Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Putins grenzenlose Macht, Probleme der FDP, Junge Abgeordnete, keine Posten für AfD, Block-Gespräch – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 10/2024

Für uns durch den Schlamm gekrochen

Heft 9/2024 Titel: Triumph der Gewalt 

  • Schon wieder Putin auf dem Titelblatt, nachdem wir vorher (und nicht zum ersten Mal) mit Trump vorliebnehmen mussten. Wechseln die sich jetzt bis zum Sankt Nimmerleinstag ab?
    Andreas Willscher, Hamburg

  • Der SPIEGEL liegt in dieser Woche mit dem Titelbild nach unten auf dem Schreibtisch!
    Dr. Joachim Bausch, Lindlar (NRW)

  • Mit dem Cover, so wie es erschienen ist, stellen Sie Putin als Kriegshelden dar, finde ich. Sieht wie ein Filmplakat aus, auf dem Putin der Held und Nawalny der Bösewicht ist.
    Alexander Peer, Freilassing (Bayern)

  • Ein Titelbild, das Putin mit blutigen Händen zeigt, wäre mutig und zutreffend. Das jetzige Titelbild ist schwammig und zeigt nur einen Machtmenschen. Schade!
    Daniela Odenbach, Köln

  • Ich habe nie verstanden, warum Nawalny 2021 nach Russland zurückging. Das ging wohl vielen so. Jetzt kann ich nur vermuten, dass er sich zu sicher war, diesen mehr als 20 Jahre älteren alten Mann im Kreml zu überleben und bis dahin alle Repressionen aushalten zu können. Seine Frau erlebt gerade ein unglaublich trauriges Schicksal, und sie reagiert mit eisern durchgedrücktem Rückgrat. Hut ab. Ich wünsche ihr ein sehr langes Leben.
    Gretel Döbrich, Berlin

  • Sich in die Hände dieses grausamen, teuflischen russischen Präsidenten zu begeben, der Wladimir Putin ist, nachdem er knapp einen Giftanschlag desselben Präsidenten überlebt hatte, war und ist für mich kein Zeichen des Mutes seitens Nawalny gewesen, sondern ein Akt des Selbstmords. Punkt.
    Brigitte Wolfsteiner-Thielmann, Hohenahr-­ Altenkirchen (Hessen)

  • Russland mit seinen wunderbaren Menschen gehört eindeutig zu Europa, daran kann auch ein Verbrecher wie Putin nichts ändern. Ich wünsche Julija Nawalnaja Kraft und Erfolg bei ihrem Bestreben, das faschistische Regime Putins zu stürzen.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • In die Reihe derjenigen, die am zweijährigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine mit schuld sind, gehören auch die, die gegen Waffenlieferungen sind. Oder die, wie die SPD, wichtige Lieferungen zum Teil unnötig verzögern. Wer wie Putin nur halbherzige Gegenwehr vom Westen erfährt, darf sich in seiner Art bestätigt fühlen und macht selbstverständlich weiter!
    Peter-P. Ruthsch, Grafschaft (Rhld.-Pf.)

  • Der Mut der Fotografin Johanna Maria Fritz und des Autors Christoph Reuter für ihre Reportage von der Front in der Ostukraine ist hervorzuheben. Dass die beiden für uns Leser buchstäblich durch den Schlamm gekrochen sind, und das unter Lebensgefahr, ist wirklich dankenswert. Vor allem aber hat mich die Schreibkunst Christoph Reuters beeindruckt, die mich an Daniil Granin erinnert! Ähnlich wie dieser großartige russische Schriftsteller von der Front in dem (von der deutschen Wehrmacht) belagerten Leningrad berichtet hat, deckt Herr Reuter heute die »Schützengrabenwahrheit« des Krieges auf. Absolut preiswürdig.
    Monika Kemen, Köln

