Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Ganz einfach zu behandeln
Heft 15/2024 Titel: Schlaflos
Wer hat denn da zu lang geschlafen? Oder hat die Designabteilung oder das Titelbildteam nicht genug Leute, um für ein »Schlaflos«-Thema selbst ein geeignetes Titelbild zu kreieren, sodass sie bei der »Apotheken-Umschau« (15. November 2023) abkupfern müssen? Zugegeben, die »Apotheken-Umschau« hat ihr Thema eindrucksvoll gestaltet, aber deswegen gleich nachahmen?
Helga Mohaupt, EssenSchlaflos bin ich aufgrund der Verhältnisse in Deutschland und des mörderischen Kriegsgebarens überall in der Welt. Diese Service-Titelgeschichten beim SPIEGEL nehmen allmählich überhand.
Gregory Glaser, Brandenburg an der Havel (Brandenb.)Wenn nach der von Ihnen zitierten Untersuchung von 160 Millionen Patientinnen und Patienten 880.000 gesundheitliche Schwierigkeiten nach der Zeitumstellung haben, so sind dies gerade mal 0,55 Prozent, also haben fast alle – 99,45 Prozent – keine medizinisch auffälligen Probleme. Ich glaube, es gäbe in unserem Lande Wichtigeres, als sich intensiv um eine verschwindend geringe Zahl (eingebildeter?) Betroffener zu kümmern. Hat man schon jemals von Massen von zeitumstellungsgeplagten Reisenden, die auf die Kanaren oder in die Türkei geflogen sind, gehört?
Udo Kroschewski, HeidelbergDie Behandlung des Schnarchens und der Apnoe liegt heute in der Hand von Zahnärzten, die auch mit Schlaflaboren zusammenarbeiten. Die Patientinnen erhalten eine Protrusionsschiene, die ein Zurückfallen des Unterkiefers in der Rückenlage verhindert. Dadurch werden die Atemwege offen gehalten. Eine Gaumensegeloperation ist obsolet.
Dr. med. dent. Wolfgang Bockelbrink, München
Beängstigende Militarisierung
Heft 14/2024 Der Ökonom Moritz Schularick erklärt, warum Deutschland jetzt aufrüsten sollte
Ich habe selten so etwas Unerträgliches im SPIEGEL gelesen. Dazu noch volkswirtschaftlicher Unsinn. Die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft ist beängstigend. Das dafür benötigte Geld gehört in die Sanierung der maroden Infrastruktur.
Werner Dinkelbach, Sinzig (Rhld.-Pf.)Warum werden die Ausgaben für die militärische Wehrhaftigkeit Deutschlands an dessen Bruttosozialprodukt gekoppelt? Sollte nicht vielmehr eine Bedarfsanalyse gemacht werden und das, was es zur Verteidigungsfähigkeit braucht, ausgegeben werden? Selbst wenn es keinen Boost für die Wirtschaft bedeuten würde? Oder wollen wir uns nur schützen können, wenn wir es zuvor nicht im Geldbeutel spüren? Die Zweiprozentvorgabe der Nato-Gemeinschaft kann nur ein Anhaltspunkt sein. Als Argument für mehr Wohlstand sollten Rüstungsinvestitionen bitte nicht dienen.
Matthias Suchy, BerlinMit der Formulierung »Kanonen und Butter« knüpft der Autor an die Naziparole »Kanonen statt Butter« an und scheut sich auch nicht, in diesem Sinne »harte Budgetentscheidungen« anzumahnen. Er hat keine Bedenken dagegen, weil Deutschland heute »sozial vollumfänglich abgesichert« sei. Sieht der Mann in seiner Heimatstadt Kiel keine Obdachlosen? Wir brauchen die nächsten 100 Milliarden nicht für neue Waffen, sondern für neue Kitas, Infrastruktur und andere gesellschaftlich nützliche Zwecke.
Werner Haertel, HamburgDie Profiteure einer schuldenfinanzierten inländischen Aufrüstung wären die Rüstungsfabrikanten und die Aktionäre. Ein Effekt auf Wachstum und Wohlstand für uns alle wäre allenfalls als Nebenprodukt zu erhoffen und ist nicht kalkulierbar. Schulden für Investitionen in eine Perspektive für unsere Kinder und Enkelkinder sind sicher sinnvoll. Aber wollen wir von dem Geld wirklich Panzer und Munition kaufen? Und was ist mit dem Klima und der Umwelt?
Dr. Wolfgang Rehhahn, Münster
Was sind das für Menschen?
