Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Endlich ist es vorbei
Heft 23/2025 Titel: Game over
Ist tatsächlich schon so ’ne Saure-Gurken-Zeit, dass ihr mit diesem Hampel eine ganze Titelgeschichte bestreiten müsst? Diesem Egomanen einen SPIEGEL-Titel zu widmen, ist ziemlich armselig.
Ulrich Chilian, Hohenstein (Hessen)Eine umfassende Beschreibung der Sachlage. Die Ursachen bleiben unausgesprochen: Ein Unternehmer mit Alleinherrscheranspruch wird in einem demokratischen System, in dem es um das Gewinnen von Menschen und Mehrheiten geht, immer scheitern. Und schlimmer: Die Musk-Methode, »breaking things«, gepaart mit mehrfachen Fehlversuchen, kann in der Politik und vor allem im Krieg nur in einer Katastrophe enden. Zum Glück sind die 130 Tage um.
Michael J. Dettmer, Wolnzach (Bayern)Dass Elon Musk offensichtlich in einem intoleranten und rassistischen Elternhaus aufgewachsen ist, erklärt manches an seiner »bizarren Persönlichkeit«. Er hatte sich von Donald Trump ohne jegliche parlamentarische Legitimation einsetzen lassen, um mit seiner Organisation Doge die Ministerien zu durchforsten. Nach 130 Tagen ist es endlich vorbei. Die Folgen werden vermutlich noch Generationen beschäftigen. Wenn es stimmt, dass er die Steuerbehörde IRS, die im Darknet Cyberkriminellen hinterherjagt, arbeitsunfähig gemacht hat, zeigt es einmal mehr, dass er in seiner Zerstörungswut keine Ahnung hat, was er in der amerikanischen Gesellschaft angerichtet hat.
Dieter Obst, Wiesbaden
»Unter sich«
Heft 22/2025 Was Eltern von Waldorfschulen erwarten – und was sie bekommen
Die trotz abnehmender Schülerzahlen zunehmende Beliebtheit von Waldorfschulen lediglich an den drei Parametern weniger Leistungsdruck, mehr Kreativität und individueller Blick auf den Schüler zu begrenzen, ohne Angaben zu Klassenstärke, Anteil ausländischer Schüler oder familiärem Hintergrund, ist nicht Journalismus, sondern Lobbyismus.
Dr. Erwin Sieverding, Vechta-Langförden (Nieders.)Großer Dank an Swantje Unterberg und Lukas Hildebrand! Das ist anspruchsvollster Journalismus auf höchstem Niveau. Als Insider, der die Waldorfschule sowohl von Schüler- als auch von Lehrerseite her kennt, weiß ich, wie schwer es ist, sich beim Schreiben über ein weltanschaulich begründetes Praxisfeld, das als allgemeinbildende Schule in der Öffentlichkeit steht, der Polemik zu enthalten – bietet doch die Anthroposophie für Außenstehende nun einmal Angriffsfläche zur Genüge. Wer die in Rede stehende Thematik wirklich kennt, kann ermessen, wie schwer es ist, hier sachlich zu bleiben, und somit beurteilen, wie gelungen dieser Artikel in seiner Ausgewogenheit ist.
Eckhart Boelger, BerlinDer Erfolg der Waldorfschulen speist sich aus den Schwächen der staatlichen Schulen. Ein ganzheitlicher Ansatz, geringerer Leistungs- und Selektionsdruck vor allem in der Grund- und Mittelstufe lassen über das größtenteils abstruse Gedankengut von Rudolf Steiner hinwegsehen. Systemkritik ist unerwünscht, wie in allen ideologisch geprägten Gemeinschaften. Das erklärt, dass Kritik auch in Ihrem Artikel zumeist anonymisiert vorgetragen wird. Wenn wir uns unter ehemaligen Waldorfschülern treffen, wird es immer heiter, weil wir aus einem schier unerschöpflichen Fundus an skurrilen Erlebnissen schöpfen können.