  • Angesichts der vielen Opfer, die der russische Krieg in der Ukraine noch erwarten lässt, sollten nicht nur Waffenlieferungen diskutiert werden. Es reicht nicht zu hoffen, dass die Ukraine irgendwann gewinnt, oder Putin aufzufordern, seine Truppen zurückzuziehen. Internationale Diplomatie sollte Konzepte erarbeiten für einen Frieden, der die Sicherheitsinteressen aller europäischen Staaten und auch Russlands berücksichtigt. Wer denkt, mit Putin zu verhandeln sei sinnlos, muss als Konsequenz einen Krieg gegen Russland für möglich und nötig halten, wie er im vorigen Jahrhundert gegen Hitlerdeutschland stattfand. Daran zu denken ist schrecklich. In einem Kompromiss, der den europäischen Frieden sicherer macht, muss die Ukra­ine wahrscheinlich auf die Rückeroberung des Donbass und der Krim verzichten.
    Dietrich Jahn, Hannover

Stur und bockig

Heft 8/2024 Leitartikel: Warum die FDP ein unlösbares Problem hat 

  • Wie kann man so einen Quatsch schreiben – und das auch noch als Leitartikel? Ich gehe nach der Lektüre davon aus, dass Severin Weiland eifriges Mitglied im Lindner-Fanklub ist. Die FDP fällt doch in der Regierung vor allem damit auf, dass sie alles blockiert oder verhindert, was auch nur entfernt sinnvoll sein könnte. Würde sie nicht vier Ministerposten fehlbesetzen, würde man nicht vermuten, dass sie an dieser Regierung eventuell beteiligt sein könnte. Dass Sie ihre ebenso engstirnige wie sture Klientelpolitik als »Standfestigkeit« lobpreisen, lässt mich arg an Ihrer Realitätswahrnehmung zweifeln.
    Wolfgang Schmidt, Lage (Lippe) (NRW)

  • Schon im Einleitungstext ein gravierender Fehler – wieso »kann« die FDP die Koalition nicht verlassen? Genau dieser überfällige Schritt ist die einzige Hoffnung, im nächsten Bundestag den Einzug mit so gerade fünf Prozent zu schaffen. Die Partei zermalmt sich weiter zwischen den beiden unsäglichen Linksparteien, und das lässt sich nicht mehr umkehren. Schuld trägt zu 90 Prozent Christian Lindner, der stur und bockig an der Koalition festhält, und dies trotz der internen knappen Umfrage. Seine Partei wird ab 2025 für immer in der Versenkung verschwinden.
    Michael Rieger, Varel (Nieders.)

  • Man kann das Verhalten der FDP als Standfestigkeit würdigen, wie Ihr Leitartikler. Man kann darin auch Zeichen von Realitätsverweigerung, intellektueller Inflexibilität, politischer Lernunfähigkeit und Sektierertum erkennen. Die Strategie »Opposition in der Regierung« wird mit großer Wahrscheinlichkeit bei den nächsten Wahlen unter die Fünfprozenthürde führen. Zur beherzten Lösung der dringlichen Fragen im Land scheint diese »liberale Kraft« verzichtbar.
    Christian Harms, Freiburg im Breisgau

  • Auch ein Teil der typischen FDP-Klientel muss inzwischen einsehen, dass diese Partei keinen konstruktiven Beitrag zur positiven Entwicklung unseres Staates leisten kann. Herr Lindner übersieht, dass der Wohlstand in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen ist, sich aber über­wiegend auf das obere Drittel der Gesellschaft konzentriert. Die Schere öffnet sich innerhalb der Mittelschicht. Wer über Wohneigentum verfügt oder geerbt hat, kann auch als Rentner seinen Wohlstand erhalten. Gleichzeitig ist die Staatsverschuldung dramatisch angestiegen. Immer noch werden »Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert«. Mit einer fairen Steuerpolitik könnte man die Einnahmenseite verbessern und trotzdem die Schuldenbremse einhalten. Die Verweigerung von Steuererhöhungen, Subventionskürzungen und eines Tempolimits auf den Autobahnen ist besonders für viele Jungwähler nicht nachvollziehbar. SPD und Grüne waren aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre gezwungen, einige ihrer Positionen aufzugeben, während sich die FDP krampfhaft an den Koalitionsvertrag klammert.
    Georg Dillmann, Gevelsberg (NRW)

