parteien kann durchaus stattfinden, jedoch nur mit einer Zeitbeschränkung, was das Thema Migration betrifft. 90 Prozent der Zeit sollten für Themen verwendet werden, in denen die AfD ihren Wählern oft nur Unverständliches zu bieten hat, unter anderem: Rente, Finanzen und Steuern – besonders Erbschaftsteuer –, Landwirtschaft, Facharbeitermangel, Verkehr, Energie, Klimaschutz. Dann würde sich zeigen, wie wenig die AfD zu Problemlösungen beiträgt.
Herrmann Krafft, Villingen (Bad.-Württ.)
Dennoch ein Erfolg
Heft 12/2024 Hunderttausende Geflüchtete sind ohne Job – warum arbeiten sie nicht?
Ich arbeite seit vielen Jahren in einem Projekt, das junge Erwachsene mit Migrationshintergrund betreut. Ich berate bei der Jobsuche und helfe bei den Bewerbungen. Ukrainische Geflüchtete sind selten bei uns. Wer jemals die Hoffnung hatte, mit Geflüchteten das Fachkräfteproblem zu lösen, hat noch nie mit einem Geflüchteten geredet geschweige denn gearbeitet. Die Lösung liegt nicht allein in Fort- und Weiterbildungen. Die allermeisten Geflüchteten sind nicht in der Lage, diese Bildungsangebote zu nutzen. Sie sind schon mit dem Deutschkurs auf B1-Niveau überfordert. Dieser ist aber erforderlich, um eine Ausbildung zu machen. Es hätte schon lange kleinschrittiger vorgegangen werden müssen: viel mehr Deutschkurse, Integrationskurse und wesentlich mehr Therapieplätze (ambulant wie stationär). Dass die Arbeitsmarktintegration dennoch ein Erfolg geworden ist, ist besonders ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern sowie Bildungsprojekten zu verdanken. Ein Geflüchteter weiß zum Beispiel nicht, was eine Bewerbung ist und wie er sie schreiben soll, aber er weiß, dass er arbeiten kann und will. Wenn er dann Hilfe bekommt, ist er in vielen Fällen in eine Helfertätigkeit vermittelbar. Oft gibt es auch Aufstiegsmöglichkeiten.
Gisela Blome, BremenNatürlich gibt es körperlich oder psychisch kranke Menschen, die nicht arbeiten können. Aber es gibt keine kulturellen Gründe, nicht zu arbeiten. Zumindest nicht in unserer Kultur. Das Beispiel des Afghanen, der »als Oberhaupt der Familie nicht bereit sei zu arbeiten«, weil »dies von mangelndem Wohlstand zeuge«, und der hier mit mehreren Frauen und 18 Kindern lebt, ist haarsträubend. Wieso ist der Staat bereit, diesen Mann zu alimentieren?
Isolde Volk, Karlsruhe
Hochachtung für die Geduld
Heft 12/2024 SPIEGEL-Gespräch mit der Millionärin Marlene Engelhorn, die ihr Erbe verschenken will
Ein sehr beeindruckendes Interview, leider nicht wegen der Fragen. Gut, dass Frau Engelhorn es nicht abgebrochen hat, sie war wohl kurz davor. Kann ich gut verstehen. Eine tolle Frau, auch ohne die Milliönchen – oder vielmehr gerade deshalb.
Volker Wegener, ErftstadtMeine Hochachtung gilt Marlene Engelhorn. Zum einen für ihr Engagement, gesellschaftliche Missstände zu thematisieren, aber auch ihrer Geduld, den intellektuell eher unauffälligen Fragen der SPIEGEL-Redakteure standzuhalten.
Bernd Schönecker, Idstein (Hessen)Da haben Sie so eine junge und spannende Person vor sich, und es gelingt Ihnen nicht, eine interessante Frage zu stellen. Was ist los?
Ulrike Oßwald, PotsdamSchon seit geraumer Zeit liest man in vielen Medien von Frau Engelhorn. Was ist so schwierig daran, das Geld zu spenden? Offensichtlich hat sie noch nicht genug Publicity bekommen. Schlimm.
Heinz Urbanski, Langenfeld (NRW)Der Einwand der SPIEGEL-Interviewer zu den Ansichten von Frau Engelhorn zum neoliberalen Kapitalismus, laut dem Grundrente, Mutterrente, Rente mit 63 und so weiter einen Beweis für die Unverträglichkeit des Sozialstaates mit dem Kapitalismus darstellen, ist naiv und wurde von der Interviewten gut gekontert. Auch andere Einwände des SPIEGEL zu den von Frau Engelhorn geäußerten Gedanken zum Reichtum empfinde ich als erbärmlich.
Dr. Efstratios Rigos, Herne (NRW)Mein Eindruck: eine schlagfertige, hochintelligente junge Frau, die es satthat, dem Kreis der gierigen Parasiten anzugehören. Ich wünsche ihr alles Gute.
Günther Gumpert, Bergtheim (Bayern)Befragungen durch Sozialpsychologen der Purdue University kommen zu dem Ergebnis, dass alles, was über 81.000 Euro brutto Jahresgehalt (westeuropäische Singles 2018) hinausgeht, nichts Weiteres zum persönlichen Glück beiträgt. So gesehen würde die von der Europakandidatin der Linken Carola Rackete geforderte Obergrenze von zwei Millionen Vermögen niemandes Glück ernsthaft beeinträchtigen. Offensichtlich geht es aber oft weniger um Glück als um Gier und Protz und die Verselbstständigung des Gewinnnstrebens auf Kosten des Sozialstaates und des Klimas.
Paul Korf, HamburgSelten habe ich ein so glaubhaftes Interview gelesen. Frau Engelhorn reagierte auf alle noch so kritischen Fragen der SPIEGEL-Redakteure mit souveränen und überzeugenden Antworten. Ein Dankeschön an Frau Engelhorn.
Uwe Mehl, Hamburg
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