Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 78 / 81

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Schattenpräsident J.D. Vance und die Pörksen-Kritik zur AfD-Berichterstattung des SPIEGEL – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 19/2025
  • Müssen wir jetzt in den nächsten vier Jahren wöchentlich damit rechnen, auf dem SPIEGEL-Cover einen oder gar mehrere dieser narzisstischen US-Politiker anblicken zu müssen? Das fände ich wirklich abstoßend. Die Medien sollten das hässliche Spiel dieser Menschen nicht auch noch unterstützen. Weniger wäre in diesem Fall mehr.
    Christel Lauterbach, Hungen (Hessen)

  • Nachdem JD Vance zum Vizepräsidentschaftskandidaten ernannt wurde, war klar, dass nicht Trump die dauerhafte Gefahr für die Werte des Westens ist, sondern Vance. Er und seine mächtigen Unterstützer werden die USA möglicherweise lange formen – es sei denn, sie machen gravierende wirtschaftliche Fehler.
    Helmut Rolfes, Herborn (Hessen)

  • Ich bete, obwohl ich an keinen Gott glaube, dass Trump bis zum Ende seiner Amtszeit am Leben bleiben möge, damit Vance nicht Präsident wird.
    Barbara Keilmann, Zetel (Nieders.)

  • René Pfister gehört für mich zu den besten Leuten, die der SPIEGEL hat. Mögen Trump, Vance und Co. noch lange Mist bauen, dann haben wir umso mehr von Herrn Pfister. Doch leider ist die Sache ernst. Aus meiner Sicht wirft das Treiben im Weißen Haus die grundsätzliche Frage nach Sinn und Bedeutung des Wählerwillens auf. Trump ist mit von allen unerwarteter Mehrheit wiedergewählt worden, bei uns möchte die AfD seit der letzten Wahl das Hohelied vom Wählerwillen immer lauter schmettern, in Frankreich, in Italien und so weiter. Nur: Was ist vom viel besungenen Wählerwillen zu halten, wenn das Wahlvolk so einfach durch geschickt agierende Populisten oder gar Demagogen gefügig gemacht werden kann? An diesem Punkt sollten uns die Zustände in den USA Anlass sein für ein breit angelegtes Nachdenken über das Volk als Souverän und den Wählerwillen.
    Eckhart Boelger, Berlin

  • Wer ist nun laut SPIEGEL der gefährlichste Mann Amerikas? Musk, Vance oder Trump? Also mehr Achtsamkeit bei der Verwendung des Superlativs! Trotzdem danke für Ihre Berichte zu diesem Desaster.
    Reinhold Meyer, Vaihingen (Bad.-Württ.)

Ein dickes Like!

Heft 16/2025 SPIEGEL-Kritik: Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über unsere AfD-Berichterstattung 

  • Bernhard Pörksen geht in seiner Kritik ausführlich auf den Umgang des SPIEGEL mit der Berichterstattung über die AfD ein. Ein sehr interessanter Beitrag, der den Finger auf ein Dilemma legt, vor dem ich selbst stehe. Ich frage mich immer wieder, warum in Deutschland so wenig passieren darf, ohne dass gleich die Frage folgt, welche Konsequenzen sich daraus für die Position der AfD ergeben. Mir kommt es so vor, als ob sich jeder Deutsche von morgens bis abends nur mit einer Sache beschäftigt: der AfD. Müsste man zu Pörksens Dilemmata vielleicht noch eins hinzufügen: das AfD-Dilemma?
    Raymond Van Dijck, Edegem (Belgien)

  • Mit großem Interesse und zunehmend röter werdenden Ohren habe ich die SPIEGEL-Kritik von Professor Pörksen gelesen. Seine konstruktive Kritik an der Berichterstattung über die AfD ist hochdifferenziert, belebend und Anschub für einen aktuellen Diskurs. Es ist jedoch zu bedenken, dass ein Magazin wie der SPIEGEL kein Lehrbuch über eine ausgewogene Diskussionskultur ist. Dies wäre eher Gegenstand eines Soziologieseminars. Der SPIEGEL sollte bleiben,
    wie er immer war: bissig, polarisierend, manchmal ungerecht, aber nicht populistisch anbiedernd.
    Dr. Werner Mischke, Hamburg

  • Der wichtigste Hinweis mit Lösungspotenzial ist die Forderung nach einem konstruktiven, inspirierenden Journalismus, der konzeptuell die politische Klasse und die Gesellschaft herausfordert – bestimmt nicht nur in der Migrationsfrage. Hier steckt viel Potenzial für hochwertigen Inhalt.
    Thomas Thelen, Ihringen (Bad.-Württ.)

