Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 73 / 76

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Krieg in Nahost, Leitartikel über Robert Habeck, Lars Klingbeil über Militär, Risiko eines Atomkriegs – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 18/2024

Es bleibt beim Schattenkrieg

Heft 17/2024 Titel: Der nächste große Krieg?

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  • Der »große Krieg« zwischen Iran und Israel hat schon 1979 begonnen, mit der Errichtung einer »Islamischen Republik«. Die Vernichtung des Staates Israel ist seitdem iranische Staatsdoktrin. Israel und die USA werden alles tun, alles, damit der Iran nicht zur Atommacht aufsteigt. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann die USA und Israel eine »finale militärische Militäroperation« gegen Teheran starten.
    Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)

  • Ihre Analyse über einen großen Krieg zwischen Iran und Israel wird von der Realität überholt. In Wahrheit hat das Mullah-Regime kein Interesse an einem offenen Krieg gegen Israel. Zum einen weil es ihn sich wirtschaftlich nicht leisten kann, zum anderen weil es weiß, dass es ihn nicht überleben würde. Israel hingegen kann ohne Hilfe der USA keinen erfolgreichen Krieg gegen Iran führen. Deshalb bleibt es wie bisher bei einem Schattenkrieg.
    John Osmani, Nideggen (NRW)

  • Die Konferenz von Guadeloupe fand im Januar 1979 auf Einladung des französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing statt. Nur der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte Bedenken, aber Giscard d’Estaing, Jimmy Carter (USA) und James Cal­laghan (Großbritannien) waren dafür, dass der Schah den Iran verlässt und Ajatollah Khomeini zurückkehrt. Die Folgen dieser Entscheidung sind bis heute spürbar. Vielleicht wäre der Weltgemeinschaft manches erspart geblieben, wenn die Guade­loupekonferenz nicht stattgefunden hätte.
    Dr. Mohammad Behechtnejad, Winsen an der Luhe (Nieders.)

  • Ich glaube nicht an einen neuen großen Krieg, erst recht nicht zwischen Israel und Iran. Israel verfügt über ein Atomwaffen­arsenal, das ist ein offenes Geheimnis. Im Fall einer negativen Entwicklung des Krieges könnte Israel diese also auch mit der Begründung seiner Selbstverteidigung wegen der Gefahr einer Auslöschung einsetzen. Damit wäre es sogar den USA moralisch überlegen, denn deren Existenz war 1945 durch Japan nicht mehr gefährdet, und dennoch wurden zwei Atombomben auf zivile Ziele abgeworfen. Man wollte den Krieg verkürzen. Bei Israel ginge es wohl höchstwahrscheinlich tatsächlich um Sein oder Nichtsein, bis es die Atombombe einsetzt.
    Jürgen Schöfer, Pasig City (Philippinen)

  • In der Logik und der Politik des Westens verwechselt man oft zielgerichtet Ursachen und Folgen. Wer hat denn mit der Bombardierung der iranischen Botschaft die Lunte für einen Flächenbrand gezündet? Iran war es wohl nicht. Aber der Plan ging auf. Mit dem Aufleben des Irankonflikts hat Netanyahu seine durch sein Vorgehen in Gaza unsicher gewordenen Verbündeten wieder eingefangen und Gaza und das Leid der Palästinenser aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit genommen. Jetzt stehen wir alle wieder fest hinter Netanyahu, und Iran wird bestraft.
    Dietmar Sobottka, Chemnitz

  • Der Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm hat vor mehr als 50 Jahren gemeint, die wichtigste Aufgabe des Menschen bestehe darin, Wahnsinn zu vermeiden. Blickt man auf die Geschichte der Menschheit in den vergangenen Tausenden von Jahren, ist das zumeist nicht gelungen. In den praktisch ausschließlich von Männern initiierten, geplanten und exekutierten Gewaltorgien in Kriegen hat sich dieser Wahnsinn stets durchgesetzt und zeigt, Männer können ein friedliches Zusammenleben von Stämmen, Ethnien, Staaten nicht nachhaltig organisieren.
    Dr. Guenther Witzany, Buermoos (Österreich)

Watschenmann der Nation

Heft 16/2024 Leitartikel: Robert Habeck ist der Einzige, der die Grünen aus der Nische führen kann 

  • Habeck also! Habeck? Dabei ist die Stimmung doch: Ich weiß zwar nicht, was morgen passiert, aber ich weiß heute schon, wer schuld ist: Habeck. Als Watschenmann der Nation hatte ihn Herr Weselsky mit großem Talent eine Zeit lang abgelöst, aber die Verschnaufpause ist vorbei. Und wenn es dann doch mal gute Nachrichten gibt: Will nichts hören, du verdirbst mir meine schlechte Laune. Unsere große Gereiztheit bedarf eines Politikers mit therapeutischer Kompetenz, allein ich sehe keinen. Und ob Habeck sie hat? Ich hoffte es.
    Rudolf Käs, Fürth

