Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 71 / 74

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Titel: Klar im Kopf, AfD auf TikTok, Kanzlerkandidatur Habeck, Berliner Verwaltungs­gericht, Osteuropahistoriker über Putin, Antisemitismus nach dem Hamasterror, Gündoğan Gespräch – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 26/2024

Kann das wahr sein?

Heft 25/2024 Titel: Klar im Kopf 

  • Als Psychologin beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren mit der fördernden Betreuung demenziell Erkrankter. Wie kann man einen Bericht über ein so ernstes, leidvolles Thema wie Parkinson und Demenz auf dem Titelblatt des SPIEGEL albern mit »Klar im Kopf« ankündigen und mit einer ebenso albernen Zeichnung versehen? So finde ich auch die einleitenden (eigentlich sehr netten) Zeichnungen zur Titelgeschichte höchst unangebracht.
    Daniela Sättler, Oberursel (Hessen)

  • Danke für den Artikel! Statt immer nur nach mehr Pflege­kräften zu rufen, ein Ansatz, die Zahl der Pflegefälle zu reduzieren. Schon lange frage ich mich, wieso der Schulsport nicht besser als Versicherung für ein gutes Leben dargestellt wird, vorausgesetzt, man hört nach der Schule nicht mit dem Sport auf. Man sollte schon im Unterricht die Notwendigkeit der körper­lichen Betätigung erklären, den Zu­sammenhang mit der Ernährung betonen. Sport auch in der Ausbildung, im Studium und, be­sonders wichtig, im Arbeitsleben. Dazu braucht es keine Sport­stätten. Eine halbe Stunde täglich flott gehen bewirkt schon sehr viel.
    Theo Frielinghaus, Ahlen (NRW)

  • Wasser auf die Mühlen all jener, die Demenz als Eigenverschulden von sich fernzuhalten versuchen. Warum ein solcher Artikel, der Fürsprechern von Selbstoptimierung und medizinischer Machbarkeit das Wort redet? Kann das wahr sein, 90 Prozent der Dementen sind durch Lebensstil für ihre Krankheit selbst verantwortlich? Diese Meinung ist heute weit­verbreitet und selbst bei Ärzten üblich. Wie wäre stattdessen ein Artikel, der die versorgende Gesellschaft (vor allem Ärzte) aufs Korn nimmt, beschreibt, wie hilflos, aber auch herabwürdigend sie mit Dementen und deren Angehörigen umgeht? Dass gesunde Ernährung, Bewegung, Meidung von Alkohol wichtig sind, weiß doch jede:r SPIEGEL-Leser:in. Weiß er/sie aber auch, wie ex­trem groß die Defizite beim professionellen Umgang mit Demenz sind? Bevor mein Mann daran erkrankte, hätte ich das auf keinen Fall für möglich gehalten.
    Eva Staudinger, Bremen

  • Mich ärgert das Titelbild. Die Alzheimererkrankung ist gar nicht lustig.
    Klaus Thoma, Hamburg

An die frische Luft

Heft 24/2024 Wer steckt hinter dem großen Erfolg der AfD auf TikTok? 

  • Ich kann nicht nachvollziehen, warum der SPIEGEL dem rechten Selbstdarsteller Erik Ahrens drei Seiten des Magazins widmet. Für mich hat dieser Mensch noch nicht viel erreicht – außer einem Kandidaten, der sich selbst in kürzester Zeit zerlegt hat, zu Diensten zu sein für seine weit rechten Ansichten.
    Hans-Peter Reckschwardt, Blekendorf (Schl.-Holst.)

  • Wie blöd muss man eigentlich sein, um noch von Ernst Haeckels längst widerlegten Theorien der Eugenik aus dem vorletzten Jahrhundert zu schwärmen? Wer meint, dass die »erbliche Ver­anlagung der Schlüssel zu allem« ist, glaubt auch an den Osterhasen. Wenn Erik Ahrens mit solch brandaktuellen wissenschaft­lichen Erkenntnissen zur intellektuellen Creme der Jungen Alternative zählt, muss uns nicht bang vor Höckes AfD-Haufen sein. Diesem »extrem klugen« Fast-Millionär und zukünftigen Chefpropagandisten kann man nur raten: Geh raus an die frische Luft!
    Dr. Wolfgang Ram, Bleckede (Nieders.

Deutschland hat zu danken

Heft 24/2024 Robert Habeck nimmt -Anlauf auf die Kanzlerkandidatur 

  • Seid fair, liebe SPIEGEL-Leute! Robert Habeck hat ganz entscheidend eine Politik forciert, die Deutschland nach dem Beginn des Ukrainekriegs vor dem energetischen Kollaps bewahrt hat. Trotz seiner grünen Überzeu­gungen hat er absolut richtig und notwendig Realpolitik betrieben, weil er kein Traumtänzer ist, sondern Prioritäten gesetzt hat. Dafür hat Deutschland ihm zu danken.
    Fritz Närdemann, Sinzig-Bad Bodendorf (Rhld.-Pf.)