Wie die Alten

Heft 8/2024 Junge Abgeordnete von FDP und Grünen im SPIEGEL-Streitgespräch über die Fehler der Ampel 

  • Kluge Antworten auf arrogante Interviewfragen und Kommentare.
    Thomas Walter, Köln

  • Die Jungen klingen wie die Alten.
    Kurt Neureither, Peißenberg (Bayern)

  • Fehlende Fragen seitens des SPIEGEL-Teams: Wann endlich wird der Bundestag verschlankt? Wann ist der Bundestag frei
    von Lobbyisten? Wann und wie wird der Föderalismus neu geregelt? Wer Gesetze schafft, schafft neue bürokratische Hürden! Diese Punkte sollten im Sinne des Wählers sofort geklärt werden.
    Wolfgang Zeller, Rosenheim (Bayern)

Das ist nicht demokratisch

Heft 8/2024 Wie lassen sich AfD-Abgeordnete von besonderen Posten fernhalten? 

  • Der Regierung fällt also nichts Besseres ein, als mit Trickserei – ein Euphemismus für unsauberes, illegales Vorgehen – die Opposition zu bekämpfen. Und das soll dann im Sinne der Demokratie sein? Ist es denn wirklich möglich, dass die ganzen studierten, zum Teil sogar promovierten Besserwisser nicht begriffen haben, dass Opposition die Voraussetzung für Demokratie ist? Ohne, in diesem Falle, »rechts« gäbe es »links« gar nicht. Der Landtagsvizepräsident Alexander Hold von den Freien Wählern hat es auf den Punkt gebracht: »Gute Politik ist das beste Mittel gegen die AfD.«
    Bernd Spiecker, Schorndorf (Bayern)

  • Tricksen in einer Demokratie oder gar für die Demokratie ist immer anrüchig. Auch wenn
    die Motivation dazu in Bezug auf die AfD nachvollziehbar ist, schadet ein solches Vorgehen mehr, als es nützt. Gestärkt wird die Opferrolle der AfD und ihrer Wähler. Nicht zu vergessen: Die AfD stand und steht in einer demokratischen Wahl auf dem Wahlzettel zum Ankreuzen bereit. Dieser Partei im Nachhinein die parlamentarische Mitwirkung zu erschweren oder gar un­möglich zu machen ist gerade eines nicht: demokratisch. Was helfen könnte, ist ein Verbot der AfD mit klaren Belegen ihrer Verfassungswidrigkeit. Dann wüssten auch die Wähler Bescheid, und die Parlamentarier müssten sich nicht mit dubiosen Absprachen dafür hergeben, den Glauben an die Demokratie zu untergraben!
    Andrea Schulze, Mannheim

Bärendienst

Heft 8/2024 SPIEGEL-Gespräch mit dem Unternehmer Eugen Block über den juristischen Kampf um seine Enkel und deren Entführung aus Dänemark 

