Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 71 / 74

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Ampel, der Leitartikel zu Mittelstreckenraketen, das Interview mit Michael Kretschmer, die Ausbildung von Waldorflehrern und Cora Schumacher – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 36/2024

»Szenen einer Ehe«

Heft 35/2024 Schweigen in der Leitung 

  • Die gewählten Fotos der drei Kontrahenten könnten nicht passender sein: Habeck als Renaissancemensch, lässig vor einer Säule, die als Symbol für innere Größe und Stabilität steht; Lindner vor einem Tresor als Garant dafür, dass der Reichtum bleibt, wo er ist; und Scholz wie ein Aufsteller im Kanzleramt, den gleich jemand beiseiteräumen wird.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)

  • Das ist fast ein Remake von »Szenen einer Ehe«, nur dass es sich um eine Ménage-à-trois handelt. Und das Trennungsjahr steht unmittelbar bevor, auch wenn
    es sich so anfühlt, als wäre die Trennung bereits länger vollzogen. Gerade jetzt kommt so ein Trauerspiel zur Unzeit, da es einen Clash zwischen Autokratien und Demokratien gibt. Wir sehen das nicht nur in Deutschland, Europa, sondern auch in den USA. Den Verantwortlichen in der Koalition sollte bewusst sein, dass die wichtigste Ware die Information ist. Mit dieser Ware wird nach außen jedoch so stümperhaft umgegangen, dass die Demokratie in Bund und Ländern in Gefahr gerät, da die aktuellen Wahlumfragen Konstellationen zeigen, die noch weniger Stabilität versprechen. Die Regierenden sollten sich jeden Morgen den geleisteten Amtseid vor Augen halten, um sich wirklich dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen.
    Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)

  • Die sogenannte Zerrüttung wird von den Medien, leider auch vom SPIEGEL, getrieben und übertrieben. Das treibt die Gesellschaft in die Spaltung. Eine positivere Berichterstattung wäre notwendig, um das ewige Schimpfen und Meckern zu dämpfen. Wer einmal im Ausland gelebt hat, wundert sich darüber, warum die Menschen hier jammern und unzufrieden sind. Dafür gibt es keinen Grund. Es geht den Menschen hier sehr gut im Vergleich zu den USA, Frankreich oder Spanien. Wenn positiver über die jetzige Regierung berichtet würde, wäre vielleicht alles für die Menschen erträglicher.
    Susanne Schnell, Greifswald (Meckl.-Vorp.)

  • Ihren Artikel hätten Sie sich sparen können. Denn jeder in der Bundesrepublik kennt den Zustand dieser Regierung bereits. Dazu bedarf es keiner ausführlichen Beschreibungen. Im Grunde hätten Sie die sieben Seiten in einem Satz zusammenfassen können: Die Ampel hat fertig.
    John Osmani, Nideggen (NRW)

  • Ist es sinnvoll, in Zeiten der Krise die Pferde zu wechseln? Wir sehen in Frankreich, wohin es führt, wenn Neuwahlen angesetzt werden: Das Hauen und Stechen wird größer, und die Spaltung
    der Gesellschaft vertieft sich. Die Probleme unseres Landes sind so beschaffen, dass sie ohne Streit kaum bewältigt werden können, allerdings sollte der Streit sachbezogen und ohne persönliche Eitelkeiten geführt werden. Genau daran hapert es, nicht nur in der Politik, sondern auch bei den Medien, die jeden Streit maßlos aufbauschen. Der Streit darf nicht so persönlich verletzen, dass, wie bei einem tief zerstrittenen Ehepaar, nur noch die Scheidung eine Lösung zu sein scheint. Also streitet bitte ohne Keifen und Nachtreten und vor allem mit mehr Humor und Ironie.
    Dr. Klaus Steinvorth, Norderstedt (Schl.-Holst.)

