Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 70 / 73

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Der Fall Ramstein, die Rückkehr des Wolfs und die gescheiterte Bildungspolitik – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 25/2023

Fall für den Strafrichter

Heft 24/2023 Titel: Der Fall Rammstein 

  • Respekt für diese überaus gelungene Titelgeschichte, die in der Schlusspassage die Hintergründe des Emporkommens der Band in den Neunzigern noch einmal eindrucksvoll nachzeichnet. Ich habe Rammstein immer verehrt, bin allerdings auch über deren Party-Abgründigkeiten seit einigen Jahren im Bilde und wundere mich, dass diese erst jetzt so umfassend thematisiert werden.
    Thomas Gantz, Potsdam

  • Es melden sich Frauen, die volljährig sind und nicht mehr so genau wissen, was geschehen ist, was sie wollten oder nicht wollten. Keine von ihnen hat ersichtlich Strafanzeige gegen Till Lindemann gestellt, keine wird im Artikel mit dem Vorwurf sexueller Nötigung oder gar Vergewaltigung zitiert. Sie wissen auch nicht mehr so genau, ob sie einfach aus einer Partylaune betrunken waren oder es anders war. Genötigt worden, an den Partys teilzunehmen, sind sie nach eigenen Aussagen jedenfalls nicht. Schnell wird das Bild vom Unhold abgerundet, in dem man einen Vergleich zu #MeToo-Weinstein zieht. Anders als bei Till Lindemann war Harvey Weinstein aber immerhin von mehreren Frauen der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung bezichtigt worden.
    Corina Kögel, Hamburg

  • Mal ganz unabhängig von den im Raum stehenden Vorwürfen: Es ist schon interessant, einen Moment über Rammstein als globalen Kulturexportschlager des Landes der Dichter und Denker zu reflektieren. Zumal bei der offenkundig vollumfänglich fehlenden Befähigung jeglicher Trennung des lyrischen Ichs vom
    restlichen Verhaltensrepertoire des Herrn Lindemann selbst die Wahrnehmung und Einordnung der Band als große Künstler absurd und völlig fehlgeleitet erscheint.
    Holger Surborg, Celle

  • So viel Konjunktiv, so viel »scheint«, »dürfte«, »soll«, so viel fehlende Erinnerung, so viel Mutmaßung, aus der Schlüsse gezogen werden – die Sie anschließend mit nachgewiesenen Übergriffen (Manson, Weinstein) unterlegen. Ein Kunstgriff, der nachweisen soll, dass an den Vermutungen etwas dran sei. Mutmaßungen werden mit schockierenden Bildern und grenzwertigen Aussagen zusammengeschnitten, sachlich zu urteilen ist unmöglich. Das hat mit argumentierendem, nachforschendem Journalismus wenig gemein. Die schiere Wucht der Kampagne soll das Gerichtsverfahren ersetzen. Das geht nicht an. »Sagen, was ist« heißt nicht »vermuten, dass etwas sein könnte«.
    Lübbertus Rehwinkel, Nordhorn (Nieders.)

  • Sollten tatsächlich K.-o.-Tropfen oder heimlich verabreichte Drogen mit im Spiel sein, dann wäre dies ungeachtet der sonstigen Umstände ein Fall für den Strafrichter. Ansonsten kann man doch nicht die wirtschaftliche/berufliche Abhängigkeit einer Schauspielerin von ihrem Regisseur mit den Erlebnissen eines (volljährigen) Groupies vergleichen. Wenn sich exklusiv junge attraktive Frauen backstage einladen lassen, bedarf es wenig Fantasie, den Deal und die Erwartungen des Gastgebers zu durchschauen.
    Winfried Burger, Ebensfeld (Bayern)

  • Ich bin bestürzt über den Artikel. Ich bin kein Hardcore-Fan, war auf einem Konzert letztes Jahr in Leipzig und höre als Metallerin die Musik seit den Nullerjahren. Die Art und Weise der Berichterstattung mitten in der laufenden Ermittlung ist in meinen Augen ein Beitrag zu einer Hexenjagd. Der dauernde Vergleich mit Weinstein, einem Verbrecher, der Frauen vergewaltigt hat; die beiden interviewten Frauen, die sich Monate später nicht mehr sicher sind ob der (mehrfache!) Sex einvernehmlich war. In was für Zeiten leben wir?
    Carolin Küllmer, Marburg

  • Über den Erfahrungsbericht der YouTuberin Kayla Shyx oder Rezos Zusammenfassung der Vorwürfe und Statements kann und sollte man reden, aber die sind nicht Thema beim SPIEGEL. Auf Seite 15 wird das Phänomen Rammstein ziemlich zutreffend analysiert, ein kleiner Lichtblick im ansonsten tendenziösen Bericht, der sich spekulativ gegen ein »perfides System« wendet, das nur im Kleinen das abbildet, was auch im Großen gesellschaftliche Realität ist.
    Bernd Radzwill, Frank Herweg, Leverkusen

