Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Ab in die Lüneburger Heide
Heft 26/2023 Titel: Luxus Urlaub
Bevor man überlegt, drei Monatsgehälter für ein paar Tage Urlaub im Ausland auszugeben, sollte man vielleicht zu der Erkenntnis kommen, dass auch Deutschland ein schönes Urlaubsland ist. Leider vermisse ich in diesem Artikel den Hinweis darauf, wie schön es in den Mittelgebirgen, der Lüneburger Heide oder am Rhein, der Mosel und an vielen anderen Flüssen ist, wobei diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Hinzu kommt der positive Effekt, dass man in der Zeit, die man am Flughafen in irgendwelchen Warteschlangen verplempert, viele innerdeutsche Urlaubsziele locker mit dem Auto erreicht.
Hans-Dieter Heithausen, KrefeldIch weiß nicht, auf welchen Portalen Sie die Preise verglichen haben. Vielleicht liegen die hohen Preise am Reisemonat August. Ich war jedenfalls mit meiner Frau im Mai und Juni für zwei Wochen auf Teneriffa in einem tollen Viersternehotel. Reisepreis gesamt: 2033 Euro. Gebucht: November 2022. Im April 2023 habe ich spaßeshalber noch mal geschaut, was dieselbe Reise kostet. Der Betrag war identisch. Deswegen kann ich manche im Bericht angegebenen Preise nicht nachvollziehen. Vielleicht müssen wir alle unsere Ansprüche etwas runterfahren. Nur 15 Prozent der Menschen weltweit reisen überhaupt. Wir sind privilegiert.
Udo Merkel, Zirndorf (Bayern)Sollten tatsächlich demnächst eine Milliarde Chinesen und Inder per Pkw, Flugzeug oder auf Kreuzfahrtschiffen regelmäßig in den Jahresurlaub aufbrechen, um ihr angebliches Menschenrecht auf grenzenloses Reisen wahrzunehmen, dann wird sich zeigen, dass das Ressourcen fressende und extrem CO2-lastige Reiseverhalten der Deutschen kein nachahmenswertes Exportmodell für die ganze Welt ist, sondern für unseren ohnehin bereits überlasteten Planeten eine einzige Katastrophe.
Hans Schinke, OffenbachEs gibt bessere Zeiten, und es gibt schlechtere. Die richtig guten scheinen endgültig vorbei. Wer heute noch ein bisschen verreisen kann, muss sich sein Malle vielleicht morgen schon in den Garten basteln. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen – bunt, inflationsfrei und sicher bis zur Demenz.
Peter Limburg, Ralingen-Kersch (Rhld.-Pf.)Das Argument »Ich habe hart dafür gearbeitet, deshalb habe ich Urlaub verdient« ist sehr fadenscheinig. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung arbeitet wesentlich härter als jeder Mensch hier und kann sich trotzdem im ganzen Leben keinen Urlaub leisten. Und wenn Sie einfließen lassen, dass Urlaub »ein gefühltes Grundrecht« sei und dass das »CO2 teurer wird«, »die Flüge immer teurer werden« et cetera, dann sollten Sie erwähnen, dass dies alles einen guten Sinn hat, nämlich unser aller Überleben auf diesem Planeten zu sichern. Menschen müssen weniger in Urlaub fahren, denn die Natur wird knapp, schöne Orte sind knapp, alles ist knapp und eben sehr, sehr wertvoll. Und wer sich dadurch »benachteiligt« fühlt und meint, er müsse »protestieren«, indem er die AfD wählt, dem wünsche ich viel Vergnügen, denn diese Partei (und im Übrigen auch noch andere wie CDU und FDP) wird dafür sorgen, dass wir bald noch ärmer werden. Meinen die Leute, sie hätten bald mehr Geld, wenn sie weiterhin Verbrennerautos fahren und an ihren Öl- oder Gasheizungen festhalten?
Birgit Reit, Übersee (Bayern)
Virtuos in der Grauzone
Heft 25/2023 Wagenknecht über die Linkenspitze»Es wäre gut, wenn diese Hasardeure zurücktreten würden«
Hallo SPIEGEL, darf es jetzt mal langsam gut sein mit der Dauerberichterstattung über die selbst ernannte Ikone aller »richtig« links denkenden Deutschen? Die maßlos überschätzte Frau Wagenknecht tourt faktisch als Putin-Aktivistin permanent durch alle Medien, und sie entblödet sich nicht, kriegsmäßige Vergewaltigungen zu relativieren. So eine Partei haben wir schon im Bundestag; vielleicht ist sie dort besser aufgehoben? Trotz der zaghaft kritischen Interviewfragen nimmt das Rot in Rot gehaltene Starfoto von »Sahra der Größten« absurde Züge der Verehrung an. Da darf man den SPIEGEL schon mal fragen: Geht’s noch?
