Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 65 / 66

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die abenteuerliche Flucht der Deutschen aus Kabul, der Bericht einer Mutter zur Diagnose Downsyndrom in der Schwangerschaft und die Frage der weiteren militärischen Unterstützung für die Ukraine – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 32/2022

Das Zeug zu einem Krimi

Heft 31/2022 Titel: Elf Tage in Kabul 

  • Der SPIEGEL scheint ja langsam wieder seinen Job zu machen. Sehr schön.
    Dr. Kajetan Hinner, München

  • Kompliment für die aufregend zu lesende Chronik der dramatischen Ereignisse in Kabul im Sommer 2021. Man darf gespannt auf die weiteren Folgen sein. Es bietet sich ein beschämendes Bild der zuständigen deutschen Ministerien und Behörden. Natürlich muss man den politisch Verantwortlichen von 2021 zugestehen, dass sie im Schatten der USA jeden Anschein vermeiden wollten, die Deutschen würden als Erste aus Afghanistan fliehen. Aber selbst wenn für Deutschland der überstürzte Abzug der Weltmacht USA aus Afghanistan überraschend gekommen sein sollte, muss es doch auch für den Fall eines plötzlich erforderlichen Abzugs Planungen gegeben haben. Man möchte sich angesichts dieses deutschen Durcheinanders nicht vorstellen, wie Deutschland auf einen noch viel größeren militärischen und außenpolitischen Ernstfall reagieren wird.
    Wilfried Mommert, Berlin

  • Ursprünglich wollte ich mir diese neue SPIEGEL-Serie gar nicht erst antun, aber wie vom SPIEGEL gewohnt, liest sie sich nach ein paar Zeilen schon so packend, dass man sofort gefesselt ist. Je weiter ich hier beim Lesen einsteige, ärgere ich mich jedoch zusehends über den typischen jetzigen Dilettantismus und die Unfähigkeit unseres aktuellen Beamtenapparats, mit Krisen umzugehen. Vor allem vor dem Ausland schäme ich mich für diese hoch bezahlten »Krisenversager«.
    Jean Dörnbrack, Berlin

  • Man stelle sich vor, dass neben der irrlichternden Verteidigungsministerin Lambrecht der Außenminister immer noch Heiko Maas wäre. Um Deutschland müsste einem angst und bange werden. Was hat Maas bei seiner Verei­digung als Außenminister geschworen? »Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen werde, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden.« Diesen Amtseid hat Maas grob fahrlässig verletzt, weil er das Chaos in der Afghanistankrise durch Besserwisserei, Ignoranz und Nichts-­tun hauptsächlich verschuldet hat. Das wird der Untersuchungsausschuss beweisen. Maas hat Glück, dass Verstöße gegen den Amtseid nicht juristisch verfolgbar sind.
    Karl-Heinz Jennissen, Aachen

  • Leider werden die Herren Seehofer und Maas niemals wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden können. Schuld haben diejenigen Politiker, die beide Herren gemäß »Peter-Prinzip« auf die Stufe ihrer Inkompetenz befördert haben. Leider scheint dieses Prinzip in der Politik gang und gäbe zu sein. Auch in der jetzigen Regierung gibt es dafür einige Beispiele.
    Jürgen Koritz, Paderborn

  • Was haben wir da nur für Politikerinnen und Politiker? Schon das Amerika-hörige Reingehen mit der Bundeswehr nach Afghanistan war der größte Fehler überhaupt. Und dann der unsägliche Spruch, am Hindukusch werde auch unsere Demokratie verteidigt. Wie kam man denn auf so etwas? Rache für den 11. September, auch wenn sie berechtigt war, ist immer ein schlechter Ratgeber. Was wird erst, wenn wir tatsächlich einmal angegriffen werden? Ich hoffe, wir brauchen dann nicht auch erst ein robustes Bundestagsmandat zum Verteidigungsfall, sonst sind wir sicher schon überrannt.
    Hans-Ulrich Bresch, Cuxhaven (Nieders.)

  • Ihre Beschreibung der Flucht der Deutschen aus Afghanistan hat das Zeug zu einem Krimi oder mindestens zu einem Buch mit Pulitzerpreis-Aussichten. Hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass, wenn es darauf ankommt, nur wenige Verantwortliche den Mut haben, allein eine Entscheidung zu treffen. Die damals verantwortlichen Minister der beteiligten Ressorts konnten sich nicht einigen. Wie soll das werden, wenn wirklich einmal eine bedrohliche Krise eintritt – zum Beispiel, wenn fremde Truppen die deutsche Grenze überschreiten und wir einen richtigen Krieg ausfechten müssen?
    Götz Doll, Köln

