Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 72 / 75

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Hamas, Krieg in Nahost, Robert Habeck, Kampf um die Gendersprache – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 52/2023

Schwächen kann man sie

Heft 51/2023 Titel: Lässt sich die Hamas besiegen?

  • Die Hamas als »Idee« kann man natürlich nicht vernichten. Eine Idee zu töten geht nicht. Bis heute gibt es ja auch überzeugte Neonazis in Deutschland. Aber was man bei diesen islamistischen Terroristen machen kann, ist, die Partei zu verbieten, die Militärorganisation zu liquidieren und dann für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, um möglichen Nachahmern jegliche Grundlage zu entziehen.
    Dr. Jürgen Schöfer, Manila (Philippinen)

  • Lässt sich die Hamas besiegen? Vielleicht, aber die Hydra des Fanatismus niemals.
    Raffaele Schacher, Rorschach (Schweiz)

  • Ein reißerischer Titel ist anscheinend Ihr bestes Werbeargument und fördert den Verkauf – das sehe ich ein. Aber gleichzeitig bedeutet das sehr oft, dass höchst unerfreulichen Dingen viel zu große Aufmerksamkeit geschenkt wird – und ein Anreiz entsteht für »mehr davon«. Das finde ich nicht wirklich vertretbar, weder beim SPIEGEL noch bei einer Tageszeitung noch bei anderen Medien, sondern es bedeutet eine zunehmende Vergiftung aller Gehirne.
    Hannelore zu Stolberg, Rösrath (NRW)

  • Je mehr über die Hamas und Antisemitismus berichtet wird, desto mehr Raum und Publicity gibt man diesen unsäglichen, unerträglichen Gruppen und Strömungen. Natürlich muss in einer Demokratie informiert und gewarnt werden, aber: Gebt und gestattet diesen Minderheiten nicht so viel Raum, bringt ihnen nicht noch mehr Publicity! Der weniger gebildete Bürger wird durch ständige Wiederholungen (auch mittels Bildern) noch fehlgeleitet zu glauben, sie wären alltäglich (und damit fatalerweise richtig).
    Gudula Freytag, Elze (Nieders.)

  • Ein prosperierender palästinensischer Staat, also die klassische Zweistaatenlösung zwischen Israel und Palästina, könnte die Lage im Nahen Osten perspektivisch deutlich entspannen. Eine faire Ressourcen- und Landaufteilung nebst einer Uno-Schutztruppe entlang der Grenzen zwischen den Staaten Israel und Palästina könnte die friedliche Koexistenz beider Völker sichern. Militärisch ist der Gesamtkonflikt, in dem die Hamas sicherlich nur einen Akteur darstellt, nicht zu lösen, da dessen Ursachen nicht beseitigt werden können.
    Stephan Erven, Merzenich (NRW)

  • Nachdem die israelische Armee es trotz ihrer militärischen Übermacht auch nach mehr als 30 Jahren nicht geschafft hat, die Hamas zu zerstören, ist es mehr als fraglich, ob sie es dieses Mal schaffen wird. Offensichtlich ist sie in die strategische Falle der Hamas getappt, als sie, wegen des Angriffs der Hamas am 7. Oktober, beschlossen hat, den Gazastreifen dem Erdboden gleichzumachen. Es ist zu befürchten, dass die bisherigen 18.000 Toten im Gazastreifen für viele Grund genug sind, den Terror in Zukunft in diejenigen Länder zu tragen, die Israel ihre uneingeschränkte Solidarität versichert haben. Wer meint, Israel könne den Sieg über die Hamas erringen, ist mehr als naiv. Die Unterstützer wie Iran und Katar, so ist zu befürchten, werden ihre Hilfe auch wegen des militärischen Vorgehens der israelischen Armee eher noch erhöhen.
    Peter Ruthsch, Grafschaft (Rhld.-Pf.)

  • Das Monster von Gaza ist wie das mythologische neunköpfige Ungeheuer aus dem Meer. Wenn man ihm einen Kopf abschlägt, wachsen sofort zwei neue. So kann man die Hamas nicht besiegen. Aber schwächen kann man sie. Und das macht Israel mittels des Krieges in Gaza. Ich bezweifle auch, ob die Region zu befrieden wäre, wenn man den Palästinensern einen eigenen Staat geben würde. Die arabischen Länder im Nahen Osten haben kein erkennbares Interesse daran, Land für einen Palästinenserstaat zur Verfügung zu stellen. Helfen kann man nur Israel – durch die Bildung der von Emmanuel Macron geforderten Allianz, die sich auf die Seite Israels stellt. Denn die Hamas ist nicht nur eine Bedrohung für Israel, sondern auch für Europa.
    Götz Doll, Köln

