Briefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 73 / 76

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Was will Kamala Harris, Kanzlerkandidat Friedrich Merz, Männerhass, Maria Furtwängler über Artenschutz – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 41/2024
  • Leider nichts Neues mit den Titelbildern. Immer wieder wird der SPIEGEL mit belanglosen Fotos von irgendwelchen Politikern aufgemacht. Fällt Ihnen denn überhaupt nichts Originelles mehr ein? Ich bin ja gespannt, wie oft in den nächsten Wochen Kamala Harris abgebildet wird. Noch liegt der Orange ja vorne.
    Josef Wankner-Eisl, Teisendorf (Bayern)

  • Ich denke, Kamala Harris hat gute Chancen, nicht das Schick­sal von Hillary Clinton zu teilen. Viele Menschen werden sie wählen – nicht, weil sie so gut ist, sondern weil sie eine zweite Amtszeit von Donald Trump verhindern wollen. Dies ist auch für jeden logisch denkenden Menschen nachvollziehbar.
    Jürgen Schöfer, Metro Manila (Philippinen)

Die Sauerländer, das sind wir alle

Heft 39/2024 Was Kanzlerkandidat – Friedrich Merz mit dem Land vorhat 

  • Warum dieses Merz-Bashing? Was hat seine Herkunft aus dem Sauerland mit Merz als heutigem Weltbürger zu tun? Es ist doch gut, dass er Millionen in der Finanzwirtschaft verdient und sich dort durchgesetzt hat. Das spricht für seine Wirtschaftskompetenz. Warum sollten Politiker, die 10 bis 20 Jahre lang in verantwortlicher Position in der Politik tätig waren und wichtige Probleme liegen gelassen haben, besser geeignet sein, diese zu lösen, als einer, der sich aus guten Gründen 20 Jahre lang zurückgezogen und dann entschieden hat, dem Land noch zu helfen?
    Erika Waldow und Ewald Blenk, Berlin

  • Eine Prise Sauerland, danke dafür. Das ist genau mein Grund, Herrn Merz zu wählen. Das Stehen auf festem Grund, wertkonservativ mit Bezug zur Heimat und Herkunft, stellt in Zeiten von Beliebigkeit eine Orientierung für uns dar. Ich habe mich oft gewundert, dass »Sauerländer« als abwertendes Attribut für engstirnig, unmodern und unbelehrbar galt. Die »Sauerländer«, das sind wir alle, die wissen, dass es bewahrenswerte, überlieferte Regeln gibt, die für den gesellschaftlichen Konsens existenziell sind. Nach den Jungsozialisten in der SPD und den Linken, meine Frau kann es nicht verstehen, werde ich demnächst Herrn Merz wählen.
    Dr. Wolfgang Rehhahn, Münster

  • Die CDU ist laut ihrem Grundsatzprogramm fest in christlich-sozialen, liberalen und konservativen Werten verwurzelt. Unter Friedrich Merz scheint die Partei eine botanische Katastrophe zu erleben: Die christlich-sozialen und die liberalen Wurzeln sind offenbar vertrocknet und abgestorben. Ein Paradebeispiel für diese gärtnerische Misswirtschaft ist Merz’ Ankündigung, die von der Ampel eingeführte Cannabislegalisierung rückgängig zu machen. Studien zeigen, dass die Legalisierung den Schwarzmarkt eindämmen kann. Dies passt jedoch offenbar nicht in Merz’ sauerländisch-provinzielles Weltbild. Sein reaktionäres und rückwärtsgewandtes Programm ist schlecht für Deutschland.
    Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern (Bad.-Württ.)