Dr. Thomas Stehl, Potsdam
Selten ist die große Kommunikatorin wohl so vorgeführt und als Populistin demaskiert worden wie in diesem Interview von Frau Amann und Herrn Lehmann. Mein Kompliment den beiden, die mehrfach hanebüchene Behauptungen Wagenknechts en passant präzise ad absurdum führten; Chapeau! Frau Wagenknecht spielt virtuos in der Grauzone zwischen Halbwahrheiten und Lügen. Ihr ist es anscheinend gleichgültig, aus welcher Ecke die Narrative stammen, die sie mit Überzeugungskraft kolportiert. Wagenknechts Welt dreht sich offensichtlich nur um sie selbst. Als Gast in Talkshows perfekt. Aber als Galionsfigur einer politischen Bewegung Menschen anzusprechen, zu begeistern – bei ihr unvorstellbar. Dafür ist sie zu kalt und erkennbar uninteressiert an ihrer Klientel. So dürfte ihr Projekt vermutlich niemals politische Relevanz erreichen. Aber es könnte dazu führen, dass die erschreckend duldsame Linke für lange Zeit in der außerparlamentarischen Opposition verschwinden wird.
Dr. Thomas Bernstein, LeipzigNicht nur selbst Reden halten, auch den Reden anderer Vertreter:innen des Volkes zuzuhören gehört zur Aufgabe einer Abgeordneten. Frau Wagenknecht aber will offenbar kein Parlament als Ort des kritischen Dialogs, sie will Fensterreden. Die kann sie gerne weiterhin auf Marktplätzen und in Fernsehstudios halten. Frau Wagenknecht meint, dass es Wichtigeres gibt, als »seine Zeit im Ausschuss abzusitzen«. Genau dafür ist sie aber gewählt worden. Wenn sie das für unwichtig hält, sollte sie ihr Mandat unverzüglich abgeben. Niemand zwingt sie, Bundestagsabgeordnete zu bleiben, wenn sie die im wichtigsten Verfassungsorgan der Deutschen zugebrachte Zeit für unwichtig hält. Das Geld und die Privilegien einer Abgeordneten in Anspruch zu nehmen, aber lieber andernorts Ansprachen zu halten, das ist, freundlich formuliert, inkonsequent.
Michael Serrer, BonnSeit weit über 50 Jahren ist der SPIEGEL mein Leib- und Magenblatt. Leider bekomme ich genau dort jetzt häufiger starke Schmerzen, wenn ich Ihre ewige Hofberichterstattung über Frau Wagenknecht lesen muss. Geht es nicht mal ein paar Wochen ohne?
Wolfgang Hörnlein, Allensbach (Bad.-Württ.)Frau Wagenknecht kann man nur bewundern: In der Frage der Transgeschlechtlichkeit vereint sie die Positionen von Papst, Putin, Alice Schwarzer und der AfD
in einer Person.
Cornelia Kost, Hamburg
Zu viel der Ehre
Heft 25/2023 Der gesunde Menschenverstand: Zur Rechten Söders
Bitte die Kolumne umbenennen – weil sie pure Meinungsäußerung ist. Mit »Menschenverstand« hat sie nichts zu tun!
Frank Grützmacher, Ilmenau (Thür.)
Die Panik vor der AfD und dem »Rechtspopulismus« muss bei einigen SPIEGEL-Journalisten wohl recht groß sein, sonst würde Herr Feldenkirchen nicht mit dermaßen beleidigenden Worten wie »Stinkstiefel« und »Spatzenhirne« über AfD-Politiker herziehen. Auch der Vorwurf an Hubert Aiwanger, er würde »sich Satz für Satz in Putschlaune« reden, zeigt nur Feldenkirchens Probleme mit politischem Gegenwind. Auch Nicht-Grüne und Nicht-Linke dürfen in Deutschland demonstrieren und sogar mit deftigen Worten gegen Grüne austeilen. Unser Grundgesetz erlaubt das, man nennt es auch »Demokratie« und »Meinungsfreiheit«.
Armin Quentmeier, DortmundMarkus Feldenkirchen at his best. Und ja, unbedingt in den Duden mit dem Wort »aiwangern«, bitte! Andererseits: ob södern, aiwangern oder gaulandern, das ist wohl doch zu viel der Ehre. Dann schon eher: feldenkirchen (Begriffserläuterung: »aufspießen verbaler Rohrkrepierer«).
Hans-Dieter Schabram, Berlin»Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.« Der alte Merksatz der deutschen Arbeiterbewegung kommt einem beim Erdinger Auftritt des bayerischen Vizeministerpräsidenten Hubert Aiwanger in den Sinn: Den Aiwanger in seinem Wahlkampfrausch halten weder Amt noch Anstand auf.
Roland Sommer, Diedorf (Bayern)Jetzt muss ich Herrn Aiwanger doch mal in Schutz nehmen. Er kann nichts dafür, schließlich leidet der Mann schon immer unter verbaler Inkontinenz. Schlimm ist eher, dass er genau deswegen von der Bevölkerung in höchste Regierungsämter gewählt wurde.
