Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 76 / 79

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Wie wir alle 100 werden, ein Essay über Männer, die chaotischen Zustände in Deutschlands größter Flüchtlings­unterkunft in Berlin – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 40/2024

Singen und schwimmen

Nr. 39/2024 Titel: Wie wir alle 100 werden 

  • Die in der Titelstory aufgeworfene Frage »Wie wir alle 100 werden« stellte ich Ende des Jahres 2022 meinem Onkel, der wie seine Frau Jahrgang 1922 war. Sie feierten noch ihren eher seltenen gemeinsamen »200. Geburtstag« und begegneten der neugierigen Frage nach dem Geheimnis des langen, gesunden Lebens wie aus einem Munde und aus tiefster Überzeugung: »Singen und schwimmen«. Ein wertvoller Tipp für alle Lebenden, finde ich.
    Dr. Rolf Walter, Kirchheim unter Teck (Bad.-Württ.)

  • Gott bewahre, das würde unsere geschundene Erde nicht verkraften, wenn sehr viele Menschen 100 Jahre alt würden. Abgesehen davon kann es doch nicht sein, dass diejenige Spezies, die ein nie da gewesenes Artensterben produziert und die Erde hemmungslos ausbeutet, dann immer älter wird. Das werden die mit Sicherheit bald kommenden neuen Pandemien, Hitzeereignisse und Missernten verhindern und sorry, aber das ist auch gut so.
    Michael Schneider, Siegburg (NRW)

  • Nein, ich möchte in diesen Zeiten nicht 100 werden. Auch mit 100 sieht doch die Realität nicht anders aus als heute, denn trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte stirbt niemand gesund. Insofern wird nach wie vor der größte Teil der Menschen gegen Ende seines Lebens pflege- und hilfsbedürftig sein. Da wäre mir die Erlaubnis und eine freie Entscheidung über selbstbestimmtes Sterben weitaus lieber als das Forschen nach ewiger Jugend.
    Ursula Thielemann, Hamburg

Der Problembär

Nr. 38/2024 Warum sind fast alle gesellschaftlichen Probleme auf Männer zurückzuführen? Ein Wutausbruch 

  • Ein feministischer Artikel, endlich. Und endlich steht er nicht et­wa in der »Emma«, sondern im SPIEGEL. Ganz offen dürfen wir Frauen nun also unseren Unmut loswerden, unsere Empörung über einen immer noch existierenden Machismus ausdrücken, ohne beschimpft zu werden. Ich bin es so leid, gegen diese verkrusteten Lebensvorstellungen anzukämpfen. Aber gebe ich auf? Nein. Smash the patriarchy – für alle Frauen und die, die es noch werden.
    Sabrina von Jena, Koblenz

  • Sie haben so recht, und ich bewundere Sie für Ihren Mut. Es sind Männer, die Kriege führen, und Männer, die uns Frauen sagen wollen, was richtig oder falsch ist. Ich bin in zweiter Ehe 37 Jahre verheiratet, ich liebe meinen Mann. Ihre Worte sind ehrlich und wahr. Danke für diesen tollen Artikel.
    Silvia Bröde, Rostock

  • »Horribile dictu«, ein schrecklicher Text. Und schrecklich zu lesen. Aber wahr! Und völlig richtig in dieser polemischen Zuspitzung. Chapeau, Frau von Hof. Bravo!
    Eberhard Kraske, Rimsting (Bayern)

  • Das Thema, männliche Gewalt und Macht so auf den Punkt zu bringen, ist überfällig und anerkennenswert. Leider ziemlich versteckt auf Seite 108. Eigentlich sollte ein SPIEGEL-Titel dazu Ausgangspunkt für eine um­fassende gesellschaftliche Dis­kussion werden. »Männer als Problem« sind vergleichbar mit Megathemen wie Klimawandel, Friedenspolitik und globaler Gerechtigkeit. Bitte bleiben Sie dran.
    Emma Baz, Lübeck

  • Bei aller berechtigten Kritik an männlichen Verhaltensmustern sollten wir nicht die Mütter aus dem Blick verlieren, die diese Männer erziehen. Sie halten oft an toxischen Beziehungen fest und ertragen Gewalt und Missbrauch oder schauen, wenn es sich gegen die Kinder richtet, weg. Damit liefern sie nicht nur ihren Söhnen die Blaupause für ihr späteres Machtgehabe, sondern auch ihren Töchtern das Vorbild für ihre Unterwerfung. Nicht jede/r hat die Kraft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
    Nils Ramsauer, Berlin

  • Vielen Dank für den tollen Essay. Das war so dringend nötig. Als Sozialpädagogin in einer Frauenberatung kann ich gar nicht genug danken, denn gerade häusliche Gewalt in allen nur erdenklichen Facetten begleitet meine tägliche Arbeit. Und ich bin so, so wütend. Gern empfehle ich weiterführende Literatur: »Frauenhass« von Christina Clemm, »Die stille Gewalt« von Asha Hedayati sowie »Was Männer kosten« von Boris von Heesen. Sehr wünsche ich mir weitere Artikel dieser Art.
    Kathrin Olthoff, Burgwedel (Nieders.)