  • Oppositionsführer Merz ist in der Atomphilosophie der Siebzigerjahre stehen geblieben. Die Konsequenzen aus den Angriffen mit Verkehrsflugzeugen auf das World Trade Center ignoriert er. Ein Flugzeugabsturz wurde bei der Konstruktion der Schutzhüllen aller Atomkraftwerke ausgeschlossen. Kein Kernkraftwerk und kein Lager für hochradioaktives Material bietet einen Schutz gegen einen solchen Angriff. Ist das kein Argument gegen die Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Atomkraftwerke?
    Gerhart Herzig, Stuttgart

  • Wer Friedrich Merz will, muss wissen, dass er dann einen neoliberalen Kanzler bekommt. Dieser wird als Erstes den Sozialstaat schleifen, um mit dem dadurch gewonnenen Geld den Staatshaushalt zu sanieren. Dabei gäbe es einen eleganteren Weg für die Bundesregierung, an dringend benötigtes Geld zu kommen: Sie müsste nur Bezieher höherer Einkommen und Vermögende stärker zur Kasse bitten. Einfach weil diese es am ehesten verkraften würden.
    Klemens Hofmann, Marbach am Neckar (Bad.-Württ.)

  • Aller Voraussicht nach wird die CDU/CSU den nächsten Kanzler stellen. Ich frage mich allerdings, mit welchem Koalitionspartner die Union die zahlreichen geplanten Rückabwicklungen der Gesetze vornehmen will, die aus der Feder der jetzigen Regierungs­koalition stammen. Eine Koalition mit AfD, Linken oder BSW wird ausgeschlossen, ebenso eine mit den Grünen. Ob die FDP im nächsten Bundestag noch vertreten sein wird, ist fraglich. Bleibt nur die SPD – also genau die Partei, unter deren Kanzlerschaft die Gesetze verabschiedet wurden, die Herr Merz nun rückabwickeln will. Träumt Herr Merz etwa von einer absoluten Mehrheit? Das wäre dann vielleicht doch eine Vision, mit der er sich in ärztliche Behandlung begeben sollte.
    Regina Bibl, Celle (Nieders.)

Echt jetzt?

Heft 39/2024 Ohne Männerhass ließe sich manches Problem lösen. Eine Erwiderung 

  • Ich kann dem Artikel von Herrn Neukirch nur voll und ganz zustimmen. Und möchte noch hinzufügen, dass unsere Welt besser und schöner wäre, wenn man mehr miteinander spräche und Gemeinsamkeiten und Lösungen für Ungerechtigkeiten jeder Art suchte, anstatt sich gegenseitig wie auch immer geartete Schuld zuzuweisen.
    Angelika Geisler, Hamburg

  • Es ist schon bezeichnend, wenn man(n) Männerhass unterstellt, wenn sich eine Frau über die Gewalt von Männern gegenüber Frauen empört. Und nun wurde in dieser »Entgegnung« also festgestellt, dass Männer nicht nur Frauen Gewalt antun, sondern auch Männer Männern. Echt jetzt? Es wurden weiter Fakten festgestellt, dass auch Männer benachteiligt sind, weil sie früher sterben, sich häufiger umbringen, gefährliche Berufe haben oder als Soldaten sterben müssen. Also, Sie glauben, dass Männer gegenüber Frauen benachteiligt sind, weil sie sich selbst Gewalt antun? Manchmal denke ich, dass es bei manchen Männern keinen Sinn ergibt, sie aufzufordern, an sich zu arbeiten.
    Kido Kokoscha, Hamburg

  • Die Replik von Ralf Neukirch zeigt in einer beschämenden Klarheit, warum die Wut bleibt. Denn nach dem wunderbaren, wütenden und bitter nötigen Essay von Elisa von Hof fällt Ralf Neukirch nichts Besseres ein,
    als seine Replik mit dem Wort »Männerhass« zu übertiteln. Man müsste gar nicht weiterlesen; so deutlich wird hier die Unfähigkeit, sich als Teil des Problems zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Männer sich nur dann für männliche Opfer von Missbrauch, Mord und Gewalt interessieren, wenn eine Frau darauf aufmerksam macht, dass Gewaltverbrechen an Frauen in überwältigender Mehrheit von Männern verübt werden. Es sind wichtige Punkte, die in jedem anderen Moment ihre eigene Kolumne, ihren eigenen Raum und ihre eigene Solidarität verdienen. Und trotzdem werden sie nur dann reflexartig aus dem Hut gezaubert, wenn ursprünglich Männergewalt gegen Frauen thematisiert wird.
    Karla Koball, Essen

