Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Alte Rollenbilder von Mutter und Vater
Heft 17/2025 Titel: Bin ich ein guter Papa?
Endlich ein Artikel, der vom aktuellen politischen Geschehen ein wenig ablenkt und andere wichtige Gesellschaftsthemen in den Fokus nimmt. Überrascht bin ich davon, dass wir einerseits über eine Auflösung der Geschlechtszuschreibungen reden und andererseits beim Thema Elternschaft doch gern wieder auf alte Rollenbilder im Sinne von »Mutter« und »Vater« zurückgreifen. Hier sind andere Länder schon viel weiter. Auch ich würde mir wünschen, dass es irgendwann eine Tatsache ist, dass Thomas und Andrea ihre Kinder großziehen – jede und jeder mit individuellen Eigenschaften, Kompetenzen, Schwächen und einer absoluten Zuneigung dem Nachwuchs gegenüber. Gleichzeitig ist es interessant, und Frau Flaßpöhler stellt das sehr schön heraus, dass die deutschen Frauen sich selbst ein Bein stellen, indem sie immer besser wissen, wie das WC richtig zu reinigen ist, wie die Windel richtig angezogen wird, wie die Fläschchen gespült werden müssen, der Brei angerührt und so weiter. Kein Wunder, dass man mit dem Glauben, all das besser zu können als der Partner, irgendwann allein mit den Aufgaben steht. Es gibt noch einiges zu tun.
Sabrina von Jena, KoblenzDas Thema Väter kommt ja alle zwei Jahre auf, und inhaltlich steht nichts Neues im Artikel. Es würde sich mal lohnen, auf das Thema Mütterrente zu schauen: Den Brief bezüglich des Anspruchs bekommen nach meinem Kenntnisstand nach wie vor nur die Frauen. Wenn sie nett sind, kommt das Thema zu Hause auf den Tisch, und dann wird es kompliziert, da man die Rentenpunkte nicht splitten kann, sondern im Wege einer gemeinsamen Erklärung ein Elternteil (pro Kind) zum Haupterziehenden machen muss. Und wehe, man möchte daran später noch mal rütteln. Unser Land ist ziemlich verstaubt.
Julia Kull, BerlinWie oft hat der SPIEGEL schon berichtet von Patchworkfamilien, von getrennt lebenden Eltern und ihren Problemen mit dem neuen Partner des anderen, von zerbrochenen Familien, von Kindern, die in Pflegefamilien leben »müssen« oder adoptiert sind. Auch diese Kinder haben Väter. Auch diese (nicht leiblichen) Väter machen sich Sorgen, sind Stütze und machen Mut oder jubeln auf dem Fußballplatz. Sie, die »einspringen«, wenn der leibliche Vater ausfällt, haben Sie vergessen. Ganz ehrlich, es kommt nicht darauf an, ob jemand an der Geburt des Kindes beteiligt war. Es geht um die Person, die für das Kind tatsächlich die Rolle des Vaters einnimmt. Positiv oder negativ.
Matthias Westerholt, Fachanwalt für Familienrecht, BremenDie hier beschriebene neue Vaterrolle ist zu schön, um wahr zu sein. Die ausgesuchten Probanden entsprechen nicht dem Bevölkerungsquerschnitt, weil der »Malocher« nicht zu Wort kommt. Da ist nämlich zumeist nach wie vor nichts mit einer neuen Vaterrolle. Und das in der Elternliteratur idealisierte Papadasein erfährt in der Realität ein böses Erwachen: Ich habe, ähnlich wie Herr Tigges, unseren Sohn in seinem ersten Lebensjahr meist allein »bemuttert«. Das war weitaus anstrengender, als ich vermutet hatte, und endete bei mir ebenfalls in einer therapeutischen Maßnahme. Wer zwölf Stunden am Tag sein Kind bemuttert, kann sich selbst aus den Augen verlieren. Und da sich immer einer der Elternteile ums Kind kümmert, verkümmert teilweise die Ehe.
Michael Danders, BochumDanke an Markus Deggerich für seinen Essay »Im Namen des Vaters«, der mich in meinen privaten, christlichen, politischen (Un-)Sicherheiten tief getroffen und berührt hat.
Ernst-Martin Klein, BielefeldHerr Deggerich will also seine Kriegsdienstverweigerung widerrufen, um den »Raum für Entscheidungen zu erweitern«, damit seine Kinder sich frei fühlen, sich für das Kämpfen zu entscheiden – wenn sie das »wollen«. So lange erzählen wir ihnen »Geschichten«. Und wenn wir dann genug unterkomplexe, einseitige Narrative gefüttert haben, wird es schon klappen mit dem Wollen. Damit wäre das moralische Dilemma der Eltern elegant gelöst.