  • Till Lindemann: ekelhaft! Kein Respekt vor Frauen. Ich hoffe, es melden sich mehr betroffene junge Frauen, damit dieser pubertäre 60-jährige Mann aus dem Verkehr gezogen wird.
    Lilo Reichel, Hamburg

Zwangsläufige Kollision

Heft 23/2023 Kolumne: Die Gegendarstellung – Der deutsche Wolf 

  • Wir Praktiker – ich selbst habe Lamas, Damwild, Rinder und 700 Schafe – wissen, was Sache ist: Es gibt zu viele Massaker an den Tieren, um das nicht vor­handene Wolfsmanagement so weiterzuführen. Ein Staat wie die Bundesrepublik, extrem dicht besiedelt, bietet großflächig eben nicht die Freiräume, die große Beutegreifer wie Wolf und Bär brauchen. Die zwangsläufige Kollision zwischen diesen und dem Menschen beziehungsweise dessen Weidetieren ist vorprogrammiert.
    Johann Georg Glossner, Berching (Bayern)

  • Ich fürchte den Tag, an dem zum ersten Mal ein Mensch (schlimmstenfalls ein Kind) von einem Wolf angefallen und möglicherweise sogar getötet wird. Ich bin gespannt, wer sich dann alles wegduckt.
    Axel Fromm, Hannover

  • Bereits die letzte Bundesregierung hat es versäumt, ihre Koa­litionsvereinbarung zum Wolf umzusetzen. Ob die aktuelle Bundesregierung dieses Mal ihre Festlegungen zum Wolf so umsetzt, dass aus einem Reaktionsmanagement ein Bestandsmanagement wird, darf zumindest nach den Ankündigungen bei der Auftaktveranstaltung der Dialogreihe Wolf bezweifelt werden.
    Jürgen Lückhoff, Schafhalter, Bülow (Meckl.-Vorp.)

  • Die Begeisterung so vieler Menschen – die meisten sind wohl Städter – über die Rückkehr des Wolfs habe ich nie verstanden.
    Werner Seeliger, Stuttgart

Bestechend klar und deutlich

Heft 23/2023 SPIEGEL-Gespräch: Wir haben zu lange der Globalisierung gehuldigt 

  • Es wird wohl niemand Professor Sandel für einen Linksextremisten halten. Umso mehr Gewicht haben seine Analyse und seine ausgewogenen Schlussfolgerungen. Es geht ihm nicht darum, die Demokratie oder die Marktwirtschaft in Gänze infrage zu stellen, sondern darum, die von Finanzindustrie und Großkonzernen unter Ausnutzung der äußerst großzügigen gesetzlichen Rahmenbedingungen verursachten Auswüchse durch stärkere Regulierung einzudämmen und ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft zu verhindern. Das ist die größte Gefahr für die Demokratie und der Grund für das Erstarken von rechtspopulistischen Bewegungen. Die Herren Lindner und Merz und ihre neoliberalen Mitstreiter sollten sich vor diesem Hintergrund etwas Zeit nehmen und ihre ach so mittelstandsfreundlichen Thesen überdenken mit Blick auf das Gemeinwohl – sofern dieser Begriff überhaupt in ihrem Wortschatz vorkommt.
    Dirk Bohman, Overath (NRW)

  • Professor Sandel erkennt in den westlichen Gesellschaften eine Spaltung zwischen Arm und Reich. Er lässt aber Gestaltungsinstrumente für eine Umverteilung von oben nach unten vermissen. Ein Schlüssel für künftigen Wohlstand ist Bildung. Deshalb muss jeder, der es möchte und die Fähigkeiten dazu hat, studieren können, unabhängig davon, welches Einkommen und welchen Bildungsabschluss seine Eltern haben.
    Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)

  • Sandel gibt auf alle Fragen präzise erschöpfende Antworten. Sie sind bestechend klar und deutlich. Nachzutragen ist nur, dass außer Schröder auch Merkel dem neoliberalen Kapitalismus den roten Teppich ausgerollt hat. Scholz tut alles, damit es so bleibt. Habeck lernt schnell: Er begnügt sich nicht mit der Rolle als Wirtschaftsminister, sondern gibt sich viel Mühe, als Minister für die Wirtschaft tätig zu sein. Die FDP muss da nicht mehr viel machen. Wenn es zu sozial in der Ampel zugehen könnte, greifen Lindner und Co. ein. Man fragt sich schon, was eigentlich passieren muss, damit der Neoliberalismus in Deutschland an die Kette gelegt wird. Er wird den Lebensinteressen der Mehrheit des deutschen Volkes seit Jahren nicht gerecht.
    Dieter Hooge, Frankfurt am Main

  • Es ist gut zu wissen, dass Olaf Scholz auf Professor Sandel hört. Als politischer Philosoph weiß Sandel sicherlich, dass nicht Erkenntnisse das eigentliche Pro­blem der westlichen Demokratien sind, sondern deren Umsetzung. Es wäre zu hoffen, dass der »Ideengeber des Bundeskanzlers« ihm mehr zu bieten hat als diese Erkenntnisse.
    Paul Biermann, Bad Soden (Hessen)

  • Wer hat denn den Slogan »Schick Dein Kind länger auf bessere Schulen« propagiert und damit den körperlich arbeitenden Teil der Bevölkerung diskriminiert? Na, wer war’s, es war die Arbeiterpartei SPD!
    Lothar Cattarius, Mainz

Wer wird noch Lehrer?