  • Noch nie habe ich so eine infam beleidigende und pauschalisierende Diffamierung gelesen. Schämen Sie sich, solch einen Text abgedruckt zu haben.
    Philipp Schenk, Neusäß (Bayern)

  • Der Artikel überzeugt in seiner Klarheit und verdient größte Zustimmung, auch von uns Männern. Ich stimme den Ausführungen zu 100 Prozent zu. Ich habe in 40 Berufsjahren als Richter in nahezu allen Bereichen der ordentlichen Gerichtsbarkeit, davon zehn Jahre als Strafrichter (ganz überwiegend Männer als Täter), ferner als langjähriger Prüfer für Staatsexamen die gleichen Erfahrungen gemacht: Mädchen lernen besser, sind zielstrebiger und machen deshalb die besseren Examina, sind daher erfolgreicher und so später auch beruflich unabhängiger. Ich teile auch das Ergebnis ihrer Analyse: Solange bei den meisten Männern kein Umdenken erfolgt, eine uneingeschränkte Akzeptanz der Gleichberechtigung von Frauen in Familie und Gesellschaft, wird sich daran, dass fast jede Frau in irgendeiner Form Opfer männlicher Übergriffe wird, nichts wesentlich ändern.
    Wolf-Philipp Müller, VROLG a. D., Erfurt

  • An Elisa von Hof: Merci. Dieser Schrei der Entrüstung und des Überdrusses war überfällig. An Gisèle Pelicot: Chapeau! Welcher ihrer Peiniger besitzt ihren Mut und ihre Grandezza?
    Cécile Lanz, Erlangen

  • Einspruch: Der Fall Pelicot zeigt eben genau nicht, »dass offenbar fast jeder Mann die Gelegenheit zu Gewalt gegen Frauen nutzt, wenn er sie bekommt«. Der Fall zeigt, dass 2 von 92 Männern, die via Internet die Gelegenheit zur Vergewaltigung einer Frau bekommen, »den Raum verlassen haben«. Das ist ein Unterschied. Dennoch: Die Lage der Männer, die Privilegien zu Recht verlieren, ist deren Problem.
    Bernd Kellermann, Donaustauf (Bayern)

  • Als Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie bestätige ich jede Zeile. Man hilft den Patient:innen (85 Prozent Frauen), Leid und Demütigung zu überwinden, und täglich kommen 100 dazu. Diese Abscheulichkeiten lösen Zorn und Schmerz aus.
    Walter Hofmann, Stellvertr. Chefarzt Janus-Klinik Eltern-Kind,
    Herrischried (Bad.-Württ.)

  • Bravo, Frau von Hof. Und noch eins drauf: Paragraf 218. Schluss mit dem verdrucksten Verbot von Abtreibungen und mit Ausnahmen nach scheinliberaler »Beratung«. Schluss mit der Bevormundung von Frauen durch den von Männern dominierten Bundestag.
    Dr. Angela Graf, Hamburg

  • Bravo! Vielen Dank für diesen offensiven Artikel, Sie sprechen meinen Töchtern und mir mit Ihren klaren Worten aus der Seele. Unter Männern scheint es einen stillschweigenden Konsens darüber zu geben, dass Gewalt (gegen Frauen) schon irgendwie in Ordnung ist. Das muss endlich aufhören. Für uns ist zur beschämenden Selbstverständlichkeit geworden, das Haus nicht ohne Pfefferspray zu verlassen – sicherlich nicht, um damit Bären abzuwehren.
    Konstanze Lohrmann, Herrsching (Bayern)

  • Ich kann Frau von Hofs Wut so gut nachvollziehen. Allein die Gewalt gegen Frauen damit erklären zu wollen, dass Männer frustriert sind, weil sie ihre Privilegien verlieren, ist so absurd. Impliziert dieses Argument doch, dass Frauen früher nicht Opfer männlicher Gewalt waren. Und das Gejammer von gewalttätigen Männern darüber, dass ihnen ja nichts anderes übrig blieb als zu vergewaltigen oder zu schlagen oder zu töten, weil die Frau nicht das wollte, was er wollte, kotzt mich an. Leider tun die vielen netten, nicht gewalttätigen Männer immer so, als ob das nicht ihre Sache wäre. Ist es aber. Denn nur mit den Männern, die nicht so sind, können wir Frauen etwas ändern.
    Katharina Vogel, Pinneberg (Schl.-Holst.)

