Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Ampel kaputt – rechts vor links
Heft 46/2024 Titel: »Ich möchte nicht mehr, dass du meinem Kabinett angehörst«
Hallo Titelredaktion, man hätte beide Ereignisse, US-Wahl und Ampel-Aus, treffend zusammenfassen können. Ein Bild des schmunzelnden Putin; Textzeile: »Läuft!«
Jan Ehlert, Bad Wörishofen (Bayern)Christian Lindners Rauswurf war schon lange überfällig. Es geht nicht an, Teil der Regierung zu sein und Verantwortung zu tragen, aber gleichzeitig öffentlich Opposition zu spielen und für kleine Wählergruppen Sonderregeln einzufordern.
Claus Burmester, Stapelfeld (Schl.-Holst.)Ohne über das Papier von Lindner zu diskutieren, hat der Kanzler die Koalition rücksichtslos beendet, obwohl die schwache und zerstrittene Regierung das ausschließlich diesem unfähigen Kanzler verdankt. Das Volk sollte Lindner dankbar sein für die Schuldenbremse und die Vorschläge zur Verbesserung der Wirtschaft.
Dieter Mehlis, Hage (Nieders.)Eine Bundestagswahl im ersten Quartal eines Jahres hat auch ihr Gutes. Die Volksfest- und Kirmessaison hat noch nicht begonnen. Der Bierzeltwahlkampf mit seinen unsachlichen und unsäglichen Haudrauf-Parolen fällt somit aus.
Roland Sommer, Diedorf (Bayern)Das Scheitern der Ampel ist eine Steilvorlage für die Populisten in unserem Land. AfD und BSW lassen schon einmal die Sektkorken knallen.
Rainer Eck, NürnbergIn der Politik ist es jetzt wie im Straßenverkehr: Ist die Ampel kaputt, gilt wieder rechts vor links.
Martin Sauter, Bad Rappenau (Bad.-Württ.)Viel mehr als die Frage, ob ein Herr Lindner einer nur noch in Agonie dahinvegetierenden Ampelregierung angehört oder nicht, beschäftigt mich die Frage: Wie hält es eine CDU/CSU-geführte Nachfolgeregierung mit unserem Grundgesetz? Wenn Artikel 1 unserer Verfassung nach und nach keine Rolle mehr spielt? Bezieher von Sozialleistungen diffamiert und zur sozialen Verachtung freigegeben werden, obwohl die Verfassung unsere Bundesrepublik als sozialen Bundesstaat festschreibt? Wenn das individuelle Recht auf Asyl abgeschafft wird und Migrationswillige in Menschenrechte verachtenden, autoritär geführten Ländern gegen europäisches Geld zurückgehalten, in Lagern gefoltert und in Wüsten getrieben werden, wo sie verhungern und verdursten müssen? Das interessiert mich. Und nicht das Verhalten testosterongeschwängerter Politiker.
Josef Gegenfurter, Schwabmünchen (Bayern)Glänzende Bilanz – jeder der vier SPD-Kanzler musste vorzeitig aus dem Amt.
Walter Berchtold, Fürstenzell (Bayern)Mit seiner Rauswurf-Rede hat sich der Bundeskanzler endgültig und unwiderruflich disqualifiziert.
Dieter Hein, Norderstedt (Schl.-Holst.)Diese Woche war der SPIEGEL mal wieder »Das deutsche Nachrichten-Magazin« (Print & online), und ich bin froh, dass ich es seit Jahrzehnten abonniert habe. Weiter so!
Ralph Mistler, Pirmasens (Rhld.-Pf.)
Das war eine bewusste Entscheidung
Heft 46/2024 Donald Trump kehrt zurück ins Weiße Haus / Leitartikel: Donald Trumps Wahlsieg markiert das Ende des Westens
Mit der Wahl zum US-Präsidenten betritt zum 20. Januar 2025 mit Donald Trump einer der mächtigsten Politiker der einzelnen Nationen, dieses Mal als verurteilter Straftäter, erneut die politische Weltbühne. Man kann nur hoffen, dass er und seine ebenfalls machtbesessenen Gefolgsleute wie Elon Musk, Richard Grenell, Mike Pompeo, Robert F. Kennedy, Stephen Miller und so weiter nicht die eigene ruhmreiche Selbstdarstellung, sondern eine humane, ökologisch nachhaltige zukünftige Weltwirtschafts- und Friedensordnung anstreben.
Hans-Jürgen Ferdinand, AachenEines muss man dem neuen US-Präsidenten Donald Trump lassen, er beweist eine beachtliche Spielstärke. Die wird er auch weiterhin brauchen gegenüber mächtigen Gegenspielern wie zum Beispiel Putin oder Xi Jinping. Die stets uneinigen Europäer aber müssen sehr aufpassen, wollen sie nicht über den Tisch gezogen werden oder zwischen die Fronten geraten.