  • Es ist vorhersehbar, dass nach Wochen, vielleicht auch erst Monaten blutiger Häuserkämpfe mit den zur Selbstaufopferung entschlossenen Hamas-Kämpfern der palästinensische Widerstand zusammenbrechen wird. Eine dauerhafte Okkupation des Gazastreifens ist nicht das erklärte Ziel Israels. Auch wenn die Hamas-Führung in Doha mit den Abbas-Vertretern über eine künftige Zusammenarbeit diskutiert, sollte man sich keine Illusionen machen. Die Extremisten unter Yahya Sinwar werden mehr Konzilianz gegenüber Jerusalem verhindern. Schmerzliche Verluste bei den israelischen Streitkräften und eine unerträgliche Steigerung der Opferzahl in der arabischen Bevölkerung blockieren den Weg zu Verhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis. Von der Schaffung eines Palästinenserstaats die Lösung des blutigen Dilemmas im Heiligen Land zu erwarten rückt in den Bereich der Utopie. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um festzustellen, dass aufgrund der Zerstückelung des Westjordanlands durch israelische Siedlungen ein solcher Ausweg längst verbaut ist.
    Willi Nethen, Kempen (NRW)

  • Der Staat Israel hat sein Volk durch den Iron Dome zu beschützen versucht; die Hamas hat »ihr« Volk als Schutzschirm für sich selbst missbraucht. Hätte
    Israel auch so gehandelt und keinen Abwehrschirm aufgebaut, dann wären Tausende Hamas-Raketen in den Wohngebieten der Israelis explodiert – so wie heute israelische Raketen in Gaza explodieren. Mit dem großen Unterschied: Die Palästinenser hätten auf ihren Straßen die Tausenden von toten Juden gefeiert und bejubelt! In Israel gibt es diesen Jubel nicht, sondern eher das Bewusstsein, dass sie wissen, dass sie sich schuldig machen. Und dennoch müssen sie so handeln, denn es geht ums Überleben ihres Landes, das Einzige, das sie nach 2000 Jahren Heimatlosigkeit haben.
    Joachim Schütz, Leonberg (Bad-Württ.)

Einfach und realistisch dargestellt

Heft 50/2023 Leitartikel: Die Welt darf Israel im Kampf gegen die Hamas nicht alleinlassen

  • Melanie Amann beschreibt und bewertet nüchtern und schonungslos die Lage und die Akteure im Nahen Osten. Die Rolle der Arabischen Liga war von Anfang an klar, doch dass die Vereinten Nationen und auch die WHO so plump und schamlos versagten, war nicht zu erwarten. Ein sehr mutiger und fälliger Leitartikel.
    Karl Dieter Schaller, Hamburg

  • Selten war ich mit einem Text so einverstanden. Ich danke Melanie Amann für Ihre klaren und unmissverständlichen Worte.
    Reinhard Egenolf, Freiburg

  • Kompliment an Frau Amann. Ich war begeistert, weil ich noch keinen Artikel gelesen habe, der die Situation so einfach und realistisch dargestellt hat, ohne ideologische Färbung. Und gleichzeitig wurden etliche Nebenfacetten wie zum Beispiel orthodoxe Juden und Araber, die gar nicht an Lösungen denken, angesprochen.
    Cornel Bender, Worms (Rhld-Pf.)

Zwischen Merz und Scholz

Heft 50/2023 Die Härtung des Robert Habeck

  • Lieber Herr Feldenkirchen, »mein lieber Freund und Kupferstecher«, Sie haben zum wieder­holten Male Ihre Qualität unter Beweis gestellt. Vielen Dank.
    Dr. Klaus Swieczkowski, Hildburghausen (Thür.)

  • Wenn man sich zwischen Merz und Scholz entscheiden muss, ist Habeck die bessere Wahl!
    Paul Korf, Hamburg

Fragen der Freiheit

Heft 50/2023 Warum Politiker wie Markus Söder das Gendern verbieten wollen

  • Niemand kann den Menschen vorschreiben, wie und was sie sprechen wollen oder sollen. Weder Söder noch die CSU und andere Schlaumeier. Wir haben in Deutschland weiß Gott andere Probleme. Nur zur Erinnerung: Die CDU/CSU hat unsere Wirtschaft und die gesamte Infrastruktur an die Wand gefahren. Mit der Nichtaussetzung der Schuldenbremse will sie verhindern, dass die jetzige Regierung dies wieder in Ordnung bringt.
    Lothar Wirth, Berlin

  • Wer zum »60igsten Geburtstag« einlädt (sprich: sechzigigsten), wer »in 2023« schreibt, wer das »100-jährige Jubiläum« feiert (gleich doppelt falsch) oder wen eine »70 %-ige« Steigerung freut, der sollte sich über die »Verhunzung« der deutschen Sprache durch Gendersternchen wirklich nicht aufregen.
    Kim Bagus, Dreieich (Hessen)

