Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Wir begreifen erst, wenn es zu spät ist
Heft 32/2024 Titel: Die Sonne
Trotz der alljährlichen Ermahnungen, sich hinreichend gegen Sonneneinwirkung und Hitze zu schützen, wird es auch weiterhin Schädigungen und Hitzetote geben. Ist die Benennung unserer Art als »Irrweg der Evolution« wirklich falsch, oder trifft sie nicht richtigerweise den Kern nicht nur dieses Problems?
Manfred Schüsseler, Weilerswist (NRW)Ich komme aus der ehemaligen DDR. In meiner Jugend waren wir uns der Gefahr durch die Sonne kaum bewusst. Staatlich verordnete Arbeits- und Ernteeinsätze waren oft mit mehrstündigem Aufenthalt in praller Sonne verbunden. Inzwischen bin ich aufgeklärt und schütze mich, so gut es nur geht. Ich brauche ungeschützt nur zehn Minuten, um zu verbrennen, deshalb habe ich inzwischen Vorstufen des weißen Hautkrebses auf dem kahlen Schädel. Das habe ich vor Kurzem sehr schmerzhaft, aber ohne Erfolg behandeln lassen. Im Sportstudio sehe ich viele Leute im mittleren oder reiferen Alter, die gar nicht genug echte oder künstliche Sonne bekommen können. Mit der Sonne halten wir Deutschen es wie mit dem Klimawandel – wir begreifen es erst, wenn es zu spät ist.
Jörg Kärst, Büdingen (Hessen)Der Leitsatz zu dem Thema sollte heißen: »Wir werden die Sonne in Zukunft fürchten.« Was wir seit Jahren erleben, das ist nur der Anfang einer nicht mehr zu ändernden Entwicklung der Sonneneinstrahlung und somit des Klimas. Die Sonneneinstrahlung birgt schon jetzt allein für die Haut viel größere Risiken als vor Jahrzehnten. Die gesunkene Absorbierung durch unsere schützende Hülle auf der Erde ist der Grund. Das ist von Menschen gemacht. Die Sonne war immer ein Freund des Menschen, wird aber in Zukunft zu unserem Feind werden. Einem Feind, dem wir nicht böse sein dürfen, einem Feind, der uns nur an unsere Unzulänglichkeiten erinnern wird. Diese Sonne wird in Zukunft sehr viele Menschen sterben lassen, viele Menschen nicht mehr dort leben lassen, wo sie jetzt leben. Daher: Fürchte nicht die Sonne, sondern fürchte den Menschen.
Thomas Hartmann, Langen (Hessen)Gab es nicht vor wenigen -Wochen noch einen Artikel im SPIEGEL, der auch die positiven Effekte der Sonne auf den Menschen differenziert aufgezeigt hat? Lesen die Autoren eigentlich das eigene Magazin?
Daniel Rogge, Düren (NRW)
Niemand wird zum Gendern gezwungen
Heft 31/2024 Der Kulturkampf ums Gendern
Der ausschlaggebende Grund für die Nutzung der Gendersprache bleibt unerwähnt: dass sich deren Anwender vom Gros der Bevölkerung abheben wollen. Moralisch fühlen sich die Nutzer auf der richtigen Seite und somit über jede Kritik erhaben. Über die negativen Auswirkungen des Genderns – unter anderem die Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten, Einstieg in die absolute Intoleranz – macht man sich sowieso keinerlei Gedanken.
Helmut Stadermann, RegensburgOh, Mann! Habt Ihr denn keine anderen Probleme? Wie lange sollen wir noch die Angst des Patriarchats vor dem Verlust seiner Privilegien teilen, die ihm das Gendern so gemein wegnimmt? Niemand (und niemandin!) wird zum Gendern gezwungen, schon vergessen? Aber zum Hetzen scheint es allemal opportun, und alle männlich geprägten Institutionen – inklusive der Politik – tun so, als stünde der Untergang des Abendlands bevor. Kümmert Euch endlich um die wirklichen Probleme wie Schulen, Kitas, Wohnungen, medizinische Versorgung, öffentlicher Nahverkehr und so weiter. Ach ja: Das Klima wird mit dem Abschaffen des Genderns auch nicht besser.
