Briefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 81 / 84

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Ukraine und Europa, Leitartikel über Wohnungsmangel in Deutschland, Wehrpflichtdebatte, Gespräch über den Gazakrieg – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 10/2025

Für eine stärkere Einheit Europas

Heft 9/2025 Titel: Verraten 

  • Der SPIEGEL kann auch anders. Nach den letzten eher despektierlichen Titelbildern aktueller Politiker nun die Stilisierung Selenskyjs zur lebenden Ikone. Und das zu Recht. Es ist schmerzlich zu sehen, wie er das Leid seines Landes geradezu inkarniert. Und welch ein Unterschied zu den selbstgefälligen Visagen der neuen Autokraten.
    Dieter Schabram, Berlin

  • Seit Samstag liegt der neueste SPIEGEL auf meinem Schreibtisch, und die Titelseite starrt mich an. »Verraten – erst Selenskyj, bald wir?« Dieser Aufmacher stimmt so nicht. Nicht Herr Selenskyj wird verraten, sondern die gesamte Ukraine. Nicht nur eine Person, sondern alle Ukra­iner und Ukrainerinnen.
    Gabi Strehober-Godel, Ditzingen (Bad.-Württ.)

  • Das Coverfoto von Herrn Selenskyj spricht Bände. Ermüdet, enttäuscht, sprachlos. Wie wir alle eigentlich. Eine kleine Nebenbemerkung: Ich erinnere mich sehr gut an den 21. August 1968 in der Tschechoslowakei. Unsere Eltern haben damals auch nicht geglaubt, dass die Russen kommen. Und sie kamen.
    Zdena Danko, Freiburg

  • Aktuell wundert mich nur, wie offen Trump versucht, die USA in eine »Familiendiktatur« umzubauen, und dass sich ihm keiner in den Weg stellt. Auf der anderen Seite muss man den europäischen Politikern vorwerfen, nicht genug für eine stärkere Einheit Europas getan zu haben, um auf eigenen Füßen zu stehen. Nur auf Augenhöhe lässt sich vernünftig verhandeln, sonst wird man zum Spielball der Großen. Das erleben wir gerade. Es bleibt die Hoffnung, dass durch den Druck von außen der Kooperationswille Europas gestärkt wird.
    Joachim Kuna, Üxheim (Rhld.-Pf.)

  • Ein hohes Maß an Schuld hat Bundeskanzler Scholz mit seiner unglaublichen Zögerlichkeit auf sich geladen. Im ersten Kriegsjahr haben die Russen so viele Schwächen offen gezeigt, dass die Ukra­iner, noch mit voller Mannschaftsstärke und voll motiviert bei kompletter Ausstattung, gute Chancen hatten, sie entscheidend zu schlagen. Stattdessen hat die halbherzige Unterstützung den Russen quälend viel Zeit gegeben, sich aufzustellen, auszurüsten und einzugraben.
    Alfred Ostertag, Celle (Nieders.)

  • Es ist tragisch, dass die Ukraine nicht nur seit drei Jahren einen hohen Blutzoll zahlt, sondern nun auch Gefahr läuft, unter Trumps Rückkehr und angesichts der Uneinigkeit der westlichen Demokratien weiteres Territorium an Russland zu verlieren. Es ist zu hoffen, dass unsere neue Regierung entschlossen bleibt, die Ukraine weiterhin zu unterstützen und gemeinsam mit internationalen Partnern Finanzierungslücken zu schließen.
    Jürgen Patzelt, Bergen (Nieders.)

  • Der Wandel in Trumps Rhetorik ist zutiefst beunruhigend. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA ein entscheidender Architekt der regelbasierten Weltordnung. Doch die amerikanische Regierung scheint sich von diesem Leitbild zu entfernen und stattdessen die Vorstellung zu fördern, dass diejenigen mit größerer militärischer Macht das Sagen haben und das Völkerrecht missachten dürfen. Europa muss sich von den USA emanzipieren und als entschiedener Verfechter des Völkerrechts auftreten. Das Recht darf niemals dem Unrecht weichen.
    Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern (Bad.-Württ.)

  • Jedes Zugeständnis an »eroberter« Fläche an Putin wäre ein Beweis für die Nichtigkeit des Völkerrechts. Ein Verrat an allen Menschen, die sich ein Leben in Frieden und Freiheit wünschen – an allen, die für diese Werte kämpfen und vor allem an jenen, die bei deren Verteidigung ihr Leben verloren haben. Es wäre der Freifahrtschein für das Recht des Stärkeren. Wollen wir Europäer das wirklich zulassen?
    Bernadette Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Ganz zaghaft werfen Sie im vorletzten Abschnitt Ihres Artikels die Gretchenfrage auf: Wie hältst du’s, Europa, mit den Atom­waffen? Die Franzosen und Briten wissen, dass sie dazu die Deutschen brauchen. Da wir nicht den Mut haben, Atommacht zu werden, bleiben wir Europäer weiterhin ein Appendix, wenn nicht von den USA, dann von Russland.
    Dr. Franz Egid Börner, Ingolstadt