Martin Wintermantel, Ladenburg (Bad.-Württ.)Frau Unterberg, Herr Hildebrand, danke. Als ehemaliger Waldorfschüler habe ich den Artikel, dem eine positive Tendenz innewohnt, geschätzt. Denn es ist selten (und schon gar im SPIEGEL), dass etwas Positives an den Waldorfschulen gelassen wird. Dennoch: Vermutlich wissen Sie, dass von Rudolf Steiner ursprünglich nie eine Notengebung vorgesehen war. Es ist also immer irgendwie eine Krücke, wenn mit diesem Argument der Noten umgegangen wird. Denn dabei wird übersehen, was die Waldorfschulpädagogik wollte und will. Denn: Ich glaube nicht, dass man nur den Zulauf der Waldorfschulen mit dem Versagen des staatlichen Systems erklären kann. Das ist zu einfach. Oder andersherum gesagt: Warum wird das Versagen des staatlichen Schulsystems nicht einmal so konstatiert, dass man es verwandelt? Aus der Sicht der Waldorfschulen müsste man sich geradezu über das staatliche Schulwesen aufregen. Man müsste den eigentlichen Kern der Waldorfschulen freilegen, um eine wirkliche Diskussion über Vor- oder Nachteile zu eröffnen. So bleibt die Diskussion immer in den bekannten Klischees (Namen tanzen) stecken. Gäbe es ein wirklich freies Schulwesen, dann erübrigte sich vieles von dem, was seit vielen Jahrzehnten in den Medien über die Waldorfschulen geschrieben wird. Jeder würde eben dann die Schule wählen, die – auf dem Boden der Demokratie und Menschenwürde – ihm stimmig für seine Kinder erscheint.
Matthias Mochner, Uhldingen-Mühlhofen (Bad.-Württ.)Aufgrund des Schlusses – der »Bankrotterklärung für das staatliche Schulsystem« möchte ich folgende Aspekte ins Gespräch bringen: In den kommenden Jahren muss es eine Diskussion darüber geben, was Schule leisten soll. Hierbei ist in erster Linie das Kind zu beachten. Der »Leistungsdruck« ab einem Alter von acht oder neun Jahren ist unbedingt zu überprüfen. Ebenfalls muss es eine Diskussion darüber geben, welche Inhalte mit welchen wissenschaftlichen Ansprüchen unterrichtet werden sollen – oder ob Schule nicht zunächst Kompetenzen zur allgemeinen Lebensbewältigung vermitteln soll. Hier hat die Waldorfschule, aber nicht nur sie, gute Ansätze. Außerdem ist die Lehrer:innenausbildung in den Blick zu nehmen. Eine Lehrkraft, die selbst nur Leistungsdruck erlebt, ist geneigt, selbst Leistungsdruck aufzubauen. In allen Systemen ist die Lehrkraft die entscheidende Persönlichkeit. Das ist völlig unabhängig von der Weltanschauung, die einem Schulsystem zugrunde liegt. Und: Auch in diesem Artikel wird auf die Problematik bestimmter pädagogischer Ansätze der Anthroposophie hingewiesen. Ich möchte hier noch eine weitere Frage stellen, die beachtet werden sollte: Welche Rollenbilder werden insbesondere Mädchen an Waldorfschulen vermittelt? Hier sollte man bedenken, dass das Jahr 2025 nicht mehr 1919 oder 1964 ist.
Martin Wilms, Garding (Schl.-Holst.)
Gerontodiskriminierung at its best
Heft 22/2025 Senioren sollen wohl bald darlegen, ob sie noch sicher Auto fahren können
Wieder ein Beispiel für freiheitseinschränkenden, von der EU gepushten Bürokratieaufbau zulasten der Senioren im Sinne von Altersbashing. Und es geht mal wieder um Geld aus den Taschen der Bürger für TÜV und Schulungsanbieter. Das ist Gerontodiskriminierung at its best. Die Grafik im Artikel ist völlig untauglich, denn aus ihr geht weder die Gesamtzahl der Unfälle pro potenziellen Fahrern hervor, noch, ob die Verursacher des Unfalls selbst gestorben sind. Sie schreiben ja selbst, dass ein betagtes Unfallopfer leichter zu Tode kommt als ein junger Mensch. Ich als Altersmedizinerin plädiere für Freiwilligkeit und vernünftiges Verhalten durch verbesserte Aufklärung über die Risiken des Autofahrens bei Einschränkungen und mögliche Alternativen wie Nutzung des ÖPNV, Fahrdienste und Nachbarschaftshilfen, Einsparpotenziale bei Abschaffung des eigenen Pkw, Etablierung von Stilllegungsprämien.
Dr. Christine Odensass, ehem. Ltd. Oberärztin Geriatrie Asklepios Klinik Nord, HamburgIch finde es grundsätzlich falsch, Führer- oder Waffenscheine auf Lebenszeit ohne Nachkontrolle zu vergeben. Ab einem bestimmten Lebensalter muss die Eignung regelmäßig überprüft werden, das gilt auch für mich mit meinen 65 Jahren. Letztendlich geht es hier nicht um Selbstbestimmtheit, Freiheit oder Ähnliches, sondern darum, ob ich überhaupt noch fähig bin, ein Auto zu fahren oder eine Waffe zu besitzen, ohne Gefahr zu laufen, meine Mitmenschen zu schädigen. In Texas musste ich um 1990 herum alle vier Jahre meinen Führerschein neu beantragen. Als jüngerer Mensch kein Problem, je älter du wurdest, desto höher wurde die Wahrscheinlichkeit, zum Seh- und Hörtest gebeten zu werden, zu einer neuen theoretischen Prüfung oder mit dem State Trooper eine Runde zu fahren.
