Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Es kommen die Tränen
Heft 10/2022 Titel: Kampf um Kiew – Wo Europas Freiheit verteidigt wird
Es ist furchtbare Realität, dass ein machtbesessener Größenwahnsinniger wie Putin uns erpressen und unsere Welt vernichten kann.
Volker Hildebrandt, Kaneohe (Hawaii/USA)Wenn man als kleines Kind des Jahrgangs 1940 selbst Krieg und Flucht erlebt hat, kommen einem bei den Bildern aus der Ukraine die Tränen. Es ist eine Verhöhnung aller Nazi-Opfer, darunter Millionen Russen, wenn Putin sagt, er wolle die Ukraine »entnazifizieren«. Es liegt nun in der Verantwortung der Menschen in Russland, ihr eigenes Land zu »entputinfizieren«. Und der SPIEGEL muss nicht stolz darauf sein, einem vom Kreml gekauften Schröder oft eine Plattform geboten zu haben.
Ekkehard Sander, Denkendorf (Baden-Würtemberg)Meine Prognose: Nach seinem Sieg über die Ukraine muss Putin nur bis Mai durchhalten. Bis dahin ist die Geschlossenheit der EU dahin, das Gejammer über die spürbaren Folgen der Sanktionen in den Staaten groß, das übliche Voranstellen der eigenen Interessen tritt in den Vordergrund. Putin kann die Ukraine besetzt halten, natürlich unter den üblichen Mitleidsbekundungen. Denn Fakt ist: die USA und die EU haben in den vergangenen Jahrzehnten verlässlich alle Freunde im Stich gelassen.
Günther Ulrich, Kempten/AllgäuAls Russlanddeutscher bin ich entsetzt über die gleichgültige, zum Teil kaltherzige Reaktion weiter Teile der russischen Bevölkerung auf den Krieg in der Ukraine. Es schmerzt, wenn ich sehe, dass weltweit Hunderttausende gegen den Krieg auf die Straße gehen, während dieser in Russland von weiten Teilen der Bevölkerung zumindest stillschweigend mitgetragen wird. Das bereits lose gewordene Band zu meinem Heimatland ist endgültig zerrissen.
Sergej Gergej, BerlinPutin hat Dornröschen Deutschland mit dem Holzhammer geweckt. Dem Medienprofi Selenskyi dagegen gelingt es, uns mit seinem beeindruckenden Mut und Appellen an unser europäisches Gewissen so zu beschämen, dass sämtliche Staaten über sich hinauszuwachsen scheinen. Die Abkehr vom permanent pazifistischen Mantra inklusive Weltfremdheit und Realitätsverweigerung seit dem Zeiten Weltkrieg weicht einem abrupten und entsetzlichen Aufwachen in der Realität zugunsten der Erkenntnis, dass mit Beteiligung von und in Deutschland wieder Krieg möglich sein kann. Wie aber sollen diplomatische Verhandlungen fruchten, wenn das Vokabular von Demokraten im Wortschatz eines passionierten Antidemokraten gar nicht existent ist? Selenskyis unglaublicher Mut bei der Verteidigung europäischer Werte und seine Appelle zur Unterstützung werden ebenso in die Geschichtsbücher eingehen wie das unfassbare Verhalten Putins. Beängstigend ungewiss aber bleibt derzeit, welche Werte sich in unserer Zukunft durchsetzen werden.
Susanne Kneißle, Bad Buchau (Bad.-Württ.)Die europäischen und Nato-Länder sollten die ukrainischen Flüchtlinge zunächst und bevorzugt in den konfiszierten Villen der russischen Oligarchen unterbringen. Da gibt es sicher reichlich Platz, und vermutlich auch gefüllte Vorratskeller.
Suse Ziegler, PaderbornDas Gewissen aller russischen Menschen wird gerade mit einer ewigen Hypothek vergossenen Bluts unzählig vieler tausend Menschen in der Ukraine und dem Leid von Millionen heimatvertriebener Menschen belastet. Eine Hypothek für viele Generationen und unvergesslich. Auch das sind Opfer.
Alexis-Michael Grass, RickenbachJa, auch Europas Freiheit wird in Kiew verteidigt. Leider hat Europa versäumt, die Verteidiger mit adäquater militärischer Ausrüstung auszustatten. So werden die Ukrainer einen heroischen, aber letztlich leider erfolglosen, Widerstand leisten. Schande über die Verantwortlichen bei uns in Politik und Gesellschaft!
Thomas Butz, SulzbachWann endlich begreift die ukrainische Regierung, dass die brutale russische Todes- und Zerstörungswalze nur dadurch gestoppt werden kann, wenn sich die Ukrainer ergeben, was kein Zeichen von Schwäche wäre, sondern die notwendige Erkenntnis der derzeitigen Realität in der Ukraine. Putin wird nichts anderes akzeptieren. Die Ukrainer müssen sich entscheiden: weitere, gnadenlose Zerstörung von Wohnblocks, Krankenhäusern, Schulen, Atomkraftwerken et cetera sowie unzählige Toten und Millionen von Flüchtlingen und/oder einem sicherlich schwer erträglichen Leben unter russischer Allmacht. Aber es bleibt: zu überleben, aushalten zu müssen und zu hoffen... Unrealistische Durchhalteparolen an die männliche Bevölkerung generieren nur weiteres sinnentbehrendes Leiden. Wirklich ehrenhaft wäre es, wenn Selenskyi und andere anböten, sich persönlich den Russen auszuliefern, wenn damit Putin das Morden und Vernichten beendet.