Einfühlsam und lebensnah

Heft 24/2024 Das Berliner Verwaltungsgericht ist der Maschinenraum des Rechtsstaats 

  • Großes Lob für diesen sowohl lehrreichen als auch vergnüg­lichen Artikel. Ich, selbst Jurist, kann die Tristesse einerseits und auch die Inhalte solcher Verfahren andererseits bestätigen. Für den Leser sehr einfühlsam und lebensnah dargestellt. Es ist tatsächlich alles so wie beschrieben. Dass der bei seiner Arbeit be­gleitete Richter in mancher Anwaltskanzlei wesentlich mehr verdienen könnte, zeigt, dass Idealismus für die Allgemeinheit unverzichtbar ist. Leider werden solche Menschen bei Großgerichten wie dem in Berlin wegen akuter Personalnot und knapper Justizbudgets hängen gelassen.
    Oliver Witzel, Köln

  • Dieser Beitrag von Frauke Hunfeld ist so ziemlich das Beste, was ich in den letzten Jahren im SPIEGEL gelesen habe.
    Tony Petersen, Hamburg

Was er verdient

Heft 24/2024 Osteuropahistoriker Jörg Baberowski sagt, dass sich der Westen mit Putin arrangieren müsse 

  • Vielen Dank für das sehr interessante Interview, Professor Baberowskis Einschätzungen sind in jeder Hinsicht überzeugend. Aus beruflichen Gründen war ich zwischen 2001 und 2017 oft in Moskau. Aus meiner Sicht wurde Wladimir Putin nicht nur geschätzt, sondern speziell von jungen Leuten verehrt und politisch unterstützt. Kritik an seiner Person oder politischen Linie gab es nicht. Hervorgehoben hat man stattdessen seine Verdienste, speziell die deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen weiter Teile der Bevölkerung seit den Neunzigerjahren. Die meisten Menschen, mit denen ich dort sprach, waren mit dem »starken Mann im Kreml« durchaus einverstanden. Eine Auflehnung gegen Putin und das politische System von innen heraus halte auch ich für unwahrscheinlich.
    Heidi Stockum, Lingen/Ems (Nieders.)

  • Klare SPIEGEL-Fragen – wenig befriedigende Antworten! Den Ausführungen von Herrn Baberowski über die »russische Seele«, die westlichen Unterstützer der Ukraine sowie Putins vermeintlich unumstößliche Macht und seinen darauf beruhenden pessimistischen Prognosen möchte ich gern die meinigen entgegensetzen: Putin wird am Ende bekommen, was er verdient, nämlich den Verlust seiner Herrschaft, weil sich sein Größenwahn und seine Machtbrutalität nicht durchsetzen werden. Was Putin fehlt, sind echte, also von der Sinnhaftigkeit seiner Ziele ehrlich überzeugte Patrioten in der Heimat und an der Front. Und das wird am Ende – im Schützen­graben wie im russischen Macht­apparat – den Ausschlag geben.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Was für eine Erleichterung, statt der gängigen Kriegstreiberei mal eine realistische Einschätzung der Aussichten im Ukrainekrieg zu lesen. Ungewohnt hellsichtig ist auch der Hinweis von Herrn Baberowski, dass die Definition von Freiheit von den Erfahrungen abhängt, die die Menschen gemacht haben.
    Renate Birkle, Hamburg

  • Bravo und danke dem SPIEGEL für den Mut, auch wieder mal gegen den Mainstream zu schreiben. Ich habe dieses frühere Markenzeichen des SPIEGEL in der Ukraine-Diskussion lange vermisst. Ja, ich war enttäuscht, dass er andere Meinungen nicht veröffentlicht hat und wollte schon gegen »meinen« SPIEGEL rebellieren. Jetzt habe ich wieder Frieden mit ihm geschlossen.
    Ewald Elsäßer, Gengenbach (Bad.-Württ.)

  • Die Antworten Jörg Baberowskis blenden aus, in welcher katastrophalen Verfassung Putin sein Russland hinterlassen wird: wirtschaftliches Ausbluten zugunsten einer Kriegswirtschaft, extreme Abhängigkeit von China, ökologisches Desaster zulasten des Weltklimas, Zehntausende Kriegs­tote, Unterdrückung von Minderheiten, Exodus der Eliten und
    so weiter. Mit seinem Plädoyer für eine deutsche Appeasement-Außenpolitik gibt er demokratisch-kämpferische Positionen auf. Will Baberowski wirklich eine wissenschaftliche Plattform für die Akzeptanz des Faschisten Putin legen? Der in der Sahel­zone koloniale Interessen vertritt und sich mit den Terrorregimen von Nordkorea und Iran verbündet? Wissenschaft soll frei forschen, aber nicht abseits von Grundwerten.
    Thomas Künzer, Wetzlar (Hessen)

  • Herr Baberowski erklärt in dem Interview, warum er keinen ukra­inischen Sieg erwarte. Er hat am Ende wohl auch recht. Er sagte aber auch, hier zwar bezogen auf die innenpolitischen Verhältnisse in Russland, jedoch möglicherweise missverständlich: »Im Zweifel ist eine autoritäre Ordnung besser als Chaos und Gewalt.« Dieses Argument scheint auch in Europa gesellschaftsfähig zu werden. Es scheint, dass viele Bürger der Demokratie die Beherrschung von »Chaos und Gewalt« nicht mehr zutrauen und daher zulassen wollen, dass
    demokratische, freiheitliche Werte eingeschränkt werden. In Deutschland wird es rechtsradikalen Parteien gelingen, Teilen der Bevölkerung die vermeint­liche Bevormundung durch die Regierung und die EU einzureden – mit dem Ziel, Unzufriedenheit und schließlich Unruhe zu erzeugen. Es sollte alles daran gesetzt werden, den Bürgern die Leistungen deutlich zu machen, die die westlichen Staaten gegenüber autokratischen Systemen auszeichnen.
    Uwe Gaetje, Glückstadt (Schl.-Holst.)