  • Hat irgendjemand ernsthaft geglaubt, dass eine Regierung, gebildet aus drei so unterschied­lichen Parteien, auf Dauer funktionieren kann? Hat nicht ein Politiker namens Lindner vor einigen Jahren lauthals kundgetan: »Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!«?
    Hedy Schießl, München

Warum immer Deutschland?

Heft 34/2024 Leitartikel: Ja zu neuen Mittelstreckenwaffen 

  • Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr klaren und deutlichen Artikel. Einige Argumente der Stationierungsgegner sind falsch, die übrigen hat Russland eindrucksvoll und für jeden offensichtlich widerlegt. Verhandlungen, Verträge und Handel allein können keinen Frieden sichern. Spätestens seit zweieinhalb Jahren muss das jedem vernunftbegabten Menschen klar sein. Deswegen bleibt die Frage: Welche Ziele verfolgen die Sprachrohre der »überparteilichen Protestbewegung«? Wollen sie Wählerstimmen fangen mit dieser gefährlichen Illusion? Das wäre zynisch. Sind sie von Russland gekauft? Eine andere Erklärung fällt mir nicht ein.
    Michael Janßen, Gettorf (Schl.-Holst.)

  • Über Raketen reden, ja, aber in Deutschland auf Wunsch der USA stationieren? Nein, Herr Ralf Neukirch. Die Gegner der Stationierung haben nicht die schlechteren Argumente. Sie haben andere, bessere Argumente, die den Fokus auf Entspannung, Abrüstung und neue Friedens­abkommen richten. Und warum eigentlich immer Deutschland? Wir sind nach den USA die größten Unterstützer und Geldgeber für die Ukraine, und ab dem Jahr 2026 sollen auch noch Langstreckenraketen bei uns stationiert werden. Warum nicht in Frankreich, der einzigen Atommacht in Europa?
    Uwe Pankel, Hamburg

Falsche Fragen?

Heft 34/2024 »Sahra Wagenknecht hat ein Talent, Dinge zu zerstören« 

  • Was für ein überheblicher Typ. Das habe ich schon vor zwei Jahren gesagt. Das habe ich schon immer gewusst. Der SPIEGEL stellt die falschen Fragen. Ja, geht’s noch? Solche Sorte Politiker kenne ich ansonsten nur aus Bayern. Bezeichnung Freistaat ist anscheinend ein gutes Pflaster
    für abgehobene und sich völlig überschätzende Politiker. AfD und BSW sind noch unwählbarer. Armes Sachsen.
    Martin Fischbacher, Rohrdorf (Bayern)

  • Die Art der Interviewführung seitens Ihrer Kollegen ist hochgradig einseitig und voreingenommen. Die Journalisten versuchen, den MP in Widersprüche zu verstricken, und legen seine Aussagen ganz bewusst falsch aus. Es werden die immer gleichen Fragen nach Koalitionen gestellt, es wird jedoch keineswegs auf Inhalte des Wahlprogramms eingegangen. Und dann wird den Politikern unterstellt, sie würden sich nur in Populismus ergehen, statt Inhalte zu besprechen. Herrn Kretschmers Abschlussstatement ist die einzig richtige Reaktion.
    Marius Scheibner, Eilenburg (Sachsen)

  • Kretschmer will die Waffenlie­ferungen an die Ukraine kürzen und stattdessen »Allianzen schmie­den, um auf Putin einzuwirken«. Wie das Sterben aufhören soll, wenn die Ukraine sich weniger wehren kann, sagt er nicht. Glaubt er, dass die russische Aggression geringer wird, wenn der ukrainische Widerstand schwächer wird? Nein, sie würde zunehmen. Kretschmer sagt doch selbst im Interview: »Das Einzige, was Russland versteht und interessiert, ist Stärke.« Wie passt das dazu, die Ukraine nicht noch mehr stärken, sondern sogar schwächen zu wollen?
    Peter Pisecker, Wien (Österreich)

