Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Der Verbraucher schluckt
Heft 23/2023 Titel: Der Pillen-Schwindel
Dem SPIEGEL sei Dank für die Entlarvung dieser Nahrungsergänzungsmittel, wie man sie auch verharmlosend nennt. Aber die Geschäfte damit sind sicherlich gut, der Verbraucher schluckt die Pillen und hofft das Beste.
Hans-Emil Schuster, HamburgIm Bereich Nahrungsergänzungsmittel herrscht tatsächlich eine so große Konfusion und Unwissen, dass man gerade vom SPIEGEL hätte erwarten können, dass hier mal ein wenig Licht ins Dunkel gebracht wird. Leider war dies bei diesem so exorbitant wichtigen Thema nicht der Fall, weil der Bericht nicht der Erhellung diente, sondern nur an der Oberfläche kratzt. Die Margen und irreführenden Werbeaussagen mögen eine Information wert sein, stattdessen werden oberflächliche und pauschale Weisheiten gedroschen. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Nahrungsergänzungsmitteln und bleibe ausgewogen skeptisch. Was mich erschreckt, ist die extrem starke Unkenntnis selbst gebildeter Menschen über die Ernährung und die nicht ausbleibenden Defizite, insbesondere mit zunehmendem Alter. Leider verhält sich der Großteil der Bundesbürger nicht so, wie es in Ihrem letzten Satz richtigerweise sinngemäß heißen müsste: Nur bei ausgewogen überwiegend biologisch erzeugtem Essen und Trinken kann man auf eine Nahrungsergänzung – weitestgehend – verzichten. Dem Thema Ernährung muss in der Schule eine weitaus höhere Bedeutung beigemessen werden, es ist essenziell wichtig.
Eugen Weis, Engelskirchen (NRW)
Bitte mal scharf nachdenken
Heft 22/2023 Leitartikel: Der Staat muss Klimasekten anders Paroli bieten als mit Razzien
»Die freudige Empörung der Klimaaktivisten über die Razzia legt den Verdacht nahe, dass sich die Protest-Wichtel im Outlaw-Outfit gruselwohl fühlen.« – Wie hohntriefend kommentieren wir noch, bevor wir uns endlich mal ernsthaft um das Anliegen der »Letzten Generation« kümmern? Warum unterstützt der SPIEGEL diesen Umgang mit den jungen Leuten, die wirklich die letzte Generation sein werden, der es hier noch einigermaßen gut geht, wenn wir so weitermachen? Von dem Leitartikel ist mir schlecht geworden.
Uta Schlegel, BerlinIch bin sehr verwundert über diese populistische Art des Schreibens. Der Titel ist schon sehr daneben – und dann die Protestbewegung, ob einem diese nun zu radikal ist oder nicht, als »Sekte« zu beschreiben, ist völlig unsachlich und für mich eine subjektive und effektheischende Meinungsäußerung, die beim SPIEGEL nichts zu suchen hat.
Stefanie Kohlmorgen, Schönkirchen (Schl.-Holst.)Man solle den Aktivisten der »Letzten Generation« »Rechnungen schicken«, schreibt Gunther Latsch. Genau das geschieht ja bereits, aber ihr Spendenkonto ist so gut gefüllt, dass Reparaturkosten und Geldstrafen den Einzelnen nicht allzu große Sorgen bereiten. Und deshalb erklärt der Münchner Generalstaatsanwalt Röttle die Aktivisten kurzerhand zur kriminellen Vereinigung, um die Konten beschlagnahmen zu können und potenzielle Spender einzuschüchtern, denn jede Spende wäre dann als Unterstützung einer kriminellen Vereinigung eine Straftat. Allerdings kapiert er nicht, dass ein Rechtsstaat, der Klimakiller schützt und Klimaschützer drakonisch bestraft, langfristig den Glauben der Bevölkerung an seine Legitimität einbüßt. Den Gedanken, dass ein sich immer stärker radikalisierender »Rechtsstaat«, der jedes Augenmaß für Verhältnismäßigkeit verliert – und Bayern ist wieder einmal der traurige Spitzenreiter – irgendwann keiner mehr ist, sondern bloß ein Gesetzesstaat, will der Herr Generalstaatsanwalt nicht in seinen Schädel lassen.
Bernhard Schindlbeck, MünchenEin Leitartikel zu dem gesetzesbrechenden Minister Wissing, der allein durch seine Weigerung, ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen, jeden Tag für massive Umweltschäden verantwortlich ist, wäre viel sinnvoller.
Ulf Blender, Offenburg (Bad.-Württ.)Ich halte die Aktionen der »Letzten Generation« nicht für strategisch klug oder vertretbar, aber dem Rechtsruck in Deutschland und den Klimawandelleugnern durch solches Framing den Weg zu bereiten ist nicht akzeptabel. So etwas möchte ich finanziell nicht unterstützen. Da ich ansonsten die Arbeit des SPIEGEL schätze, würde ich mein Abo ungern kündigen. Sollte ein weiteres Mal solch unfassbarer Unfug einen Artikel säumen, bin ich dann aber weg. Unfassbar.
