Briefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 78 / 81

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die 100 besten Bücher der Welt, Erbfluch, Asylpolitik, die Wirtschaftskrise, Kommunikationswege und Ernährungsirrtümer – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 14/2025

Ein gewagtes Unterfangen

Heft 13/2025 Titel: Die 100 besten Bücher der Welt

  • Von 100 »besten« Büchern nur ein Bruchteil von Autorinnen? Vier Mitglieder einer Jury bestimmen darüber, was beste Bücher sein sollen. Und sie kennen vorwiegend westlich geprägte Titel. Wo sind denn Titel von Randgruppen und aus weniger »populären« Ländern? Oje, oje, wir haben noch einen langen Weg der Gleichberechtigung vor uns.
    Gisela Winkelmann, Bielefeld

  • Da veröffentlichen Sie einen Kanon von lesenswerten Büchern der Weltliteratur, ausgesucht von sogenannten anerkannten Literaturkennern, und ich frage mich, warum werden für die Auswahl nicht auch normale Durchschnittsleser bestimmt, die letztlich den Großteil der Lesenden ausmachen? Das stellt meines Erachtens in allen Kulturbereichen ein Problem dar. Warum werden die Durchschnittsbürger, die auch das Kultursystem in wesentlichen Teilen mitfinanzieren, nicht angemessener beteiligt? Ich finde, auch der SPIEGEL sollte das mal intensiv thematisieren.
    Jürgen Neunaber, Oldenburg

  • Selbstverständlich ist Ihr »Kanon« ein gewagtes Unterfangen und wird sicher eine Unmenge an berechtigter Kritik einstecken müssen. Das führt unweigerlich zu der Frage, ob es nicht geeignetere Wege gibt, um über Weltliteratur zu berichten – ohne den Anspruch, die 100 »besten« (was auch immer das bedeutet) Bücher zu präsentieren. Nun, ich kann sagen, dass ich von einigen Erwähnungen in der Liste angenehm überrascht bin und wichtige Anregungen für meine künftige Lektüre gefunden habe. Aber: Wie ist die sträfliche Vernachlässigung der Literatur aus Groß­britannien und Irland zu erklären? Und wie kann es sein, dass Sally Rooney und Joanne K. Rowling in der Liste auftauchen, aber kein literarisch bedeutender Name wie zum Beispiel: Martin Amis. Kate Atkinson. John
    Banville. Julian Barnes. William Boyd. Graham Greene. Nick Hornby. Ian Mc­Ewan. Hilary Mantel. Iris Murdoch. Paul Murray. Muriel Spark. Zadie Smith. 13 Schriftsteller:innen, die jede:r mit mindestens zwei Werken vertreten sein könnten.
    Frank Stenner, Cuxhaven

  • Es wäre interessant gewesen zu erfahren, welche Bücher es nicht in die Top 100 geschafft haben und warum. Ich vermisse die Dystopien »1984« von George Orwell und »Der Report der Magd« von Margaret Atwood. Auch die tragische Familiensaga »Der Stich der Biene« des irischen Autors Paul Murray hätte einen vorderen Platz verdient.
    Martin Sturm, Mannheim

Mehrere Szenarien berechnet

Heft 12/2025 Titel: Der Erbfluch. Wie die Deutschen um den Nachlass streiten 

  • Sie behaupten im Titelartikel, die von uns, der Stiftung Familienunternehmen, in Auftrag gegebene Studie »Erbschaftsteuer im internationalen Vergleich« habe die »großzügigen Ausnahmen für Unternehmer nicht berücksichtigt«. Die Studie stellt ausführlich alle geltenden Regeln der betrachteten Länder, also insbesondere auch Deutschlands, vor. Auf der Grundlage dieser Regeln werden für Deutschland mehrere Szenarien auf der Basis der Daten des betrachteten Modellunternehmens berechnet. Zudem widmet sich ein ausführliches weiteres Kapitel der Studie den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten für Unternehmen. Wer sich näher informieren möchte, findet die Studien auf der Website der Stiftung Familienunternehmen.
    Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, München

Aushöhlung universeller Normen

Heft 12/2025 Experte Daniel Thym fordert im SPIEGEL-Gespräch einen härteren Kurs in der Asylpolitik 