Stefan Uttke, Neuss
Da ist sie wieder, die kirchliche Sexualfeindlichkeit
Heft 22/2025 Die evangelische Geistliche Maike Schöfer über den Feministen Jesus und die Haltung zum Sex
Ich hoffe, dass die katholischen Gläubigen sich von Pfarrerin Maike Schöfers Ansichten nicht beeinflussen lassen, denn wer sich ständig dem Zeitgeist anpasst, befördert letztlich nur die Dekadenz. Soll sie ihre Thesen in der evangelischen Kirche verbreiten, welche meiner Meinung nach mittlerweile ohnehin eher eine politische als eine christliche Vereinigung ist. Wir Katholiken sollten bei unserer bisherigen Ausrichtung des Glaubens bleiben, denn nicht alles, was gerade angesagt ist, ist auch richtig.
Annemarie Fischer, Wielenbach (Bayern)Vermutlich ohne es zu merken, unterminiert Pfarrerin Schöfer ihre eigene Argumentation, wenn sie über Jesus sagt: »Dass er nicht über Sexualität sprach, erzählt mir, dass er nicht verheiratet war, dass er keinen Sex hatte – aber das zeigt auch, dass ein Singleleben und ein asexuelles Leben gleichwertig sind. Das Ideal, das Jesus verkörperte, ist ein unverheiratetes.« Die Behauptung der Gleichwertigkeit verschiedener Lebensentwürfe steht in unauflöslichem Widerspruch zu der Behauptung, Jesus habe ein unverheiratetes Leben als »Ideal« angesehen. Vollends unsinnig ist die Behauptung, Jesus’ Unverheiratet-Sein »erzähle«, dass er keinen Sex gehabt habe. Da ist sie wieder – die wohlbekannte kirchliche Sexualfeindlichkeit, auch aus dem Munde einer Pfarrerin, die diese Sexualfeindlichkeit angeblich überwinden will.
Ekkehard Grube, Dinslaken (NRW)Die »Evangelen« können sich glücklich schätzen, eine Pfarrerin wie Maike Schöfer in ihren Reihen zu haben. Gäbe es eine solche Pastorin in den Gemeinden meines Wohnorts, ich würde sofort wieder eintreten.
Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)
Du hast gewirkt – ich konnte träumen
Heft 22/2025 Freddy Quinns Memoiren entlarven seine Lebenslüge
Lieber Freddy, über das Gewesene mach’ dir keinen Kopp, denn das war damals ein ganz famoser Job, der dir Alleinstellung gegeben und Dollars in den Kassenschrank gespült hat. Es ist alles gut, und ich mache dir Mut, denn auch bei mir hat deine Medizin bestens funktioniert. Sie hat meine Träume schon als Bubi von sechs Jahren okkupiert, als ich Bananen aus den Elevatoren im Hafen rausgeklaubt, da hast du mir schon meine Sinne geraubt, hast Bach und Beethoven aus meiner Legende vertilgt, hast meine Mutter damit die Wände hochgejagt. Elvis und Dylan hat sie noch toleriert, aber bei Freddy ist ihr die Sicherung rausgeflogen. Ich habe deine Versprechungen dann mit 16 umgesetzt, habe die Schule geschmissen, bin zur See abgehauen, bin mit der »Pisang« von Laeisz im Pazifik rumgesaust, allzeit mein treuer Begleiter: mein TK46-Grundig-Tonband mit deinen Baldrian-Schnulzen am Start. Du hast gewirkt … ich konnte träumen. Doch bin ich dann leicht indigniert heimgekehrt, deine Versprechungen haben den Tatsachen nicht so ganz standgehalten. Macht aber nix, du hast bei meinem Loslösungsprozess jedenfalls ganze Arbeit geleistet. Dafür meinen herzlichen Dank! Ich bin mir sicher, dass ich gerade dein Grinsen sehe.
Peter Foerthmann, HamburgNa, das war ja eine Überraschung! Ein Artikel über Freddy Quinn samt -aktuellem Foto. Toll geschrieben, mit einer leichten Prise Ironie – hat großen Spaß gemacht, ihn zu lesen.
Michael Hilken, Stuttgart
Die Unfriedens-Tauben
Heft 22/2025 Der Taubenskandal von Limburg
Eine blitzgescheite Geschichte mit Limburger Lokalkolorit vom Feinsten. Ja, wo sind sie denn, die mit dem Tode bedrohten Tauben? Klug wie Tauben nun mal sind, haben sie sich in den Dom, ins sichere »Kirchenasyl« geflüchtet. Nun haben die liebe Seele und auch der Bürgermeister Hahn »sei Ruh«.
Hans-Gerd Herrmann, Limburg (Hessen)
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