Peter Staab, HamburgKlimaschutz ist kein Verbrechen, aber Freiheitsberaubung schon, die Kosten für entgangene Zeit und Lohn sowie für den erforderlichen Umweg (Benzin und CO2-Verschmutzung) sollten mit in Rechnung gestellt werden.
Fritz Hiltner, Cramme (Nieders.)Wäre ich so mutig wie Akteure der »Letzten Generation«, würde ich längst bei denen mitmachen. Ich habe nie Führerschein und Auto besessen, noch keine Kreuzfahrt oder Flugreise gemacht, esse seit Jahren kein Fleisch. Ich bewege mich ausschließlich auf meinen Füßen, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht »Klimakleber« bedrohen mich, sondern Auto- und Ölkonzerne sowie die Reifenhersteller. Tausende an vorzeitigen Todesfällen und Erkrankten in der EU durch Feinstaub aus Brems- und Reifenabrieb, durch die Schadstoffe der Verbrenner sowie die enorme Lärmbelastung durch Motorrad, Lkw und stinkende, nervige Blechdosen sind beängstigend. Die Politik sitzt das aus und guckt zu. Bildung einer kriminellen Vereinigung? Bitte mal scharf nachdenken, auf wen dieser Vorwurf wirklich zutreffen könnte.
Jürgen Bauer, Itzehoe (Schl.-Holst.)
Zynisches Wirken
Heft 22/2023 Das bewegte Verhältnis von Henry Kissinger zum SPIEGEL
Henry Kissinger wird 100, der Militärputsch in Chile, von ihm maßgeblich vorangetrieben, jährt sich am 11. September zum 50. Mal. Bei dem Putsch wurde nicht nur die verfassungsmäßige Regierung abgesetzt und der Präsident in den Tod getrieben, sondern auch eine terroristische Diktatur installiert, die für die Liquidierung, das Verschwinden, die Inhaftierung, Folterung und das Exil Tausender Menschen verantwortlich war. Angesichts dieser Tatsachen sollte das zynische Wirken des Henry Kissinger relativiert werden.
Luis Droguett-Sims, Löhnberg (Hessen)
Zufall und Determinismus
Heft 22/2023 Warum Darwin so lange zögerte, seine Evolutionstheorie zu veröffentlichen
Gegen Ende Ihres Artikels über Charles Darwin unterstellen Sie dem scharfsinnigen Naturwissenschaftler die Vermeidung klarer Antworten auf die Frage der Rolle Gottes. Mit dem letzten Satz seines bahnbrechenden Werkes »Die Entstehung der Arten« widerspricht der geniale Evolutionserklärer aber dem SPIEGEL. Darwin schreibt: »Es ist wahrlich eine großartige Ansicht, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat, und dass, während unser Planet den strengsten Gesetzen der Schwerkraft folgend sich im Kreise bewegte, aus so einfachem Anfang sich eine endlose Reihe der schönsten und wundervollsten Formen entwickelt hat und noch immer entwickelt.« Das sind klare Antworten, zusammengefasst in einem Satz! Darwin versteht den Schöpfer nicht als Regisseur der Evolution, lehnt diese Rolle Gottes als solche kategorisch ab. Bestenfalls duldet er ihn als »einhauchenden« Ideengeber – immerhin.
Rainer Zörlein, Satteldorf (Bad.-Württ.)Entweder man glaubt von Beginn an, oder man macht den Umweg der Naturwissenschaft: Diese offenbart immer mehr die alles durchdringende Mathematik in der Natur. Doch andersherum lässt sich die Physik niemals aus der Mathematik herleiten. Also muss es irgendeinen Faktor geben, der sich jeglicher mathematischer Konzeption beziehungsweise physikalischer Theoriebildung entzieht und der die Ursache dafür ist, dass wir genau diese Physik haben und eben nicht irgendeine andere Physik. Nur wer keine Ahnung von den unendlichen Möglichkeiten der Mathematik hat, kann auf die Idee kommen, den »Zufall« – was auch immer das sein mag – zum Götzen zu machen. Ich persönlich halte es lieber mit dem weisen Schöpfer des zweiten Gebots im Alten Testament: Du sollst dir kein Bild machen.
Klaus Büschel, BonnDer SPIEGEL macht sich eines verbreiteten, nichtsdestoweniger zentralen Fehlers schuldig: An die Stelle der Schöpferhand tritt in der Evolutionstheorie keineswegs der »bloße Zufall« (das wäre absurd), sondern ein Prozess, der Zufall und Determinismus vereint. Die genetische Variation ist zufällig, die natürliche Selektion ist determiniert.