Warten auf Schule

Heft 34/2024 »Ich habe mich gefühlt, als würde ich unendlich dümmer werden« 

  • Waldorflehrer mehr als 30 Jahre mit den Hinweisen Rudolf Stei­ners zur Menschenkunde gearbeitet. Wer sich damit nicht verbinden kann, sollte nicht Waldorflehrer werden. Die genannten Beispiele (etwa Formen zeichnen) zeugen von einer Unkenntnis ihrer pädagogischen Wirkung. Entweder wurde es im Seminar nicht erklärt, oder es wurde nicht aufgepasst. Um einen sachlichen Artikel zu schreiben, ist es besser, sich an die originale Fachliteratur zu halten. Anstatt Meinungen von Menschen zu zitieren, die wenig oder gar nichts damit anfangen können und nur die eigenen Vorurteile bestätigen.
    Wolfgang F. Vogt, Lilienthal (Nieders.)

  • Schule neu zu denken war schon immer das Bedürfnis aller, die Schule in Deutschland ertragen mussten. Mal waren es die auto­ritären Lehrer, mal die vielgliedrigen Schularten, mal die hierarchischen Strukturen, die das Un­tertanentum förderten und das Klassendenken schon den Kindern eintrichterten – und das in einer Gesellschaft, die sich Demokratie nennt. Privatschulen, Schulen in kirchlicher Trägerschaft, »freie« Schulen, Waldorfschulen und Montessorischulen boten sich als Alternativen an. Doch wie diese aussehen können, zeigt der SPIEGEL im Austausch mit Lehramtsanwärtern für Waldorf­schulen. Die Schule für alle Kinder wartet immer noch auf ihre Verwirklichung.
    Harald Dupont, Ettringen (Rhld.-Pf.)

  • Niemand wird gezwungen, seine Kinder in eine Waldorfschule zu schicken. Schwarze Schafe gibt es sicher auch an Waldorflehrer­seminaren, genauso wie an (staatlichen) pädagogischen Hoch­schulen und Seminaren. Warum werfen Sie Anthroposophen vor, unter anderem an Reinkarnation zu glauben? Wo ist der qualitative Unterschied zum Beispiel zu einem Lehrer an einer katholischen Schule, der an die leibliche Himmelfahrt Christi glaubt? Reinkarnation ist nicht Thema des Unterrichts an Waldorfschulen.
    Prof. Dr. Anne Simmenroth, Kassel

  • Auch wenn die Esoterik an Waldorfschulen teilweise übertrieben wird, wäre es von Vorteil gewesen, wenn der Autor sich vergleichsweise mit dem staatlichen Bildungskonzept beschäftigt hätte. Da wird überhaupt nicht hinterfragt, warum Eltern reihenweise der staatlichen Pädagogik das Vertrauen entziehen und auf andere Bildungssysteme setzen. In den staatlichen Schulen gibt es Kinder, die Angst haben, morgens in die Schule zu gehen, weil überfordertes Lehrpersonal seine Unsicherheiten auf die Kinder überträgt. Das werden Sie bei Waldorf nicht erleben! Ich würde mir eine ähnliche Recherche mal über die staatliche Pädagogik wünschen. Dort gibt es genügend Lehramtsabsolventen, die in ihrem Berufsleben nichts mit der erlernten Pädagogik anfangen konnten. Dieses System ist mindestens genauso reformbedürftig.
    Michael Danders, Bochum

Abgeschreckt oder angezogen?