Niovi Over, HeidelbergMeine uneingeschränkte Zustimmung sowohl zum Essay von Markus Deggerich als auch zu dem Beitrag »Friedliche Kriegstüchtigkeit« von Dirk Kurbjuweit im selben Heft. Der eigentlich unauflösliche Widerspruch des Dilemmas, den beide Autoren thematisieren, besteht darin, dass die Erfüllung des Wunsches nach Frieden und Gewaltfreiheit die Fähigkeit voraussetzt, den Frieden, notfalls auch unter Anwendung von Gewalt, zu verteidigen. Dies politisch durchzusetzen, erfordert nicht nur die Bereitstellung von Geldmengen in einer bisher unvorstellbaren Größenordnung, sondern vor allem einen breiten Konsens darüber in der Bevölkerung. Wer diese Fähigkeit und diesen Willen nicht besitzt, wird zwangsläufig zum Opfer. Diese im Grunde traurige Erkenntnis hat sich in der Geschichte der Evolution immer wieder bewahrheitet. Vielleicht ist das auch eine etwas darwinistische Betrachtungsweise, aber offenbar ist die Vorstellung, die Menschheit sei in der Lage, sich von diesem Zwang zu befreien, zu optimistisch.
Karlheinz Waltner, Jever (Nieders.)
Da liegen Sie falsch
Heft 16/2025 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand
Bravo zu Markus Feldenkirchens Beitrag! Nicht nur piefig ist es, auch arrogant und ignorant, alle US-Amerikaner für Trump zu
bestrafen. Gerade in dieser Zeit könnten wir, was Toleranz, freundliche Zuwendung und Interesse aneinander betrifft, noch einiges von ihnen lernen und uns so mit den Nicht-Trump-Wählern solidarisieren.
Heidi Büttner, Ritterhude (Nieders.)Von Ihnen hätte ich mehr erwartet, Herr Feldenkirchen. Amerikanische Waren zu boykottieren, hat gar nichts, aber auch gar nichts mit Antiamerikanismus zu tun. Das Gegenteil ist der Fall. Jeder, der Amerika liebt, sollte das tun.
Klaus Weber, HammSchön, dass Sie gute Erfahrungen mit den US-Amerikanern gemacht haben. Auch wenn mich piefiges Pro-USA-Sein schon immer gestört hat. Ich finde, es ist sehr wohl ein konsequentes Zeichen, auf US-Produkte zu verzichten, wo immer es geht. Und zu den ach so unschuldig betroffenen US-Bürgern: Blenden Sie einfach aus, dass mehr als 50 Prozent von ihnen Trump gewählt haben? Übrigens: Ich lebe in Brasilien. Das ist auch Amerika. Sprechen Sie doch korrekt von »US-Amerika«. So viel Sprachsorgfalt muss sein. Die anderen amerikanischen Staaten haben es verdient.
Horst Joachim Hiebel, Salvador (Brasilien)Der Boykott, der gerade immer weitere Kreise zieht, hat vielfach sicherlich keine antiamerikanischen Intentionen. Es geht eher darum, die antiamerikanischen und demokratiefeindlichen Tendenzen in den USA abzubremsen. Meine amerikanischen Freunde sind damit völlig fein.
Felix Kreh, MünchenDie Demokratie der USA ist zwar auf jeden Fall älter als die Deutschlands, wer könnte das bestreiten. Aber, dass sie stabiler ist? Eine solche Machtfülle, wie der Präsident der USA hat, eine solche Vermischung der Gewalten gibt es bei uns glücklicherweise nicht. Ebenso wenig wie die Möglichkeit, Dekrete zu erlassen, Bundesrichter auf Lebenszeit zu ernennen oder die Abhängigkeit einer Kandidatur von immensen Geldspenden. Die Demokratie der USA ist eher anfällig konstruiert. Ob sie Trump überleben wird, ist mehr als fraglich.
Miriam Thormählen, Großkneten (Nieders.)Der »gesunde Menschenverstand« ist leider bei der aktuellen US-Administration nicht erkennbar. Deshalb helfen nur Maßnahmen, die Donald Trumps Wähler treffen. Leider haben die Konsumenten nicht verstanden, welche Macht in ihren Händen liegt. Und nein, Herr Feldenkirchen, da liegen Sie falsch: Es ist überhaupt keine deutsche Piefigkeit – andere Länder (Kanada, Dänemark und so weiter) machen uns vor, wie es geht.
Mathieu Wrack, Neu-Ulm (Bayern)Es geht gar nicht um moralische Überlegenheit, sondern darum, einem Staatsoberhaupt entgegenzutreten, das in unverantwortlicher Weise die Weltwirtschaft schädigt. Wie schön, dass wir Bürger als Konsumenten dazu in der Lage sind, auch mal Macht auszuüben.