Udo Bauer, Wedel (Schl.-Holst.)Herr Höges hat im Leitartikel natürlich vollkommen recht. Für die Situation in der Ukraine braucht man keine intellektuellen Analysen, das Chicken Game, das ältere Leser noch von James Dean kennen, bringt das schicksalhafte Ergebnis. Man darf aber dem Löwen nicht die Zähne ziehen, bevor man ihn loslässt. Nur Swift total, das den Geldhahn für Putin vollständig blockiert, wird helfen. Es gibt Risiken, aber es geht um alles.
Dr. J. Onken, HudeWer »Gott helfe meinem Kiew!« liest, dem kommen die Tränen. Ihr nächster Titel müsste lauten: »Herr Putin: Europa weint.«
Christoffer Steffen, Falkensee (Brandenburg)Ich möchte hiermit meine Hochachtung für ihre letzte Ausgabe zum Ausdruck bringen. So geht Qualitätsjournalismus! Jeder Artikel ein Informationsfeuerwerk. Danke!
Kirsten Lindner, Weinheim (Bad.-Württ.)Wer wie Selenskyj und Klitschko seine Landsleute angesichts der russischen Megaübermacht zu einem aussichtslosen Widerstand gegen die Invasoren aufruft, treibt sie in den Tod und das Land in die Zerstörung. Wer wie der Westen Waffen in diesen sinnlosen Krieg liefert, riskiert einen globalen Atomkrieg und damit die Auslöschung der Menschheit. Frieden gibt es nur ohne Waffen.
Dr. Bernd Hein, Fürstenfeldbruck (Bayern)
Im Paralleluniversum
Heft 9/2022 Die Gegendarstellung: Ein Schauermärchen
Es ist wieder einmal erstaunlich, welche merkwürdigen Schlussfolgerungen Herr Neubacher zieht. Dass eine Prognose von 1972 nicht alle Vorhersagen punktgenau trifft, muss nicht verwundern. Trotzdem zeigen sich die negativen Folgen grenzenlosen Wachstums immer empfindlicher. Die Punkte, an denen die Kurven kippen, stehen auch nach den damaligen Berechnungen überwiegend noch bevor. Wir hätten vermutlich wesentlich bessere Chancen gehabt, den Klimawandel zu dämpfen, wenn seinerzeit ernsthaft gegengesteuert worden wäre.
Carl Ibs, Salzgitter (Nieders.)In welchem Paralleluniversum lebt Herr Neubacher? Glaubt er allen Ernstes, die klug durchdachten Erkenntnisse der Autoren von »Die Grenzen des Wachstums« widerlegen zu können, indem er argumentiert, dass die Erde noch nicht untergegangen sei? Seine Ausführungen implizieren, dass die Welternährungssituation sich fortwährend verbessert, die Lebenserwartung weiter steigt und die Rohstoffreserven unausgesetzt weiter sprudeln. Aber auch der technische Fortschritt, der von Herrn Neubacher als die Lösung gepriesen wird, ändert nichts an den durch die Physik gesetzten Grenzen des Systems Erde. Die Gefahren für unsere Gesellschaft sind real, ein Umsteuern wird immer dringlicher. Wir können natürlich noch weiter beschleunigen, aber der Aufprall wird umso härter, ob in zehn oder erst in 50 Jahren.
Dr. Marc Schwientek, TübingenVielleicht ist es Herrn Neubacher entgangen, dass zum heutigen Zeitpunkt die Masse aller bearbeiteten Güter in dieser Welt die Masse der noch unbearbeiteten Werkstoffe, die unsere Erde zur Verfügung stellt, schon deutlich übertrifft. Unendliches Wachstum kann nicht funktionieren. Technikfortschritt ermöglicht zwar die vermehrte Förderung von Ressourcen, was aber immer zulasten der Umwelt geht. Und der durch unsere Wegwerf- und Neukauf-Gesellschaft – die die Voraussetzung für unbegrenztes Wachstum ist – verursachte CO2-Ausstoß erwärmt unsere Erde weiter und wird langfristig dafür sorgen, dass der Lebensraum für uns und alle anderen Lebewesen deutlich kleiner wird – es sei denn, die Technik entwickelt auch künstliche Kiemen für alle Erdbewohner!
Angelika Geisler, Hamburg
Wer sagt es den Bürgern?
Heft 9/2022 Karl Lauterbach wirbt im SPIEGEL-Gespräch für neue Einschränkungen zum Schutz der Umwelt
Minister Karl Lauterbach hat mit seiner Meinung uneingeschränkt recht. Er verdient Respekt für seine offenen Worte – und keinen Spott, wie er aus dem Interview herausklingt.