  • Mein Kompliment für dieses Interview zu einem gesellschaftspolitischen Dauerbrenner, hier aufgeladen durch den Promifaktor der Familie sowie die mediale Berichterstattung zur wirklich nicht normalen »Kindesentführung« in diesem Fall. Das hat mich schon ganz schön mitgenommen. Was auch immer den Großvater Block hier geritten haben mag, mit Ihnen zu sprechen – er hätte besser geschwiegen! Soweit ich es beurteilen kann, verursacht er mit seinen von Selbstmitleid und völlig fehlender Selbstreflexion gekennzeichneten Intervieweinlassungen nur verbrannte Erde – soweit es hier überhaupt noch etwas zu verbrennen gab. Er wäscht unentwegt einseitig schmutzige Wäsche und zieht seinen Ex-Schwiegersohn durch den Kakao, wo er nur kann. Auch dass es für den Großvater anscheinend völlig normal zu sein scheint, hier bekannte Politikerbuddys wie Sigmar Gabriel einzuschalten, die sich auch noch bereitwillig vor seinen Karren spannen lassen, ist ein Unding. Man kann den Schmerz des alten Herren sehr gut nachvollziehen, seine Ehefrau ist schon verstorben, und auch er muss natürlich angesichts seines fortgeschrittenen Alters fürchten, die geliebten Enkelkinder nie wieder zu sehen. Trotzdem müssten aber alle Beteiligten einsehen, dass die einzig wirklich Leidtragenden ihrer »Scheidungsvendetta« die Kinder sind. Trotzdem vielen Dank für die aufwühlende Story.
    Klaus Lemacher, Pulheim (NRW)

  • Der einzige Fehler, den sie gemacht hätten, sei, »einen zu netten Anwalt zu haben«. Nun, nett zu sein, kann man Herrn Block nicht nachsagen. Mit seinem unreflektierten Auftritt hat er den Kindern einen Bärendienst erwiesen.
    Reimar Biedermann, Hamburg

  • Als langjähriger Mitarbeiter eines Jugendamts habe ich in familiengerichtlichen Verfahren die Erfahrung gemacht, dass Eltern, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen und beruflichen Position keinen Widerspruch gewohnt sind, versuchen, ihre Interessen ohne Rücksicht auf das Kindeswohl durchzusetzen. In der Regel ist davon auszugehen, dass es dem Kindeswohl entspricht, persönlichen Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben. Je nach Reife und Verständnis ist dabei der Wille des Kindes zu beachten. Es ist traurige Wahrheit, dass Eltern in hochstrittigen familiengerichtlichen Verfahren das Wohl der Kinder völlig aus den Augen verlieren.
    Herbert Holste, Berlin

  • Hochkonfliktsituationen bei Kindesentführungen bedürfen der professionellen Begleitung bei Rückführungen durch ausgebildete Personen, die mit Abstand zum Geschehen, mit Objektivität und Empathie allein für die Kinder da sind. Das Kindeswohl hat absoluten Vorrang vor allen anderen Interessen – auch wenn das unter Umständen bedeutet, nach langen Rechtsstreitigkeiten letztlich einsehen zu müssen, dass die Kinder bei dem anderen Elternteil verbleiben möchten.
    Rüdiger Ramke, Ass. jur., Nürnberg

Sicherheitsprobleme mit der eID

Heft 8/2024 Sicherheitslücke beim Arzttermin-Dienst 

  • Die Sicherheitsprobleme mit der eID sind nicht verwunderlich: Es ist für den öffentlichen Dienst praktisch unmöglich, hoch qualifiziertes IT-Personal einzustellen. Bezahlung und Aufgaben können nicht mit der freien Wirtschaft konkurrieren.
    Peter Pielmeier, Alsbach (Hessen)

Eine gelungene Darstellung

Heft 8/2024 Zehn Jahre nach den Protesten auf dem Maidan – Rückblick eines Augenzeugen 

  • Den Essay von Christian Esch, »Seele und Leib für die Freiheit«, finde ich eine gelungene Darstellung
    der komplexen Ereignisse. Der Text hat mich sehr berührt.
    Thomas Schubert, Saalfeld (Thür.)

Wissenschaftsjournalistisches Meisterwerk

Heft 8/2024 Künstliche Fotosynthese gegen die Erderwärmung 

  • Der Beitrag über die bahnbrechenden Versuche von Tobias Erb, die Fotosynthese von Pflanzen im Reagenzglas nachzubauen, ist ein wissenschaftsjournalistisches Meisterwerk.
    Professor Dr. Bert Hölldobler, Reichling (Bayern)

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