Inga Hänsel-Nell, WuppertalIch möchte vehement Ihrer Kritik an Reiseabsagen in die USA widersprechen. Und das nicht nur wegen des unsäglichen Verhaltens der US-Behörden insbesondere an den Grenzen, aber auch im Inland. Überlegungen zu den Verhältnissen im Urlaubsland halte ich für legitim, ja sogar geboten. Ich habe seinerzeit nie verstanden, wie man billig, billig in die Türkei zum Urlaub fahren konnte, als türkische Behörden unter irgendwelchen Vorwänden sogar Schüler verhaftet und gefoltert haben. Und wenn Sie sich Sorgen machen, dass ein paar Menschen ohne Ihren rosaroten Blick auf die USA eben im Moment keinen Urlaub dort machen wollen, weil dann ein paar Angestellte eventuell brotlos werden könnten, ich würde mir eher um all die Sorgen machen, die nun dank den Republikanern, Trump, Musk und Konsorten völlig aus ihrem Leben gerissen werden. Und das sind ganz sicher Millionen.
Klaus Kutzner, GreifswaldMarkus Feldenkirchen blickt wohl aus seinen persönlichen Erfahrungen der Vergangenheit sehr wohlwollend auf die USA und ihre Bürger. Dabei ignoriert er offenbar, dass gute 50 Prozent der US-Wähler Donald Trump ein zweites Mal zum Präsidenten gewählt haben. Diese Millionen Wähler hätten doch wissen müssen, was Trump schon in seiner ersten Amtszeit für eine Zwietracht unter mit den USA befreundeten und verbündeten Staaten verbreitete und welche wirren Pläne er ankündigte. Einiges davon hat er jetzt nach seinem erneuten Amtsantritt umgesetzt und die Welt wirtschaftlich und militärisch in ein Chaos versetzt. Auch die Drohungen, Kanada, Grönland und den Panamakanal zu annektieren, haben offenbar viele US-Bürger als normales Regierungshandeln zur Kenntnis genommen. Sie müssten auf die Barrikaden gehen, bei solch einem Irrsinn. Genau das vermisse ich von den Menschen in den USA.
Horst Mockenhaupt, HammAls Ureinwohner der Oberpfalz und somit Angehöriger der in dem Artikel von Markus Feldenkirchen erwähnten Bevölkerungsgruppe weise ich darauf hin, dass ich den dem Artikel als Leitthema übergestülpten »gesunden Menschenverstand« momentan doch eher in meiner Heimat verorte als in den eigenartigen Staaten von Amerika.
Alfred Kick, Vohenstrauß (Bayern)Die Betrachtungen von Herrn Feldenkirchen sind zutreffend, Punkt. Leider stoppt der Beitrag auf der Hälfte des Weges. Es gibt Mitmenschen, die den Wunsch haben, auf bestimmte Vorgänge irgendwie zu reagieren. Das ist gut so; man möchte nicht hilflos dastehen. Dass so etwas in falsche Bahnen geraten kann, sieht man an der zunehmenden Zustimmung zu AfD-Thesen oder an »Selbstjustiz« im Kleinen. Also wäre jetzt die Aufgabe der Presse – die Politik möchte ja eher Ruhe haben –, eine Debatte anzustoßen, wie der »kleine Bürger« sich so einmischen kann, dass er das Gefühl bekommt, sinnvoll zu agieren. Möglichkeiten gibt es viele: ökologisch, sozial, politisch. Schlecht ist die Variante, alle paar Jahre zur Wahl zu gehen und weiter zu schimpfen. Also bitte; wann bringt der SPIEGEL in einer Serie Beispiele und stößt die Debatte an?
Alexander Pachonick, Braunschweig
Wie sich Deutsche in Afrika neue Nieren kaufen
Heft 16/2025 In Kenia lassen sich Deutsche gegen Geld Nieren einpflanzen. Wer steckt hinter dem illegalen Geschäft?
Mitschuld an diesem menschenverachtenden Organhandel hat die Bundesregierung, denn hätten wir bei Organspenden die Widerspruchslösung, gäbe es genügend Organe in Deutschland, und Kranke müssten nicht zu so unethischen Lösungen greifen. Vor allem aber wären die armen Spender und ihre Gesundheit geschützt.
Elisabeth Wilhelm, Lünen (NRW)
Der »Amerikanische Krieg«
Heft 16/2025 Unterwegs mit amerikanischen Kriegsveteranen, die in Vietnam nach Vergebung suchen
Laura Höflingers Vietnam-Veteranen-Geschichte finde ich preisverdächtig! Wie viele solcher Schicksale werden jetzt im Osten Europas begründet, die uns Generationen später in Europas begegnen und irritieren werden?
Rudi Meisel, Berlin
Musik war seine Rettung
Heft 16/2025 Nachruf auf den malischen Komponisten und Gitarristen Amadou Bagayoko
Vielen Dank, nur exemplarisch an dieser Stelle, für alle Artikel aus Afrika. Mir wird deutlich, wie wenig ich von der Qualität und Quantität des Lebens in diesem unübersichtlichen Riesenkontinent weiß. Stattdessen zu viel über kleinste Befindlichkeiten in den USA.
Christian Ott, Berlin
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