Heft 14/2024 Bei den Coronahilfen wurde der Staat um Milliarden betrogen
Danke für diesen Beitrag, der eigentlich Titelthema hätte sein müssen. Gehört hat man ja von den Betrugsfällen während Corona, jedoch wirken diese Einzelbeschreibungen wie ein doppelter Schlag in die Magengrube eines jeden doofen, weil ehrlichen Steuerzahlers. Unklare XXL-Gießkannen-Vorgaben aus der Bundespolitik, Überbietungswettbewerb in den Bundesländern wegen irgendwelcher Wahlen, ignorante und inkompetente Umsetzung als Einladung für asoziale Betrüger:innen aus dem In- und Ausland. Und: Die Aufarbeitung an den Gerichten kostet wieder meine Steuern. Auch werden viele wegen Verjährung davonkommen. Verantwortliche werden ebenfalls nicht zur Rechenschaft gezogen. Dem Land könnte es so gut gehen mit Politiker:innen, die ihre größenwahnsinnigen Ideen von sachverständigen Wirtschaftsweisen genehmigen lassen müssten.
Otto Hagemann, ErlangenDa wird noch sehr viel ungesühnt bleiben bei den Betrügereien. Selbst wenn die Justiz Straftäter aus dem Ausland verurteilt – das Geld ist weg und die ausgesprochenen Geldstrafen werden die Täter nicht zahlen können. Ich selbst habe an Rückzahlungsforderungen gearbeitet und mit großem Erstaunen festgestellt, dass es eine Art Volkssport war, den Staat zu betrügen. Als die Gelder flossen, waren erstaunlich viele Rechtsanwälte, Steuerberater und Zahnärzte kurz vor der Armutsgrenze. Auch Soloselbstständige griffen ab, was sie bekommen konnten. Originalton eines Bekannten: »XY hat das Geld zwar nicht nötig, da er ausreichend Rücklagen hat, aber wenn der Staat es schon anbietet?« Wie immer im Leben war, ist und bleibt der Ehrliche der Dumme. Und der Steuerzahler sowieso.
Carola John, BerlinDieser Bericht hat mich richtig wütend gemacht, obwohl die Betrügereien ja schon oft publiziert wurden. Was sind das für Menschen? Für mich ganz klar Asoziale, die sich auf Kosten anderer Steuerzahler bereichern. Die Ausrede, der Staat habe den Betrug zu leicht gemacht und damit sogar gefördert, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wer so betrügt, hat reichlich kriminelle Energie bei der Fälschung der Unterlagen bewiesen. Ich hoffe, dass zumindest der große Teil dieser Betrüger erwischt und verurteilt wird, auch wenn das noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird.
Heike Jahn, Edermünde (Hessen)
Göttliche Momente
Heft 14/2024 Die Macht der Musik über unser Leben
Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Artikel über die Macht der Musik. Sie ist wirklich schwer mit Worten zu beschreiben, und doch ist der Autor mit seinem bewegenden Text weit damit gekommen. Seit der Kindheit war mein Klavier mir in allen Lebenslagen stets eine Rettungsinsel, ein zuverlässiger Quell von Glück. Die »magischen Momente« kenne ich auch – als Zuhörerin oder (noch viel seltener und kostbarer) als Musizierende auf der »Wohnzimmerbühne«. So flüchtig die Klänge auch sind, so intensiv erlebe ich diese wahrhaft göttlichen Momente und behalte sie für mein ganzes Leben in Erinnerung. Die Freude beim gemeinschaftlichen Musizieren, zusammen zeitweise Harmonie herzustellen, sich auf einer sehr besonderen Ebene zu treffen und zu synchronisieren – ein ganz besonderes Gemeinschaftserlebnis!
Dr. Irena Klassen, BielefeldSeit Orpheus’ Zeiten ist das faszinierendste Musikinstrument die menschliche Stimme: universell, unbegreiflich und in ihren Tiefen unerforschlich. Alle, die mit Politik oder Pädagogik zu tun haben, sollten sich den SPIEGEL-Artikel hinter die Ohren schreiben, wirklich alle!
Rainer Pachner, FreiburgVielen Dank für diesen wunderbaren Genussartikel, der meine Ostertage auf so zauberhafte Weise bereichert hat. Schon bei den ersten Sätzen ging mir das Herz auf, der Himmel vor dem Fenster wurde weniger grau, und die seit Karfreitag verstummten Glocken begannen, überschwänglich zu jubilieren. So fühlt sich Glück an: flüchtige Augenblicke, von denen wir uns wünschten, sie dauerten ewig. Der Musik in der schulischen Bildung einen so geringen Wert einzuräumen ist angesichts der gesicherten Erkenntnis, dass sie die Menschen gesünder, intelligenter, glücklicher und friedlicher macht, eine pädagogische Todsünde.