  • Dass CDU- und CSU-Leute wie Mario Voigt, Boris Rhein, Markus Söder oder Klaus Holetschek gegen das Gendern populistisch Sturm laufen, zeigt ein bedenk­liches Manko an Sensibilität für Fragen der Freiheit. Und es zeigt eine Immunschwäche konservativer Kreise gegenüber den Versuchen der Semi- und Vollnazis in unserem Land, Rechtsaußen-Denke im Mainstream zu etablieren. Oberflächlich betrachtet mag es sich beim Gendern um ein Randthema handeln, doch in Wahrheit bietet es der AfD eine subtile Möglichkeit, identitäre Leitplanken ins alltägliche Weltbild großer Teile der Bevölkerung einzuziehen. Für AfD-Ideologen und -Propagandisten wie Maximilian Krah bedeutet die Alleinherrschaft des generischen Maskulinums nichts weniger als die naturgegebene Dominanz des Mannes über die Frau. Wird das Gendern verboten, erschwert dies die Bewusstseinsbildung für Geschlechterungerechtigkeit, gleichzeitig fällt es leichter, alte Rollenklischees zu konservieren oder zu reanimieren. Zum Glück werden nicht alle Christdemokraten schwach und verraten Freiheiten, wenn ihnen dafür wählertaug­liches Publikum applaudiert.
    Volker Nenzel, Köln

  • Ein viel ärgeres Problem als das Gendern erscheint mir das regelrechte Zerschießen der deutschen Sprache mit englischen Modewortschöpfungen. Diese drastischen sprachlichen Veränderungen, die unseren Lesefluss behindern, haben mit Deutsch rein gar nichts zu tun. Diese Neu- und Kunstsprache wird inflationär erfunden und verwendet. Ob in den Medien, in der Werbung sowieso, im Sport, auch in der Politik; es scheint, als wollte man damit beweisen, wie modern man doch ist. Spricht man in gewissen Kreisen offen dagegen, gilt man sofort als »old school«, als »von gestern«. Da wird dann Toleranz eingefordert. Eine eigene Jugendsprache ist in Ordnung, die gab es schon immer, jetzt aber geht es um das Grundsätzliche. Was uns Normalbürgern und Normalbürgerinnen zugemutet wird, zerstört die deutsche Sprache nachhaltig, junge Leute kennen manche deutschen Begriffe längst gar nicht mehr. So viel zum »Land der Dichter und Denker«.
    Horst Schunk, Coburg (Bayern)

  • Nach Genuss des Artikels hatte ich mein Lachanfall-Soll für die nächsten Wochen mehr als erfüllt. Großartig!
    Siegfried Schuricht, Hamburg

Mehr Empathie wagen

Heft 50/2023 Historiker Trentmann über die Konsequenzen der deutschen »Nie wieder!«-Politik

  • Frank Trentmann bringt das Dilemma der hiesigen Nahostpolitik als Folge der deutschen »Staatsraison« exakt auf den Punkt – und übt Nachsicht mit den politisch Verantwortlichen. Der deutschen Zivilgesellschaft, die sich gern als geschichtsbewusst, aufgeklärt, tolerant und weltoffen feiert, stellt er hingegen ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus – und das zu Recht. Weder den Opfern auf israelischer noch denen auf palästinensischer Seite wird Empathie entgegengebracht, auch nicht den hier halbherzig geduldeten Geflüchteten. Hat sich doch ein mehrheitsfähiges Nar­rativ durchgesetzt, sich selbst als bemitleidenswertes Opfer von »Masseneinwanderung«, importiertem »Sozialbetrug« und einem aus der Geschichte resultierenden »Schuldkomplex« zu betrachten.
    Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Vielen Dank für den Abdruck des Essays von Frank Trentmann. Als Professor für Geschichte an Universitäten in London und Helsinki hat er einen von der deutschen Staatsraison unbelasteten Blick auf den internationalen Umgang mit dem Leid der Palästinenser. Wir Deutschen und insbesondere einige unserer Politiker mit einer gewissen Nibelungentreue zu Israel müssen unbedingt mehr Empathie wagen, wenn wir uns nicht erneut auf der falschen Seite der Geschichte wiederfinden wollen. Das »Nie wieder« gilt für alle Völker.
    Dr. Markus Schöner, Hamburg

Neue Chefin des Start-up-Verbands

Heft 50/2023 Unternehmerin Verena Pausder erklärt im SPIEGEL-Gespräch, warum Frauen selten gründen.

  • Vielen Dank für dieses erquickende Interview. Was für eine kluge und gleichermaßen zu-packende Frau! Hach, das wärmt das Herz – auch das eines »alten weißen Mannes«.

    Dr. Frank, Hürth (NRW)

Fußballer Marius Kunde

Heft 50/2023 Wie der Fußballer Marius Kunde beinahe berühmt geworden wäre

  • Gratulation an Ihren Autoren Josef Saller. Diese Fußball-geschichte über das aussichtsreiche, jedoch sein Ziel nicht erreichende Talent Marius Kunde ist hochinteressant, menschlich und anrührend geschrieben. In unserer aus den Fugen geratenen Zeit brauchen wir mehr solche unauf-geregten SPIEGEL-Beiträge.

    Hans Ilg, Hochdorf (Bad.-Württ.)

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