  • Sehr traurig, dass der Putin-
    Versteher Baberowski zwei Seiten im SPIEGEL bekommt. Nach der Rechtsauffassung des Kriegsverbrechers Putin wird die Ukra­ine mit dem Recht des Schwertes sein Eigentum. Der Historiker will die Leser glauben machen, die russischen Waffen seien aus sowjetischer Produktion. In Wirklichkeit liefern sämtliche Schurkenstaaten Drohnen, Munition, Geländefahrzeuge, Elektronik, und über Umwege gelangen sogar österreichische Scharfschützengewehre, Pistolen und Kleinmotoren für Drohnen in seine verbrecherischen Hände. Im Artikel steht, Russland wird Lehren aus diesem Krieg ziehen – ja: Putin wird erkennen, dass sich Kriegsverbrechen auszahlen.
    Manfred Köppl, Baden (Österr.)

  • Ob und wann Putin überhaupt irgendetwas »bekommt, was er verlangt«, hängt von vielen Faktoren ab. In der EU leben rund 450 Millionen Menschen mit einem durchschnittlichen BIP pro Kopf von knapp 30.000 Euro,
    in der Russischen Föderation sind es rund 142 Millionen mit einem Pro-Kopf-BIP von etwa 12.000 Euro. Bei einer konsequenten Entschlossenheit aller Europäer sollte eine kontinuierliche Unterstützung der Ukraine im wohlverstandenen Eigeninteresse noch lange gangbar sein.
    Frank Witte, Erkrath (NRW)

Wortgewaltiger Essay

Heft 24/2024 Der Antisemitismus nach dem Terrorangriff der Hamas 

  • Rafael Seligmann weist zu Recht auf den wachsenden Antisemitismus in den liberalen Demokratien hin. Es ist beschämend, die Auflistung der antisemitischen Übergriffe und Anschläge in Deutschland zu lesen, die viele nicht wahrhaben wollen und zu schnell vergessen. Ich habe vor allem folgenden Satz unterstrichen: »Wenn die Menschenwürde einer Minderheit zunehmend limitiert wird, gerät die Freiheit aller in Gefahr.« Das ist wahr. Nur kam mir dann der Gedanke: Beschreibt dieser Satz nicht auch genau die Lebenssituation der Palästinenser im Gazastreifen und an den Checkpoints, wenn sie zur Arbeit nach Israel fahren? Ich teile Herrn Seligmanns Sorge über den zunehmenden Anti­semitismus, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Aber ich vermisse in einem so klugen und wortgewaltigen Essay einen Satz, der auch das Unrecht, welches den Palästinensern widerfährt, anerkennt.
    Thorsten Meyer, Krefeld

  • Der Essay hat mich zu Tränen gerührt. Eine wahrhaftig luzide Beschreibung einer bedrückenden Situation. So sollte das Thema im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen behandelt werden.
    Manfred Neuber, Bad Honnef (NRW)

Den Mannschaftssport verstanden

Heft 24/2024 SPIEGEL-Gespräch mit Kapitän İlkay Gündoğan über Vorbilder, den Stolz seiner Eltern und seine Rolle in der Nationalmannschaft 

  • İlkay Gündoğans kluge Empathie beweist, dass er auch im Hinblick auf einen erhofften Erfolg genau der richtige Kapitän unserer Nationalmannschaft ist. Allerdings erklärt er in dem aufschluss­reichen Interview nicht, weshalb er damals (gemeinsam mit dem bis heute unbelehrbaren Mesut Özil) für ein Foto mit dem tür­kischen Präsidenten Erdoğan posieren zu müssen glaubte, einem Autokraten, der die Pressefreiheit einschränkt und politische Gegner verfolgt. Hier hätten die SPIEGEL-Redakteure nachhaken müssen.
    Dr. Fred Maurer, Aalen/Mannheim

  • Als ich die vier Seiten über İlkay Gündoğan gelesen hatte, war mir klar, warum er der Kapitän, also der Anführer der Deutschen Nationalmannschaft geworden ist. Ein Lob gilt nicht nur Hansi Flick, sondern auch Julian Nagelsmann, die erkannt haben, wie wichtig Gündoğan für die Mannschaft ist. Ein Fußballer, der sagt, dass er sein Spiel an Wirtz und Musiala anpassen muss und sie nicht ihres an seins, der hat den Mannschaftssport verstanden.
    Irmela Christen, Berlin

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