Dr. Hans Christian Hummel, HannoverIch finde es sehr schade, dass dieses Wahlergebnis mit den üblichen Schuldigen erklärt wird. Es seien Biden, der zu spät abgedankt habe, die mangelnde Eignung von Harris und die rechten Propagandasender in den Medien. Diese Erklärung zeigt das eigentliche Drama dieses Wahlergebnisses nicht. Die USA wählen einen verurteilten Straftäter, der sich nicht nur verbal alles erlauben darf. Es ist eine bewusste Entscheidung für Trump und die »Errungenschaften« seiner ersten Amtszeit. Was sagt so etwas über mündige Bürger und ihre Wertschätzung von Demokratie aus?
Liliane Jung, Prangins (Schweiz)Herr Kurbjuweit hat nicht unrecht, wenn er im Leitartikel feststellt, dass mit dem Einzug Trumps ins Weiße Haus das Ende des Westens, der losen Gemeinschaft der Industriestaaten, gekommen ist. Auch seine Analyse, dass die linke Mitte diesseits und jenseits des Atlantiks wichtige Themen wie die Sorge um den sozialen Abstieg vernachlässigte, ist wichtig. Allerdings lässt er dabei die Tatsache außer Acht, dass der sogenannte liberale Westen zu seinem allgemeinen Wohlstand oft nur durch unfaire Handelsbeziehungen und exorbitanten CO2-Ausstoß kam – zulasten zahlreicher anderer Staaten. Diese wurden manchmal auch Opfer von Kriegen, die vom Westen ausgingen (unter anderen Vietnam, Irak). In den nächsten vier Jahren bekommen nun auch wir eine Ahnung von Unsicherheit und Wohlstandsverlust.
Reiner Gorning, Hamburg
Reaktionen testen?
Heft 45/2024 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand
Schön dem woken Zeitgeist entsprechend, verhöhnt Herr Feldenkirchen wieder mal mit verunglückter Ironie »den unterdrückten und zensierten weißen Mann im fortgeschrittenen Alter«. Um dann einige Sätze später das Wort »Indianer« als diskriminierend zu definieren. Wie so oft im linken Lager: Doppelmoral in Reinkultur. Beim SPIEGEL nennt sich das dann »Der gesunde Menschenverstand«.
Uwe Fuhrmann, Monschau (NRW)Wenn ich am Samstag meinen Abo-SPIEGEL erhalte, schaue ich immer zunächst nach, ob Herr Feldenkirchen mal wieder eine Kolumne geschrieben hat. Ich zähle ihn zu den Coolsten und Aufgeklärtesten seiner Zunft – und freute mich, dass er sich einem Thema zuwendet, über das ich erst Tage zuvor den Kopf geschüttelt hatte. Am Schluss seines Beitrags war ich total enttäuscht. Wer eine »Sprachpolizei« bei der Stadtverwaltung sucht – so irgendwo zwischen Standesamt und Fundbüro – war vielleicht nicht so ganz »woke« an diesem Tag. Sollen diese Jubelchöre doch ein anderes Lied singen, anstatt den 40 Jahre alte Klassiker von Udo Lindenberg zu verstümmeln. Oder besser gar keines: »Lieber nicht singen als falsch singen«. Vielleicht hat der coole Herr Feldenkirchen ja nur provozieren wollen, um Reaktionen, wie meine, zu testen. Ich würde es ihm zutrauen und mir wünschen.
Frank Wenzky, Erlangen
Irrläufer der Evolution
Heft 45/2024 Warum die Folgen eines Atomkriegs noch schlimmer wären als befürchtet
Nachdem Ihr Magazin die ungeahnten Schrecken eines Atomkriegs aufgezählt hat, will ich hier auf eine Dimension aufmerksam machen, an die bisher niemand gedacht hat: Es ist die Frage, wie lange ein Atomkrieg dauert. Meine Antwort: Er dauert höchstens eine Stunde, dann liegt die ganze Welt in Trümmern.
Nico Thewes, Luxemburg (Luxemburg)Der gefährlichste Irrsinn in der bisherigen Menschheitsgeschichte ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die möglichen fünf Milliarden Folgetoten ins Kalkül gezogen werden, aber nicht die endlose Zahl an anderen Tieren, Pflanzen, Pilzen und all den anderen Organismen, die evolutionär weit erfolgreicher waren als unsere Spezies. Bezeichnenderweise droht sich dieser Irrläufer der Evolution selbst auszurotten.
Günther Witzany, Bürmoos (Österreich)Ich wünschte, ich hätte diesen Artikel nicht gelesen. Angesichts des von Millionen von Blinden, Tauben und Dummen erneut gewählten Riesenbabys in den USA und der im Artikel aufgeführten Szenarien fühle ich mich, als würde ich in der forensischen Psychiatrie arbeiten, und die Insassen hätten gerade sämtliche Schlüssel an sich gebracht. Bisher gab es noch Orte auf dieser Welt, an denen ich mich sicher gefühlt habe. Nach dem Lesen Ihres Artikels gibt es sie nicht mehr.