Heft 34/2024 Das Covergirl 

  • Man kann Cora Schumacher mögen oder nicht, aber Ehrlichkeit hätte sie von ihrem Ex-Mann und Vater ihres Sohnes verdient. Was soll man von prominenten Sportlern erwarten, die erst das Ende ihrer Karriere abwarten, um sich in unserer liberalen Gesellschaft aus welchen Marketinggründen auch immer über ihre sexuelle Orientierung zu outen? Zu erwarten ist von denen gar nichts. Cora Schumacher sollte dieses Kapitel ihres Lebens endlich abschließen und nach vorn schauen. Es ist es nicht wert, solch unehrlichen und berechnenden Menschen wie Ralf Schumacher hinterherzuweinen.
    Brigitte Wolfsteiner-Thielmann, Hohennahr-Altenkirchen (Hessen)

  • Wenn ich mich über Cora Schumacher informieren möchte, kaufe ich »Frau im Spiegel«. Für den SPIEGEL sind es fünf verlorene Seiten, die mit einem wichtigen Thema, gerade in der heutigen Zeit, hätten gefüllt werden müssen. Schade.
    Gernot Hilge, Münster

  • Dieser Artikel unterstellt, dass die Ehe mit Cora nicht aufrichtig war. Dabei gibt es bei sexuellen Orientierungen doch mehr als homo und hetero, und außerdem können diese auch fluide sein und sich entwickeln. Ohne eine Selbstauskunft von Ralf Schu­macher finde ich die Umschreibung homosexuell oder schwul schwierig. Was wir wissen: Er ist offenbar in einer glücklichen Beziehung mit einem Mann – wie schön.
    Christian Meyer, Basdahl (Nieders.)

  • Fünf komplette Seiten über den Seelenzustand einer Frau, die wirklich für nichts von Bedeutung ist, weder in Politik, Gesellschaft, Kunst, Sport oder worin auch immer. Die sich öffentlich beschwert, dass ihr Mann, von dem sie seit neun Jahren geschieden ist, sich nun als schwul geoutet hat. So what? Was mich am meisten ärgert, ist, dass ich, um mich über dieses Machwerk von einem Artikel beschweren zu können, ihn auch noch komplett lesen musste. Es hätte ja eine Satire sein können. Das ist der Artikel wohl eher unfreiwillig.
    Dr. Monika Rothweiler, Wilstedt (Nieders.)

  • Was hat dieser Artikel in einer politischen und kritischen Wochenzeitschrift zu suchen? Welche Leser:innen wollen Sie damit anziehen, und wie viele SPIEGEL-Leser:innen werden Sie damit verschrecken?
    Klaus Jordan, Rosenheim (Bayern)

  • Beim Lesen des Interviews bleibt ein fader Beigeschmack. Es mag fast immer wehtun, wenn Ex-Partner sich neu binden, aber hier scheint ein Mann homosexuelle Tendenzen zunächst abgewehrt zu haben, und dann scheint eine Ex-Frau damit zu hadern, dass der neue Partner ein Mann ist. Mich stinkt die mitschwingende Homophobie an. Fast alle Menschen befinden sich irgendwo zwischen den Polen. Die Frau mit den dicken Lippen klingt so bieder, dass man es kaum glauben mag.
    Julia Kull, Berlin

Traumjob schlechthin

Heft 34/2024 »Es ist unfair, jemandem etwas vorzusetzen, was nicht korrekt ist« 

  • Frau Kunkel-Razum hat den Traumjob schlechthin. Für mich als ehemalige Deutschlehrerin wäre das die Erfüllung gewesen, die deutsche Sprache in ihrer Entwicklung zu verfolgen.
    Regina Hendel, Berlin

Gut gehupt

Heft 34/2024 Markus Feldenkirchen: Der gesunde Menschenverstand 

  • Gut gehupt von Feldenkirchen: Fahr Deinen Porsche, FDP!
    Dr. Reinhard Scherm, Wolfenbüttel (Nieders.)

Ein ­Stimmenplus

Heft 34/2024 Freie Fahrt für feindliche Agenten 

  • Die AfD bedankt sich für das Verbot von »Compact«. Dieses törichte, widersinnige und nicht zu Ende gedachte Verbot wird der AfD in Sachsen und Thüringen ein Stimmenplus bringen.
    Toni Stadelmann, Zürich (Schweiz)

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