  • Vielen Dank, liebes SPIEGEL-Team, Sie bringen es auf den Punkt. Mir kommen die Tränen angesichts dieses grau-samen Verrats.
    Valeska Breyer-Singh, Hamburg

Mieter haben keine Lobby

Heft 8/2025 Leitartikel: Der Staat muss selbst bauen, um das Wohnungsproblem zu lösen 

  • Sie haben so recht. Stellt der Staat billige Mietwohnungen zur Verfügung, dämpft das die Preisspirale, denn Mieter warten dann auf bezahlbaren Wohnraum. Leider hat zum Beispiel Herr Söder als bayerischer Finanzminister massenweise staatliche Wohnungen an Immobilienunternehmen verkauft. Kein Wunder, dass die Menschen jetzt das Gefühl haben, dass die Parteien der Mitte ihre Interessen verraten, und lieber am politischen Rand ihr Kreuzchen machen.
    Klaus Siersch, München

  • Unser Staat ist aktuell sicher nicht in der Lage, günstiger Wohnraum zu bauen als private Investoren. Somit sollte man hier zinsgünstige Darlehen anbieten und gute Abschreibungsmög­lichkeiten – und mit »billigem« Bauland aus staatlichem und kirchlichem Besitz arbeiten, bei entsprechender Sozialbindung. Das sollte die Kosten reduzieren. Wichtig wäre aber vor allem, dass wir gerade beim sozialen Wohnungsbau endlich effizient bauen, und das wäre möglich mit einer modularen Vorfertigung von Bauteilen in der Produktionshalle – also eine Art Lego-System. Hier würden die Kosten stark sinken, die Bauzeit vor Ort ebenfalls, und das Facharbeiterproblem an der Baustelle wäre auch weitaus geringer.
    Volkmar Döring, Unterwössen (Bayern)

  • Der von Herrn Jauernig vorgeschlagene »Ausweg«, der Staat könne selbst Wohnungen bauen, anstatt das dem Markt zu überlassen, entbehrt jeglicher Erfahrung und Plausibilität. Man braucht nicht nur den BER anzuführen, um zu ahnen, welche Entwicklung ein solcher Plan nehmen würde. Bei den Kosten ist es doch unerheblich, ob Hinz oder Kunz baut. Die Vorstellung von Mietpreisdeckeln oder Bremsen ist für Linke wohlbekannte Tradition – schließlich ist es unerträglich, dass der »gierige Unternehmer« oder Vermieter den Wunsch hat, dass sich sein Engagement rentiert.
    Bernd Spiecker, Schorndorf (Bayern)

  • Als Praktiker aus dem Baugeschehen mit Erfahrung als Architekt in Behörden, Konzernen und Baufirmen möchte ich mich äußern: Es ist richtig. Es gäbe einen Ausweg. Der muss auch nicht teuer sein. Dass Politiker:innen als Bau-Laien den Weg nicht sehen, kann man ihnen nicht vorwerfen. Vorwerfen kann man ihnen, dass keiner überhaupt ein reales Interesse am kostengünstigen Bauen und somit am Schaffen von massenhaftem Wohnraum hat. Mieter haben keine Lobby. Natürlich wäre es im Grunde sehr einfach möglich, überall massenhaft Wohnraum zu erstellen. Der Ansatz über den Staat, über Grundstücke, über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wäre grundsätzlich möglich und würde viel bewirken. Dann noch gewusst, wie, und man würde Wohnungen und Arbeitsplätze erhalten.
    Norbert Lüeb, Architekt, Stuttgart

  • Vorschlag: Unsere neue Bundesregierung schafft sofort ein neues milliardenschweres Sondervermögen. Dieses wird umgehend eingesetzt, um durch eine feindliche Übernahme der ultimative Mehrheitseigner eines bekannten börsennotierten Wohnungsunternehmens unseres Landes zu
    werden. Nach dem geglückten Coup beschließen die fortan sozial handelnden Aktionäre auf einer kurzfristig einzuberufenden außerordentlichen Hauptversammlung einen Mietendeckel und den vorläufigen Verzicht auf Dividendenausschüttungen. Erwirtschaftete Gewinne werden zunächst für das Aufhübschen des vorhandenen Wohnungsbestandes eingesetzt. Gleichzeitig nutzt man vollumfänglich die von einem mittlerweile innovativ agierenden Bauministerium eingeräumten Möglichkeiten, zinsgünstig neuen Wohnraum zu errichten. Vielleicht hat die Linke ja doch irgendwie recht?
    Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)

Wir müssen abwehrtüchtig sein

Heft 8/2025 Was junge Menschen über eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht denken 