Ludwig Engstler-Barocco, BonnDanke für den gut geschriebenen Artikel. Die Überbetonung der – auch von mir geschätzten – klassischen Musik ist jedoch unangemessen. Eine Betrachtung des Zusammenspiels zwischen Musik und Text, die besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch an Bedeutung gewonnen hat, fehlt völlig. Ullrich Fichtners Jubeln über die ubiquitäre Verfügbarkeit von Musik über die Streamingdienste stößt mir als Musiker ausgesprochen sauer auf. Pro Stream erhalte ich zwischen 0,0011 und 0,006 Cent.
Jan Hauenstein, Singer-Songwriter, GöttingenIm Beitrag glaubte ich meinen Opa zu hören. Für den war auch nur europäische Klassik Musik – nie das, was ich hörte und heute noch höre. Herr Fichtner berührt kurz den Rand seiner Blase, verlässt sie aber nicht. Indische Ragas, indonesische Gamelan-, westafrikanische Trommel- und Balafonmusik, alles Fehlanzeige. Was, wenn Brahms und Beethoven nicht die wichtigsten Menschen im Musikeruniversum wären? Was, wenn ich bei europäischer Klassik aggressiv würde? So wichtig Musik auch ist, hat doch jeder seinen individuellen Geschmack – und der kann ganz anders sein als der der Masse.
Robert Kresanek, Niedernhausen (Hessen)Hallo? Und was ist mit den Beatles?
Michael Zastrow, HamburgWenngleich der SPIEGEL-Ostertitel diesmal eher an Boulevard erinnert, findet sich im Innern »Ein Gefühl von Ewigkeit« mit der absolut in die Zeit passenden glänzenden Story von Ullrich Fichtner – möge die Botschaft vor allem in den Kultusministerien gehört werden.
Thomas Clemen, Norderstedt (Schl.-Holst.)Als gelernter Elektrobassist im Bereich Jazz, Blues und Rock habe ich Jahrzehnte gebraucht, um auch klassische Musik wirklich fühlen zu können. Man kann über Musik reden, sie niederschreiben und Musiktheorie entwickeln, aber das ist nichts im Vergleich zum Erleben einer Aufführung oder dem Selberspielen. Und es muss nicht immer hochkomplex sein. Genau darum ist es so wichtig, dass wirklich jedes Kind einmal die Erfahrung machen darf, ein Instrument – auch die Stimme – erleben zu dürfen. An einer Saite zupfen, in eine Flöte blasen, auf eine Trommel schlagen, den Klang direkt zu erleben. Daraus eine Neugier zu entwickeln, eine Lust am Spielen und Entdecken und am Lernen.
Michael Reithmeier, MünchenIch bin Musiktherapeutin und erlebe seit Jahren die ganzheitliche Stabilisierung mit und durch Musik, doch auch leider die Engstirnigkeit unseres Gesundheits- und Schulsystems gegenüber allem, was mit Musik zu tun hat. Manches in der Musiktherapie hat sich weiterentwickelt, in Freiburg und Berlin gibt es sogar einen Fachbereich für Musikmedizin. Ihr Artikel sorgt für eine Verbreitung dieser Erkenntnisse, und ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen der Bildungs- beziehungsweise Gesundheitssysteme all diese international anerkannten Informationen integrieren. Es soll mehr geschehen! Musik ist kein »Nebenfach«, sondern ist ein gutes Fundament für das Lernen überhaupt.
Iris Valentin, Wuppertal
Der letzte Kampf ums Bargeld
Heft 14/2024 Bargeld oder App und Karte? Der Kulturkampf um das Bezahlen
Kartenzahlung finde ich praktisch, aber ganz ohne Bargeld? Was ist mit den Musikern in der U-Bahn, den Bettlern, der Kollekte und den Kerzen in der Kirche?
Angelika Sallach, Berlin
»Meine Gefühle werden nicht so leicht verletzt«
Heft 14/2024 Sängerin und Body-Positivity-Vorreiterin Beth Ditto im SPIEGEL-Gespräch über Körper, Diversität und Punk
Das Interview ist leider ziemlich daneben. Zur wirklich tollen Musik von Beth Ditto und von Gossip kommen irgendwann hinten drei uninspirierte Fragen. Stattdessen drehen sich große Teile nur um den Körper der Sängerin.
Ingo Back-Butters, Wertingen (Bayern)
Pump mich auf
Heft 14/2024 Business-Festivals für Frauen sollen sie -empowern. Wozu eigentlich? Ein Besuch in München
Herrlich – Entschuldigung: fraulich –, wie Anja Rützel die neuesten Methoden des weiblichen Empowerments mit kritischem Humor unter die Lupe nimmt und dabei gänzlich auf »Begeisterungsgekreisch« verzichtet!
Dirk Bohman, Overath (NRW)
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