  • Im Leitartikel kann man vieles unterschreiben. Nur eines wundert mich: mit welcher Verve in einem Punkt das gesamte Pressespektrum von unterirdisch bis intellektuell seit 2023 das Geschäft von »Bild« und der FDP betreibt. Der erste offen als unfertig zur Abstimmung bezeichnete Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz wurde in diesem frühen Stadium bekanntlich von der FDP an »Bild« durchgestochen. Dieser Vertrauensbruch steht auch im Zusammenhang mit
    der Missgunst gegenüber den sehr guten Umfragewerten von Robert Habeck Anfang 2023 und guten Landtagswahlergebnissen. Unzählige Wiederholungen der angeblich handwerklichen Fehler des Entwurfs dienen der in den Dreißigerjahren formulierten Weisheit eines Propagandaprofis: »Man muss eine Lüge nur oft genug erzählen, bis sie von jedem geglaubt wird.« Und: Einer schreibt bis heute vom anderen ab.
    Jörg Thinius, Hannover

  • Der Verfasser des Leitartikels beschäftigt sich zwar vordergründig mit den Grünen und ihrem angeblichen Nischendasein, in Wirklichkeit jedoch teilt er uns mit, dass er die deutsche Wählerin und den deutschen Wähler für sehr oberflächliche Wesen hält. Gewonnen werden Bundestagswahlen nach Ansicht des Leitartiklers nämlich wegen der Spitzenkandidat:innen, nicht wegen der Parteiprogramme. Bleibt nur die Frage, warum der SPIEGEL seinen Leserinnen und Lesern dann permanent politische Hintergrundberichterstattung präsentiert.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • Man hat die Grünen nicht machen lassen, deswegen haben sie sich zurückgezogen. Die Bremser sind die Konservativen und leider auch die FDP. Aber das war von Anfang an klar. Mit den Konservativen kommt Deutschland leider nicht aus der Bredouille. Den Istzustand Deutschlands haben wir der CDU/CSU zu verdanken, die nach wie vor im vergangenen Jahrhundert verhaftet ist. Auch mit ihrem Personal ist sie leider seit zwei Jahren bisher nur im Wahlkampf hörbar. Und das ist zu wenig.
    Lothar Wirth, Berlin

China ist doch Profiteur

Heft 16/2024 SPD-Chef Lars Klingbeil erklärt im SPIEGEL-Gespräch seine Beziehung zum Militär

  • Viele Politiker – Wagenknecht, Bartsch, Gysi, hier Klingbeil – reden immer davon, der Westen solle China dazu bringen, seinen Einfluss auf Putin in Bezug auf den Ukrainekrieg auszuüben. Das ist völlig unrealistisch, denn China ist doch der größte Profiteur vom Krieg: Russland muss sein Gas und Öl unter Weltmarktpreis verkaufen, mangels westlicher Abnehmer. Da westliche Produkte wegen der Sanktionen entfallen, kauft Russland groß in China ein, zum Beispiel Autos und Computer. Staatspräsident Xi freut sich – Russland wird mehr und mehr abhängig, zum Vasallen Chinas. Finanzielle und militärische Kapazitäten der USA sind gebunden. Also, welche Motivation sollte Xi haben, sich für Frieden einzusetzen?
    Dr. Matthias Kießling, Berlin

  • Lars Klingbeil benennt in seinem Interview zwei Säulen der Außenpolitik von Willy Brandt: Diplomatie und militärische Stärke. Ich denke, es gab auch noch eine dritte Säule: den Versöhnungsgedanken in Anbetracht der Verwüstungen und der über 25 Millionen Toten, die die Wehrmacht beim deutschen Vernichtungskrieg in der Sowjetunion hinterlassen hat. Dieser Versöhnungsgedanke war und bleibt richtig. Aber der »Wandel durch Handel«, insbesondere die Aussicht auf billiges Erdgas, hat in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre viele von uns (nicht nur in der SPD) blind gemacht für die antidemokratischen Entwicklungen in Russland.
    Dr. Christoph Dembowski, Rotenburg/Wümme (Nieders.)

Grandiose Blödheit

Heft 16/2024 Wird das Risiko eines Atomkriegs unterschätzt?