  • Genau über die Essenz Ihres Essays mache ich mir seit Jahren Gedanken: Gewalt in jedweder Form, ob politisch oder gesellschaftlich, geht hauptsächlich von Männern aus. Jahrtausendelang wurden Frauen unterdrückt, warum sollen wir jetzt Empathie und Mitleid für Männer empfinden, die, wie Fratzscher es ausdrückt, Schwierigkeiten mit den längst überfälligen gesellschaftlichen Veränderungen haben: »Die graduelle Nivellierung und der Abbau von Privilegien wird von manchen Männern als Benachteiligung wahrgenommen und führt zu einer tiefen Frustration.« Was müssen denn Frauen seit Jahrhunderten durchmachen? Sorry, not sorry – Elisa von Hof trifft es auf den Punkt.
    Dr. Alice Brauner, Filmproduzentin, Berlin

  • Elisa von Hof präsentiert die ungeschminkte Wahrheit. Lebten wir (wieder) im Matriarchat, hätten wir die Klimakatastrophe längst abgewendet und Kriege verhindert – Gewalt wäre geächtet. Ich habe lange über die Frage, wem ich lieber allein im Wald begegnen würde, Mann oder Bär, nachgedacht. Pest oder Cholera? Ich habe mich für den Mann entschieden, habe ich mich doch schon einmal mit einem Messer erfolgreich gegen einen Vergewaltigungsversuch gewehrt. Aber wenn Yuval Noah Harari mit seinem Beitrag zur KI (SPIEGEL
    37/2024) recht hat und Diktatoren sich fürchten müssen, weil KI-Chatbots die Gefährlichkeit erkennen und die Diktatoren entmachten oder gar vernichten könnten, könnte dieses Schicksal auch den Männern geschehen.
    Andrea Groh, Butzbach (Hessen)

  • Endlich habt ihr mal den Mut, diesen tabuisierten Umstand deutlich anzusprechen. Ich wünschte, der »Problembär« aka Mann würde als erklärende Variable viel häufiger in euren Texten herangezogen. Die Abneigung gegen das eigene Geschlecht wird für mich jedenfalls kognitiv immer schwerer zu jon­glieren, und da helfen solche Artikel eines Leitmediums definitiv.
    Robert Lojewski, Berlin

  • JA!
    Bernd Kalvelage, Mann, Hamburg

Kaum zu fassen

Nr. 38/2024 Chaotische Zustände in Deutschlands größter Flüchtlingsunterkunft in Berlin 

  • Ein ebenso interessanter wie ernüchternder Einblick in Deutschlands größte Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Tegel. Die dort recherchierten Seilschaften und Klüngeleien müssten schnellstmöglich unterbunden werden. Dass das nicht geschieht, ist der eigentliche Skandal und ein Armutszeugnis für die Berliner Landesregierung.
    Andreas Frommhold, Bonn

  • Die in der Reportage beschrie­benen Zustände kann ich kaum fassen. Die dahinterstehende Selbstbedienungsmentalität und Ignoranz gegenüber dem Leid von Menschen in Not widern mich an. Die Verantwortlichen von Be­hörden, DRK, Sicherheitsfirmen, Subunternehmen sowie die Führungskräfte vor Ort müssen schleunigst zur Rechenschaft gezogen und ihnen müssen sofort die Zuständigkeiten und das Geld entzogen werden. Wenn die Kosten sowieso so hoch sind, dass man die Menschen stattdessen menschenwürdig in Hotels unterbringen könnte, dann muss das hier eben vorübergehend so geschehen – als Entschädigung für erlittenes Unrecht wäre das durchaus angemessen.
    Monika Dengler, Hamburg

  • Eine glänzend recherchierte Reportage! Hoffentlich hat sie der Regierende Bürgermeister von Berlin ganz oben in seiner Mappe gefunden. Mit dem Elend der Flüchtlinge haben sich einige eine goldene Nase verdient. Ich bin gespannt, ob und welche Konsequenzen gezogen wurden, wenn Sie – hoffentlich – wieder nachfragen.
    Isabella Schmid, München

Wiederaufbau der Carolabrücke

Nr. 38/2024 Nach dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden droht nun ein Hochwasser 

  • Sie schreiben, ein Wiederaufbau der Carolabrücke dauere fünf bis zehn Jahre – in Deutschland. Ein Kontakt mit dem Bürgermeister von Genua könnte sich auszahlen: Dort wurde die eingestürzte Morandibrücke (1,2 Kilometer lang) in weniger als zwei Jahren wiederhergestellt.
    Josef Kellermann, Bad Friedrichsall (Bad.-Württ.)

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