  • Für mich sind Ihre Ausführungen eine Erweiterung des Berichts von Frau von Hof. Die männliche Destruktion macht selbst vor
    dem eigenen Geschlecht nicht halt. Da werden Jungen zusammengeschlagen. Von Frauen? Da werden Jungen missbraucht. Von Frauen? Ich könnte noch mehr Beispiele bringen. Immer sind es Männer, die Gewalt anwenden.
    Ulrike Bischoff, Sundern (NRW)

  • Und wieder: zu wenige Männer in der Care-Arbeit, Pflege, (frühen) Erziehung, Bildung und so weiter, also weniger Vorbilder und Orientierung an emanzipierten Männern. Natürlich sind auch Jungen und Männer Opfer von Gewalt, aber – wir staunen – die Täter sind ganz überwiegend Männer. Wenn es Männerhass zuhauf gäbe, hätten wir mehr Tote und Verletzte an dieser Stelle. Es ist eher Erschütterung da­rüber, dass es genügend Männer gibt, die ihren Lern- und Veränderungsunwillen den Frauen auf
    die Rechnung schreiben. Nein, Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber deutlich weniger aggressiv und gewalttätig. Hier das archaische Bild des »durchsetzungsstarken« Mannes zu bemühen, verspottet unsere Vor­stellung von Zivilisation. Genauso idiotisch ist es, pauschal die Opferrolle zu reklamieren. Wir brauchen solidarische Männer, die übergriffige Männer zurechtweisen.
    Gisa Rewinkel, biff Eimsbüttel/Altona Frauen­beratungs­stelle, Hamburg

  • Es ist ja beinahe witzig, wie zwei Autoren in den letzten beiden Ausgaben die eher stereotypischen Geschlechtervorurteile bedienen: Eine Frau schreibt ein (berechtigterweise) hochemotionales, sprich frustriertes und wütendes Essay über Gewalt gegen Frauen (Nr. 38/2024) – und schreit dabei alle Männer an. Ein Mann bemüht sich, eine sach­liche Erwiderung entgegenzu­setzen (Nr. 39/2024), die zwar zwischendurch zu gemeinsamer Lösungsfindung aufruft, aber insgesamt eher beleidigt klingt, mit den entgegengesetzten Fakten nicht unrecht hat, aber
    den Punkt verfehlt – und doch sehr an »all lives matter« erinnern lässt. Auch wenn er später schreibt, dass es nicht um einen Wettbewerb geht, wem größeres Unrecht widerfährt, klingt das Argument, dass insgesamt mehr Männer umgebracht werden als Frauen, genau so. Ohne die vielen sarkastischen Spitzen in Richtung der Feministinnen wäre der Aufruf zu gemeinsamer Lösungssuche glaubwürdiger erschienen.
    Karen Andrä, Hude (Schl.-Holst.)

  • Meine Erfahrung als Lehrerin (40 Jahre) ist, dass Jungen, die eine förderliche Beziehung zu ihrem Vater oder einer männ­lichen Bezugsperson haben, in der Schule eher keine Probleme haben oder verursachen. Vielleicht sollten sich mehr Väter darüber Bewusstsein verschaffen, welches Vorbild sie selbst für ihre Söhne darstellen und wie sie aktiv verantwortungsvoll, hilfreich und konstruktiv die Zeit mit ihren Söhnen gestalten können. Dieser Aspekt fehlt bei Ralf Neukirchs Überlegungen leider völlig.
    Marta Sickinger, Diepholz (Nieders.)