  • Ein Atomkrieg aus Versehen? Wenn man dann nicht schon tot wäre, könnte man sich totlachen, sollte die Menschheit durch einen versehentlich ausgelösten atomaren Holocaust ausgelöscht werden. Die Frage, ob irgendjemand danach wissen würde, dass es die Menschheit gegeben hat, ist angesichts der grandiosen Blödheit des Menschen so peinlich, dass sie besser nie gestellt wird.
    Rainer Kollewe, Laer (NRW)

  • Das geschilderte Szenario ist gar nicht so unwahrscheinlich, wie notorische Optimisten glauben mögen, aber es geht eher vom Iran aus als von Nordkorea.
    Klaus Müller, Essen

  • Warum sollte die Flugbahn der amerikanischen Raketen über Russland liegen, wenn es viel kürzer direkt von Amerikas Westküste über den Pazifik geht?
    Herbert Gros, Röttenbach (Bayern)

  • Anscheinend hängt das Überleben der Menschheit also von den Launen einzelner egomaner, alter Män-ner ab, deren Finger über dem roten Knopf schweben. Auch
    als Folge eines Fehlalarms könnte der atomare Overkill ausgelöst werden. Selten hat man sich derart hilf- und machtlos gefühlt.
    Christian F. Reineck, Berlin

Das ist so überheblich

Heft 15/2024 Diebstahl im eigenen Haus – der Albtraum einer Pflegebedürftigen

  • Es mag furchtbar sein, was Frau Justyna ihrem Schützling angetan hat, dennoch muss ich sagen, dass Ihr Artikel tendenziös ist. Sie schreiben, dass 24-Stunden-Pflegekräfte mit dem niedrigen Lohn zufrieden sind! Das ist so überheblich. Ohne diese Frauen, die ihr Leben, ihre Familien und Kinder zurücklassen, würden viele Pflegebedürftige genau keine Betreuung erhalten. Die Agenturen locken Frauen mit Angeboten in den Westen. Knebelverträge, die nur unter hohen Strafzahlungen, gelöst werden können, binden sie mitunter für Jahre. Die wirtschaftliche Not bringt sie nach Deutschland, der Mangel an Jobs in ihren Herkunftsländern – aber sicher nicht, weil der niedrige Lohn für sie ein Anreiz ist! Ich empfehle, vor allem die Agenturen zu prüfen und nicht nur die Pflegekräfte.
    Annika Rauchberger, Wien (Österreich)

  • Meine Mutter, fast bettlägerig, fast erblindet, in einer Seniorenwohnanlage lebend, erhielt täglich Essen auf Rädern durch wechselnde Fahrer. Kurz vor Weihnachten ließ sie sich ihre Handtasche reichen, entnahm ihrem Portemonnaie ein ordentliches Trinkgeld. Danach waren das Portemonnaie mitsamt einigen Hundert Euro und der Fahrer verschwunden. Obwohl der Fahrer namentlich zu ermitteln war, nur bedauerndes Achselzucken der Kriminalpolizei.
    Gunnar Tietze, Kiel

Ein Ansatz: Bürgerräte

Heft 16/2024 Ex-Tory Rory Stewart über die Krise der Demokratie

  • Für das Interview mit Rory Stewart gebührt Ihnen der besondere Dank der Leserschaft, fasst es doch zusammen, was denkende Bürger im Kern an der Demo­kratie verzweifeln lässt. Ein Ansatz zur Verbesserung könnten Bürgerräte sein, im SPIEGEL Nr. 12/2024 haben Sie über den ersten dieser Art in Deutschland berichtet. Es scheint, als sei die Resonanz in der Leserschaft gering gewesen – in den folgenden Ausgaben erschien kein einziger Leserbrief zu dem Thema. Ich bin vor einigen Jahren auf die Idee von Bürgerräten gestoßen durch das Buch »Gegen Wahlen: Wa­rum Abstimmen nicht demokratisch ist« von David Van Reybrouck. Seitdem lässt mich die Thematik nicht mehr los. Wie sieht es in der SPIEGEL-Redaktion aus? Wäre eine Recherche denkbar, eventuell ein Interview mit Van Reybrouck?
    Axel Tobüren, Dülmen (NRW)

  • Vielen Dank an Jörg Schindler für das sehr interessante und sehr gute Interview mit Rory Stewart.
    Werner Seeliger, Stuttgart

Wie weit willst du gehen für ein Kind?

Heft 16/2024 Über den unendlichen Weg, ein Kind zu adoptieren

  • »Dann adoptiert doch einfach eins« – wie oft habe ich diese Aussage gehört! Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihren offenen und mutigen Bericht.
    Nicole Christen, Leiwen (Rhld.-Pf.)

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