Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Unabhängiger von den USA werden
Heft 8/2024 Titel: »Ich würde euch nicht beschützen«
Nicht schon wieder Trump auf der Titelseite. Gefühlt jede zweite Woche muss ich seine Fratze ertragen, bis der SPIEGEL endlich in die Tonne wandert. Sie können über den Narzissten und Gernegroß im Blatt schreiben, so viel Sie wollen, doch den Titel verdient er nicht.
Sabine Lohmann, Stade (Nieders.)Sie fragen: »Und brauchen die Europäer eine eigene nukleare Abschreckung, die ohne die Amerikaner funktioniert?« Wer eine bestmögliche Sicherheit haben möchte, kann nur mit »ja« antworten und darf dann nicht vor unpopulären Maßnahmen zurückschrecken. Frieden schaffen ohne Waffen klappt nur, wenn niemand irgendeine Waffe hat.
Roland Rabusch, Gudow (Schl.-Holst.)Ich bin der Meinung: Deutschland braucht die Bombe nicht, Europa braucht sie!
Jurgen Liebe, Alberta (Kanada)Ich bin dafür, dass Europa aufrüstet. Es war nicht Pazifismus, sondern Egoismus, weswegen wir bisher die Verantwortung für unsere Verteidigungsfähigkeit auf die USA abgewälzt haben, genauer: auf die amerikanischen Steuerzahler. Vor ein paar Jahren hätte ich mir noch nicht vorstellen können, dass ich einmal für mehr Rüstung eintreten würde. Aber inzwischen bin auch ich aufgewacht.
Elisabeth Parzer, Linz (Österreich)Offensichtlich lässt sich diese Frage aktuell nicht mit einem schlichten Ja oder Nein beantworten. Jedenfalls müssen alle Aspekte, die in der aktuellen Titelstory dargestellt werden, sofort mit allen EU- und Nato-Partnern nicht nur intensiv diskutiert, sondern Lösungen herbeigeführt werden. Das wird – trotz der existenziellen Bedrohung – leider schwierig und langwierig werden, aber es ist alternativlos. Allein in Deutschland wird es lange Debatten um die Neugestaltung der Schuldenbremse geben, da die Aufrüstung immense Mittel erfordern wird. Das ist sehr tragisch, und ich befürchte, dass dadurch Mittel für die Linderung anderer existenzieller Bedrohungen wie des Klimawandels gekürzt werden. Klar ist für mich, dass es bald eine glaubwürdige europäische Abschreckung geben muss, denn kein amerikanischer Präsident wird ewig den Schutz Europas mit der jetzigen Belastung für die USA garantieren können. Dazu sind die Bedrohungen im Indopazifik zu groß. Klar ist für mich aber auch: Wir müssen weiterhin diplomatische Lösungen vorantreiben, so aussichtslos das auch aktuell erscheinen mag. Der Pazifismus als Grundvorstellung für die Zukunft darf nicht verloren gehen.
Konrad Roßrucker, Putzbrunn (Bayern)Ich frage mich, was Rudolf Augstein zu diesem Titel und der Frage, ob Deutschland eine Bombe braucht, gesagt hätte. War nicht ein Grund der SPIEGEL-Affäre die klare Distanz zum Bombenbefürworter Strauß? Und ich glaube, wir sollten auch mal damit aufhören, uns bei »den Amerikanern« zu bedanken, dass sie mit ihren Waffen Europa schützen gegen unter anderem »die Russen« – es suggeriert, dass das Imperium USA altruistisch handelt. Ein gutes Nachrichten-Magazin ist nicht dafür da, mir nach dem Mund zu reden. Eine Radikalisierung und Militarisierung des Gedankenguts, das Einreißen der viel beschworenen »Brandmauern« (hier ist nicht »die AfD« gemeint, vielmehr die allgemeine nationalstaatliche, militarisierte und feindbildorientierte Weltanschauung) erschrecken den langjährigen Leser.
Jo Hempel, BonnZur Landes- und Bündnisverteidigung dürfte eine angemessene Fähigkeit im konventionellen Bereich ausreichen. Erhellend ist in diesem Zusammenhang das Interview mit dem US-Strategen Sumantra Maitra auf Seite 18. Er ist davon überzeugt, dass die europäischen Nato-Staaten allein wegen der größeren Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl und somit der Anzahl potenzieller Soldaten auch ohne die USA in der Lage wären, das Bündnisgebiet zu verteidigen. Zudem rät er diesbezüglich ohnehin, unabhängiger von den USA zu werden. Eine mögliche Abkehr der USA von Europa und gegebenenfalls der Nato kann auch eine Chance sein.
Reiner Gorning, HamburgMag sein, dass die USA die Nato verlassen. Und? Später treten sie wieder ein. Wie beim Pariser Klimaabkommen. Trump ist ein Chaos-Twister. Die kommen, machen eine Menge kaputt – und verschwinden wieder. Das Gute: Ab jetzt gibt es kein »I’ll be back« mehr. Never ever.