  • Der Artikel macht mich fassungslos und wütend ob der Unfähigkeit unserer Verantwortlichen in Berlin. Trotz langfristiger Warnungen lässt man sich auf Kompetenzgerangel ein, statt adäquate Entscheidungen zu treffen. Es fragt sich, wie der Zustand in Berlin und im Weiteren in der gesamtdeutschen Politik aussieht. Angesichts seit Jahren bekannter, aber nicht gelöster Problemfelder, zum Beispiel Lehrer- und Ärztemangel, zerrüttete Infrastruktur oder Bundeswehrmisere, mache ich mir um Deutschland große Sorgen. Von Exzellenz kann keine Rede mehr sein.
    Martin Ingenweyen, Solingen

Plädoyer für das Leben

Heft 30/2022 Pränataldiagnostik: Eine Mutter berichtet vom Schock, als sie erfuhr, dass ihr Sohn das Downsyndrom hat 

  • Mein uneingeschränktes Lob. Ein wichtiger Artikel. Und herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Möge das Kind oft so glücklich sein wie auf dem Foto. Es wird auch oft so glücklich machen.
    Thomas Becker, Detmold (NRW)

  • Ich empfinde größten Respekt vor dem Mut der Autorin, sich ihren Ängsten, ihrer Trauer und ihrer Wut zu stellen, aber auch Dankbarkeit dafür, dass sie mit dem bewegenden Text auf die Problematik von Selektion durch Pränataldiagnostik aufmerksam macht. »Tränen am Anfang und am Ende, dazwischen nur reine Freude«, schrieben Eltern eines Kindes mit Downsyndrom, das an einer Leukämie verstorben ist.
    Dr. med. Wolfgang Eberl, Kinderarzt, Braunschweig

  • Als alter Kinderkardiologe habe ich während meiner gesamten Berufstätigkeit mit behinderten Menschen gearbeitet. Kinder mit Trisomie 21 können nicht barfuß eine Rutsche hochklettern? Unsinn. Ich habe junge Erwachsene erlebt, die in zwei Sprachen Romane lesen konnten, berufliche Erfüllung und Partner gefunden haben und in eigene Wohnungen gezogen sind. Natürlich gab es auch welche, denen es schwerfiel, sich an unsere gesellschaftlichen Normen anzupassen – aber ist das ihr Problem oder das unserer Gesellschaft? Wir grenzen sie mit unserer hilflosen Arroganz aus und behindern ihre Entfaltung. Die disomale Mehrheit unserer Leistungsgesellschaft maßt sich an, über die subjektive Lebensqualität und das Schicksal der Menschen mit Trisomie 21 urteilen zu können, ohne persönliche Erfahrungen mit ihnen gesammelt zu haben.
    Dr. Wolfgang Ram, Bleckede (Nieders.)

  • Selten habe ich ein so liebevolles Plädoyer für das Leben gelesen. Als Sonderpädagoge mit fast 40-jähriger Berufserfahrung liebe ich meinen Beruf genau wegen dieser besonderen Kinder und Jugendlichen wie am ersten Tag. Vielen Dank der Autorin für ihre einfühlsamen Worte. Ich wünsche ihr mit ihrem Sohn ganz viele Ereignisse, die ihre Entscheidung für das Leben untermauern.
    Peter Billmaier, Leiter eines Sonder­pädagogischen Bildungszentrums, Freudenstadt (Bad.-Württ.)

  • Ich habe zwei Kinder – beide ohne Downsyndrom. Auch ich wurde gefragt, ob ich eine Nackenfaltenmessung vornehmen lassen möchte. Auf meine Nachfrage erklärte mir der Arzt leicht verlegen, dass sie dazu dient, ein mögliches Downsyndrom zu erkennen. Ich habe mich dagegen entschieden. Wenn man Kinder bekommt, muss man immer damit rechnen, dass sie nicht »perfekt« werden – wer ist das schon. Erschreckend finde ich, dass die erste Lösung für Ärzte offenbar eine Abtreibung ist und nicht die Information, wo man Beratung und Unterstützung bekommt. Der Artikel zeigt mir, dass es richtig war, keinen Test vornehmen zu lassen. Erspart habe ich mir dadurch eine große psychische Belastung, wie sie die Autorin erlebt hat, trotz der bewusst getroffenen Entscheidung für ihr Kind.
    Name und Wohnort der Redaktion bekannt

  • Auch »normale« Kinder bieten keine Gewissheit auf die Erfüllung elterlicher Wünsche, Sehnsüchte oder Fantasien und werden dennoch zur Welt gebracht. Kinder sind eigenständige Wesen und dabei Schutzbefohlene. Manche eben länger als andere.
    Matthias Suchy, Berlin

  • Betroffenen Eltern wird die Behinderungsdiagnose ihres Kindes oft unter sehr ungünstigen Bedingungen mitgeteilt: telefonisch, im Beisein des Geschwisterkindes, ohne die Anwesenheit des Vaters und ohne die Möglichkeit, das Gegenüber im Gespräch emotional aufzufangen. Viele Eltern werden durch die Wucht der Diagnose regelrecht traumatisiert und brauchen Jahre, um sie zu verarbeiten und ihr Kind annehmen zu können. Ärztinnen und Ärzte sollten wissen, dass sie durch die Art ihrer Diagnose­eröffnung maßgeblichen Einfluss auf die Möglichkeiten betroffener Eltern nehmen können, die Diagnose zu verarbeiten – was sekundär enorme Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung sowie auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes selbst hat.
    Dr. Oliver Paul, Hünxe (NRW)