Jesko Veenema, Bonn
Selten so gelacht
Heft 22/2023 Kolumne: Alles Gutsch – Im Bermudadreieck der Bürokratie
Die Bürokraten aller Länder haben sich längst vereinigt – die Erlebnisse von Herrn Gutsch bestätigen diese These. Wegen eines einfachen Verwaltungsaktes jagen sie nach dem Prinzip »Hase und Igel« die Bittsteller um den halben Globus, nur um ihnen dann sardonisch lächelnd erneut ein Formular vor den Latz zu knallen. Sollte sich eine Lösung anbahnen, wird eben noch eine Urkunde angefordert – bis der Bürger die Segel streicht. Wir haben nicht den Hauch einer Chance.
Christian Reineck, BerlinIch nenne das Ganze den »Beamtendreikampf«: drangsalieren – schikanieren – abkassieren. Aufgrund eigener Erfahrungen ärgere mich jedes Mal, wenn ich von solchen bürokratischen Exzessen lese, aber ich lese diese Artikel doch irgendwie gern. Denn irgendwo in den unergründlichen Tiefen meines Unterbewusstseins glimmt die vage Hoffnung, dass sich der deutsche Beamtendschungel irgendwann einmal lichten könnte, wenn man die üblen Auswüchse nur oft genug ans Licht der Öffentlichkeit zerrt.
Wolfgang Schmidt, Lage (NRW)Wohlfeiler Beifall von allen Rängen – na klar. Aber: Entweder macht die an Recht und Gesetz gebundene Verwaltung Murks, oder die Vorgaben sind Quatsch. Der sich smart artikulierende Autor hätte ja vorher in Erfahrung bringen können, was auf ihn zukommt. Mein Resümee: Eine SPIEGEL-Breitseite gegen die Gesetzesvollzieher ist natürlich einfach, geht schnell und dokumentiert vollen Einsatz – hilft aber in der Sache überhaupt nicht weiter. Und im Übrigen wage ich zu bezweifeln, ob »ratzfatz« aus einer Claudia ein Claudio werden kann. Seit wann geht bei uns etwas »ratzfatz«?
Rolf Pühlhofer, NürnbergAus eigener und vor allem aus der leidvollen Erfahrung meiner Ehefrau, die ecuadorianische und spanische Doppelstaatsbürgerin ist, kann ich dem Autor des Artikels sehr beipflichten, da die bürokratischen Mühlen der Bezirksverwaltung, in unserem Fall im Berliner Südwesten, sehr langsam mahlen und wenig Transparenz gewährt wird. Seit Oktober 2022 bemüht sich meine Ehefrau um einen persönlichen Beratungstermin, um überhaupt einen Antrag auf deutsche Staatsbürgerschaft stellen zu können, jedoch liefen alle Bemühungen bislang ins Leere, da schriftliche Anfragen zu einem Beratungstermin nicht inhaltlich beantwortet und Termine bis Ende 2023 nicht mehr vergeben werden. Ob 2024 ein persönlicher Beratungstermin stattfinden kann, ist ungewiss. Gerne würde man den amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) beim Wort nehmen, der sich für eine Verwaltungsreform einsetzt.
Name der Redaktion bekanntSicher sehr frustrierend für Sie beide, lieber Herr Gutsch, aber wie Sie das schreiben, ist einfach herrlich. Wir haben selten so gelacht, es ist einfach köstlich, Sie haben wirklich Humor. Da kann man was lernen! Danke – schon lange nichts mehr so großartig Geschriebenes gelesen. Das war eigentlich der wertvollste Beitrag im jetzigen SPIEGEL.
Victor Oehm, München
Offensichtlich haben Sie die ehernen Grundsätze der deutschen Bürokratie nicht beachtet. -Erstens: Das haben wir noch nie so gemacht. Zweitens:
Das haben wir schon immer so gemacht. Drittens: Da könnte ja jeder kommen.
Herbert Gros, Röttenbach (Bayern)
Der wahre Charakter
Heft 22/2023 Vertagt die Ampel den Klimaschutz?
Gib einer Partei Macht, und du kannst ihren wahren -Charakter erkennen, trifft auf die FDP zu. Bei der CDU/CSU ist es um-gekehrt: Nimm einer Partei Macht, und du
kannst ihren wahren Charakter kennenlernen.
Erich Breuer, Hagen im Bremischen (Nieders.)
Schnoddrige Formulierung
Heft 22/2023 Gelingt es Europa, sich aus der Rohstoffabhängigkeit von China zu befreien?
Das ist das große Pfund des SPIEGEL: klasse recherchiert, informativ und erhellend für den Leser. Das Einzige, was mich richtig stört, ist die Schnoddrigkeit
in der Formulierung. Herrn Schimmelbusch als »Rohstoffopa« zu bezeichnen ist respektlos.
und gehört sich -einfach nicht.
Sabine Willecke, Nürnberg
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