Dr. Angela Graf, HamburgDer umfassende Bericht spricht auch an: Die Hamburger Bürger können sich ab dem 8. August in Unterschriftenlisten eintragen, um Stimmen für ein Volksbegehren zu sammeln, das die Gendersprache in Schulen und Behörden verbieten soll. Doch die Frist für das Begehren bis zum 28. August liegt exakt mitten in den Hamburger Sommerferien. Das kann kein Zufall sein. Sie ist offenbar vom rot-grünen Senat bewusst gewählt worden. Damit werden Tausende Eltern schulpflichtiger Kinder gar nicht erst informiert. Diese Gruppe bleibt somit von einem möglicherweise entscheidenden nächsten Abstimmungsprozess ausgeschlossen, da sie in den Urlaub aufgebrochen ist. Exakt am letzten Ferientag endet die Frist, sich in die Unterschriftenlisten einzutragen. Ein geniales Kalkül.
Irene Barbuceanu, Hamburg
Bitte weiter solche Berichte
Heft 31/2024 Die weltbekannte Uhrenstadt Glashütte im Erzgebirge wurde zur Hochburg der AfD
Endlich mal kein pauschales Sachsen-Bashing. Irgendwie kommt mir sehr vieles bekannt vor aus meiner Heimatgemeinde in Rheinland-Pfalz. Auch wir haben hier 1700 Einwohner und keinen Bäcker mehr vor Ort. Der hiesige Supermarkt schließt zum Jahresende. Der Unterschied: Wir hatten nie ein Schwimmbad, und wir haben keine Gewerbesteuereinnahmen von 5,8 Millionen Euro. Bitte weiter solche Berichte aus dem ländlichen Raum. Ost wie West, egal, Deutschland ist nicht nur Berlin und Hamburg.
Gunter Freund, Jugenheim in -Rheinhessen (Rhld.-Pf.)Wow! Damit hatte ich nicht gerechnet, merke ich gerade. Ihr Beitrag hinterlässt ein beeindruckend wohltuendes Gefühl, ja: Gefühl. Ich überlege gerade noch, warum. Vielleicht weil ich mich als Leser nicht dazu eingeladen fühle, eine viel zu oft überheblich-tendenziös anmutende Haltung eines Artikels teilen zu sollen? In jedem Fall ist der Text ein wunderbares Gegenbeispiel für das, was mir am SPIEGEL seit mehr als 40 Jahren aus dem einen oder anderen Grund immer wieder aufstößt – eine teils schmerzhaft besserwisserisch-unausgewogene, manchmal triumphierend anmutende Haltung des »Seht her, wir haben doch noch eine schlechte Nachricht mehr gefunden«.
Kim Sen-Gupta, Limeshain (Hessen)Im östlichen Erzgebirge ist es natürlich besonders schön. Obwohl dort oft genug die Glashütte abbrannte. Und die Leute vor Ort im Wahllokal besonders gern bei Rechts-außen-Parteien ihr Kreuz machen. In Frankreich, in Italien und nicht zuletzt in den USA soll es übrigens nicht viel anders sein. Trotz der vielfältigen Reize, über die diese Länder verfügen, marschieren auch dort Populisten – zumeist von ganz rechts – immer zahlreicher in die Länderparlamente. Woran kann das liegen? Vielleicht daran, dass eine in grauer Vorzeit vorhandene mentale Bindung zwischen Wahlberechtigten und Abgeordneten aus der Mitte längst abhandengekommen ist? Also, Politikerinnen und Politiker: Hört einfach mehr dem Volk zu, und schiebt längst sichtbar gewordene Probleme nicht weiterhin in gut abschließbare Schubladen. Es lohnt sich eventuell.
Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)Wenn man all das übertriebene Uhrig-Plakative, das streckenweise ins Product-Placement zu kippen droht, weglässt, ist die Reportage von Herrn Dachsel durchaus lesenswert.
Anton Leo, HamburgEin sehr guter Artikel. Seriös vor Ort recherchiert, kompetent mit Hintergrundinformationen ausgestattet, ausgewogen argumentiert, anregend statt belehrend verfasst – und nicht zuletzt witzig geschrieben.
Andreas Scherer, Zug (Schweiz)
Leidende Legenden
Heft 31/2024 Extremsport 400-Meter-Lauf
Danke für diesen Text von Herrn Fichtner. Seine journalistischen Fähigkeiten sind der Grund, warum ich mich an Berichten wie zum Beispiel über 400-Meter-Läufer erfreue, obwohl ich mich für Sport überhaupt nicht interessiere.
Jutta Wehmeyer, Düsseldorf
Das große Grauen
Heft 31/2024 Von der Sehnsucht nach bunten Neuwagen
Sehen und gesehen werden ist ein Grundsatz der Verkehrssicherheit. Zum Gesehenwerden passen keinesfalls Autofarben, die ähnlich wie die Fahrbahn aussehen. Aus diesem Grund müssten helle, leuchtende Farben beinahe schon zur Pflicht werden.
Horst Schunk, Fahrlehrer i. R., Coburg (Bayern)
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