Peter Limburg, Ralingen-Kersch (Rhld.-Pf.)Europa braucht eine glaubwürdige Abschreckung. Europäische Kernwaffen sollten dazugehören.
Werner Karn, Fürstenfeldbruck (Bayern)
Logische Folge
Frau Morina spricht, wie viele andere, wieder von der Politikverachtung als Gefahr. Das stimmt. Aber solange die regierenden Politiker das eigene Volk mit Arroganz, Ignoranz und nie da gewesener Bürgerferne behandeln, wird sie noch zunehmen. Dazu kommt der Bruch wichtiger Versprechen wie zum Klimageld. Das hat nichts mit rechten Parteien zu tun. Deren Erstarken ist die logische Folge einer solchen Politik.
Ralf Brechtel, Pommelsbrunn (Bayern)Politiker:innen aller demokratischen Parteien sollten in einen Dialog mit den Bürger:innen über den Wert unserer Demokratie im Vergleich zu autokratischen Regimen wie China und Russland eintreten. Die Grund- und Freiheitsrechte, die den Menschen in Deutschland zustehen, gibt es dort nicht. Eine Partei, die durch ihr Tun erkennen lässt, dass sie diese Rechte abschaffen und die Demokratie einschränken will, sollte verboten werden. Niemand im Staatsdienst kann einer solchen Partei angehören. Wichtig ist immer ein Blick ins Geschichtsbuch. Der Aufstieg der NSDAP in den Dreißigerjahren sollte allen eine Warnung sein, die AfD nicht weiter gewähren zu lassen.
Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)Die Meinung von Professor Wirsching, der Rechtspopulismus habe in Deutschland früher eine geringere Rolle gespielt, widerspricht eklatant der historischen Erfahrung. Die dazu skeptische Haltung von Professorin Morina verdient jede Zustimmung. Im Nachkriegsdeutschland wurde die Entnazifizierung schnell beendet: Schon 1950 beschloss der Bundestag das Gesetz zur vollen Wiederherstellung staatsbürgerlicher Rechte mit der Rückkehr der NS-belasteten Beamten, Lehrer und so weiter. 1972 gab es unter Willy Brandt das Berufsverbot (von ihm später bedauert). In Adenauers Kabinetten saßen neben Globke Leute wie Seebohm, von Merkatz, Oberländer, der Geheimdienstchef Gehlen. Auch der bald führende SPIEGEL hatte bewährte NS-Leute wie Horst Mahnke oder Wilfried von Oven in seinen Reihen, oder Georg Wolff. Zwei der Direktoren des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) waren selbst NSDAP-Mitglieder gewesen. Bei der Erforschung der NS-Justiz ließ sich das IfZ so lange Zeit, bis Schuldige nicht mehr erreichbar waren. Und das, obwohl der Sozialistische Deutsche Studentenbund bereits 1959 mit der Ausstellung »Ungesühnte Nazijustiz« den Finger in die Wunde legte.
Prof. Dr. Hans-Jörg Schneider, Saarbrücken
Monströses Staatsversagen
Was für eine herausragende Reportage von Frauke Hunfeld! Spannend und berührend wie ein Juli-Zeh-Roman, aber konzentriert auf fünfeinhalb Magazin-Seiten. Zugleich ein unglaubliches Beispiel, wie monströses Staatsversagen einen bislang offenbar gut funktionierenden Kiez ruinieren kann. Und niemand kann sicher sein, dass so etwas nicht auch jenseits der oft wunderlichen Hauptstadt, im Rest der Republik, möglich ist.
Joerg Helge Wagner, BremenIch finde die Situation insgesamt gut beschrieben, aber seitens des kommunalen Wohnungsunternehmens Gesobau handelt es sich einfach um eine Machtfrage nach dem Motto: »Wollt ihr keine 200 neuen Mieter vor eurer Nase, dann bekommt ihr stattdessen 420 Flüchtlinge. Das habt ihr nun davon.« Von Klimaschutz wird in dieser Stadt immer geredet, und nur den Bürgern werden dafür Opfer abverlangt. Wenn es darum geht, Grünflächen und Bäume zu erhalten, will unter den Verantwortlichen niemand etwas davon wissen. Dafür kommt nun die Stadtverdichtung wie zu Zeiten der Mietskasernen mit acht Hinterhöfen. Diesen Widerspruch kann einem niemand erklären; am wenigsten die Politik.
Rainer Girbig, BerlinDas ist einer der geilsten und zugleich unglaublichsten Artikel, die in letzter Zeit im SPIEGEL erschienen sind! Das ist Deutschland 2024: Leider ist das in fast allen Bereichen so. Auf Rügen behauptet ein Bürgermeister, eine Gasmangellage bestehe nach seiner Überzeugung gar nicht. In einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern wird gegen einen Solarpark mit dem Argument gekämpft, der Investor stamme aus dem Westen. Ja, so weit ist es in Deutschland gekommen! Aber wir sind ja das Volk: Da können wir uns alles erlauben, oder?