Heft 25/2023 Warum jeder fünfte Viertklässler nicht richtig schreiben und rechnen kann 

  • Ich unterrichte an einer Schule im ländlichen Raum. Ich habe 25 oder mehr Jugendliche vor mir, ich kann versuchen, auf möglichst viele individuell einzugehen – aber ich kann in einer so großen Gruppe nicht kompensieren, was daheim nicht mehr geleistet wird. Lässt man etwa Bücher vorstellen, haben mindestens zwei Drittel der Klasse das Problem, dass es daheim gar keine Bücher gibt. Das sind aber Aspekte, die die Schule nicht lösen kann. Dass Familien zumindest einmal am Tag eine feste (Essens-)Zeit haben, zu der alle zusammenkommen und erzählen können, was sie bewegt, wird immer mehr die Ausnahme. Dabei ist auch dieses Erzählen wichtig für einen kompetenten Sprachgebrauch – von den sozialen Kompetenzen des Zuhörens und Aufeinander-Eingehens einmal ganz abgesehen.
    Silke Deyhle, Illertissen (Bayern)

  • Als quereingestiegener Lehrer sähe ich als wichtigste Komponente in einem diversifizierten Lösungsansatz kleinere Klassen. Zwölf Schüler Maximum. Dann hätten Kinder und Lehrer eine Chance. Aber wer wird noch Lehrer? Dass Lehrer generell faul sind, das höre ich wöchentlich. Aufstiegschancen gibt es kaum, man macht über viele Jahrzehnte im Wesentlichen dasselbe.
    Boris Steidle, München

  • Danke, dass Sie der Schulmisere noch einmal Aufmerksamkeit schenken und dabei auch ein Licht auf die Kinder mit Besonderheiten werfen. Was diesen guttun würde, kommt einem unangenehm vertraut vor, entspricht nämlich den allgemeinen Forderungen der Bildungsforscher: kleinere Klassen; mehr Zeit und Raum für die Schulen, auf individuelle Stärken und Schwächen einzugehen; dazu noch bessere Verzahnung der verschiedenen zuständigen Stellen. Warum das seit Jahrzehnten genauso unverändert ist wie Lehrplan, starre Stundenraster und Leistungsbewertung, ist unverständlich und empörend. Zusätzlich wäre ein vergleichender Blick interessant gewesen: Was machen denn Italien und Dänemark anders, dass dort der Einfluss der familiären Herkunft nicht so groß ist? Was läuft in Sachsen anders als in Brandenburg?
    Katharina Voller, Kaarst (NRW)

  • Studiert man die 264 Seiten der Iglu-Studie, stellt man fest, dass Deutschland verglichen mit der EU bezüglich der Lesekompetenz von Grundschülern im Mittelfeld landet. Das ist nicht gut, aber auch nicht ganz schlecht. Die Daten zeigen aber, dass die Lesekompetenz von Kindern mit
    Migrationsgeschichte deutlich schlechter ausfällt als im EU-Vergleich. Für diese Gruppe müssen sicherlich zusätzliche Förder­angebote zur Verfügung gestellt werden. Pauschale Maßnahmen zur Verbesserung der Lesekompetenz, wie sie zurzeit in der Politik diskutiert werden, sind somit nicht angemessen und haben wiederum andere Nachteile. Für Deutschland sollte aber das Thema der Kinder mit Migrationshintergrund höchste Priorität haben, da die Flüchtlinge aus der Ukraine in der Studie noch gar nicht berücksichtigt wurden.
    Michael Daber, Düsseldorf

Verdächtige Manöver

Heft 23/2023 Haben Ex-Bundeswehrpiloten ihr Wissen an China verkauft? 

  • Eine weitere Recherche des SPIEGEL, die die Naivität in der deutschen Politik belegt. Wie viel militärisches Know-how da die Seiten gewechselt hat, dürfte wohl für immer im Dunkeln bleiben. Was für eine Blamage für die politische Führung in unserem Land.
    Dr. Hubert Hofmann, Immenstaad (Bad.-Württ.)

Abgeordneter Andreas Jung

Heft 23/2023 Der Abgeordnete Andreas Jung will der CDU mehr Klimaschutz nahebringen 

  • Als jahrzehntelanger SPIEGEL-Leser habe ich den Artikel über Andreas Jung mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Ich denke, solche positiven Darstellungen von noch aktiven Politikern sind geeignet, der oft beklagten Politikverdrossenheit in der Bevölkerung entgegenzuwirken.
    Alfred Geiger, Reichenau (Bad.-Württ.)

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