Anne Essmann, Berlin
Ost-Abenteuer-Berichterstattung
Heft 45/2024 Besuch bei den West-Reportern, die nach dem Mauerfall in den Osten fuhren
Als SPIEGEL-Leser der ersten Stunde (für mich 1990) und Abonnent ist das genau der Geist der Ost-Abenteuer-Berichterstattung, der seitdem vorherrscht. Was man selbst nicht versteht, muss man halt an seine Meinung anpassen. Leider gibt es keine nennenswerten Beiträge aus östlicher Sicht. Aber das ist keine Beschwerde. Warum sollte es in der Presse anders sein als in der Wissenschaft, der Industrie, der kommunalen Verwaltung, der Polizei, der Justiz oder in dem weiten Feld des Grund-/Wald-/Immobilien-/Firmenbesitzes?
Michael Riemenschneider, Oettersdorf (Thür.)Ein ganz kleines bisschen schlägt in mir ein Ossiherz. Und von der Fortschrittlichkeit, die in Bezug auf Frauen, Familie, Arbeit und Kinderbetreuung im Osten geherrscht hat, könnten wir uns auch heute noch gut eine Scheibe abschneiden. Auch wenn’s dem Aufbau des Sozialismus diente, die Idee ist ja trotzdem gut.
Carola Hecht, Wassertrüdingen (Bayern)»Der Ostler, der nach dem Fall der Mauer ein neues Land betrat, ist oft genug beschrieben worden. Mich würde interessieren, woran sich die Westler erinnern, die damals kamen.« Allein dafür – und überhaupt – Chapeau, Alexander Osang!
Olaf Meyer, Dresden
Blöder Artikel
Heft 45/2024 Der Vatikan lässt ein niedliches Manga-Maskottchen die frohe Botschaft vom heiligen Jahr 2025 verkünden
Wer verkaspert in diesem Artikel eigentlich wen? Der Vatikan den SPIEGEL? Oder der SPIEGEL seine Leser? Luce und Lucifer haben natürlich nichts miteinander zu tun? Licht und Lichtträger. Aus Raider wird Twix, sonst ändert sich nix.
Rolf Hilmes, Rotenburg an der Fulda (Hessen)Wenn ein durch und durch blöder (ich wähle das Wort mit Bedacht) Artikel ein durch und durch blödes (dito) Maskottchen zum heiligen Jahr bekrittelt, dann ist das ein brimboriales Ereignis, das wunderbar zum »Es geht um alles«-Titel passt. Jeder kann im Gottesdienst seinen Verstand wiederfinden, wo denn sonst.
Norbert Hilden, Akademie für Religionslehre, Senden (NRW)Nach treffendem Auftakt im ersten Absatz Ihres Beitrags (nach bester SPIEGEL-Manier) kam ich im zweiten Absatz doch ins Stolpern: Der am Kreuz für unsere Sünden gestorbene Jesus Christus wird hier von Ihnen als »in die Jahre gekommenes Maskottchen« bezeichnet. Das will ich als gläubige Christin, ökumenisch und sehr liberal unterwegs, denn doch nicht hinnehmen. Stellen Sie sich vor: Es gibt durchaus noch Menschen, auch SPIEGEL-Leser:innen, denen der gekreuzigte Christus etwas bedeutet und für die auch ein Gottesdienst keineswegs »Brimborium« darstellt, sondern eher ein Unterwegssein und Treffen mit Gleichgesinnten. Ihre Wortwahl möge Ihnen »jenes höhere Wesen, das wir verehren« (Heinrich Böll in einem seiner Werke) vergeben – mir ist sie ziemlich sauer aufgestoßen.
Marianne Feldes, Wiesbaden
Schreiben Sie noch mehr!
Heft 45/2024 Wie eine Aldi-Werbung einen Sturm der Liebe bei Gastarbeiterkindern auslöst
Vielen Dank an Özlem Gezer für den wunderbar emotionalen und ehrlichen Artikel. Und danke auch an die PR-Macher von Aldi für die schöne Werbung. Übrigens ist das kein türkisches Problem, dass man ungern mit Aldi-Tüten durch die Stadt läuft. Und auch ich liebe Nussknacker-Schokolade. Danke, und hoffentlich schreiben Sie noch mehr Artikel, die uns ehemals türkische oder noch türkische Mitbürger näherbringen.
Gisela Kuhr, Waldshut-Tiengen (Bad.-Württ.)
Das Märchen vom putzigen Wolf
Heft 45/2024 Warum ein Pferdezüchter bei Cuxhaven Wölfe fürchtet
In Afrika sind die Menschen in der Lage, sich gegen Löwen, Hyänen und andere Tiere zu schützen. In Deutschland könnte man sich mit Schlehen, Brombeerhecken und Kletterrosen gegen den Wolf schützen. Das ist aber zu einfach. Man wartet ab und mault dann rum.
Fritz Hiltner, Cramme (Nieders.)
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