Walter Ruschmeier, Sternberg (Meckl.-Vorp.)Es könnte andere Lösungen geben, als eine Stadt, die zum Glück sehr groß an Fläche ist, da zu versiegeln, wo die Menschen nicht wohlhabend sind. Aber an die Upperclass-Bezirke traut man sich nicht ran, obwohl da viel mehr Platz ist. Grundsätzlich sollte man darüber nachdenken, die Zuwanderung in Ballungsräumen zu beschränken. Denn viele junge Menschen ziehen nach Berlin wegen Party und cooler Stadt oder so – ohne der Stadt was zu geben, außer Jugend. Eine Stadt lebt auch davon, dass die Menschen arbeiten und dadurch die Stadt am Laufen halten.
Ingeborg Vintan, KölnEiner der besten Artikel über Deutschland, die ich gelesen habe. Aber auch sehr deprimierend.
Erwin Rosenfeldt, Wildeshausen (Nieders.)
Wichtigste Botschaft: mitspielen!
Heft 7/2024 Eine Mutter, ihr zwölfjähriger Sohn und das Kampfcomputerspiel »Fortnite«
Ein super Artikel, der das Thema sehr gut auf den Punkt bringt. Allein den Hinweis am Schluss, dass gute Noten Voraussetzung dafür sind, das Spiel spielen zu dürfen, finde ich schwierig. Die Möglichkeit, das Spiel zu spielen, sollte unabhängig von schulischen Leistungen sein. Sonst würde das Spiel ausschließlich als Belohnung eingesetzt werden. Davon würde ich dringend abraten. Natürlich muss im Blick behalten werden, dass die Zeit, die fürs Spielen aufgewendet wird, nicht zulasten des Arbeitens für die Schule geht. Aber die Entscheidung, ob ein Spiel grundsätzlich gespielt werden darf, sollte anhand der im Artikel beschriebenen Kriterien bewertet werden und nicht danach, ob das Kind gut oder schlecht in der Schule ist.
Antje vom Berg, DüsseldorfDie wichtigste Botschaft lautet: mitspielen! Ich bin übrigens Jahrgang 1961, meine Kids aus den Achtzigern und Neunzigern spielen immer noch gern mit mir, sind inzwischen Ingenieur und Ärzte.
Dietmar Steinkamp, Schönwalde (Brandenb.)Ich habe den Artikel anfangs mit großem Interesse und dann mit großem Entsetzen gelesen. In diesem Text verhandeln Sie ohne hinreichende Diskussion oder Recherche ausschließlich Ihre private Muttersorge und lassen diese dann von zwei »Experten« für Sie und uns Eltern alle entkräften. Also wenn ich das richtig verstanden habe: Ihr Kind darf jetzt ruhig zocken, und Sie zocken dann einmal pro Woche ein paar Stunden mit? Irrtum. So einfach machen wir uns das mal bitte doch nicht. Was ist mit realen Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche machen könnten? Mit echten Menschen? An der verdammten guten alten frischen Luft? Was ist mit den Millionen Jugendlichen, die bereits mediensüchtig, depressiv oder sozial auffällig sind?
Barbara Ehwald, BerlinVielen Dank für diesen tollen Artikel. Endlich hat jemand bemerkt, wie relevant dieses Thema ist.
Armand Delmar, München
Nicht einen Tag bereut
Heft 7/2024 Schwierige Integration der Ukrainer in den Arbeitsmarkt
Ich wohne in einer kleinen Gemeinde im Landkreis Ammerland, Niedersachsen. Mit ziemlicher Verwunderung habe ich den Artikel über Frau Rieger und ihre Erfahrungen mit einer aufgenommenen ukrainischen Familie gelesen, da meine Erfahrungen völlig anderer Natur sind. Ich habe im April 2022 zunächst eine geflüchtete Ukrainerin mit ihrer Tochter aufgenommen, später kamen dann noch zwei weitere Ukrainerinnen dazu. Ich habe diese Entscheidung nicht einen Tag bereut. Die Ukrainerinnen haben mit viel Energie die deutsche Sprache erlernt (bereits nach einem Jahr waren die ersten Gespräche ohne Übersetzungsgerät möglich), sie haben Integrationskurse besucht und zusätzlich noch Minijobs angenommen, weil sie nicht auf Kosten der Gesellschaft leben wollten.
Carsten Brucks, Edewecht (Nieders.)Mir fällt auf, dass gerade die Menschen, die wenig Platz haben, immer wieder helfen. Ist denn kein Platz in den Villen dieser Republik?
Karin Pauly, Wiesbaden
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