  • Ralf Neukirch hat wie so oft nur in einigen Aspekten recht, findet aber den Kern des Problems nicht. Wenn Frauen von Männern misshandelt, missbraucht oder umgebracht werden, dann gibt es überhaupt keinen Grund, diese Brutalität zu relativieren – schon gar nicht mithilfe des Vergleichs, Männer täten Männern noch mehr Gewalt an. In diesem Zusammenhang ist seine Aussage »Ohne Männerhass wäre die Welt noch schöner« so trivial, dass es schon wehtut. Der wesentliche Unterschied ist, dass diese Männer glauben, sie hätten ein Recht auf Gewalt gegen Frauen.
    Peter Ueding, Leopoldshöhe (NRW)

  • Und wieder das übliche, männliche Lamento, es fände eine Hexenjagd statt gegen die Männer. Mittlerweile kann ich es nicht mehr lesen oder hören. Dann arbeitet doch an euch und an eurem Hang zur Gewalt. Es gibt genügend Institutionen, die Frauen wie Männern helfen. Und Psycho­logen sind meines Wissens nicht nur für Frauen zuständig.
    Brigitte Wolfsteiner-Thielmann, Hohennahr-Altenkirchen (Hessen)

Geschichten über Insektenschutz

Heft 39/2024 Schauspielerin Maria Furtwängler im SPIEGEL-Gespräch über ihr Engagement für den Artenschutz 

  • Mit der Natur halte ich’s wie Frau Furtwängler. Der Unterschied: Ich habe keine Hoffnung. Der Grund: die Übervölkerung der Erde, die Frau Furtwängler nicht auf der Rechnung hat. Ihr und der Redaktion empfehle ich ein Gedankenexperiment: Wie würden die Welt, die Natur heute aussehen, wenn die Weltbevölkerung nur vier Milliarden betragen würde (Stand von etwa 1975)?
    Wolfgang Luckner, Bonn

  • Da stellt sich eine Milliardärin mit garantiert sehr großem CO₂-Fußabdruck zwei Bienenstöcke in den Park ihres Anwesens und erzählt dem geneigten Leser Geschichten über den Insektenschutz. Das ist eine Story für die »Gala«, der SPIEGEL sollte sich für so etwas zu schade sein.
    Christopher Ullrich, Köln

  • Vielen Dank für dieses erfrischende SPIEGEL-Gespräch. Wer Insekten vor dem Ertrinken rettet, muss das Herz auf dem richtigen Fleck haben. Frau Furtwängler wird mir dadurch noch sympathischer. Es sind die Details solch eines Interviews, die dazu beitragen. Bezüglich der Aussage hinsichtlich Honigbienen versus Wildbienen muss ich allerdings einhaken. Gerade weil wir so wenige Flächen mit Nahrung haben, ist es umso wichtiger, dass man es mit den Honigbienen, die ein Luxusgut produzieren, nicht übertreibt und das Überleben der Wildbienen priorisiert.
    Petra Stripp-Scheuring, Großostheim (Bayern)

Hätte Olaf Scholz das Zeug zum Sekretär von Olaf Scholz?

Heft 39/2024 Die Gegendarstellung: Hands-on 

  • Was für eine geniale Disqualifikation unseres drolligen Bundesregierungshäuptlings. Gratulation zu dieser kreativen, aber völlig realitätsgedeckten Meisterleistung.
    Peter Kujawa, Herrsching am Ammersee (Bayern)

Die letzten Saurier von Brandenburg

Heft 39/2024 Über die Großtrappe – einen seltenen Vogel aus Brandenburg 

  • Endlich mal ein positiver Artikel. Zwar fast so lang wie eine Titelgeschichte und alles andere als weltbewegend, aber gut zu lesen und sozusagen herzerwärmend. Wäre schön, wenn es weiterhin solche Artikel geben würde.
    Christian Schneeweiß, Schlehdorf (Bayern)

Der Wärmepumper

Heft 39/2024 Die Berliner Hertie School verleiht Arnold Schwarzenegger die Ehrendoktorwürde 

  • Nach der Lektüre ist eines sehr klar: Sie mögen Robert Habeck nicht. Sie lassen keine Gelegenheit für Spott und Häme aus. Ihr Stil erinnert schmerzhaft an Oliver Pocher oder Lutz van der Horst. Vom SPIEGEL erwarte ich anderes.
    Hartwig Rauh, Machern (Sachsen)

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 73 / 76