  • Keine Partei hat in allen, allen Medien mehr (Negativ-)Werbung bekommen als diese. Und dann sucht man nach Ursachen für die Wahlergebnisse.
    Harald Hemmann, Chemnitz

  • Herrn Pörksens »kritisches« Monitoring gerät ein weiteres Mal zu einer seitenfressenden Lobhudelei, gepaart mit der mundgerecht portionierten Mikrokritik, dass das im Grunde einzige Vergehen des SPIEGEL abermals sei, immer noch nicht genug Haltung zu zeigen. Vorhersehbar liefert er damit erneut das notwendige Prüfsiegel zur weiteren Diskursverengung. Als politisch unbestimmter Leser frage ich mich zusehends, was das soll.
    Martin Hilmer, Lübeck

  • Der von Bernhard Pörksen befürwortete »konstruktive Jour­nalismus« erliegt immer wieder der Versuchung, aktivistisch da­rüber zu schreiben, was sein soll, statt was ist. Der Kampf für den Fortbestand der Demokratie ist durchaus eine vornehme Aufgabe – aber primär der Gesellschaft, eben nicht der Medien. Diese sollten der Urteilskraft ihrer Nutzer vertrauen.
    Hans-Joachim Otto, Frankfurt am Main

  • Ein häufig anzutreffendes Handicap von Wissenschaftlern ist, dass sie sich nicht kurz fassen können und Sachverhalte unverständlich und langatmig, also leserunfreundlich darlegen. Dieser Beitrag beweist das Gegenteil: Auf fünf Seiten hat Professor Bernhard Pörksen die »AfD-Berichterstattung des SPIEGEL« von Höcke bis Weidel packend, kritisch-unverblümt und schlüssig strukturiert analysiert. Er ist halt auch sprachgewandter Journalist und Medienexperte, der weiß, was das Lesepublikum in Bann zieht. Man kann seiner Forderung nach einem seriösen, für die Zukunft »transparenten und dialogischen« Journalismus nur zustimmen. So darf man gespannt sein, ob und wie die SPIEGEL-Redaktion auf die Pörksen-Formatvorschläge von »Redaktionsdisput« (Streitgespräch) bis »digi­tale Publikumskonferenz« reagieren wird.
    Dr. Dieter Barth, Münster

  • Ich bin 22 Jahre alt und lese den SPIEGEL nun seit knapp sieben Jahren mit großem Interesse. Dieser Text ist vermutlich der rhetorisch beste, den ich bisher lesen durfte. Noch nie zuvor habe ich auf einen Artikel reagiert – doch dieser hat in meinen Augen eine Ironie, die fast schon poetisch ist und in ihrer Eleganz mit Herrn Pörksens Sprache konkurriert. Dass die AfD in großen Teilen eine vollkommen idiotische Partei ist, unterwandert von Rechtsextremen, ist den meisten Menschen vermutlich klar. Ihr Artikel fasst – rhetorisch brillant, inhaltlich jedoch (aus meiner Sicht) eher schwach – die aktuelle gesellschaftliche Problematik treffend zusammen. Sie schreiben für ein Publikum, das intellektuell
    in der Lage ist, Ihre Sprache zu verstehen und Ihrem Gedankengang zu folgen. Die Ironie liegt jedoch darin, dass ein großer Teil der AfD-Wählerschaft das wohl gar nicht könnte. Ihr Text bleibt somit für genau jene Menschen, um die es eigentlich geht, unverständlich.
    Leonard Voglmaier, Berlin

  • Herr Pörksen, am Schluss des Artikels fordern Sie mich als Leserin zu einer Stellungnahme auf, die über eine bloße Meinungsabfrage hinausgeht. Dafür ein dickes Like, ebenso wie für Ihren Vorschlag einer digitalen Publikumskonferenz!
    Martha Wilmes-Siebert, Essen

  • Auch mich hat der Essay von Frauke Rostalski in der Ausgabe Nr. 10/2025 geärgert. Hier wäre der obligate Satz, dass externe Beiträge nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion widerspiegeln, angebracht gewesen. Oder eine Pro-Kontra-Konstellation. Wie überhaupt das dialogische Prinzip auch innerhalb der Redaktion erhellend sein könnte, mit Pro-Kontra-Beiträgen. Meinungsfreiheit ja, aber dann auch als Diskurs.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

  • Dem Medienkritiker Pörksen ist zuzustimmen, wenn er einen dialogischen Journalismus fordert. Streitgespräche zwischen Journalisten, auch zwischen Leserinnen und Lesern – warum nicht? Ich habe da noch eine Idee: Wie wäre es, Interviews mit bekennenden AfD-Wählern zu führen! Der SPIEGEL könnte beispielsweise fragen: »Was würde sich für Sie zum Guten verändern, wenn Sie die AfD wählen?« Oder etwa: »Wie würde sich der Strompreis entwickeln, wenn Windräder abgeschaltet werden?« Die Interviewerin sollte immer wieder nachfragen und sich auch Fragen des Interviewten gefallen lassen. Einziges Problem: Welcher AfD-Wähler liest schon den SPIEGEL?
    Dr. Martin Böttger, Zwickau (Sachsen)

  • In vielen Gesprächen als Psychotherapeutin höre ich, dass die AfD als demokratische Partei ange­sehen wird, weil sie zugelassen ist. Doch diese Zerrissenheit – zwischen Akzeptanz und Ablehnung – sorgt für Verwirrung. Ich finde die AfD problematisch, weil ihre Ideen oft Ängste schüren und Menschen ausgrenzen. Doch gleichzeitig scheint der Umgang der Politik und Medien mit ihr unklar. Wenn sie wirklich so gefährlich ist, sollte sie verboten werden. Passiert das nicht, sollten wir uns in einer demokratischen Gesellschaft sachlich und offen mit ihr auseinandersetzen. Die AfD gewinnt vor allem durch die Uneindeutigkeit und das Fehlen eines offenen Dialogs. Ich wünsche mir, dass wir den Menschen mehr Vertrauen schenken und einen ehrlicheren Dialog füh­ren – ohne nur in Schubladen zu denken oder mit moralischer Empörung zu reagieren.
    Ulrike Schofer, Waldkirch (Bad.-Württ.)