Ludwig Wiedenmann, Moosburg (Bayern)
Drei Tage Verspätung
Heft 25/2023 Deutsche Post in der Krise: Die Briefkästen bleiben leer – und niemand tut etwas dagegen
Einen wichtigen Grund, warum der Briefkasten leer bleibt, haben Sie übersehen: die atemberaubende Verlustquote. Von 1972 bis 2014 sind mir keine, seit Februar 2014 dagegen 51 von circa 220 Einschreiben aus dem französischsprachigen Ausland »leider verloren gegangen«. Das Tracking hat gezeigt, dass alle das Internationale Postverteilungszentrum Frankfurt erreicht hatten und erst dann verschwanden. Bei einer solchen Verlustquote kann es sich nicht mehr nur um Schlamperei handeln. Beschwerden führen zu dem immer gleichen Hinweis, dass der Absender einen Nachforschungsantrag bei seiner Postanstalt stellen müsse (den 51.). Inzwischen versenden wir nur noch mit privaten Zustellungsfirmen, wenn auch zum vierfachen Preis.
Dr. Bernd-Jürgen Fischer, BerlinWesentlich beigetragen zum Niedergang des Briefdienstes der Deutschen Post hat Tobias Meyer, der bis Mitte 2022 diesen Bereich leitete. Nikola Hagleitner muss seit rund einem Jahr die Scherben zusammenkehren, die Meyer, inzwischen zum Vorstandsvorsitzenden befördert, hinterlassen hat.
Torsten Berndt, KonstanzIhre Vermutung mit den Textbausteinen ist nachvollziehbar. Auf meine Beschwerde im Mai hieß es von der Berliner Pressestelle, dass es »in den vergangenen Wochen vor allem krankheitsbedingte Personalausfälle« gab. Man habe nämlich »umgehend die Situation vor Ort geprüft«. Wir als Kunden bekamen regelmäßig über Tage keine Post, dann aber an einem Tag bergeweise. Auch der Hinweis, dass »von Ihnen geschilderte Sendungen nicht durch die Deutsche Post, sondern durch einen anderen Zustelldienst befördert« wurden, fehlte nicht. Allerdings habe ich aus dem Service Briefankündigung Scans ebendieser Sendungen. Absender: Deutsche Post.
Andreas Jöhrens, Berlin
Die Post ist schnell darin, Portoerhöhungen zu beantragen. Aber mit der Zustellung der neuen Ausgabe vom SPIEGEL an die Abonnenten, die samstags erfolgen soll, lässt sie sich öfter viel Zeit. In dieser und den letzten beiden Wochen wurde der SPIEGEL jeweils dienstags zugestellt. Es gab auch schon Wochen, in denen die Zustellung mittwochs erfolgte.
Martin Medebach, Bad Schönborn (Bad.-Württ.)Leider muss ich bestätigen, dass sogar unser SPIEGEL-Abo oft nicht pünktlich erscheint und sogar mit bis zu drei Werktagen Verspätung. In der Regel sollten die aktuellen Ausgaben eigentlich Samstag im Briefkasten sein. Aus Insiderkreisen erfuhr ich, dass Magazine bei Engpässen liegen bleiben – und erst später zugestellt werden sollen. Die Zustellleitung dementiert dies allerdings.
Horst Loquai, Poettmes (Bayern)Leider wird mir der SPIEGEL seit längerer Zeit meistens nicht mehr am Samstag, sondern erst am Montag zugestellt. Auf Nachfrage antwortete mir der Postbote: »Wenn ich am Samstag so viel Post habe, bleibt das liegen, das ist ja nur B-Ware.« Da war ich sprachlos.
Marlis Reimann, Kempen (NRW)
Vergnügliche AFD-Berichterstattung
Heft 25/2023 Bürgermeister-Stichwahl in Schwerin: Herr Holm von der AfD muss eigentlich gar nichts tun
In der sachlichen Einöde der politischen Berichterstattung habe ich selten Texte gelesen, die man so vergnüglich genießen kann wie Ihren Bericht zur AfD. Einwandfreie sprachliche Qualität, moderner Satzbau, hervorragend gegliedert und fast spannend zu lesen.
Manfred Abrahamsberg, Frankfurt a. M.
Berlusconis Jahre
Heft 25/2023 Tod von Italiens Skandalpolitiker: Warum ich wegen Silvio Berlusconi meine Heimat verließ
So ein junger Mann und so ein großartiger Essay! Ich habe in der italienischen Presse und im Fernsehen jahrzehntelang die Berlusconi-Jahre begleitet, immer entsetzter. Ihren Essay habe ich schon fünfmal gelesen. Dabei habe ich über das heutige Italien noch viel gelernt.
Heidi Simons, Wildtal (Bad.-Württ.)
Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.