Gerd Kipper, Fritzlar (Hessen)Ich bin schon seit Jahrzehnten SPIEGEL-Leser, aber solch ein Interview ist mir noch nicht untergekommen. Die Fragen der zwei Redakteure sind derart von Arroganz und Unfairness geprägt, dass es einem fairen Leser übel dabei wird.
Kurt Neureither, Peißenberg (Bayern)Ich widerspreche Herrn Lauterbach energisch, wenn er von der Unterordnung des Artenschutzes unter das 1,5 Grad-Ziel spricht: Wie so oft wird hier Klimapolitik gegen Umwelt- und Artenschutz ausgespielt und eben nicht als gemeinsames Ganzes verstanden. Die Argumentationslinie des Gesundheitsministers rechtfertigt letztlich nur die Zerstörung weiterer wertvoller Natur und Vielfalt. Der Alarmismus, der sagt »wir haben nur noch zehn Jahre Zeit«, ist nicht akzeptabel: Vor der Erderwärmung wird von wissenschaftlicher Seite seit mehr als 40 Jahren gewarnt.
Christian Masser, Graz (Österreich)In Ihrem Heft heißt es, wir sollen weniger Fleisch essen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. 80 Prozent weniger. Das macht doch niemand. Warum kann man nicht Rationskarten für jeden ausgeben? Jeder bekommt zwei Kilogramm Fleisch pro Monat. Wirklich jeder, auch Säuglinge und Veganer. Dann kann jeder mit seinen Karten machen, was er will. Er kann sie verschenken, auf einmal essen oder tauschen.
Heidi Hoffmann, Santander (Spanien)Es müssen auch alle fleischfressenden Haustiere verboten werden außer Blindenhunde und Polizeihunde. Ein mittelgroßer Hund ist in seinem Leben für so viel CO2 verantwortlich wie ein VW Golf. Wer sagt es den Bürgern?
Martin Hüttenbrink, Münster
Schamlos bereichert
Heft 9/2022 Wie Monika Hohlmeier Millionendeals für die Maskenfirma Emix einfädelte
Die Remmos, Miris und Abou-Chakers stehen nicht mehr allein, sie haben Verstärkung vom Strauß-Hohlmeierund vom Tandler-Clan bekommen, die auch den Staat als Beute betrachten!
Erich Krappen, Wegberg (NRW)Monika Hohlmeier (geborene Strauß) half also beim äußerst lukrativen Maskenhandel einer Freundin, Andrea Tandler, zu Lasten des Bundesgesundheitsministeriums. Da ist es doch gut, dass wir im gleichen SPIEGEL, 30 Seiten weiter, im Zusammenhang mit der Affäre um den deutschen Präsidenten des Europäischen Rechnungshofes Klaus-Heiner Lehne erfahren, dass ebenjene Monika Hohlmeier Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses ist. Man reibt sich die Augen. Ihr Kommentar, den der SPIEGEL zitiert, passt ausgezeichnet zu ihrem eigenen Verhalten im Zusammenhang mit dem Maskenhandel: Auch beim Maskenhandel könnte der Eindruck entstehen, dass da etwas falsch läuft oder faul ist.
Gretel Döbrich, BerlinEs ist einfach widerlich, wie sich schamlose Personen in diesem Land an Steuergeldern bereichern. Egal, ob hier Kinder in Armut leben, in versiffte Schulen müssen, sonstige Infrastruktur zerfällt, Hauptsache man selbst hat mehr auf dem Konto, als man je ausgegeben kann. Das haben andere ja schon erfolgreich mit Cum-Ex-Deals vorgemacht. Von mir jedenfalls keine guten Wünsche an die Nutznießer dieser Bereicherung. Hat man denn seitens der Staatsanwaltschaft wirklich keine Möglichkeiten, dieses ergaunerte Vermögen abzuschöpfen?
Karola Albrecht, BerlinMan kann es auch so sehen: Frau Tandler und Frau Hohlmeier haben es geschafft, schnell eine wichtige Menge Masken zum Schutz vor Corona zu beschaffen oder zu vermitteln. Die Forderung für das Angebot war hoch, vielleicht sogar sittenwidrig, unmoralisch oder erpresserisch. Dem Minister mit seinem Heer an Staatssekretären war offensichtlich der Aufwand für eigene Recherche nicht wert, in jedem Fall aber erfolglos. Sie haben gewartet, bis zwei fachfremde Frauen ihnen Angebote auf dem Silbertablett präsentiert haben. Die Konditionen haben sie sofort bedenkenlos und ohne Vergleichsangebote zu prüfen akzeptiert, weil sie damit aufzeigen konnten: Wir haben jetzt zeitnah viele Masken beschafft. Mit dieser Aktion konnten sie ihre eigene Unfähigkeit kaschieren. Zu jeder Aktion gehören immer zwei – der eine, der macht und der andere, der mit sich machen lässt.
Armin Eckert, Schwandorf (Bayern)
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