  • Aus der AfD-Berichterstattung des SPIEGEL lässt sich laut Herrn Pörksen lernen, dass man sich entschieden hat, für den Erhalt der sogenannten Brandmauer einzutreten und dafür zu plädieren, dass die Parteien der Mitte nicht mit der AfD kooperieren. Das bedeutet, die AfD nicht an der Regierung zu beteiligen und politisch nicht mit ihr zusammenzuarbeiten. Aber in der CDU haben das einzelne Parteimitglieder noch immer nicht verstanden. Das gilt auch für Herrn Spahn und Herrn Kretschmer. Daher sollten die Parteien der Mitte es nicht zulassen, dass die AfD einen Ausschussvorsitz im Bundestag erhält. Kooperation und damit politische Einflussnahme mit der AfD muss unterbunden und ihr mediales Paralleluniversum entlarvt werden. Bleiben Sie bei dieser Strategie.
    Petra Lorenz, Köln

  • Das Experiment mit Herrn Pörksen ist sehr gewinnbringend. Vielen Dank für Ihre Überlegungen, Ihre Beobachtungen und das Angebot von Bewertungen. Die »journalistische Gruppendenke« als Begriff ist trefflich, versteht man als Konsument doch nicht, wie Themen aufbereitet und priorisiert werden. Beispiel Migration: Gerade im Fernsehen wurde es während des Wahlkampfes zur Nummer eins. Angesichts von Gefahren durch Klimawandel, militärische Bedrohung und Wirtschaftsstagnation ist das schon Unfug. Sind die Medien autonome Agendasetter? Treibt sie nur die Aufmerksamkeit der Kunden, um gegen Konkurrenten bestehen zu können? Ist das Leitbild des »deutschen Opfers« sinnstiftend? Bitte machen Sie uns in einem Beitrag diese Denke der Medien transparent, die uns eigentlich durch die Wirren der Welt leiten sollen.
    Dr. Knut Diekmann, Berlin

  • Es wird zu wenig über Versuche berichtet, mit den Argumenten der AfD klarzukommen. Ich wünsche mir mehr Berichte über diese Auseinandersetzung statt über die Brandmauer. Warum ist die AfD nur eine Gefahr für Deutschland? Sie ist ja auch eine Bereicherung, weil es sonst diese Diskussionsbreite so nicht gäbe. Mit den drängenden Zukunftsfragen ist eine Partei allein überfordert.
    Hagen Jaedicke, Ludwigshafen

  • »Man darf als Journalistin und Journalist mit voller rhetorischer Wucht für die Demokratie eintreten, aber nicht in gleichem Maß für ökologische oder gar klima­politische Belange – warum eigentlich?« Ja! Und es muss so bleiben, da es ohne Demokratie keine Ökologie gibt, keine Freiheit, nur Totalitarismus. Diese Frage kann nur ein Autor stellen, der ein totalitäres Regime nicht am eigenen Leib erfahren hat.
    Ondrej Sebesta, Prag (Tschechien)

Menschenfresser im Büro

Heft 17/2025 Romantipp zu Tom Hofland: »Nimms nicht persönlich« 

  • Genau dieses Thema mit genau diesem Titel hat weiland Rio Reiser in den Acht-zigerjahren besungen: »Menschenfresser«. Sein Song gehört zur ewigen Playlist. Den Roman werd ich lesen. Danke für den Tipp!
    Stefan Waldow, Bonn

Bitter im Abgang

Heft 17/2025 Dass Annalena Baerbock zur Uno wechselt, sorgt für dicke Luft bei einigen Diplomaten 

  • Das Fazit feminis­tischer Außenpolitik à la Baerbock: Oberin sticht Unterin. Wenn ideologische Theorie und persönlicher Machttrieb aufeinanderstoßen, zählen weder Loya­lität zur selbst ausgewählten Mitarbeiterin noch normaler bürgerlicher Anstand
    Anneliese Köhle, Prien am Chiemsee (Bayern)

Der Kickboxer, der sich das Genick brach. Und trotzdem Weltmeister wurde

Heft 17/2025 Kickboxer Pascal Schroth überlebte einen Genickbruch – und schaffte ein spektakuläres Comeback 

  • Hervorragend recherchiert und spannend geschrieben. Endlich mal ein Mann, der unbeugsam sein bisher hartes, mit Schicksalsschlägen und gravie­renden Verletzungen gepflastertes Leben meis­terte. Dem SPIEGEL sei Dank für diesen Bericht, der mehr als preiswürdig ist.
    Thomas Hansen, Berlin

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