  • Nachdem sich der SPIEGEL in meiner Wahrnehmung inhaltlich immer mehr in Richtung Mainstream (also links der Mitte) sowie Boulevard entwickelt und sich so zumindest von den älteren Jahrgängen seiner Stammleserschaft entfernt hat, bin ich sehr angenehm überrascht, ein Interview mit dem Europa- und Völkerrechtler Daniel Thym vorzufinden, der gangbare Wege aufzeigt, wie die illegale Migration nach Deutschland begrenzt werden kann. Der offensichtlichen Skepsis der Interviewer, die sich in Fragen äußert wie »Ernsthaft?« oder »Sie wollen die Leute einsperren?« oder »Auch Familien und Minderjährige?«, begegnet Thym in seinen Repliken souverän. Laut SPIEGEL berät Thym die Union in asyl- und ausländerrechtlichen Fragen. Ich kann der Union nur raten, nicht beratungsresistent zu sein, damit, wie Thym sagt, die Stimmung nicht gegen die demokratische Mitte kippt. Man muss kein Astrologe sein, um der Regierung Merz
    ein rasches Ende zu prophezeien, sollte sie bei diesem Thema nicht grundlegende Änderungen durchsetzen.
    Dr. Jörg Kaltwasser, Soest (NRW)

  • Der namhafte Europarechtler Professor Thym hat sich in dem SPIEGEL-Gespräch zur Überraschung der Fragesteller für die Zurückweisung von Asylbewerbern an den deutschen Grenzen ausgesprochen. Nunmehr dürften sich die Gegner einer Zurückweisung schwertun mit der lapidaren Behauptung, die Zurückweisung verstoße gegen EU-Recht. Thym begründet seine Forderung damit, dass durch die Zurückweisung der Druck, eine grundlegende Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) herbeizuführen, erhöht wird: »Wir brauchen eine echte Reform.« Dem ist zuzustimmen. Die beschlossene Reform des Geas, die ohnehin erst 2026 in Kraft treten soll, ist unzureichend. Vor allem muss die Schutzgewährung entsprechend der Genfer Flüchtlingskon­vention auf den Kern des Asylrechts zurückgeführt werden; das heißt Schutz vor staatlicher Verfolgung. Der sogenannte subsidiäre (ergänzende, erweiterte) Schutz insbesondere vor Kriegs­ein­wir­kungen überfordert zunehmend Europa und nicht zuletzt Deutschland.
    Heinz-Jürgen Wurm, Siegburg (NRW)

  • Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen lässt der SPIEGEL einen Wissenschaftler zu Wort kommen, der der von den Unionsparteien und der AfD propagierten Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl seinen Segen erteilt. In Heft 7/2025 durfte uns der Historiker Heinrich August Winkler darüber »aufklären«, dass die Verfassungsschöpfer:innen ein solches Grundrecht nicht gewollt haben, jetzt ruft der Jurist Daniel Thym dazu auf, die Menschenrechte weniger streng zu handhaben. Und beide Herren geben vor, radikalen politischen Kräften den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen. Derweil lachen sich Weidel, Höcke und Co. ins Fäustchen.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • Die Aussage, man müsse »die Menschenrechte weniger streng handhaben«, markiert eine gefährliche ideologische Verschiebung – weg von rechtsstaatlicher Prinzipientreue hin zu politisch motivierter Aushöhlung universeller Normen. Menschenrechte sind keine bürokratische Option, die sich im Namen effizienter Verfahren lockern lässt. Sie sind das Fundament unserer Rechtsordnung – gerade auch in Krisenzeiten. Wer vorschlägt, die Europäische Menschenrechtskonvention oder EU-Verträge anzupassen, um ein System von Transitzen­tren, Haftlagern und Drittstaaten-Verfahren durchzusetzen, fordert nichts weniger als ein Zwei-Klassen-Rechtssystem. Wie weit wollen wir noch gehen? Und: Wer schützt das Grundgesetz, wenn es von »Verfassungsfreunden« selbst unterhöhlt wird?
    Manfred Oedinger, Aull (Rhld.-Pf.)

  • Mich würde interessieren, ob Sie oder Herr Thym es so gut fänden, die eigenen Menschenrechte eingeschränkt zu bekommen, wenn ein politisches System Ihre Meinung als systemgefährdend ansehen würde. Solche Forderungen kann man nur stellen, wenn man wirklich keine Fähigkeit hat, die eigenen Privilegien wahrzunehmen – oder wenn man eine tiefer liegende Ebene von rassistischen oder klassistischen Motiven in sich trägt.
    Emile Kirchner, Bonn

Einsparungen beim Fußvolk

Heft 12/2025 Ökonomin Monika Schnitzer über Wege aus der Wirtschaftskrise 

  • Frau Schnitzer will also »auf künstliche Intelligenz setzen statt auf Landwirtschaft und Gastronomie«. Aber KI kann man nicht essen, sollen wir uns dann von Importen aus dem Ausland ernähren?
    Heide Barsiek, Magdeburg

  • Dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen, ist vermutlich den meisten klar. Aber was ich an Frau Schnitzers Ausführungen vermisse, ist ein angemessener Beitrag der sehr wohlhabenden Bevölkerung. Im Übrigen wird die – außerhalb meines Verstandhorizonts liegende – Neuverschuldung dazu führen, dass mittelfristig fast die gesamten Erträge des Bundes in die Zinszahlungen fließen werden. Dann ist kein Kapital für andere Baustellen da.
    Michael Danders, Bochum

  • Die Kostenexplosionen bei der Beamtenversorgung im Bereich Pensionen und Beihilfe bleiben einmal mehr tabu, stattdessen erfahren wir von Frau Professor Schnitzer, wo beim Fußvolk Einsparungen nötig sind. Und nicht nur der Bundespräsident singt dazu das Hohelied vom Zusammenhalt der Gesellschaft
    Friedrich Meyer-Hildebrand, Tornesch (Schl.-Holst.)

Über Jahrzehnte bewährt

Heft 12/2025 Kommunikation – Bitte verhandeln Sie nach dem Piep 

  • Unabhängig von der Person Merz definiert Herr Rainer einen Kommunikations-Goldstandard, den die Mehrheit der Deutschen nicht kennen dürfte. Die abfälligen Bemerkungen bezüglich einer Kommunikation, die sich über Jahrzehnte bewährt hat, sind unangebracht. Wenn es sich an­scheinend nicht gehört, jemanden direkt anzurufen, wäre es nur folgerichtig, dass die »jungen Men­­schen« auf der Straße oder sonst wo nur miteinander reden dürfen, wenn sie sich vorher eine WhatsApp geschickt haben. Ich finde es schade, dass Herr Rainer anscheinend in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis keine »alten Menschen« kennt, die keine Smartphones haben und trotzdem zufrieden sind mit der »alten« Kommunikation. Von diesen Menschen könnte er sicherlich einiges lernen.
    Hartmut Danneschewski, Oberstaufen (Bayern)

Sofort zum Kühlschrank

Heft 12/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Professorin Karin Michels über die größten Ernährungsirrtümer 

  • Wann verstehen Sie endlich, den Body Mass Index (BMI) als unwissenschaftlichen Parameter aus Ihrer Berichterstattung zu ent­fernen? Der BMI unterscheidet nicht zwischen gesunder Muskulatur und ungesundem Fett. Ein hoher BMI eines muskulösen Menschen ist gesünder als ein niedriger BMI einer Person mit erhöhtem Körperfettanteil.
    Willi Gernemann, Rhede (NRW)

  • Oje. Tag für Tag gegen mein Essenslust-Gen kämpfen, um vielleicht einige schmale Monate oder Jahre länger leben zu dürfen? Nach der Lektüre dieses Artikels bin ich sofort zum Kühlschrank geeilt. Ich habe mir ein Glas von meinem geliebten Weißwein und ein großes Stück Hartkäse dazu geholt. Und das tue ich schon seit vielen genussvollen Jahren. Ich bin fast 80, mein Body Mass Index liegt bei 20.
    Sabine Kirsten, Bad Bentheim (Nieders.)

  • Dieser Artikel hat mich in erster Linie traurig gemacht. Essen und Trinken müssen auch Lust, Freude und Begeisterung ins Leben bringen. Wir haben so köstliche Vielfalt im Angebot, und die immer in Maßen zu essen, das bereichert, neben vielen anderen Sachen, mein Leben.
    Gisela Eue von den Steinen, Erlangen

    Eine gute Kritik weckt Neugier

Heft 12/2025 Der aberwitzige neue Roman von Christian Kracht 

  • Ich habe mich geärgert über die Kritik des neuen Buches von Christian Kracht. Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, nun muss ich es
    nicht mehr lesen, denn ich weiß schon alles. Eine gute Kritik weckt Neugier und Lust aufs Lesen – diese hier lässt nichts offen. Schade.
    Kristina Kroemer, Hamburg

Inhaltlich eher trivial

Heft 12/2025 SPIEGEL-Gespräch mit dem Philosophen Stefan Klein über die menschliche Angst vor Veränderung 

  • Das Gespräch mit Stefan Klein fand ich ärgerlich. An den Interviewern lag es nicht – sie haben die richtigen Fragen gestellt. Die Antworten allerdings waren teilweise nicht in sich konsistent und inhaltlich eher trivial.
    Lisa Berger, Heidelberg

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 78 / 81