  • Gerade nach dem offensichtlichen Rückzug der USA erübrigt sich eine Diskussion über die Wehrpflicht. Sie muss wieder aktiviert werden, auch wenn dabei bürokratische und logistische Hürden pragmatisch zu überwinden sind. Für meine Generation war eine Wehrpflicht Normalität, und das muss angesichts sich anbahnender Krisenzeiten wieder so werden. Nicht angenehm, aber der EU und unserer Staatssicherheit geschuldet. Die »Schuldenbremse« darf kein Hinderungsgrund sein.
    Hans Kruft, Zirndorf (Bayern)

  • Eine Gewerkschafterin gibt an, gegen jeglichen Zwangsdienst zu sein. So leicht kann man es sich nicht machen. Natürlich bin ich auch für Frieden, jedoch zeigen die nun fast drei Jahre Krieg in Europa, was auf uns zukommen könnte. Dieser grausame Mensch Putin lässt allen Verhandlungsangeboten zum Trotz nicht locker. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir »abwehrtüchtig« sein müssen. Auch schon allein dafür, dass die eingangs erwähnte Dame ihre Arbeit in der Gewerkschaft weiterhin in einer freiheitlichen Gesellschaft machen kann. Das zu erhalten, erfordert nun mal gewisse Zwänge. Ich als Leutnant der Reserve habe meinen Teil dazu beigesteuert.
    Franz Gehrke, Winnenden (Bad.-Württ.)

  • Eine Dienstpflicht, nicht Wehrpflicht, halte ich für alle Jugendlichen (m-w-d) für ausgesprochen wichtig, gerade in der heutigen Zeit, in der das Ego oft im Vor­dergrund steht. Aber sie müssen sich frei entscheiden können, ob Wehrpflicht oder eine Dienstpflicht in einer sozialen Einrichtung. Wenn Letzteres, dann aber bitte eine wirklich soziale Einrichtung, nicht, wie zuletzt möglich, zur Bespaßung in irgendwelchen Jugendabteilungen von Sportvereinen. Vielleicht findet mancher ja damit eine neue Berufung, lernt zum Beispiel, dass die Krankenpflege sich nicht darauf beschränkt, den Hintern abzuputzen, sondern ein sehr vielschichtiges, anspruchsvolles Ar­beitsfeld darstellt.
    Dr. Wolfgang Lampe, Eschbach (Rhld.-Pf.)

Eine gewagte Behauptung

Heft 8/2025 SPIEGEL-Gespräch mit dem Intellektuellen Pankaj Mishra über die Haltung Deutschlands im Gazakrieg 

  • Ihr Gespräch mit dem indischen Intellektuellen Pankaj Mishra habe ich mit großem Interesse gelesen. Vornehm zurückhaltend ist seine Formulierung, die Deutschen müssten die moralische Freiheit haben, das Falsche als falsch zu bezeichnen. Angesichts unserer Geschichte geht es im Fall von Gaza allerdings weniger um unsere moralische Freiheit als um unsere moralische Verpflichtung. Mishra wird angeblich auch vom Bundeskanzler gelesen. Sein aktuelles Buch »Die Welt nach Gaza« sollte jedenfalls Pflichtlektüre für die nächste Bundesregierung sein.
    Markus Schöner, Hamburg

  • Ihr Korrespondent widerspricht Pankaj Mishra entschieden, als dieser sagt, westliche Medien würden nicht mit der gleichen Genauigkeit über von Israel verübte Gräueltaten berichten wie über die der Hamas. Zumindest für den SPIEGEL will Herr Zand dies nicht gelten lassen. Und dieser Widerspruch scheint nicht nur seine persönliche Meinung widerzuspiegeln, sondern auch die der Redaktion, da diese den Text ja so veröffentlicht hat. Ich halte dies für eine gewagte Behauptung. Meines Erachtens sollten sich nicht nur die Deutschen im Allgemeinen, sondern auch der SPIEGEL im Besonderen die moralische Freiheit herausnehmen, das Falsche als falsch zu benennen. Dies gilt nicht nur für die Situation in Gaza, sondern beispielsweise auch für die rechtswidrige und inakzeptable Behandlung der Palästinenser im Westjordanland durch israelische Streitkräfte und militante Siedler.
    Dr. Franz Thoren, Renningen (Bad.-Württ.)

  • Ein äußerst mutiges und zugleich ausgewogenes Interview mit einem kritischen und oft kontrovers diskutierten Autor. Es gelingt, sowohl die palästinensische als auch die israelische Perspektive differenziert darzustellen. Vielen Dank dafür – gerne mehr davon!
    Stefan Merkl, München

Briefe aus Putins Gefängnissen

Heft 8/2025 Politische Gefangene schreiben aus der Haft 

  • Wenn man vom Schicksal dieser mutigen politischen Gefangenen liest, kommt man sich so unzulänglich vor in seiner Komfortzone. Möge den vier und allen übrigen politischen Gefangenen irgendwann ein Leben in einem freien Russland vergönnt sein, damit sich ihr aufopfernder Kampf gelohnt hat.
    Patrizia Krienke, Hamburg

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 81 / 84