  • Danke für diesen ehrlichen und tiefgründigen Artikel! Danke für den Mut der Autorin, ihr eigenes Gefühlsleben und ihre inneren Widersprüche zu offenbaren. Vielleicht macht dieser Text anderen Mut, sich auch für ihr ungeborenes Kind, bei dem die Diagnose Downsyndrom lautet, zu entscheiden. Niemand sollte verurteilt werden, egal wie er oder sie sich entscheidet. Aber wir sollten eine Gesellschaft werden, in der jede und jeder willkommen ist und nicht nur die Leistung zählt. Jeder Mensch ist wertvoll!
    Samuel Beckmann, Berlin

Ohne Opfer nicht zu haben

Heft 30/2022 Ukrainekrieg: Der Soziologe Hartmut Rosa über die Moralpolitik der Bellizisten 

  • Welch Wohltat, im SPIEGEL nicht nur Artikel zu lesen, in denen immer mehr Waffenlieferungen an die Ukraine gefordert und keine Gedanken zur Beendigung des Konfliktes geäußert werden. Für mich und all meine Freunde, und das sind keine Querdenker, Reichsbürger oder AfD-Anhänger, sondern Bürger der Mittelschicht, allerdings mit »ostdeutscher Vergangenheit«, ist die Kriegsrhetorik der Grünen ein Graus.
    Kurt Juhl, Pinnow (Meckl.-Vorp.)

  • Auch wenn man Herrn Rosa nicht in allen Details folgen muss, hat er doch zum großen Teil recht. Es kann nur eine diplomatische Lösung geben, und daran muss endlich gearbeitet werden. Die Hoffnung, Russland in einen Siegfrieden schießen zu können, ist pure Illusion.
    Holger Thomsen, Berlin

  • Einem so klugen Menschen wie Hartmut Rosa sollte klar sein, dass es mit Verbrechern keine diplomatischen Lösungen geben kann. Es gibt nur einen Weg: Sie solidarisch auf allen Ebenen zu bekämpfen und auf die Regenerationskraft der russischen Gesellschaft zu hoffen. Ohne Opfer ist dies leider nicht zu haben.
    Gerda Rosenberger, Egenburg (Bayern)

  • Danke, dass Sie widerstreitenden Positionen zum Umgang mit dem russischen Angriffskrieg Raum geben. Damit fördern Sie die so wichtige Tradition der Opposite Editorials (op-eds), mit denen zumindest sichergestellt wird, dass die öffentliche Meinung auch in der veröffentlichten ernst und wahrgenommen wird, ganz gleich, wie man in einer Redaktion mehrheitlich zu ihr stehen mag. Denn Fakt ist, dass die Bellizisten in der Minderheit sind und die Zustimmung zu Waffenlieferungen schwindet.
    Dr. Stefan Röhrbein, Markkleeberg (Sachsen)

  • Diesen Beitrag habe ich herausgetrennt und werde ihn mir gerahmt an die Wand hängen.
    Jürgen Bretschneider, Hohen Neuendorf (Brandenburg)

  • Herr Rosa scheint nicht verstehen zu wollen, warum sich das mörderische und vor allem anachronistische Ukraine-Abenteuer für den Kreml nicht lohnen darf. Der Text ist die Mühe nicht wert, die vorgebrachten Argumente Punkt für Punkt zurechtzurücken.
    Eckhart Boelger, Berlin

Sorge um den sozialen Frieden

Heft 30/2022 Bewegungen: Eskalieren die Proteste gegen höhere Preise? 

  • Ich frage mich, was diese Art von Volk unter einem Umsturz versteht. Diese Typen begreifen nicht, dass eine gewünschte Diktatur genau diese asozialen Krawaller von den Straßen jagen würde.
    Erich Janoschek, Kaiserslautern

Weniger ist Meer?

Nr. 30/2022 Kolumne »Die da unten« – Missgunst, mach mal Pause

  • Einen Zusammenhang von Aufrufen zu sparsamem Ressourcenverbrauch mit dem Begriff »Neid« herzustellen hätte mich bei Alexander Neubacher nicht unbedingt verwundert, umso mehr jedoch bei Frau Clauß.
    Gert Rominger, Hechingen (Bad.-Württ.)

Ist das geheim oder kann das weg?

Nr. 30/2022 Heikle Funde in der Mülltonne des Kanzlers 

  • Danke für den Hinweis, dass Kassenzettel in den Restmüll gehören.
    Doris Niedecken, Berlin

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